{"id":7391,"date":"2025-03-05T21:25:52","date_gmt":"2025-03-05T20:25:52","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7391"},"modified":"2025-03-05T21:27:15","modified_gmt":"2025-03-05T20:27:15","slug":"dirkschneider-balls-to-the-wall-reloaded-reigning-phoenix-music-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/dirkschneider-balls-to-the-wall-reloaded-reigning-phoenix-music-2025\/","title":{"rendered":"Dirkschneider \u2013 Balls To The Wall Reloaded \u2013 Reigning Phoenix Music 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Dirkschneider-Balls-To-The-Wall-Reloaded.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Dirkschneider-Balls-To-The-Wall-Reloaded.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7392\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (05.03.2025)<\/p>\n\n\n\n<p>Dirk Schneider? Dark Schneider? Null Null Schneider? Dee Snyder? Ha \u2013 Treffer! Letzterer wirkt tats\u00e4chlich auf Udo Dirkschneiders aktuellem Album \u201eBalls To The Wall Reloaded\u201c mit \u2013 der Twisted-Sister-Frontmann unterst\u00fctzt Udo kongenial auf dem 2025er Remake von \u201eLosers And Winners\u201c. Eigentlich gar nicht mal unbedingt der st\u00e4rkste Track auf dem 1983er Nachfolger des Accept-\u00dcberhammers \u201eRestless And Wild\u201c, bekommt \u201eLosers And Winners\u201c durch den abwechselnden Gesang Dirkschneiders und Snyders (hihi, Dirk Snyder, hihi, prust!) eine ganz neue Dynamik aufgedr\u00fcckt, die beiden singen zusammen, als h\u00e4tten sie nie etwas anderes getan, und der satte Sound der zeitgen\u00f6ssischen Produktion sowie die in keinster Weise zu beanstandende Instrumentenbeherrschung der aktuellen U.D.O.-Besetzung Peter Baltes (Ex-Accept, Bass), Andrey Smirnov (Gitarre), Dee Dammers (Gitarre) und Sven Dirkschneider (Schlagzeug) tragen ihren Teil dazu bei, dass ich nur zu gerne bereit bin, mich mit dem stets im Schatten von \u201eRestless And Wild\u201c gestanden habenden \u201eBalls To The Wall\u201c zu besch\u00e4ftigen. Quasi das \u201eIron Fist\u201c von Accept? Nat\u00fcrlich nicht, denn obwohl das 1983er Accept-Album vom Vorg\u00e4nger \u00fcberstrahlt wird (was angesichts von \u201eFast As A Shark\u201c und \u201ePrincess Of The Dawn\u201c auch nicht anders sein kann), ist es ein richtig feines Bravourst\u00fcck des deutschen Heavy Metals, das den Vergleich mit seiner am vergangenen Freitag erschienenen Rewiederneueinspielung nicht zu scheuen braucht.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ich mache mir bei solchen Re-Releases immer eine Playlist in meinem Clementine-Musikabspielprogramm, in der das neu eingespielte Album und das Original sich dergestalt abwechseln, dass ich immer zuerst die neue Version des jeweiligen Songs und dann das Original h\u00f6ren kann, und dabei kommt \u201eBalls To The Wall\u201c richtig gut weg (auch \u2013 Spoilerwarnung \u2013 wenn sich das Remake durchaus besser anh\u00f6rt, aber das Original ist eben doch das Original). Nicht nur Udos Stimme war schon 1983 Weltklasse (sie ist aber sehr gut gealtert und Udo kann sie mit Anfang 70 professioneller und gezielter einsetzen als vor \u00fcber 40 Jahren), das \u00fcberaus trocken klingende Schlagzeug von Stefan Kaufmann tr\u00e4gt viel zum Charme des urspr\u00fcnglichen Eier-an-die-Wand-Albums (ein Titel wie geschaffen daf\u00fcr, am unmittelbar bevorstehenden Osterfest geworshipped zu werden) bei (wobei aber Udos Sohn Sven auf der aktuellen Version mit seinem Schlagzeugspiel ebenfalls absolut gl\u00e4nzt), und bei der Gitarrenarbeit von Accept-CEO Wolf Hoffmann war schon auf \u201eBalls To The Wall\u201c zu erkennen, dass er sein Instrument seit mindestens dem Mittelalter beherrscht und bereits 1983 so manche Bestandteile in seinen Soli verwurschtete, die er dann 1985 auf \u201eMetal Heart\u201c zur Perfektion trieb. Klar, nur Wolf Hoffmann ist Wolf Hoffmann, aber die beiden U.D.O.-Gitarristen Smirnov und Dammers sind richtig klasse, und auch wenn sie die Hoffmann-Riffs und -Soli sich nicht selber ausgedacht haben \u2013 saugut spielen k\u00f6nnen sie sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun aber zur Track-by-Track-Rewiev, eine Kunstform, die \u201eBalls To The Wall Reloaded\u201c mehr als verdient hat:<\/p>\n\n\n\n<p>Udo hat sich f\u00fcr jeden Song eine:n Duettpartner:in gesucht, die\/der dem jeweiligen St\u00fcck einen neuen Aspekt verleiht, manchmal verz\u00fcckt, manchmal nicht ganz hinhaut, aber unter dem Strich immer eine gute Wahl ist:<\/p>\n\n\n\n<p>Auf St\u00fcck 1, dem Titelst\u00fcck, ist es Joakim Broden von der von mir verschm\u00e4hten und ungesch\u00e4tzen WK1-Metal-Formation Sabberton aus (wie auch sonst?) Schweden. Aber schei\u00df die Wand an \u2013 Broden macht seinen Job wirklich verdammt gut und der st\u00e4ndige Wechsel zwischen seinem eher tiefen und pathetischen Gesang und Udos charakteristischem Gekeife stimmt die H\u00f6renden super auf alles ein, was danach kommt. Und w\u00e4hrend Hoffmanns Original-Soloarbeit dadurch brillierte, dass sie neben herrlichem Gequietsche und Gekreische dann vom \u201eOooh, hohoooho hohooooo\u201c-Chor der restlichen Bandmitglieder eingefangen wurde, ert\u00f6nt auf dem Remake ein Gitarrensolo, das ap-se-lut von \u201eMetal Heart\u201c stammen k\u00f6nnte. Soowas Sch\u00f6nes! Das \u201eOooh, hohoooho hohooooo\u201c ist hier viel zur\u00fcckgenommener und l\u00e4sst dem Solo mehr Raum, eins zu null f\u00fcr die neue Version! Und murmeln und raunen kann Udo immer noch wie damals, und auch danach wieder ins Schreien zu verfallen \u2013 eine Schande, dass Accept Udo in den 80ern ausrangierten, weil er vermeintlich ihrem kommerziellen Erfolg im Weg stand. Der Charme und die Originalit\u00e4t der ersten Accept-Alben speisten sich prim\u00e4r aus dem Songwriting, dem Zusammenspiel der Musiker und der Stimme Udo Dirkschneiders und nur sekund\u00e4r aus der Virtuosit\u00e4t eines Wolf Hoffmann, und genau das wird deutlich, wenn man sich die Neueinspielungen anh\u00f6rt, die auch ohne Hoffmann ann\u00e4hernd denselben Zauber entfalten. Wobei ich Hoffmanns Gro\u00dfartigkeit hier aber keineswegs infrage stellen m\u00f6chte: H\u00f6rt Euch das Original einfach auch nochmal an und lasst Euch begeistern.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf \u201eLondon Leatherboys\u201c \u2013 damals wie heute wunderbar eingeleitet von Baltes\u2019 Bass \u2013 hat sich Dirkschneider den Saxon-Frontmann Biff Byford an seine Seite geholt, der dann auch gleich das St\u00fcck einleitet und nach den ersten Zeilen von Dirkschneider begleitet wird. Die beiden Stimmen klingen \u00e4hnlich kreischend, aber Byford t\u00f6nt etwas tiefer und dadurch weniger halbstark anmutend und sie erg\u00e4nzen sich auf das Vortrefflichste.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim n\u00e4chsten St\u00fcck war ich sehr, sehr gespannt, ob sich das Gesangsduett ebensogut ausgeht wie zuvor, denn Udos Duettpartner auf \u201eFight It Back\u201c ist Kreator-Gitarrist und -Frontmann Mille Petrozza, der zwar ebenfalls durch eine keifende Gesangs\u00e4sthetik auff\u00e4llt, aber mit deutlich mehr Gewalt und Brutalit\u00e4t als Udo. Aber was soll ich sagen, das Ganze klappt hervorragend. Mille beginnt, irgendwann f\u00e4llt Udo ein, dann singen sie abwechselnd, dann wieder zusammen und es klingt gro\u00dfartig.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach \u00fcbernimmt Schweden das Feld \u2013 \u201eHead Over Heels\u201c startet mit dem supertollen Bass\/Gitarre-Zusammenspiel von Baltes und Smirnov\/Dammers, das sich dann herausbildende Riff ist l\u00e4ssig wie kaum etwas und dann\u2026 we\u2019re leaving together. But still it\u2019s farewell. Aber Moment \u2013 wir sind hier ja gar nicht bei Europes \u201eFinal Countdown\u201c, obwohl sich Nils Molin, der S\u00e4nger der schwedischen Power-Metal-Band Dynazty fast so anh\u00f6rt. Sein in meinen Augen ein wenig kitschig anmutender Gesang wird aber von Udo gut eingefangen, im Wechsel mit seiner ikonischen Reibeisenstimme macht sich Molin wirklich gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Jau, und dann ein nochmal l\u00e4ssigeres Gitarrenintro und auch auf \u201eLosing More Than You\u2019ve Ever Had\u201c l\u00e4sst Udo dem Gast den Vortritt \u2013 ein netter Zug, der sich wie ein roter Faden durch das Album zieht \u2013 und der ist dieses Mal Michael Kiske, die Luftangriffssirene auf dem Dach der Hamburger Power-Metal-Institution Helloween, das kann ja was werden! Aber schei\u00df was, Kiske singt furchtlos los und das passt super zum einleitenden Riff (und ja, als alter \u201eKeeper\u201c-Fan mag ich Kiskes Gesang sehr gerne), wird dann gleich von Udo abgel\u00f6st und zeigt beim Refrain, welche Power er in der Stimme hat, dann wieder mal Kiske, mal Dirkschneider, mal beide zusammen und das Ganze ist eine wahre Festivit\u00e4t. Haben ja auch eine \u00e4hnliche Frisur, die beiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach wird es dann spannend: Mit Ylva Eriksson von den Brothers Of Metal teilt sich auf \u201eLove Child\u201c erstmals auf dem Album eine Frau den Gesang mit Udo. Aber auch das haut bestens hin: Ylva beginnt, wird nach der ersten Zeile von Udo abgel\u00f6st, dann singen beide zusammen und dann wieder im Wechsel. Hammer, welches Gesp\u00fcr hier f\u00fcr die Auswahl der Duettpartnerin an den Tag gelegt wurde, von Udo und Ylva w\u00fcrde ich mir gerne ein komplettes Album w\u00fcnschen, vorn mir aus k\u00f6nnten sie darauf auch gerne Abba oder Roxette covern, Hauptsache, die restliche U.D.O.-Besetzung ist ebenfalls mit von der Partie.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend kommt der in meinen Augen musikalische Tiefpunkt von \u201eBalls To The Wall\u201c, n\u00e4mlich \u201eTurn Me On\u201c, bei dem Udo von Danko Jones unterst\u00fctzt wird. Das passt. Danko Jones ist durchschnittlich, aber mit Schmackes, und ebensolches trifft auch auf die Neuinterpretation von \u201eTurn Me On\u201c zu. Auch hier der Tiefpunkt, macht aber dennoch Laune, nicht zuletzt wegen des Gitarrensolos.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend dann \u201eLosers And Winners\u201c, das ich schon weiter oben abgek\u00fcndigt hatte; nichts mit Dee Snider am Mikro wird jemals schlecht sein, und His Twistedsisterness und Udo gemeinsam hauen es einfach raus, zwei sympathische Ikonen, die der Welt nichts beweisen m\u00fcssen und es deshalb mit wachsender Begeisterung immer wieder tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Den n\u00e4chsten Co-Singer finde ich dann richtig interessant, denn es ist Tim \u201eRipper\u201c Owens, der mir schon auf den Nicht-Halford-Ver\u00f6ffentlichungen von Judas Priest sehr gut gefallen hat, den ich aber anschlie\u00dfend komplett aus den Augen verloren hatte. Auf \u201eGuardian Of The Night\u201c liefert er sich mit Udo Dirkschneider ein packendes Duell, beide keifen um die Wette und harmonieren im Refrain pr\u00e4chtig miteinander. Eine gute Wahl, den Ripper hier mit reinzunehmen, finde ich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Partnerwahl f\u00fcr das das Album abschlie\u00dfende und wundersch\u00f6ne (sorry, Stratmann) \u201eWinter Dreams\u201c hingegen war alternativlos: Ohne Doro Pesch sollte sich die Neuaufnahme eines Metal-Klassikers wie \u201eBalls To The Wall\u201c nicht gestalten lassen, zumal Doro ja auch mit \u201eBurning The Witches\u201c im Folgejahr des Erscheinens von \u201eBalls To The Wall\u201c ihre Karriere begr\u00fcndete und somit auch ein ziemliches Urgestein des deutschen Heavy Metal darstellt, und dazu ein \u00fcberaus begabtes und charismatisches. \u201eWinter Dreams\u201c als solches ist ja schonmal ein ziemlicher Hammer, Hoffmanns Akustikgitarre zu Beginn des St\u00fccks begeisterte damals und tut es in der Smirnov\/Dammers-Version auch heuer, 1983 zeigte Dirkschneider, dass er au\u00dfer dem f\u00fcr ihn typischen Reibeisengekreische auch ruhigeren Gesang beherrscht, dieser klingt allerdings immer noch nicht nach schwedischem Raumfahrtrock, sondern eher nach Lemmy von Mot\u00f6rhead, wenn dieser Balladen singt (ja, Christof \u2013 \u201e1916\u201c von Mot\u00f6rhead IST besser gesungen als die Coverversion von Sabbaton, finde ich zumindest), also ist es mal an der Zeit, eine sch\u00f6ne Accept-Ballade mit einer sch\u00f6nen Stimme zu vertonen, und wer k\u00f6nnte das besser tun als Doro Pesch? Keine Ahnung, vielleicht Sabina Classen oder Angela Gossow, beide w\u00fcrde ich Dirkschneider jedenfalls gerne als Duettpartnerinnen ans Herz legen, aber Schwamm dr\u00fcber: Doro macht den Job sehr gut. Wie gewohnt darf sie beginnen, wird aber gleich nach der ersten Zeile von Udo abgel\u00f6st, der sehr gef\u00fchlvoll (was er wirklich kann!) zu Werke geht, gleichzeitig geht die Band \u00e4hnlich behutsam vor, als gelte es, ein zeitgen\u00f6ssisches Niedecken-Album zu begleiten (das ist jetzt positiv gemeint, ich verehre Niedecken sehr), und der Wechsel im Gesang zwischen Doro und Udo klappt ganz hervorragend, vor allem die dritte Stophe (\u201eThe world seemed so clear, like a wonderful diamond\u201c etc.), in der Pesch und Dirkschneider sich Zeile f\u00fcr Zeile abwechseln, ist bezaubernd wie Sau. Das Original war schon supersch\u00f6n, die Neuaufnahme ist es allemal, allein ich vermisse den Zauber des Sounds von damals \u2013 irgendwie unter einer angemessenen Patina mit sch\u00f6n viel Hall verborgen, aber dennoch 5 Sterne f\u00fcr die neue Version.<\/p>\n\n\n\n<p>Das H\u00f6ren von \u201eBalls To The Walls Reloaded\u201c l\u00e4sst den sich Rezensenten in Ehrfurcht zum einen vor der Gro\u00dfartigkeit der urspr\u00fcnglichen Accept-Kompositionen und zum anderen vor der Tatsache, dass Udo Dirkschneider seit nunmehr 38 Jahren in verl\u00e4sslicher Regelm\u00e4\u00dfigkeit verdeutlicht, dass er es niemals n\u00f6tig hatte, seine Kunst mit Hilfe des Etiketts \u201eehemaliger S\u00e4nger von Accept\u201c zu verkaufen, verneigen \u2013 Udo steht immer f\u00fcr sich selbst und ist in meinen Augen der gr\u00f6\u00dfte deutsche Metal-Musiker aller Zeiten. Und Hammer, der Mann ist erst 72 Jahre alt, er wird uns also h\u00f6chstwahrscheinlich noch viele Jahre lang mit toller Musik begeistern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (05.03.2025) Dirk Schneider? Dark Schneider? Null Null Schneider? Dee Snyder? Ha \u2013 Treffer! 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