{"id":7501,"date":"2025-04-04T15:51:06","date_gmt":"2025-04-04T13:51:06","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7501"},"modified":"2025-04-06T20:19:53","modified_gmt":"2025-04-06T18:19:53","slug":"new-model-army-live-so36-ear-music-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/new-model-army-live-so36-ear-music-2025\/","title":{"rendered":"New Model Army \u2013 Live SO36 \u2013 Ear Music 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/New-Model-Army-Live-SO36.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/New-Model-Army-Live-SO36.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7502\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (03.04.2025)<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1989 ging ich noch in Gifhorn zur Schule und wir fuhren nach W\u00fcrzburg auf Klassenfahrt. Ich knipste zig Fotos, kaufte mir \u2013 weil mir das Cover gefiel und ich nur Gutes \u00fcber die Band geh\u00f6rt hatte \u2013 \u201eThunder And Consolation\u201c von New Model Army, machte meine ersten Erfahrungen mit dem Teufel Alkohol und hatte keine sch\u00f6ne R\u00fcckfahrt nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>New Model Army sind aber geblieben. 1990, damals bereits in Wittingen (Ortsteil L\u00fcben) beheimatet, fuhren wir nach dem \u00fcblichen w\u00f6chenendlichen Aufenthalt in unserer Stammdisko \u201eExil\u201c in Bodenteich nach Hause, einer der beiden Br\u00fcder meines Schulfreundes Joachim ist gefahren, ich glaube, es war Heini, und aus dem Autoradio ert\u00f6nte wundersch\u00f6ne, hymnische, mitrei\u00dfende Musik. Ich hatte mich damals, durch \u201eThunder And Consolation\u201c \u00fcberzeugt, es mit einer ganz wunderbaren, glaubw\u00fcrdigen und gro\u00dfartigen Band zu tun zu haben, mit dem fast kompletten Back-Katalog von NMA bevorratet, also mit \u201eVengeance\u201c, \u201eNo Rest For The Wicked\u201c und \u201eThe Ghost Of Cain\u201c, die \u201eRadio Sessions\u201c hatte ich mir aufgrund der damals allgegenw\u00e4rtigen Taschengeldbremse gespart. Da sieht man, wo sowas hinf\u00fchrt. Und dann die Heimfahrt mit Heini, und aus dem Autoradio t\u00f6nte diese wundersch\u00f6ne, hymnische, mitrei\u00dfende Musik. Und ich so: \u201eWassendas?\u201c oder so. Und Heini so: \u201eDas ist \u201aImpurity\u2018 von Army, ist gerade neu drau\u00dfen.\u201c Ich also am n\u00e4chsten Werktag los und habe mir das Teil gekauft und EGAL, wie gro\u00df \u201e51st State\u201c und die ganze \u201eGhost Of Cain\u201c sind, egal \u201eVengeance\u201c und egal \u201eNo Rest For\u201c f\u00fcr wen auch immer \u2013 \u201eThunder And Consolation\u201c und \u201eImpurity\u201c werden f\u00fcr mich auf Ewig DIE BEIDEN Army-Alben bleiben, die meine Liebe zu dieser Band geformt haben und die niemals von egal was \u00fcbertroffen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das, obwohl Justin Sullivan und seine wechselnden Mitbandbestreiter auch nach 1990 noch gro\u00dfartige Alben wie z.B. \u201eThe Love Of Hopeless Causes\u201c (1993) und\u2026 eigentlich nur noch \u201eThe Love Of Hopeless Causes\u201c gemacht haben, danach trat eine lange Durststrecke ein, die eigentlich erst dadurch durchbrochen wurde, dass ich feststellte, dass Sullivan eigentlich nie weg war und eigentlich nie entt\u00e4uscht hat. \u201eStrange Brotherhood\u201c, \u201eEight\u201c, \u201eCarnival\u201c, \u201eToday Is A Good Day\u201c, \u201eBetween Dog And Wolf\u201c, um nur einige zu nennen, waren eventuell langweilende, aber nie schlechte Studioalben, und jedes hatte seine wunderbaren Single-Auskopplungen (\u201eWonderful Way To Go\u201c, um nur eine zu nennen), und manchmal gab es sogar eine kontroversielle Atombombenbauanleitung kostenlos dazu (\u201eHere Comes The War\u201c war das, glaube ich [war es! Matze]).<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen Wein, Blut, Winter und der Nacht der tausend Stimmen entfachte Justin Sullivan noch den einen oder anderen Carnival und so schaffte es der mittlerweile 68J\u00e4hrige mit dem gro\u00dfartigen nordenglischen Dialekt, immer gro\u00dfartig und immer relevant zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und immer, wenn man denkt, nach \u201eSinfonia\u201c mit dem Sinfonia-Leipzig-Orchester geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Justin Sullivan daher und setzt dem ganzen noch irgendwie ein Husarenst\u00fcckchen obendrauf:<\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem symphonisch veredeltem Auftritt im Berliner Tempodrom 2022 gab es n\u00e4mlich daneben noch kleinere Konzerte wie zum Beispiel das hier ver\u00f6ffentlichte in der Kreuzberger Kultspielst\u00e4tte SO36. Und dieses Konzert gibt es nun auf Tontr\u00e4ger zu kaufen, es ist knapp anderthalb Stunden lang, klingt wie eine Indie-Band aus den 80ern, l\u00e4sst s\u00e4mtliche Hits der Band aus und macht Laune wie die sprichw\u00f6rtliche Sau.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eBittersweet\u201c vom 1984er Deb\u00fctalbum \u201eVengeance\u201c legen New Model Army gleich superstark los, und der typische NMA-Bass und das donnernde Schlagzeug klingen heute immer noch so, als h\u00e4tte sich die Besetzung (Justin Sullivan\/Stuart Morrow\/Robert Heaton) niemals ge\u00e4ndert. Dabei ist Sullivan das einzige verbliebene Gr\u00fcndungsmitglied der Band. Und auch das wichtigste. Sullivans Gitarre und sein Gesang sorgen f\u00fcr das unglaubliche NMA-Moment, dem man sich nicht entziehen kann, aber Michael Dean (Drums), Ceri Monger (Bass) und Dean White (Keyboard, Gitarre) machen seit Jahren bei NMA einen wirklich guten Job und sorgen daf\u00fcr, dass sich alles anh\u00f6rt, wie es sich geh\u00f6rt: Sullivans Gesang im Vordergrund, aggressive, aber dennoch sehr warm klingende Gitarre, dominanter Bass und trocken ballerndes Schlagzeug.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eAmbition\u201c (vom 1985er Album \u201eNo Rest For The Wicked\u201c) und \u201eLust For Power\u201c (vom oben besungenen 1990er \u201eImpurity\u201c) legen Sullivan, Dean, White und Monger dann nach und erst als viertes St\u00fcck ert\u00f6nt etwas Neues, n\u00e4mlich \u201eNever Arriving\u201c vom 2019er Album \u201eFrom Here\u201c. Das neue St\u00fcck f\u00fcgt sich aber sch\u00f6n nahtlos in die Setlist ein, und es hat auch keine andere Wahl, denn danach folgt \u201eA Liberal Education\u201c, auch wieder vom 1984er Deb\u00fct. Ein Hammer von einem Song, unvergleichlich dargeboten. Wer den Song noch nicht kennt, dem sei herzlich anempfohlen, den Text zu googeln: Hier wird abgerechnet, mit Eltern, die antiautorit\u00e4re Erziehung f\u00fcr sinnvoll erachten, mit Autorit\u00e4ten, die die Verantwortung einfach eine Ebene weiter nach unten verschieben, einfach mit allen, die es sich allzu leicht machen und dabei diejenigen vors Loch schieben, die sich nicht wehren k\u00f6nnen, ein Songtext f\u00fcr die Ewigkeit und das musikalisch so umgesetzt, dass man sich weder der Melodie noch der Instrumentierung irgendwie entziehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Das folgende \u201e1984\u201c, ebenfalls vom Deb\u00fct-Album, ist ein absoluter Selbstg\u00e4nger des Post-Punk, und danach folgt f\u00fcr mich eine der apseluten Sternstunden dieser Live-Darbietung: \u201eInheritance\u201c vom 1989er Album \u201eThunder And Consolation\u201c. Der Song nahm mich schon damals bei meinem ersten Kontakt mit New-Model-Army-Musik sehr gefangen: Er besteht fast nur aus dem die H\u00f6renden urst gefangennehmendem Schlagzeug-Rhythmus und ist eine Abrechnung mit den Eltern des Ich-Erz\u00e4hlers, der sich an zahlreiche Auseinandersetzungen mit diesen erinnert, von denen er hofft, dass sie nicht umsonst gewesen sind, und dennoch endet immer alles mit \u201eWas ich will, und was ich f\u00fchle, ist eures, nicht meins.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eAngry Planet\u201c erdreisten sich Army dann nochmal, dem Auditorium einen jungen Song (von \u201eBetween Wine And Blood, 2014) unterzujubeln, und was f\u00fcr einen, das Ding geht munter nach vorne los und ist wirklich gut, danach kommt \u201eHeadlights\u201c vom tollen 1998er Album \u201eStrange Brotherhood\u201c und dann hauen Sullivan und Co. ein Feuerwerk an alten Hits raus: \u201eNo Rest\u201c vom 1985er Zweitlingswerk \u201eNo Rest For The Wicked\u201c, \u201eBefore I Get Old\u201c von \u201eImpurity\u201c, \u201eThe Hunt\u201c von \u201eThe Ghost Of Cain\u201c (1986). Mit \u201eWestern Dream\u201c ist dann nochmal \u201eThe Ghost Of Cain\u201c vertreten, \u201eWhere I Am\u201c stammt wieder einmal mehr von \u201eFrom Here\u201c aus 2019 und mit \u201eFate\u201c ist dann endlich mal das 1993er Meisterwerk \u201eThe Love Of Hopeless Causes\u201c vertreten. Dann wieder das Deb\u00fctalbum mit dem Titelsong \u201eVengeance\u201c, \u201eDie Trying\u201c stammt vom 2016er \u201eWinter\u201c, \u201ePoison Street\u201c ist wieder aus 1986 und mit \u201eBetcha\u201c beschlie\u00dft ein St\u00fcck des Deb\u00fcts das Set. Mit \u201eSO36\u201c liegt nun seit \u201eRaw Melody Men\u201c (1991) und \u201eFuck Texas, Sing For Us\u201c (2008) schon wieder ein NMA-Livealbum ohne \u201e51st State\u201c vor, und die Band zeigt, dass sie ohne das und sogar ohne \u201eVagabonds\u201c sehr in der Lage ist, ein atemberaubendes Set zu bestreiten und sich einen sehr verdienten Platz im Pantheon der wichtigsten Indie-Bands der vergangenen Jahrzehnte zu sichern.<br><br>[04.03.2025: Zusatz von Matze: Etwas merkw\u00fcrdig ist die Verkaufsstrategie. \u00dcber die Bandeigene Webseite gab es die Doppel-CD inklusive DVD und einem als exklusiv angek\u00fcndigten Download-Code f\u00fcr einen weiteren Konzertmitschnitt aus dem SO36, mit 18 komplett anderen Songs in 75 Minuten, also nochmal die gleiche Spielzeit, und da auch \u2013 \u201ethis one you might know\u201c \u2013 inklusive \u201e51st State\u201c. Dank Brexit-Steuer und DHL-Wucherpauschale kostet diese Version also erheblich viel Geld \u2013 und steht dann f\u00fcr 22 Euro in genau der Variante bei M\u00fcller im CD-Regal, mit Download-Code. Besten Dank!]<\/p>\n\n\n\n<p>[06.03.2025: Noch ein Zusatz von Matze: Die Band verga\u00df den Song &#8222;225&#8220; bei den Downloads, den kann man sich &#8211; nach Registrierung &#8211; kostenlos im Shop herunterladen. In diesem Zuge erh\u00f6hte die Band die Bitrate f\u00fcr den gesamten Download. Jetzt also 19 Songs in 81 Minuten.]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (03.04.2025) Im Jahr 1989 ging ich noch in Gifhorn zur Schule und wir fuhren nach W\u00fcrzburg auf Klassenfahrt. 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