{"id":7670,"date":"2025-05-06T21:21:17","date_gmt":"2025-05-06T19:21:17","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7670"},"modified":"2025-05-07T21:44:24","modified_gmt":"2025-05-07T19:44:24","slug":"fuzziliers-most-fun-addicted-label-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/fuzziliers-most-fun-addicted-label-2025\/","title":{"rendered":"Fuzziliers \u2013 Most Fun \u2013 Addicted Label 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Fuzziliers-Most-Fun.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Fuzziliers-Most-Fun.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7671\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (06.05.2025)<br><br>\u00dcber \u201eMost Fun\u201c, dem zweiten Album der aus politischen Gr\u00fcnden von St. Petersburg kurioserweise ausgerechnet nach Istanbul ausgewanderten Band Fuzziliers, steht riesengro\u00df das Wort POP, und zwar der aus den Sechzigern, als harmonischer Chorgesang und psychedelisches Gitarrenspiel f\u00fcr euphorisierende H\u00f6rgen\u00fcsse sorgten. Doch das Quartett bel\u00e4sst es nicht dabei, sondern fusioniert seinen Fuzz mit dem des Neunziger-Britpops und generiert erbauliche, gutgelaunte und musikalisch eindrucksvolle Perlen, die ordentlich Sonne in den Alltag bringen. So ganz ohne Melancholie geht das nicht, angesichts der genannten und bekannten Umst\u00e4nde, aber erst in so einem Kontext funktioniert Ermunterung ja so richtig.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Die Fuzziliers machen vor gar nichts Halt. \u201eMost Fun\u201c als Titel passt wie die Faust aufs Auge: Hier gibt\u2019s gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Spa\u00df, und aber auch: lediglich das meiste hier ist Spa\u00df. Denn so ganz von der Hand zu weisen ist es nicht, dass es Anlass zur Melancholie gibt, aber eben auch den Willen, dagegen vorzugehen und damit auch noch andere zu erbauen. Daf\u00fcr lassen die vier die Gitarren jangeln, als sei der Verzerrer noch nicht erfunden worden, und jagen sie andererseits bis gleichzeitig durch jede Art von Verzerrer, die sie finden k\u00f6nnen, gem\u00e4\u00dfigt aufgedreht indes. Das ergibt eine vielf\u00e4ltige Songpalette, die \u201eMost Fun\u201c beinahe wie eine Compilation erscheinen l\u00e4sst.<br><br>Zu Beginn legen die Fuzziliers gleich mal eine falsche F\u00e4hrte: \u201eCTRL\u201c beginnt mit einer karibischen Ratsche und marokkanischen Qarqabas und endet mit orientalischen Schlaginstrumenten. Ausfl\u00fcge nach S\u00fcd- bis Mittelamerika oder gleich Ozeanien macht das Quartett so einige, etwa mit Hawaii-Slide-Gitarren in \u201eLiar And Thief\u201c oder dem schunkeligen \u201eAmsterdam\u201c, dem einzigen Song mit Trompete. Der psychedelische Surf-Moment des Openers bekommt zus\u00e4tzliches Futter \u00fcber die Beach-Boys-Harmonien, mit denen der Gesang einen \u00e4sthetischen R\u00fcckhalt bekommt und den die Band quasi \u00fcber das gesamte Album hinweg einsetzt. Ebenfalls ins Psychedelische geht der Piano-Boogie des genannten \u201eLiar And Thief\u201c, das im Verlauf mit seiner verspielten Komplexit\u00e4t zaghafte Erinnerungen weckt an \u201eHole In My Shoe\u201c von Traffic. Den Boogie nach Art von Status Quo greifen die Fuzziliers in \u201eAmplification\u201c wieder auf, dr\u00fccken ihn aber durch ihre Fuzzpedale.<br><br>Liegt die Idee von Britpop bereits dem Opener inne, dringt sie in St\u00fccken wie \u201eFuture Society\u201c, \u201eIn The Morning\u201c oder \u201eFake Dancer\u201c, also in der Mitte des Albums, deutlicher hervor. Ersterer Song hat eine dergestalt eing\u00e4ngige Melodie, dass sie einem bereits beim ersten H\u00f6ren wie altbekannt vorkommt. Letzterer Song bricht seinen Rhythmus wundervoll und l\u00e4sst die fuzzy Gitarre dazu auch mal gniedeln. Klassischen Indierock ohne Brit-Anleihen gibt es dann noch mit dem Titelst\u00fcck, das am fettesten aus den Boxen quillt und mit Wah-Wah und \u201eHuh huh\u201c-Ch\u00f6ren aufwartet, die an die Stones denken lassen.<br><br>Quasi im Zentrum steht \u201ePorcelain\u201c, ein St\u00fcck, das so vielseitig ist, dass es allein bereits mehr Ideen b\u00fcndelt als so manches ganzes Album anderer Leute. Eine sanft verzerrte Gitarre tr\u00e4gt das St\u00fcck, ein E-Piano groovt dazu, Ch\u00f6re begleiten den Gesang, diese Rockmusik ist lieblich, beinahe unschuldig, erinnert an Imperial Teen und endet als Instrumental-Knaller, in dem alle Bandmitglieder mal zum Zug kommen und sich austoben d\u00fcrfen.<br><br>Kein Wunder, denn S\u00e4nger und Bandkopf Slava Lobanov (\u0421\u043b\u0430\u0432\u0430 \u041b\u043e\u0431\u0430\u043d\u043e\u0432) l\u00e4sst wissen, dass es die Fuzziliers darauf anlegten, ihren Livesound ins Studio zu transportieren. Nach dem Deb\u00fct \u201eSail The Seven Seas\u201c aus dem Sommer 2024 hatte das Quartett offenkundig hinreichend Gelegenheit, in der t\u00fcrkischen Diaspora n\u00e4her zusammenzur\u00fccken und seine F\u00e4higkeiten aufeinander abzustimmen. Kurioserweise rekrutierte Lobanov, selbst Mitglied des Duos \u041f\u0435\u0440\u0435\u0443\u0447\u0451\u0442 mit Rapper Oxxxymiron sowie der Stoner-Doom-Band Juice Oh Yeah, seine Mitmusiker in der Istanbuler Jazz- und Irish-Folk-Punk-Szene. Diese sind: Semyon Fedotov (Schlagzeug und Percussion sowie Harmoniegesang), Misha Paskov (Bass) und Georgy Kopylov (Keyboards und Gesang).<br><br>Diese Exil-Platte nun, so informiert Lobanov, reflektiert Liebe, Verlust und h\u00fcz\u00fcn, was ungef\u00e4hr Traurigkeit hei\u00dft und nach seiner Auskunft einen auf den Schriftsteller Orhan Pamuk zur\u00fcckzuf\u00fchrenden Grundstein der Atmosph\u00e4re Istanbuls definiert. Diese Traurigkeit, besser: Melancholie kann man durchaus h\u00f6ren, doch die Fuzziliers nehmen alles auf sich, um sie in Wohlf\u00fchlmusik und gute Laune motivierend einzubetten.<\/p>\n\n\n\n<p>[Edit 07.05.2025] Slava l\u00e4sst mich wissen, dass es einen Wechsel im Lineup gab: Am Schlagzeug sitzt auf diesem Album Simon Shiriaev, der auch Percussions und Harmoniegs\u00e4nge beitr\u00e4gt. Danke!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (06.05.2025) \u00dcber \u201eMost Fun\u201c, dem zweiten Album der aus politischen Gr\u00fcnden von St. Petersburg kurioserweise ausgerechnet nach Istanbul ausgewanderten Band Fuzziliers, steht riesengro\u00df das Wort POP, und zwar der aus den Sechzigern, als harmonischer Chorgesang und psychedelisches &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/fuzziliers-most-fun-addicted-label-2025\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-7670","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7670","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7670"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7670\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7679,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7670\/revisions\/7679"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7670"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7670"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7670"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}