{"id":7574,"date":"2025-04-16T21:03:48","date_gmt":"2025-04-16T19:03:48","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7574"},"modified":"2025-04-16T21:03:48","modified_gmt":"2025-04-16T19:03:48","slug":"schneider-collaborations-drei-alben-schneider-collaborations-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/schneider-collaborations-drei-alben-schneider-collaborations-2025\/","title":{"rendered":"Schneider Collaborations \u2013 Drei Alben \u2013 Schneider Collaborations 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Schneider-Collaborations.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Schneider-Collaborations.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4700\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Matthias Bosenick (16.04.2025)<br><br>Bei den zwei j\u00fcngsten Ver\u00f6ffentlichungen aus dem Hause Schneider Collaborations, dem Label des Schlagzeugers J\u00f6rg A. Schneider, handelt es sich um feste Kollaborationsprojekte, die mit zus\u00e4tzlichen Kollaborateueren neue Horizonte ansteuern. Mit dem in Chicago ans\u00e4ssigen Duo Drazek Fuscaldo kooperiert Schneiders Band Glimmen aus Wisconsin, auf dem so entstandenen Impro-Free-Jazz-Album \u201eDrazek Fuscaldo Glimmen\u201c ist \u2013 neu in diesem Kontext \u2013 Gesang zu h\u00f6ren. Was eigentlich ein neues Album f\u00fcr das berliner-niederrheinische Duo Teen Prime werden sollte, erg\u00e4nzte sich mit Yvonne Nu\u00dfbaums Klavier zum Trio mit dem Namen Let\u2019s Just Werewolf Them und einem gleichnamigen Impro-Album. Und mit dem franz\u00f6sischen Impro-Gitarristen Michel Kristof l\u00e4sst Schneider wissen: \u201eThis Ain\u2019t My First Rodeo, Pal!\u201c<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Drazek-Fuscaldo-Glimmen-Drazek-Fuscaldo-Glimmen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Drazek-Fuscaldo-Glimmen-Drazek-Fuscaldo-Glimmen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7575\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Drazek Fuscaldo Glimmen \u2013 Drazek Fuscaldo Glimmen \u2013 Soutrane Recording Company 2025<br><\/strong><br>Der Gesang l\u00e4sst als erstes aufhorchen, schlie\u00dflich beteuerte Schneider einmal, dass er nach seinen Erfahrungen als Bandschlagzeuger den Schwerpunkt auf rein instrumentale Musikschaffende legt. Was die Stimme hier vortr\u00e4gt, klingt schamanisch, sakral, afrikanisch, mithin so hypnotisch wie die Musik dazu. Die drei St\u00fccke auf dem Album lassen den Free Jazz der fr\u00fchen Tage durchschimmern, wie man ihn von Miles Davis oder John Coltrane zu lieben lernte, was wohl vornehmlich am Einsatz von Trompete und Saxophon liegen mag. Die Musik dazu, mit Kontrabass, Vibraphon, Gitarre, Mandoline und eben Schlagzeug, l\u00e4sst nat\u00fcrlich ebenso die Idee von Jazz zu. So weit, so vertraut \u2013 doch spielen die sechs an diesen Aufnahmen beteiligten Musiker selbst an Free-Jazz-Schemata gemessen noch freier, denn selbst der Free Jazz hatte zumeist einen eindeutigen Takt, wenn schon eher freie Melodien. Dieses Album klingt also eher so, als habe man die einzelnen Musiker leicht zueinander verschoben, als sei jeder auf einem eigenen Grundst\u00fcck verwurzelt und triebe dort eigene Spr\u00f6sse aus, und wie es der Weltengeist so will, harmonieren diese Pflanzen f\u00fcr diese Konstellation unerwartet wunderbar miteinander.<br><br>Das liegt vor allem daran, dass keiner der sechs Musiker \u00fcbertreibt, dass sich keiner in den Vordergrund dr\u00e4ngt, dass niemand exzessiv oder intensiv ausbricht, dass alle vorsichtig und fragil ihre Instrumente \u2013 oder die Stimme \u2013 bedienen, und das auch nicht alle gleichzeitig. Dem Jazz \u00fcblich kommt jeder zu seiner Spielzeit und veredelt den Gesamtsound. Die Stimme etwa liegt wortlos und introspektiv zwischen Schlagzeug und Bass, Trompete und Saxophon sowie andere Blasinstrumente wie Oboe, falls es denn eine ist, wechseln einander ab, und wenn sie im Hallraum erbl\u00fchen, wird der Gesamtsound umso kuscheliger. Im Verbund mit der fl\u00e4chigen Gitarre bisweilen sogar dronig, dann ergeben sich Soundscapes als Begleiter des aus den Fugen geratenen Rhythmus\u2018.<br><br>Die Konstellation h\u00e4tte das Zeug dazu, den H\u00f6renden m\u00e4chtig auf die Nerven zu gehen, und vermeidet dies gottlob komplett. So behutsam tupfende, streichende, wischende, klickernde, klimpernde, atmende Menschen, die hier zusammen improvisieren, da ist die so entstehende Musik eine Erholung f\u00fcr die Seele. Das Fehlen offensichtlicher Strukturen f\u00e4llt gar nicht auf, weil der Sound die H\u00f6renden umf\u00e4ngt, umpuschelt, umschlie\u00dft und auf eine Insel der Geborgenheit versetzt. Das gemeinschaftliche Aufb\u00e4umen kurz vor Schluss ist da nur folgerichtig, das Album flie\u00dft dann trotzdem in einen stillen Ozean.<br><br>Die hier miteinander verschmelzenden Gruppierungen bestehen aus: Przemyslaw Krzysztof Dr\u0105\u017cek (Gitarre, Trompete, Mandoline) und Brent J. Fuscaldo (Stimme, Bass, Percussion) auf der einen Seite sowie Glimmen auf der anderen, also Schlagzeuger J\u00f6rg A. Schneider, Labelinhaber Jason Wietlispach mit Blasinstrumenten, Dr. Mark Mantel am Vibraphon sowie Dave Gelting am Kontrabass.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Lets-Just-Werewolf-Them-Lets-Just-Werewolf-Them.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Lets-Just-Werewolf-Them-Lets-Just-Werewolf-Them.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7576\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Let\u2019s Just Werewolf Them \u2013 Let\u2019s Just Werewolf Them \u2013 Teen Prime 2025<br><\/strong><br>Eigentlich war diese Session als eine \u00fcbliche im Hause Teen Prime geplant, entpuppte sich aber als unerwartet intimer, l\u00e4sst das Duo, bestehend aus Sebastian F\u00e4th an der Gitarre und J\u00f6rg A. Schneider am Schlagzeug, in der Info wissen. Deshalb \u00e4nderten die beiden ihren Plan kurzerhand, holten die ohnehin viel zu selten involvierte Yvonne Nu\u00dfbaum mit ihrem Klavier dazu und lebten die leicht melancholische N\u00e4he ungehemmt aus.<br><br>Alle drei bedienen ihre Instrumente quasi willk\u00fcrlich, wie es in dieser Szene \u00fcblich ist, und erf\u00fcllen damit deren grunds\u00e4tzlichen Impro-Geist. Nun bedeutet dies nicht zwingend die Hinwendung zum undurchdringlichen L\u00e4rm, sondern \u2013 wie hier \u2013 zur kontemplativen Zusammenkunft, bei der alle Beteiligten ihre Instrumente selbstversunken bedienen und miteinander in Austausch treten lassen. Aus dem anf\u00e4nglichen Herantasten entwickelt sich \u00fcber Spielzeit eine nerv\u00f6se Aufregung: Nu\u00dfbaum spielt ein warmes, tr\u00f6stliches Klavier, F\u00e4th seine E-Gitarre ohne Verzerrung und minimalistisch und Schneider \u00fcberrollt sein Drumkit mit angezogener Handbremse. Die T\u00f6ne stehen miteinander nebeneinander, erg\u00e4nzen einander, dr\u00e4ngeln sich also nicht beiseite, und ergeben filigrane Konstrukte, die direkt neben den H\u00f6renden errichtet worden zu sein scheinen.<br><br>Doch so bleibt es nicht, einmal aufeinander eingespielt, erh\u00f6ht jeder der Beteiligten die Schlagzahl am Instrument, steigert die Ger\u00e4uschemission, aber nicht die Intensit\u00e4t, verdichtet mithin das Konstrukt, macht aus dem Filigranen vielmehr ein Mosaik, das sich in Einzelteilen auch mal schr\u00e4g zur Seite neigt. Aber das ist ebenfalls nur so eine Phase, zum Schluss nimmt die Band ihre Energie wieder zur\u00fcck und verf\u00e4llt in den anf\u00e4nglichen Sound. Ein Bisschen ist es mit den behutsameren St\u00fccken auf diesem Album, als habe jemand vorsichtig an \u201eLaughing Stock\u201c von Talk Talk ger\u00fcttelt.<br><br>Den Namen Let\u2019s Just Werewolf Them entnimmt dieses Trio dem Deb\u00fct-Album des Duos Teen Prime: Auf \u201eVol. 4\u201c gab es 2022 einen Track dieses Titels.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Schneider-Kristof-This-Aint-My-First-Rodeo-Pal.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Schneider-Kristof-This-Aint-My-First-Rodeo-Pal.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7577\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schneider | Kristof \u2013 This Ain\u2019t My First Rodeo, Pal! \u2013 Schneider Collaborations 2025<br><\/strong><br>Mit Michel Kristof aus Paris improvisiert Schneider auch nicht zum ersten Mal, dem Ausruf \u201eThis Ain\u2019t My First Rodeo, Pal\u201c gehen n\u00e4mlich zwei gleich betitelte Alben \u201eSchneider | Kristof\u201c voran, erschienen 2022 und 2023. Beide Musiker gehen hier etwas weniger behutsam zu Werke als die Beteiligten der beiden oben genannten Projekte: Kristof gniedelt, frickelt, schreddert, quietscht, s\u00e4gt, was sein Zeug so hergibt, und Schneider drischt dazu auf sein Schlagzeug ein. Beide nehmen sich zwar auch mal den Raum f\u00fcr filigrane Konturen, doch ist die Kontemplation der Anlass nicht: Hier geht\u2019s zur Sache, hier darf es wehtun, das soll es sogar, und vermutlich tat es das auch beim Erstellen dieser unkontrolliert eruptiven Musik. Musik, ja, auch wenn hier abermals keine Songs im klassischen Sinne zusammenkommen, es bleibt bei zufallsgesteuerter Impromucke.<br><br>Auf zehn Tracks verteilen Kristof und Schneider ihre Experimente, alle betitelt mit \u201eRodeo\u201c und einer franz\u00f6sischen Durchnummerierung, sehr wohl inklusive einem \u201eFirst Rodeo\u201c, schlie\u00dflich er\u00f6ffnet das Album mit \u201eRodeo Un\u201c. Anders als bei \u201eThe Major Kong Rodeo\u201c von The Nude Spur, dem Projekt von Schneider und Thomas Kranefeld, das im Januar erschien, scheint es sich hier um tats\u00e4chliche Rodeos auf Pferden zu handeln \u2013 hier gehen die G\u00e4ule mit den beiden Instrumentalisten m\u00e4chtig durch. Ungest\u00fcm und ungez\u00fcgelt lassen die beiden die Sau raus, um im Tierischen zu bleiben. Tierisch dagegen anbr\u00fcllen m\u00f6chte man sp\u00e4testens bei \u201eRodeo Six\u201c: Alter, die haben aber auch eine Energie! Und ein Durchhalteverm\u00f6gen. Daf\u00fcr aber andererseits auch keine Hemmungen. Dieses Album eignet sich weniger zum entspannten Durchh\u00f6ren, es ist vielmehr ein Abenteuerritt \u2013 eben ein Rodeo, aber ein langes, \u00fcber eine Stunde l\u00e4rmt der Bronco herum. Respekt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (16.04.2025) Bei den zwei j\u00fcngsten Ver\u00f6ffentlichungen aus dem Hause Schneider Collaborations, dem Label des Schlagzeugers J\u00f6rg A. Schneider, handelt es sich um feste Kollaborationsprojekte, die mit zus\u00e4tzlichen Kollaborateueren neue Horizonte ansteuern. 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