{"id":7752,"date":"2025-05-21T21:34:51","date_gmt":"2025-05-21T19:34:51","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7752"},"modified":"2025-05-21T21:34:51","modified_gmt":"2025-05-21T19:34:51","slug":"was-meine-freundin-gerne-hoert-die-musikkolumne-john-coltrane-1926-1967","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/was-meine-freundin-gerne-hoert-die-musikkolumne-john-coltrane-1926-1967\/","title":{"rendered":"Was meine Freundin gerne h\u00f6rt \u2013 die Musikkolumne: John Coltrane (1926- 1967)"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Was-meine-Freundin-gerne-Logo-111.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Was-meine-Freundin-gerne-Logo-111.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4578\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Onkel Rosebud<\/p>\n\n\n\n<p>Unvorstellbar, obwohl schon fast 60 Jahre tot, John Coltrane k\u00f6nnte heute theoretisch noch leben, abseits von Dancefloor-Jazz und Kuschel-Rock, von Easy Listening, Pop-Klassik zum Tr\u00e4umen und Vivaldi f\u00fcr Gestresste. Er k\u00f6nnte noch leben, hundertj\u00e4hrig, in seinem eigenen musikalischen Universum, und trotzdem wie alle demokratisch ereilt von dieser akustischen Kontaminierung des Alltags durch den Ohrenschmaus aus Aufz\u00fcgen, Kaufh\u00e4usern, Wartezimmern, Restaurants: Ein Triumph der Musik und ihrer Ausbreitung im Leben, und zugleich ihre \u00dcberf\u00fchrung ins Massengrab der Belanglosigkeit. Was w\u00fcrde er wohl heute dazu sagen?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Denn John Coltrane glaubte, das Universum in die Musik zu bringen und die Grenzen des H\u00f6rbaren erweitern zu m\u00fcssen. Auch er wurde zeit seines Lebens von Stimmen begleitet, die ihn verachtet, herabgesetzt, ja diffamiert haben. Von L\u00e4rmbel\u00e4stigung war die Rede, von der Zerst\u00f6rung der Musik und kakophonischer Verwirrung. Der, der selbst niemanden hasste, wurde gehasst f\u00fcr die Obsessionen seines Spiels. Die Aggression, die er ausgel\u00f6st hat, h\u00e4ngt vielleicht auch mit der Freiheit zusammen, die er artikuliert, mit der Unbeirrbarkeit, die er verk\u00f6rpert hat. F\u00fcr dieselbe ist er geliebt, gefeiert, von manchen fast wie ein Heiliger verehrt worden. Den Weg seines musikalischen Lebens und Nachlebens begleiten die Stimmen derer, die ihm einige der gl\u00fccklichsten und tiefsten Erfahrungen mit Musik \u00fcberhaupt verdanken. Zu denen geh\u00f6re n\u00e4mlich auch ich.<\/p>\n\n\n\n<p>John Coltrane starb 1967. Da war ich noch nicht einmal geboren. Trotzdem bin ich \u00fcber seinen Tod immer noch nicht hinweg. W\u00fcrde er noch leben, k\u00f6nnte ich ihn mir nicht als Assistenzmusiker vorstellen, nicht als einen, der Standards wieder aufnimmt, Coverversionen kompostiert, eigene Bestseller neu arrangiert. Ich kann mir Coltrane auch heute nur als den Paten einer neuen Musik vorstellen, einen verr\u00e4tselten Weisen, einen Alten auf der Schwelle zu einem neuen Territorium des H\u00f6rbaren, das er selbst immer weiter vor sich aufrollt. Denn genau das war seine Anstrengung \u00fcber weit mehr als die H\u00e4lfte seines vierzigj\u00e4hrigen Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>Coltranes Musik fehlt, weil sie radikal war, weil sie sich allein der Seele der Musik verpflichtet f\u00fchlte und nicht zuletzt aus dem schlichten, aber gewichtigen Grund, weil sie nicht kommerziell war. Trotz aller Besch\u00f6nigungen ist dies wahrscheinlich die Frage, die alle kulturellen Produktionen kategorisch unterscheidet: Wollen sie prim\u00e4r verk\u00e4uflich sein, oder wollen sie prim\u00e4r ihr Medium erkunden, es ver\u00e4ndern und umbilden? Nicht auszudenken, welche Kultur entst\u00fcnde, m\u00fcsste sie nicht verkauft werden. John Coltrane ist der Inbegriff des unkommerziellen Musikers, und er ist auf dem Weg \u00fcber die Grenzen dessen hinaus, was man als Musik vor ihm kannte, auch zu einem der befreiendsten Musiker der Musikgeschichte geworden. Man kann ganz einfach und pathetisch sagen: Nach ihm war in der Musik nichts mehr wie zuvor. Er hat das Gesicht der Musik ver\u00e4ndert, er hat es f\u00fcr alle Zeiten ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>Man sollte also nicht verlangen, ihn, den K\u00f6nig des Tenorsaxofons, sofort, an jeder Stelle und auf Anhieb verstehen zu k\u00f6nnen, man sollte ihm nicht mit dem Konsumverhalten begegnen, das die millionenschweren Ohrwurm-Produktionen des Pop-Adels erlauben, vielmehr sollte man sich bei der Durchquerung des Werkes von John Coltrane auf eine lange Reise gefasst machen, eine Reise durch den ganzen Horizont eines Lebenswerkes wie in die Tiefe der Musik selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Onkel Rosebud<\/p>\n\n\n\n<p>P.S.: Dieser Text ist in Teilen inspiriert von einem l\u00e4ngeren Aufsatz von gro\u00dfen Roger Willemsen. Auch er fehlt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Onkel Rosebud Unvorstellbar, obwohl schon fast 60 Jahre tot, John Coltrane k\u00f6nnte heute theoretisch noch leben, abseits von Dancefloor-Jazz und Kuschel-Rock, von Easy Listening, Pop-Klassik zum Tr\u00e4umen und Vivaldi f\u00fcr Gestresste. 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