{"id":7680,"date":"2025-05-08T21:04:09","date_gmt":"2025-05-08T19:04:09","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7680"},"modified":"2025-05-08T21:04:09","modified_gmt":"2025-05-08T19:04:09","slug":"kruegerglantzquartett-alles-gut-kgq-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/kruegerglantzquartett-alles-gut-kgq-2024\/","title":{"rendered":"Kr\u00fcgerglantzquartett \u2013 Alles gut \u2013 KGQ 2024"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Kruegerglantzquartett-Alles-gut-LP-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"473\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Kruegerglantzquartett-Alles-gut-LP-1024x473.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7681\" srcset=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Kruegerglantzquartett-Alles-gut-LP-1024x473.jpg 1024w, https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Kruegerglantzquartett-Alles-gut-LP-300x139.jpg 300w, https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Kruegerglantzquartett-Alles-gut-LP-768x355.jpg 768w, https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Kruegerglantzquartett-Alles-gut-LP-1536x709.jpg 1536w, https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Kruegerglantzquartett-Alles-gut-LP-2048x946.jpg 2048w, https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Kruegerglantzquartett-Alles-gut-LP-500x231.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (08.05.2025)<br><br>Zehn Jahre Kr\u00fcgerglantzquartett \u2013 das eigentliche Duo aus Christian Kr\u00fcger und Peter M. Glantz, das live per Projektion als bis zum Oktett hin auftritt, ist inhaltlich wie visuell ironisch, widerspr\u00fcchlich, paradox, abstrakt mit seiner electrobasierten theatralischen Kunstpopmusik, die es auf bisher drei Alben ver\u00f6ffentlichte. Der runde Geburtstag nun ist der Anlass, ein Extrakt davon als Schallplatte herauszubringen: \u201eAlles gut\u201c entlarvt die Doppelb\u00f6digkeit der Texte bereits im Titel, denn das Duo mag diese Floskel nicht. Man selbst hingegen kann aber nicht anders, als diese Musik zu m\u00f6gen. Gl\u00fccklich, wer im Dezember die Show zur Platte im Das Kult zu Braunschweig erleben konnte. Noch gl\u00fccklicher, wer mit dem DJ-Team Rille Elf diese fantastische Show auch noch begleiten durfte!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>In Kr\u00fcgers Texten gehen Humor und Ironie, Poesie und Abstraktion Hand in Hand. Sobald er sich kritisch \u00e4u\u00dfert, richtet er sich nicht offensiv gegen etwas, sondern \u00fcberh\u00f6ht es, \u00fcberblendet es gar und dreht es den Bef\u00fcrwortenden im Hals um. Sein Vortrag \u00e4hnelt gelegentlich dem Rap, er sprechsingt zumeist, aber nicht ausschlie\u00dflich, und manchmal \u00fcbernimmt der f\u00fcr die Musik zust\u00e4ndige Glantz eine zweite Stimme. Diese Musik ist vordergr\u00fcndig elektronisch generiert, aber man h\u00f6rt Gitarren und echtes Schlagzeug heraus sowie so manches weiteres Instrument. Die Struktur seiner Songs passt er zumeist einem modernisierten Hip Hop an, er startet im Kopfnickermodus und bricht dann mit den Konventionen. Und eigentlich ist das alles ein gigantisches Musiktheaterst\u00fcck, das zwar auf Tontr\u00e4ger bestens funktioniert, weil die Texte und die Arrangements eben hervorragend sind, aber mit der visuellen Komponente einen einzigartigen Mehrwert bekommt.<br><br>Auf der B\u00fchne stehen n\u00e4mlich lediglich zwei Mikrofone, die R\u00fcckseite ist durch eine Leinwand abgeh\u00e4ngt. An diese Mikrofone treten nun Kr\u00fcger und Glantz, stilecht in Anz\u00fcge gewandet, und performen die Songs, die instrumental komplett vom Playback kommen. Aber nicht danach aussehen, denn alsbald flammt ein Projektor auf und zeigt auf der Leinwand, wie Glantz und Kr\u00fcger vor wechselnden Hintergr\u00fcnden die geh\u00f6rte Musik generieren. So wird das Duo zum Quartett, und wenn es sein muss, etwa sobald die Songs musikalisch fetter werden und man das klassische Rockinstrumentarium ben\u00f6tigt, auch zum Sextett und zum Oktett. Das achtk\u00f6pfige Duo entfesselt dann einen Rausch, dem man sich bereitwillig aussetzt. Eine solche Show ist nat\u00fcrlich nicht variabel, hier sind Improvisationen nicht m\u00f6glich, es ist eine komplett durchchoreografierte Darbietung, die das Duo immerhin mit Zwischenansagen unberechenbar h\u00e4lt. Berauschend f\u00fcr Rille Elf gestaltete sich auch der Abspann nach der Zugabe, denn die DJs legten ihre Tanzmusik zum gefilmten B\u00fchnenabbau der virtuellen Doppelg\u00e4nger auf. Perfektion bis ins Detail.<br><br>Die A-Seite der Best-Of nun beginnt mit \u201ePopakademiker\u201c, einem St\u00fcck, das Kritik \u00e4u\u00dfert an der Mainstream-Akademisierung von etwas, das eigentlich aus einem selbst herauskommen sollte, n\u00e4mlich Musik, also Kunst. \u201eIch schei\u00df auf DIY, ich schreib mich morgen ein \u2013 in die Pop-Akademie\u201c, skandiert Kr\u00fcger, und er phrasiert es so, dass man auch \u201eIndiepop-Akademie\u201c heraush\u00f6ren kann. Das St\u00fcck ist ein Headbanger, der zusehends noisiger wird und in Geschrei gipfelt. Es folgt \u201eAlle Leute\u201c, ein Piano-Electro-Swing \u00fcber Selbstwahrnehmung, \u00fcber die Auseinandersetzung des Ich mit dem Rest der Gesellschaft. \u201eTo Go\u201c befasst sich mit den Ausw\u00fcchsen des im Wortsinne Beil\u00e4ufigen im Alltag, eingebettet in einen Big Beat im Caf\u00e9 del Mar und mit einem begnadeten kom\u00f6diantischen Abspann.<br><br><br><\/p>\n\n\n\n<p>Bei \u201eUnfertig 2\u201c handelt es sich um einen technoiden Rap mit einem jazzigen Refrain, in dem Konsum und Produktion sowie die damit einhergehende Manipulation der Kundschaft das Thema sind, mit einem mit desillusioniertem Schlumpf am Schluss. Das \u201eTanzlied\u201c ist eines, sowohl inhaltlich als auch formal: Ein treibender Beat m\u00fcndet in einen reduzierten Refrain mit Gitarre, Kr\u00fcger hechelt sich durch einen zerst\u00f6rerischen, egomanischen, ignoranten Turbokapitalismus, hin zu einem gehetzten Finale. Dem kann man ja nur mit einem \u201eEgalsystem\u201c begegnen, das eine Gegenwart beschreibt, die ihr Verhalten nicht von den k\u00fcnftigen unangenehmen Folgen beeinflussen l\u00e4sst. Dies geschieht in einem Electro-Gewand, das sich zum Refrain hin steigert und eher eine Rock- als eine Techno-Struktur hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Humor ohne Text generiert das KGQ in \u201eVision\u201c: Zum Kopfnicker-Beat mit sph\u00e4rischer Gitarre k\u00fcndigt Kr\u00fcger an, \u201ediese Vision wird vervollst\u00e4ndigt in exakt 25 Sekunden\u201c, und danach \u00fcbernimmt Glantz es, mit Orgel und einem bei \u201eLullaby\u201c von The Cure geborgten Rhythmus rein instrumental schr\u00e4ge Sounds anzuh\u00e4ufen. Das 2020 erschienene \u201eTapete\u201c k\u00f6nnte man als Vision der Corona-Szenerie auffassen, in der Kr\u00fcger die Aussichten w\u00e4hrend einer Quarant\u00e4ne auflistet, n\u00e4mlich diverse Arten von Wandschmuck als einzigem visuellen Eindruck. Dies geschieht zu einem Offbeat mit Bl\u00e4sern und Electro und entwickelt sich zu einem minimalistischen Electro-Drama mit wimmernder Gitarre.<br><br><br><\/p>\n\n\n\n<p>Die Selbstpr\u00e4sentation nicht nur vermittels Selfies in Social Media ist Thema in \u201eAndy Warhol\u201c, dessen Zitat von den 15 Minuten Ruhm hier zwar nicht f\u00e4llt, aber im Geiste mitschwingt. Der Refrain ist ein gro\u00dfgestiger Electro-Gitarren-Pop, der in seiner Ausrichtung an den von Phillip Boa erinnert, und der sang ja auch schon \u00fcber \u201eAndy W\u201c, wenngleich sein Song komplett anders klingt als dieser. In den \u201eBerlin Tapes\u201c summiert Kr\u00fcger diverse Herausforderungen und zu t\u00e4tigende Anstrengungen des Lebens, denen sich sein Ich-Charakter ausgesetzt sieht, und weist die Kultur-Oase Berlin als L\u00f6sung seiner Dilemmas von sich, er will n\u00e4mlich viel weiter greifen. Das St\u00fcck ist eine Art beklemmender Pop.<br><br><br><\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> In der \u201eVolksburg\u201c verquirlt Kr\u00fcger traditionelle Lebensentw\u00fcrfe in einem eigentlich chilligen Track. Der \u201ef\u00e4ngt doch sch\u00f6n an\u201c, stellt Kr\u00fcger fest, dann aber eskaliert die Musik in amtlichem Noise. Kaum mehr als ein Interludium ist \u201eSelbstoptimierung\u201c, eine Art Werbejingle zu Vinylknistern, der etwas allgemein als positiv Gelesenes fr\u00f6hlich als Bedrohung klassifiziert. Aber wir haben ja unsere \u201eWarmhaltewelt\u201c, die einen tr\u00fcgerischen Eskapismus anbietet. Das St\u00fcck ist ein Crooner-Chanson, in dem Orgel und Dub eingebaut sind und der die H\u00f6rerschaft brutal zur\u00fcck in die Realit\u00e4t holt. Die endet mit \u201eKegelbahn\u201c, einer Art Meta-Song, einer Selbstbeschreibung des KGQ zu Achtziger-Synthiepop mit lebendigem Schlagzeug, in dem Kr\u00fcger im Tonfall von Blixa Bargeld Allmachtsfantasien losl\u00e4sst. Ein angemessenes Finale.<br><br>Drei Alben gab es bisher, aus denen sich \u201eAlles gut\u201c zusammenstellt, und es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn es die alsbald ebenfalls als Neuauflage g\u00e4be, denn das Deb\u00fct \u201eAlles in Bestform\u201c aus dem Jahr 2015 und der Nachfolger \u201eVerfassung\u201c aus dem Jahr 2017 sind auf CD nicht mehr zu haben, das bisher letzte Album \u201eKeine Verh\u00e4ltnisse\u201c von vor f\u00fcnf Jahren hingegen schon. Dem Vinyl von \u201eAlles gut\u201c liegt noch ein Heft bei, das dem Multimediamix des Kr\u00fcgerglantzquartetts eine zus\u00e4tzliche Komponente hinzuf\u00fcgt: Print. Und bald ist \u201eAlles gut\u201c auch digital erh\u00e4ltlich.<br><br>Alles gut:<br><br>Popakademiker (von \u201eVerfassung\u201c, 2017)<br>Alle Leute (von \u201eAlles in Bestform\u201c, 2015)<br>To Go (von \u201eKeine Verh\u00e4ltnisse\u201c, 2020)<br>Unfertig 2 (von \u201eVerfassung\u201c, 2017)<br>Tanzlied (von \u201eAlles in Bestform\u201c, 2015)<br>Egalsystem (von \u201eAlles in Bestform\u201c, 2015)<br>Vision (von \u201eKeine Verh\u00e4ltnisse\u201c, 2020)<br>Tapete (von \u201eKeine Verh\u00e4ltnisse\u201c, 2020)<br>Andy Warhol (von \u201eVerfassung\u201c, 2017)<br>Berlin Tapes (von \u201eKeine Verh\u00e4ltnisse\u201c, 2020)<br>Volksburg (von \u201eAlles in Bestform\u201c, 2015)<br>Selbstoptimierung (von \u201eKeine Verh\u00e4ltnisse\u201c, 2020)<br>Warmhaltewelt (von \u201eKeine Verh\u00e4ltnisse\u201c, 2020)<br>Kegelbahn (von \u201eVerfassung\u201c, 2017)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (08.05.2025) Zehn Jahre Kr\u00fcgerglantzquartett \u2013 das eigentliche Duo aus Christian Kr\u00fcger und Peter M. Glantz, das live per Projektion als bis zum Oktett hin auftritt, ist inhaltlich wie visuell ironisch, widerspr\u00fcchlich, paradox, abstrakt mit seiner electrobasierten theatralischen &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/kruegerglantzquartett-alles-gut-kgq-2024\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22,16],"tags":[],"class_list":["post-7680","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-compilation","category-vinyl"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7680","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7680"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7680\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7682,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7680\/revisions\/7682"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7680"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7680"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7680"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}