{"id":7394,"date":"2025-03-05T21:26:53","date_gmt":"2025-03-05T20:26:53","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7394"},"modified":"2025-03-05T21:26:53","modified_gmt":"2025-03-05T20:26:53","slug":"was-meine-freundin-gerne-liest-die-literaturkolumne-ich-und-mein-staubsauger-freund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/was-meine-freundin-gerne-liest-die-literaturkolumne-ich-und-mein-staubsauger-freund\/","title":{"rendered":"Was meine Freundin gerne liest \u2013 die Literaturkolumne: Ich und mein Staubsauger-Freund"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Was-meine-Freundin-gerne-Logo-111.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Was-meine-Freundin-gerne-Logo-111.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4578\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von OnkelRosebud<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch und mein Staubsauger\u201c, was f\u00fcr ein genialer Name, war eine unabh\u00e4ngige Zeitschrift in Westberlin, erschien erstmals im September 1986 als billig fotokopiertes \u201eFanzine&#8220; und hielt 25 Ausgaben durch. Bemerkenswert daran war, dass es die ersten literarischen Schritte von Max Goldt (*1958) dokumentiert, der sich damit f\u00fcr die Satirezeitschrift \u201eTitanic\u201c empfahl. Zwischen 1989 und 1998 ver\u00f6ffentlichte er dort Kolumnen unter anderem unter dem Titel \u201eAus Onkel Max\u2019 Kulturtagebuch\u201c und \u201eInformationen f\u00fcr Erwachsene\u201c. Dabei spielte es kaum eine Rolle, wor\u00fcber Herr Goldt jeweils schrieb, das \u201eWie\u201c war entscheidend und zu jener Zeit einzigartig in Sachen Wortwitz und Sprachstil. Wenn irgendwas das Etikett \u201eKult\u201c verdient, dann diese 108 Texte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Da meine Freundin mich schon l\u00e4nger kennt, st\u00f6rt sie offensichtlich nicht, dass ich f\u00fcr jede Lebenssituation ein Zitat von ihm oder eine Zeile aus den Songs seiner Band Foyer des Arts auf Lager habe. Max Goldt, der eigentlich Matthias Ernst hei\u00dft, ist auch daf\u00fcr verantwortlich, dass ich zum Beispiel immer als erstes bei Fremden im Bad unter die Klofu\u00dfumpuschelung schaue oder die \u201eKunst des Seitlich-Daran-Vorbeigehens\u201c perfektioniert habe. Den Bogen, den ich dabei um unliebsame Sachen mache, ist so gro\u00df, wie? Na klar, der Pariser Triumphbogen. Ich habe ein Mardergerippe zu Hause, verpacktes Vinyl bezeichne ich als Hartk\u00e4se und Rohlingsspindeln kann ich nicht wegschmei\u00dfen. Meine Freundin muss leider auch akzeptieren, dass ich von ihm die Rolle eines skeptisch-am\u00fcsierten Beobachters gelernt habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Um es auf den Punkt zu bringen: Max Goldt ist mein gro\u00dfes Vorbild. Ich himmelte ihn an, den Mann. Das \u201eOnkel\u201c in meinem Synonym spielt darauf an. Ich kann ihm nat\u00fcrlich nicht ann\u00e4hernd das Wasser reichen. Als simpler Lokalreporter f\u00fcr krautnick traue ich mich gar nicht, mich mit ihm zu vergleichen oder ein \u201ePasticcio\u201c zu sein, also einer, der ein breites Spektrum zwischen liebevoller Nachahmung und schlechter Kopie abbildet. Daf\u00fcr bin ich aber auch nicht hauptberuflich humoristischer Sprachkritiker. Das, was ich an Onkel Max am meisten bewundere, ist die Kunst, nicht auf Pointen zuzusteuern und komisch auf eine Weise zu sein, die kein prustendes Gel\u00e4chter hervorruft. Hinzu kommt, dass Max Goldt ein Paganini der Abschweifung ist. Also, einer, wie Harry Rowohlt einer war, der sich herrlich in einem Thema verzetteln kann und vom Hundertsten zum Tausendsten kommt. Ich verehrte ihn derma\u00dfen, dass ich mich einst auch nicht traute, mir nach einer Lesung von ihm ein Autogramm geben zu lassen, und schickte meine Freundin mit dem Argument vor, seit wann kommt der Prophet zum Berg.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit seiner selbst diagnostizierten Schreibblockade in den 2010er Jahren wurde Max Goldt immer etwas schrulliger und feister anzusehen, um nicht das Wort \u201eaufgedunsen\u201c zu strapazieren. Ich sah ihn auf einem Konzert in der Volksb\u00fchne Berlin von Anohni, als sich die transgeschlechtliche S\u00e4ngerin noch \u201eAnthony And The Johnsons\u201c nannte. Das Konzert war extrem mitrei\u00dfend, aber er sa\u00df die ganze Zeit an der Bar und lie\u00df sp\u00e4ter \u00f6ffentlich verlauten, dass das Gendern f\u00fcr ihn eine Zumutung sei. Er ver\u00f6ffentlicht keine B\u00fccher mehr, aber Comics und Tontr\u00e4ger. Auf den letzten m\u00e4andern seine S\u00e4tze scheinbar zuf\u00e4llig einem ungewissen Ziel entgegen. Manchmal kann das sehr komisch sein, manchmal allerdings auch ganz schlicht langweilig. F\u00fcr mich hinterl\u00e4sst er den Eindruck, mit Starrsinn gegen den Zeitgeist anzuk\u00e4mpfen. Steven Patrick Morrissey aus Manchester, wohnhaft in Rom, l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen. Und \u201eaufgedunsen\u201c nehme ich zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Onkel Max for Bundespr\u00e4sident fordert<\/p>\n\n\n\n<p>Onkel Rosebud<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von OnkelRosebud \u201eIch und mein Staubsauger\u201c, was f\u00fcr ein genialer Name, war eine unabh\u00e4ngige Zeitschrift in Westberlin, erschien erstmals im September 1986 als billig fotokopiertes \u201eFanzine&#8220; und hielt 25 Ausgaben durch. 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