{"id":7667,"date":"2025-05-06T21:20:24","date_gmt":"2025-05-06T19:20:24","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7667"},"modified":"2025-05-06T21:20:24","modified_gmt":"2025-05-06T19:20:24","slug":"nac-hut-report-blue-afternoon-enjoy-life-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/nac-hut-report-blue-afternoon-enjoy-life-2025\/","title":{"rendered":"Nac\/Hut Report \u2013 Blue Afternoon \u2013 Enjoy Life 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Nac-Hut-Report-Blue-Afternoon.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Nac-Hut-Report-Blue-Afternoon.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7668\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (06.05.2025)<br><br>Eine der kompromisslosesten Bands dieser Tage: Auf \u201eBlue Afternoon\u201c setzt das Duo Nac\/Hut Report aus Krak\u00f3w sein Konzept fort, mit verhuschtem 4AD-Dreampop-Gesang zu geschredderter Musik die Sch\u00f6nheit in der Verg\u00e4nglichkeit und im L\u00e4rm zu positionieren. F\u00fcr ihr j\u00fcngstes Album fuhren die beiden Musizierenden das Schreddern zur\u00fcck, die Sounds sind durchg\u00e4ngiger, der Kontrast zur Stimme ist nicht mehr so riesig; da passt der Titel perfekt: Hier bekommt man den Soundtrack zu einem allein verbrachten melancholischen Nachmittag, Erinnerungen nachh\u00e4ngend und vor lauter Wehmut komplett gl\u00fccklich.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Die Quellen f\u00fcr die Musik auf \u201eBlue Afternoon\u201c bleiben so diffus wie die Musik selbst: Man h\u00f6rt Schallplattenknistern und einen dumpfen Klang, der wohl von einer auf einem Grammophon abgespielten Schellack-Platte herr\u00fchren mag. Musiker LM nimmt seine Tontr\u00e4ger, zeichnet sie auf, seziert sie, trennt die n\u00fctzlichen Passagen ab, f\u00fcgt sie neu zusammen und l\u00e4sst so das Harmonische mit dem Disharmonischen kollidieren, besser: eine schl\u00fcssige Einheit eingehen. Beispiel: Eine sanfte Spieluhr oder eine Pianomelodie wiegen die H\u00f6renden in den Schlaf, w\u00e4hrend gleichzeitig ein St\u00f6rger\u00e4usch, etwa eine Sirene, das Einnicken verhindert. Sanfte Melodien, mit unidentifizierbaren Instrumenten erstellt, beginnen zu leiern, die Tonlage ungenau zu reproduzieren, miteinander in den Abgrund zu rutschen. \u00dcber allem liegt eine K\u00e4seglocke, die den Sound d\u00e4mpft, eben wie auf einem Grammophon abgespielt. So schichtet LM Lage auf Lage, ohne dass die Tracks \u00fcbervoll wirken, man aber beim Zuh\u00f6ren ins Taumeln ger\u00e4t.<br><br>So w\u00e4re es ja schon spannend genug, aber Nac\/Hut Report sind ja ein Duo, und so haucht Jadwiga Taba ihre Ges\u00e4nge \u00e4therisch-gespenstisch auf diese Soundcollagen. Ihre Art zu singen verleiht der Musik noch mehr Sch\u00f6nheit, gleichzeitig l\u00e4sst sie den Eindruck von Spuk zu, von verhangenen Nebeltagen im D\u00e4mmerlicht, von Geistererscheinungen an verwunschenen Seen, in denen diese Erscheinungen zu verschwinden scheinen. Unklar bleibt, ob sie die H\u00f6renden in den Schlaf singt oder sich selbst Hoffnung macht, sich selbst beruhigt, sich selbst Zuspruch verleiht und die geneigte \u00d6ffentlichkeit daran teilhaben l\u00e4sst.<br><br>Das Zusammenspiel von Gesang und Musik wirkt wie ein Traum, den man nicht zu fassen bekommt, nicht einmal, noch w\u00e4hrend man ihn tr\u00e4umt. Oder wie ein verblassender Eintrag in einem Tagebuch, das jemand nach Jahrzehnten findet und zu entziffern versucht. Oder wie die metaphysische Kontaktaufnahme zu fast vergessenen Ahnen, die fetzenhaft ihre Mitteilungen \u00fcber den \u00c4ther schicken. Was der Sch\u00f6nheit dieser Musik zutr\u00e4glich ist, ist der Umstand, dass LM seine Samples dieses Mal nicht so stark auf Kante schreddert wie zuvor, er also den Gedanken an Industrial nicht aufkommen l\u00e4sst und seine Quellen zwar bearbeitet, in die Schr\u00e4ge kippt und verfremdet, aber eben nicht brutal zerst\u00f6rt. Auch l\u00e4sst er Jadwigas Stimme unangetastet. Das kommt zwar auch immer geil, wenn er das alles macht, nachzuh\u00f6ren auf den fr\u00fchen Alben von Nac\/Hut Report, aber es l\u00e4sst sich verfolgen, wie er sein Konzept von Album zu Album entwickelt und verfeinert. Sirenen und sonstigen L\u00e4rm gibt es in dieser grunds\u00e4tzlich sch\u00f6nen Musik ja trotzdem, nur nicht durchgehend, eher punktuell gesetzt.<br><br>Ein Bisschen ein Geheimnis machen die beiden an Nac\/Hut Report Beteiligten um sich. Klar ist die Position am Mikro: Jadwiga Taba, zumindest in der abgek\u00fcrzten Variante ihres Nachnamens, aus Krak\u00f3w; sie ist auch als Brigitte Roussel oder TABA zu finden. An der sonstigen Ger\u00e4tschaft hantiert ein Italiener, der in der Regel, wenn \u00fcberhaupt, als LM in Erscheinung tritt, gelegentlich auch als Li\/ese\/Li.<br><br>\u201eBlue Afternoon\u201c d\u00fcrfte das neunte Album des Duos seit 2009 sein. Es endet mit einem L\u00e4rmgebr\u00e4u aus Sirenen und Glockengel\u00e4ut sowie einer Grammophonnadel, die sich vom Schellack erhebt. Damit ist man wieder aufgeschreckt und in den Alltag zur\u00fcckgeworfen. Um dem zu entfliehen, empfiehlt es sich, \u201eBlue Afternoon\u201c einfach gleich nochmal aufzulegen. \u201eEs wird dunkel hier \/ Dunkelheit trennt uns\u201c, behauptet das Duo auf seiner Bandcamp-Seite, und man kann nur widersprechen: Diese Dunkelheit ist mitnichten undurchdringlich \u2013 und sie verbindet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (06.05.2025) Eine der kompromisslosesten Bands dieser Tage: Auf \u201eBlue Afternoon\u201c setzt das Duo Nac\/Hut Report aus Krak\u00f3w sein Konzept fort, mit verhuschtem 4AD-Dreampop-Gesang zu geschredderter Musik die Sch\u00f6nheit in der Verg\u00e4nglichkeit und im L\u00e4rm zu positionieren. 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