{"id":7559,"date":"2025-04-14T22:50:55","date_gmt":"2025-04-14T20:50:55","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7559"},"modified":"2025-04-14T22:50:55","modified_gmt":"2025-04-14T20:50:55","slug":"cytotoxin-biographyte-cytotoxin-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/cytotoxin-biographyte-cytotoxin-2025\/","title":{"rendered":"Cytotoxin \u2013 Biographyte \u2013 Cytotoxin 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Cytotoxin-Biographyte.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Cytotoxin-Biographyte.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7560\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (14.04.2025)<\/p>\n\n\n\n<p>Chemnitz \u2013 die Stadt mit den drei O (jahaa, Onkel, ich wei\u00df \u2013 nicht Cottbus, sondern Chemnitz) \u2013 ist nicht nur die Heimat des N\u00fcschel (Oder sagt man, \u201edes N\u00fcschels\u201c? Oooooonkel!!! Lern mich das bitte mal), sondern auch der technisch\/deathmetalisch \u00fcberaus versierten Tech-Death-Combo Cytotoxin.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Grimo (voc), Fonzo (git), Mathias (git, ohne Schei\u00df, Mathias ist ein K\u00fcnstlername), V.T. (bass) und Maximilian Panzer (dr, kein K\u00fcnstlername) bzw. des Letzteren Vorg\u00e4nger Ollie und Stocki sind immer schon Spa\u00dfv\u00f6gel, wenn es um die Albumbetitelung geht. \u201ePlutonium Heaven\u201c (2011), \u201eRadiophobia\u201c (2012), \u201eGammageddon\u201c (2017), \u201eNuklearth\u201c (2020) und nun \u201eBiographyte\u201c. Klingt alles wie die strahlende Zukunft des Tech Death, und Bingo: Cytotoxin beziehen ihre Inspiration aus der nuklearen Katastrophe von Tschernobyl und malen dementsprechend d\u00fcstere Krachlandschaften an die Wand.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man die Schlagzeuggeschwindigkeit und die sehr schnellen Frickelriffs (Powerchords sind wohl eher was f\u00fcr den Nicht-Tech-Death, es sei denn, sie werden palmgemuted) von Cytotoxin h\u00f6rt, kommt man schnell zu der \u00dcberzeugung, dass es sich hier wohl um gro\u00dfe Fans der leider wohl tats\u00e4chlich nicht mehr existierenden Necrophagist (die Beethovens des Tech Death) handelt. Wobei das Schlagzeug bei den Pilgrim Fathers des teutonischen Technical Death Metals ein wenig mehr rumpelte. Gesangstechnisch steht Grimo dem Chefnekrophagisten Muhammed Sui\u00e7mez in Nichts nach, au\u00dfer, dass Sui\u00e7mez eventuell teilweise noch barbarischer grunzt als Grimo. Muss er auch, da er sich anstatt an der nuklearen Katastrophe immerhin an Themen abarbeitet, die ansonsten eher bei den fr\u00fchen Carcass zu finden waren (wie schon der 1999er Albumtitel \u201eOnset Of Putrefaction\u201c verdeutlichte) Aber Schwamm dr\u00fcber, die Liga ist dieselbe und um die Titel von Cytotoxin zu verstehen, braucht man immerhin keinen Pschyrembel (DAS w\u00e4re in der Tat auch ein feiner Name f\u00fcr eine Tech-Death-Band, Steinlaus hin oder her).<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr eine Wohltat f\u00fcr Seele, Ohren und Ged\u00e4rm die Musik auf \u201eBiographyte\u201c ist, offenbart sich bereits beim Cover-Artwork: Wo inzwischen auf vielen Metalalbencovers oft eklig eklektizistische Computerkunst unverst\u00e4ndlicherweise von der oft sehr hohen Qualit\u00e4t des Dargebotenen ablenkt, passt bei Cytotoxin wirklich alles: In warmen Bernstein- bis Gr\u00fcnt\u00f6nen ist ein liebevoll gestalteter Gasmaskenmann gezeichnet, angekettet durch die verstrahle W\u00fcstenei von Pripyat krabbelnd und sowas wie einen Betonsarkopharg auf dem R\u00fccken tragend, vor ihm ein Atom-Warnschild und diverse Plutoniumf\u00e4sser, w\u00fcrde ich mal sagen. Knarrenheinz meets \u201ePiece Of Mind\u201c meets Tschernobyl 1986.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht umsonst nennen Cytotoxin ihre Musikrichtung auf ihrer Website \u201eChernobyl Death Metal\u201c, zwischendurch sind immer mal wieder knackende Geiger-M\u00fcller-Z\u00e4hlrohre zu h\u00f6ren und die Texte von \u201eBiographyte\u201c besch\u00e4ftigen sich mit verschiedenen Orten, anhand derer die Geschichte der Tschernobyl-Katastrophe nacherz\u00e4hlt wird. Wie gut es Cytotoxin gelingt, an eine beispiellose Vorf\u00fchrung menschlicher Ignoranz, gepaart mit einer Verkettung ungl\u00fccklicher Umst\u00e4nde und physikalischer Unvermeidbarkeiten zu erinnern und dabei ein auf der einen Seite dystopisches, auf der anderen Seite aber sehr gut h\u00f6r- und genie\u00dfbares Pand\u00e4monium zu entfachen, ist beeindruckend und wird von treffenden Texten flankiert. Das Er\u00f6ffnungsst\u00fcck \u201eHope Terminator\u201c handelt beispielsweise davon, dass die Evakuierung von Pripyat damals nicht schnell und konsequent genug vorangetrieben wurde, sondern dass der Bev\u00f6lkerung stattdessen eine Sicherheit vorgegaukelt wurde, die es nie gab (\u201eSeconds decide creation or destruction \/ The major authorities let time pass by \/ Let time pass by\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Song startet mit einem unfassbar schnellen Schlagzeug und den oben schon erw\u00e4hnten hohen und quietschigen Necrophagist-Riffs, dann setzt Grimos Gegrowle ein, dann haufenweise Breaks und Palm-Muting-Gitarrenriffsalven. Gegen Ende kennt der Gesang weiterhin keine Gnade, w\u00e4hrenddessen die Gitarren f\u00fcr einen sehr melodischen Ausklang des Songs sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Cytotoxin auch anders k\u00f6nnen, als die H\u00f6renden permanent unter Dauerfeurer zu nehmen, zeigen sie beispielsweise auf \u201eBehind Armored Doors\u201c. Der Song entfacht zun\u00e4chst die typische tempoorientierte H\u00e4rte der Band, wird dann langsamer und geradezu hymnisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Eins der Highlights auf \u201eBiographyte\u201c ist f\u00fcr mich \u201eBulloverdozed\u201c, wegen seiner H\u00e4rte, seiner Brachialit\u00e4t, der Melodik in den Riffs, kurzum wegen allem, was die Musik von Cytotoxin ausmacht. Knapp f\u00fcnf Minuten lang treibt hier alles nach vorn und haut auf die Zw\u00f6lf, brachial und trotzdem filigran. Das soll erstmal einer nachmachen. Zwischendurch gibt es dann ein wirklich l\u00e4ssiges Riff, das in ein sch\u00f6nes Solo \u00fcbergeht, derweil der Rest der Band weiter Krach macht und auf einmal wird wieder gebr\u00fcllt. Die Melodie im Hintergrund l\u00e4uft aber weiter und entz\u00fcckt \u00fcber die Ma\u00dfen. \u201eTransistion Of The Staring Dead\u201c wird dann von einem grandiosen Bass eingeleitet und ist auch wieder wirklich schnell. Kurz nach Ende der ersten Minute kommt dann ein Gitarrensolo, kurz, auf den Punkt gebracht und die n\u00e4chste Growl-Tirade einleitend. So geht songdienlich, so geht Zusammenspiel in einer Band, in der jeder wei\u00df, was er tut und tut, was er am besten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Spoken-Word-Track \u201eRevelation\u201c sorgt dann f\u00fcr humoreske Momente, erst Geigerz\u00e4hler, dann zitiert ein Zitator mit sehr deutsch eingef\u00e4rbtem Englisch die Akopal\u00fctze des Johannes. Und dann startet \u201eFrom Bitter Rivers\u201c, das letzte St\u00fcck des Albums. Mit seehr melodischen Gitarrenriffs, fernab des Tech Death, fernab des Death \u00fcberhaupt. Einfach nur wundersch\u00f6n, metallisch und melodi\u00f6s. Dann weist Grimos \u00fcbliches Gegrunze darauf hin, wo wir hier sind, der \u00fcber die Ma\u00dfen grandiose Bass sorgt daf\u00fcr, dass alles irgendwie immer noch eine W\u00e4rme ausstrahlt (hihi \u2013 Chernobyl Metal, und dann \u201eausstrahlt\u201c, jahaaa, hihi, Dad Jokes auch hier!), das hohe Quietschen ist dem Riffing entwichen, alles klingt dumpf und bedrohlich und wundersch\u00f6n. Die Soli werden hinter den Gesang gelegt, Stimmung, G\u00e4nsehaut, hier und da ein krachender Bass, teilweise ist der Gesang das schnellste und abgehackteste Instrument \u2013 genau so geht ein furioses Albumfinale.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder einmal mehr zeigen Cytotoxin, dass dieses unsere Land nicht nur die Heimat gro\u00dfartigen Trash Metals oder der Scorpions aus Sarstedt bei Hannover ist, sondern auch quasi sowas wie das Silicon Valley des Tech Death.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (14.04.2025) Chemnitz \u2013 die Stadt mit den drei O (jahaa, Onkel, ich wei\u00df \u2013 nicht Cottbus, sondern Chemnitz) \u2013 ist nicht nur die Heimat des N\u00fcschel (Oder sagt man, \u201edes N\u00fcschels\u201c? Oooooonkel!!! 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