{"id":7525,"date":"2025-04-08T22:13:12","date_gmt":"2025-04-08T20:13:12","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7525"},"modified":"2025-04-08T22:13:12","modified_gmt":"2025-04-08T20:13:12","slug":"fiesta-alba-pyrotechnic-babel-neontoaster-multimedia-dept-bloody-sound-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/fiesta-alba-pyrotechnic-babel-neontoaster-multimedia-dept-bloody-sound-2025\/","title":{"rendered":"Fiesta Alba \u2013 Pyrotechnic Babel \u2013 Neontoaster Multimedia Dept.\/Bloody Sound 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Fiesta-Alba-Pyrotechnic-Babel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Fiesta-Alba-Pyrotechnic-Babel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7526\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (08.04.2025)<br><br>Wer die vor zwei Jahren erschienene selbstbetitelte EP des italienischen Maskenensembles Fiesta Alba noch im Ohr hat, vermag zu ahnen, was ihn nun auf \u201ePyrotechnic Babel\u201c erwartet, dem ersten kompletten Album der R\u00f6mer: hyperrhythmische Zappelmusik aus mehr Quellen, als man sich ausmalen kann, zumeist grundiert vom Afrobeat und versetzt mit Stimmbeitr\u00e4gen von rund um die Welt. Das Album knallt wie die B\u00f6ller, die der anonym besetzten Band den Namen gaben.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Der Afrobeat ist wahrhaftig Grundlage und wesentliches Element der meisten der zehn St\u00fccke auf diesem Album. Oder neun, denn nur die CD-Version ist vollst\u00e4ndig, digitalen H\u00f6renden entgeht der achte Song. Ebenfalls elementar sind die elektronisch bis organisch generierten Loops, auf denen hier weite Strecken der Tracks errichtet sind und die ihnen eine wiedererkennbare Struktur verleihen. Der Rest \u2013 besteht aus Zutaten, die man selbst mit irrsinnig nur unzul\u00e4nglich charakterisieren kann. Was nicht nur an den drei bis f\u00fcnf anonymen Hauptbeteiligten liegt, sondern auch an den f\u00fcnf G\u00e4sten, die aus aller Welt ihre Beitr\u00e4ge einbringen. Interessant ist, dass die Band selbst von Math Rock als Grundlage spricht; Polyrhythmik \u00e4u\u00dfert sich hier eher in afrikanischer Auspr\u00e4gung, Rock trotz Gitarreneinsatz beinahe gar nicht, da hat das Trio \u2013 der auf der EP noch als viertes Mitglied genannte Schlagzeuger teilt sich hier den Posten mit einem anderen Drummer \u2013 seine Inspiration definitiv zu etwas Eigenem weiterentwickelt.<br><br>Grunds\u00e4tzlich gilt also f\u00fcr alle Tracks: Dem Afrobeat entlehnte Polyrhythmik und kurze, pr\u00e4gnante Loops bilden eine wiederkehrende Grundlage, auf der Fiesta Alba experimentieren, indem sie allerlei zusammenr\u00fchren, was man zuvor noch nie zusammen zu h\u00f6ren bekam. Die schr\u00e4gen Harmonien und die dezenten Industrial-Sounds begleiten in der das Album er\u00f6ffnenden Vorab-Single \u201eNo Gods No Masters\u201c die Raps von Katarina Poklepovi\u0107, einer H\u00e4lfte des Duos So Beast aus Bologna. Der Song f\u00fchrt den Rock ad absurdum, schlie\u00dflich klingen die Gitarren hier, als w\u00e4ren sie Synthies. Der griechische Politiker Yanis Varoufakis (\u0393\u03b9\u03ac\u03bd\u03b7\u03c2 \u0392\u03b1\u03c1\u03bf\u03c5\u03c6\u03ac\u03ba\u03b7\u03c2), hier auf Italienisch Gianis genannt, bereichert per Sprachsample das St\u00fcck \u201eTechnofeudalism\u201c, in dem die Loops aus reichlich ungew\u00f6hnlichen Melodiefragmenten bestehen und in das die Band Sequenzen integriert, die die Wucht des Metal tragen, aber nicht dessen Sound.<br><br>Mit feministischen Inhalten geht es in \u201eJe suis le Wango\u201c weiter, gerappt auf Franz\u00f6sisch, mit einer westafrikanischen Gesangsmelodie in den Nicht-Rap-Passagen, dargeboten von Sister LB aus dem Senegal, Rapperin, Aktivistin, Feministin. Sie performt zu einer abstrakt tanzbaren Melancholie, die sich aus der Spannung zwischen H\u00e4rte und Melodie, Rauhheit und Klarheit ergibt. Bl\u00e4sersequenzen verleihen zuletzt eine zus\u00e4tzliche, aber unerwartete Struktur; naja: Erwartbar ist hier ja sowieso schon mal gar nichts, das passt also perfekt. Ein nerv\u00f6ser handgespielter Drum And Bass mit einer geloopten schr\u00e4gen Gitarre leitet eine \u201eCollective Hypnosis\u201c ein, die mit Trompetensolo, aber ohne Stimme zu einer verr\u00fcckten Party auffordert.<br><br>Zwischen Sister LB und dem n\u00e4chsten Gast liegen rund 13.800 Kilometer: Judicious Broski ist ein junger Rapper aus Tokyo, der mit seinem harten Sprachstil die Monotonie von \u201eWaku Waku\u201c \u00fcberfl\u00fcgelt. Monoton bleibt es anschlie\u00dfend in \u201ePost Math\u201c, dessen Titel man auch als Genrebeschreibung f\u00fcr Fiesta Alba heranziehen kann. Eine monotone Zwei-Ton-Gitarre<br>begleitet einen Minimal-Electro-Beat, der weit mehr nach retro klingt, als es das ansonsten weit in eine globalisierte Zukunft gerichtete Album ansonsten zul\u00e4sst. Mit ihrer kraftvollen Stimme singt Alessandra Plini danach \u201eLearn To Ride Hurricanes\u201c, und sie singt es so, dass man erstmal aufs Booklet gucken muss, ob dies wirklich ein Song \u00fcber Harry Kane sein soll. Soll es nicht. Dieser Song webt epische, harmonische Teppiche, die begleitet von den \u00fcblichen Zutaten beinahe kakophonisch erscheinen. Der Song ist ein Kopfnicker mit Genickschlag, der zuletzt sogar Punk-Speed aufnimmt, nur ohne den Punk-Rotz.<br><br>Nur die CD-K\u00e4ufer h\u00f6ren dann \u201eDromocracy\u201c. Oberfl\u00e4chlich geh\u00f6rt, hat dieses instrumentale Midtempo-St\u00fcck den geradesten Beat des Albums, doch begleitet ihn die Afrobeat-Frickelei, die man die ganze Zeit als Konstante dabei hat. Als vorletztes kehren Fiesta Alba zur\u00fcck in den Senegal und \u00fcberlassen das Mikrofon Pape Siriman Kanout\u00e9 alias Pape Kanout\u00e8, der nach einem Blues-Intro zu einem frickeligen Afrobeat mit wechselndem Tempo und eingestreuten kreischigen Effekten singt. Zuletzt geh\u00f6rt die Stimme abermals einem Sample, dieses Mal dem verstorbenen Kulturwissenschaftler Mark Fisher alias k-punk, der sich \u00fcber den Turbokapitalismus und die Folgen f\u00fcr Gesellschaft und Psyche ausl\u00e4sst. \u201eMark Fisher Was Right\u201c, behaupten Fiesta Alba deshalb und lassen ihn zu einem an Youth erinnernden Downbeat-Dub referiert. Streckenweise ist der Track wunderbar noisy, und ist das da eine Tuba, die da den Ton angibt?<br><br>Claudio Moneta wird in den Eingeweiden des Internets bei Fiesta Alba als Komponist gelistet, er d\u00fcrfte also jener Octagon sein, der hier f\u00fcr Komposition, Gitarre und Grafikdesign gelistet ist. Dieses Geheimnis l\u00fcften die Maskierten also versehentlich von sich aus, und wenn man die Suchmaschinen bem\u00fcht, finden sich f\u00fcr Herrn Moneta so Querverweise wie Roseluxx, das Ensemble Fagotti Favolosi, Il Wedding Kollektiv, Monz\u00f2n und Goah. Bleiben chiffriert: Dos Caras (Produktion, Arrangements, Synthies), Fishman (Bass) sowie die beiden Schlagzeuger El Mistico und Pyerroth. Da unter einer der Wrestlingmasken ein Rauschebart hervorquillt und Federico Scalas mit Moneta bei einigen Bands mitmachte, kann man ihn als weiteres codiertes Mitglied annehmen. Aber das ist irrelevant \u2013 was z\u00e4hlt, ist dieser genresprengende musikalische Verweis auf eine m\u00f6gliche Zukunft, die kombiniert, was sich anbietet, du daraus neue, eigene Kultur generiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (08.04.2025) Wer die vor zwei Jahren erschienene selbstbetitelte EP des italienischen Maskenensembles Fiesta Alba noch im Ohr hat, vermag zu ahnen, was ihn nun auf \u201ePyrotechnic Babel\u201c erwartet, dem ersten kompletten Album der R\u00f6mer: hyperrhythmische Zappelmusik aus &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/fiesta-alba-pyrotechnic-babel-neontoaster-multimedia-dept-bloody-sound-2025\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-7525","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7525","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7525"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7525\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7527,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7525\/revisions\/7527"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7525"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7525"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7525"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}