{"id":749,"date":"2013-12-22T11:26:21","date_gmt":"2013-12-22T10:26:21","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=749"},"modified":"2013-12-22T11:26:21","modified_gmt":"2013-12-22T10:26:21","slug":"jomi-massage-primitives-the-being-music-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/jomi-massage-primitives-the-being-music-2013\/","title":{"rendered":"Jomi Massage \u2013 Primitives \u2013 The Being Music 2013"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-750\" title=\"Jomi Massage - Primitives\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Jomi-Massage-Primitives.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (22.12.2013)<\/p>\n<p>Anders als gewohnt und damit als erwartet pr\u00e4sentiert sich Signe H\u00f8irup Wille-J\u00f8rgensen in ihrer Solo-Inkarnation Jomi Massage auf ihrem strenggenommen erst dritten Album \u201ePrimitives\u201c. Die fr\u00fcheren Noise- und Indie-Rock-Ausbr\u00fcche bleiben aus, sie zieht sich in eine Kammer zur\u00fcck, und das sowohl musikalisch als auch inhaltlich. \u201ePrimitives\u201c ist karg, klaustrophobisch, schwarz und, fast wie ein Kontrapunkt dazu, doch ausgesprochen kraftvoll. Im Zentrum der Aufmerksamkeit liegt ganz klar Jomis Stimme. Wer nun zu Weihnachten leicht in d\u00fcstere Stimmungen ger\u00e4t, sollte sich das Album vielleicht besser erst im Fr\u00fchjahr zulegen, wenn wieder die ersten H\u00e4schen \u00fcber die bunten Blumenwiesen h\u00fcpfen. Alle anderen d\u00fcrfen sich von Jomi in den Abgrund mitrei\u00dfen lassen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Piano ist das dominante Instrument, streckenweise gar das einzige. Nur streckenweise: Die Ukulele ert\u00f6nt mal, und es gibt ein paar verfremdete Instrumente. Das Tempo ist angemessen gedrosselt, was allerdings keine Kuschelrocksongs ergibt, sondern karge, dunkle Blicke in die Seele, manchmal auch nur schwer gebremste Wutausbr\u00fcche. So r\u00fcckt Jomis Stimme zwangsl\u00e4ufig ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Stimme ist so kraftvoll, wie es zeitgen\u00f6ssische Frauenstimmen kaum sind, also nicht so gepitcht wie die von Adele und Amy, sondern eher so durchdringend wie bei deren Vorbild Shirley Bassey, nicht so elfengleich wie die von Bj\u00f6rk, Stina Nordenstam oder ihrer Freundin Henriette Sennenvaldt von Under Byen, nicht so aufgekratzt wie die von Kate Bush oder Tori Amos. Wenn schon eine D\u00e4nische Parallele, dann ist es eher die dunkle F\u00e4rbung der Stimme von Gry Bag\u00f8ien, die als Vergleich herhalten darf. Vielmehr erinnert Jomis stimmliche Ausdrucksst\u00e4rke an New-Wave-S\u00e4ngerinnen wie Souxsie Sioux, Diamanda Gal\u00e1s oder Lene Lovich. Selbst wenn Jomi ins Schr\u00e4ge kippt, bleibt ihre Stimme fest; es sind dann eher die Melodien oder die \u00fcber den Gesang geschichteten Stimmeffekte, die das Schr\u00e4ge ausmachen. Jomi hat in jedem Falle eine bemerkenswerte, eindrucksvolle, dunkle Stimme und eine kraftvolle, selbstbewusste, attraktive Art zu singen.<\/p>\n<p>Ausgerechnet das in Sachen musikalischer W\u00e4rme und Gesangsmelodie noch am ehesten in Richtung Wohlklang, Atmosph\u00e4re oder gar Pop tendierende St\u00fcck \u201eA Fake Start Is Life\u201c \u2013 wohl nicht zuf\u00e4llig auch die Single des Albums \u2013 hat den abgr\u00fcndigsten Text: \u201eI Tell myself: &#8218;The best is yet to come \u2013 we all shall come from hell&#8216;.\u201c Um dann bis zum Lied-Ende die Worte \u201eFrom hell\u201c immer durchdringender und dar\u00fcber gemixt verlangsamt-grunzend zu wiederholen. Man m\u00f6chte gar nicht im Detail wissen, was Jomi alles so im Leben hat erleben m\u00fcssen. Ihre ersten Tondokumente ver\u00f6ffentlichte sie 1994 mit der Band Murmur. Da war sie zwar nicht allein f\u00fcr die Texte zust\u00e4ndig, aber \u2013 in dem St\u00fcck \u201eEnjoy\u201c hei\u00dft es: \u201eWhat can I enjoy how can I be happy \/ You still got your two legs you walk maybe \/ I&#8217;ll cut them off but then what would I \/ Lick maybe I shoul \/\/ I can fuck you in your sleep \/ Can I fuck you in a coma \/ Hit you hard in the head: Enjoy\u201c. Ja, h\u00fcpfende Kaninchen findet man woanders.<\/p>\n<p>Murmur war nur die erste Etappe in Jomis bald 20-j\u00e4hriger Karriere und nahm schon den ebenfalls dunklen Indie-Noise-Rock vorweg, den sie sp\u00e4ter mit ihrer Band Speaker Bite Me und noch auf ihrem Solo-Deb\u00fct \u201eAloud\u201c auslebte. Zwischendurch ver\u00f6ffentlichte sie mit Luke Sutherland von Long Fin Killie unter dem Namen Bows zwei Alben mit Trip-Hop-Downbeat-Electro, und ebenjener Sutherland steuert auf \u201ePrimitives\u201c die verfremdeten Instrumente bei, ohne das Produkt in Richtung Bows gehen zu lassen. Aber er war ja auch schon am Vorg\u00e4ngeralbum \u201eFrom Where No One Belongs\u201c beteiligt. Obwohl, Vorg\u00e4ngeralbum war eigentlich \u201eDr\u00e5bers Logik\u201c, eine Kollaboration mit der Lyrikerin Anne Lise Marstrand-J\u00f8rgensen, deren Ergebnis Jomi selbst als \u201emeditative evil new age\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Was nun die Songs betrifft, so bietet Jomi zwar keine leichte Kost. Aber Qualit\u00e4t, und zwar kontinuierlich. Man kann sich alles bedenkenlos zulegen, woran sie beteiligt ist, und sich nur wundern, dass so jemand international so unentdeckt bleibt. Aber selbst in D\u00e4nemark ist sie eher ein Nischenph\u00e4nomen, dort aber ein gefeiertes und in Kunstkreisen begehrtes. \u201ePrimitives\u201c gibt es auf Vinyl mit Bonus-CD, es liegen DIN-A-4-Zettel mit Texten bei, die fast so gestaltet sind wie die j\u00fcngsten Underworld-Produkte. Das Album ist nur 33 Minuten lang, aber die L\u00e4nge sagt ja bekannterma\u00dfen nichts \u00fcber die Qualit\u00e4t aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (22.12.2013) Anders als gewohnt und damit als erwartet pr\u00e4sentiert sich Signe H\u00f8irup Wille-J\u00f8rgensen in ihrer Solo-Inkarnation Jomi Massage auf ihrem strenggenommen erst dritten Album \u201ePrimitives\u201c. 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