{"id":7400,"date":"2025-03-07T15:41:56","date_gmt":"2025-03-07T14:41:56","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7400"},"modified":"2025-03-07T15:41:56","modified_gmt":"2025-03-07T14:41:56","slug":"flow-straume-gints-zilbalodis-lv-b-f-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/flow-straume-gints-zilbalodis-lv-b-f-2024\/","title":{"rendered":"Flow (Straume) \u2013 Gints Zilbalodis \u2013 LV\/B\/F 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (07.03.2025)<br><br>Merkw\u00fcrdig, dass erst ein Preisregen daf\u00fcr sorgt, dass ein Film, der keinerlei Kosten f\u00fcr sprachliche Neubearbeitung erfordert, \u00fcberhaupt in Deutschland im Kino gezeigt wird. Vermutlich ist er nicht ausreichend Disney, um zu erwarten, dass er von hinreichend Interesse sein k\u00f6nnte. Denn \u201eFlow\u201c ist ein Animationsfilm, der eine Katze mit anderen, teils helfenden, teils streitbaren Gefolgstieren auf einem Boot durch die Reste einer aufgelassenen menschlichen Zivilisation schippernd zeigt. Der Film ist aus Lettland, au\u00dferdem. Ohne menschliche Worte, au\u00dferdem. Allein f\u00fcr die Gestaltung verdient \u201eFlow\u201c jede Aufmerksamkeit, auch wenn die episodische Story naturgegeben etwas d\u00fcnn ist.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Kann man bei einem Animationsfilm von Kamerafahrten sprechen? Schwierig, oder? Aber die Entsprechung solcher beeindruckt als erstes, \u201eFlow\u201c erweckt damit den Eindruck, abgefilmt zu sein, mit Handkamera, Drohnen oder sonstigen dynamischen Mitteln. Fortw\u00e4hrend umkreist man die Hauptfigur, eine schwarze Katze, begleitet ihre Emotionen, den \u00dcberlebenswillen, die Todesangst, die Zuneigung, die Abneigung, das Desinteresse, die Neugier, die sie nicht allein mit Blicken oder gelungen abgebildeten katzenartigen Bewegungen ausdr\u00fcckt, sondern die diese Kamerabewegungen zus\u00e4tzlich unterst\u00fctzen. Zun\u00e4chst im Wald, sp\u00e4ter auf dem Boot, auch unter Wasser ist man nah dran, nimmt teilweise ihren Blickwinkel ein, blickt andernteils auf sie. Man ist bald selbst Katze.<br><br>Dies Katze nun schleicht in einem Wald umher und wird von fl\u00fcchtenden Hasen und Hirschen erschreckt. Die Hasen fl\u00fcchten vor einem Rudel Hunde, die Hirsche vor Wasser \u2013 in dem die Katze sich eben noch an einem Ufer spiegelte, das aber pl\u00f6tzlich zur t\u00f6dlichen Bedrohung wird, als es die Welt zu \u00fcbersp\u00fclen beginnt. Zusammen mit einem der Hunde, dem wei\u00dfen, fl\u00fcchtet die Katze zu ihrem Unterschlupf, das aufgelassene Haus eines K\u00fcnstlers, der Katzen skizzierte, um aus ihnen Skulpturen zu gestalten. Doch das Wasser steigt und auch diese Zuflucht bietet keinen Schutz mehr. Also rettet sie sich in ein vorbeitreibendes Boot, in dem bereits ein Wasserschwein Unterschlipf fand. F\u00fcrderhin gesellen sich weitere Gesellen hinzu: der wei\u00dfe Hund, einer der feindseligen Gro\u00dfv\u00f6gel, ein Lemur. Jeder hat einen eigenen Charakter und daher eigene Motivationen, die auf dem Boot einander wahlweise erg\u00e4nzen oder miteinander kollidieren. Als externer Retter tritt gelegentlich eine Art Leviathan auf, ein gigantischer Wal, der nach keiner bekannten Art gestaltet ist, sondern eher so fantasym\u00e4\u00dfig.<br><br>Ab jetzt wird es etwas ziellos, denn das Ziel des Ganzen ist eher uneindeutig. \u00dcberleben, irgendwie, klar, aber warum dann die Fortbewegung? Die Arche kommt an allen m\u00f6glichen B\u00e4umen, Inseln, Geb\u00e4uderesten vorbei, setzt die Fahrt aber fort, nur mit welchem Plan? Die kleinen episodischen Einsch\u00fcbe haben zudem etwas Loopartiges, wenn die Katze fortw\u00e4hrend \u2013 gegen ihre Natur \u2013 ins Wasser f\u00e4llt, wenn das Boot vom Kurs abkommt und von den Tieren, die ansonsten kaum menschliche Eigenschaften haben, gesteuert werden muss, oder wenn es zu Konflikten mit anderen Lebewesen kommt, einem Boot voller selbstverliebter Lemuren, die Katze jagenden Gro\u00dfv\u00f6geln oder den geretteten restlichen Hunden etwa. Zuletzt verschwindet das Wasser einfach wieder, die Tiere werden dramatisch gerettet und formieren eine Viererbande. Joa, Botschaft ist angekommen.<br><br>Lediglich vier deshalb, weil zwei auf der Strecke bleiben: In einer spirituell-psychedelischen Sequenz verabschiedet sich der Stelzvogel ins Sternenreich, lediglich beobachtet von der Katze. Diese Szene kommt \u2013 obwohl man von einer kampfbedingten Fl\u00fcgelverletzung wei\u00df \u2013 etwas unvorbereitet und bleibt einem deshalb auch eher egal. Anders der Leviathan, der nach R\u00fcckgang des Wassers schwer atmend auf einem H\u00fcgel vertrocknet. Wer nach dem Abspann sitzen bleibt, sieht ihn dann aber doch wieder majest\u00e4tisch im Wasser herumtollen. Tod ist hier also nichts Endg\u00fcltiges oder Schlechtes, auch wenn die Tiere ums \u00dcberleben k\u00e4mpfen.<br><br>Das Loopartige der Erz\u00e4hlung birgt Vor- und Nachteile. Als die Katze erstmals von den V\u00f6geln gegriffen und verschleppt wird, kann sie sich losrei\u00dfen und landet zuf\u00e4llig doch wieder auf dem Boot. Das wirkt erz\u00e4hlerisch etwas simpel, aber man stellt bald fest, dass dies Methode hat, denn s\u00e4mtliche eingef\u00fchrten Tiere kommen mindestens noch einmal vor. Ja, es lohnt sich, selbst auf die Hirsche und den Hasen zu warten. Der Zufall schlie\u00dft es mit ein, dass selbst Objekte wiederholt angeschwemmt werden, wie die mit Seilen umknotete Glaskugel, und erweckt den Eindruck, dass diese Wasserwelt bei aller zur\u00fcckgelegter Distanz ausschlie\u00dflich von denselben wenigen Figuren belebt ist. Von Menschen schon mal gar nicht, Relikte einer Zivilisation wirken, als w\u00e4ren sie bereits lang vor der Flut aufgegeben worden, selbst das Atelier des Katzenk\u00fcnstlers. Zudem l\u00e4sst es sich zeitlich nicht einordnen, wann diese Flut eintritt, denn das Modernste, was man zu sehen bekommt, sind Holzboote.<br><br>Das Sehen indes ist die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Freude, die dieser Film offeriert. Die Natur, die Landschaft, das Wetter, die Ruinen, alles wirkt fotorealistisch, und dann noch mit solch einer Dynamik und einem solchen Detailreichtum dargestellt, dass es einem umso echter vorkommt und einen mit Sch\u00f6nheit erschl\u00e4gt. Anders wiederum die Tiere, die man zwar als dreidimensional auffassen kann, deren F\u00e4rbung allerdings, offenbar aus k\u00fcnstlerischen Gr\u00fcnden, so fl\u00e4chig gestaltet ist wie bei Malen nach Zahlen. Das akzeptiert man aber leicht, weil die Verhaltensweisen der Tiere, insbesondere von Katze und Hund, dem vertrauten Verhalten eigener Haustiere entspricht, \u00fcber das man im Film sogar lachen kann \u2013 so sind sie halt, wie Hund und Katze. Einzig, dass die Fische nach dem Gefangenwerden an Land nicht zappeln, ist eher untypisch. Die Welt wiederum, in der die Tiere sich bewegen, erinnert trotz der Realit\u00e4tsn\u00e4he in ihrer mystischen Darstellung bisweilen an Open-World-Videospiele, vielleicht an \u201eZelda\u201c, auch mit einer \u00e4hnlich diffusen Zielsetzung, der man folgt.<br><br>In den Episoden nun h\u00e4tte man sich etwas mehr Abwechslung gew\u00fcnscht, die gezeigte Welt bietet mehr Abenteuer, als dass die Katze lediglich ins Wasser f\u00e4llt. Da merkt man dann schon, dass \u201eFlow\u201c eine Mischung aus Remake und Fortsetzung eines Kurzfilms ist, den Regisseur Gints Zilbalodis 2012 zu Studizeiten angefertigt hatte \u2013 kaum vorstellbar, wenn man die beiden vergleicht, denn \u201eAqua\u201c ist grob gezeichnet und animiert, w\u00e4hrend \u201eFlow\u201c \u00fcberbordet vor Details. So wirkt diese Version dann auch eher, als h\u00e4tte der Lette mehr Freude am Gestalten als am Erz\u00e4hlen, aber das macht nichts, man kann im Wortsinne abtauchen in diesem Film, der mehr an Studio Ghibli erinnert als an Disney, Gott sei\u2019s gepriesen, und musikalisch zwischen Hollywood und Ambientscore ebenfalls den Schwerpunkt auf das Alternative verlegt. Und nach dem Film geht\u2019s erstmal die Katze kuscheln und mit dem Hund zocken, ja?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (07.03.2025) Merkw\u00fcrdig, dass erst ein Preisregen daf\u00fcr sorgt, dass ein Film, der keinerlei Kosten f\u00fcr sprachliche Neubearbeitung erfordert, \u00fcberhaupt in Deutschland im Kino gezeigt wird. 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