{"id":7380,"date":"2025-03-03T21:05:45","date_gmt":"2025-03-03T20:05:45","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7380"},"modified":"2025-03-03T21:05:45","modified_gmt":"2025-03-03T20:05:45","slug":"dirk-serries-treasure-of-stars-streams-of-consciousness-projekt-records-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/dirk-serries-treasure-of-stars-streams-of-consciousness-projekt-records-2025\/","title":{"rendered":"Dirk Serries \u2013 Treasure Of Stars (Streams Of Consciousness) \u2013 Projekt Records 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Dirk-Serries-Treasure-Of-Stars-Streams-Of-Consciousness.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Dirk-Serries-Treasure-Of-Stars-Streams-Of-Consciousness.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7381\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (03.03.2025)<br><br>Im Rahmen seiner Reihe \u201eStreams Of Consciousness\u201c entf\u00fchrt der Antwerpener Ambient-Gitarrist Dirk Serries mit \u201eTreasure Of Stars\u201c dieses Mal an den Strand, ins All, unter Wasser und auf hohe See, alles allein mit der Gitarre und einigen Effektger\u00e4ten generiert, alles unendlich langsam und alles unendlich sch\u00f6n. Serries nahm dieses Album solo und am St\u00fcck f\u00fcr das Label Projekt Records auf. Eine w\u00e4rmende Flucht aus dem Alltag.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Die Anwesenheit am Strand allein bet\u00e4ubt bereits. Die Sonne geht unter, blutrot, ewig, unendlich lang andauernd. Die Wellen bewegen sich im gleichen Tempo, wie eine massive Masse, die drau\u00dfen, jenseits des Strandes, in eine endlose Bewegung ger\u00e4t, eine Masse, deren Absicht es gar nicht ist, an den Strand auszurollen, sondern die schlichtweg hin und her wogt, extremst verlangsamt. Einige Surfer sind bereit, sich dieser Bewegung auszusetzen, sie verharren auf ihren Boards auf diesen Wogen und zelebrieren die Langsamkeit. M\u00f6wen und Pelikane stehen in der Abendluft, deren Hitze nur allm\u00e4hlich abnimmt, ges\u00e4ttigt, allein zur inneren Freude zu so etwas wie einer Levitation aufgebrochen. Der eigene Atem passt sich der Langsamkeit an, man ist komplett heruntergefahren, blickt aufs Meer, blickt in die Sonne, l\u00e4sst ihre W\u00e4rme auf seiner Haut, in seiner Lunge wirken, man f\u00fchlt sich v\u00f6llig befreit. Irgendwo nah genug, um nicht verloren zu gehen, schl\u00e4gt ein Musiker karibische Akkorde an, alle halbe Minute mal einen, schickt sie durch ein weichzeichnendes Effektger\u00e4t und zaubert den am besten passenden Soundtrack zu dieser komplett entschleunigten Lebenssituation.<br><br>\u201eSoft Rain\u201c nennt Dirk Serries seinen viertelst\u00fcndigen Opener, dessen Gitarre indes mit sonnigem, karibischem Surf-Twang eine strahlendere Entspannung vor die inneren Augen f\u00fchrt als ein weicher Regen. In \u201eOther Transformations\u201c leitet Serries anschlie\u00dfend f\u00fcr 14 Minuten \u00fcber, seine Gitarre klingt jetzt zweigeteilt, in eine h\u00f6here, beinahe orgelartige, sowie eine dronige, in mittleren Lagen angesetzte Variante. Das Tempo bleibt gleich langsam, ein Metronom h\u00e4tte hier Schwierigkeiten, \u00fcberhaupt anzuschlagen, ganz abgesehen davon, dass es auf dem gesamten Album gar keine Takte gibt. Mit Hall und Leichtigkeit w\u00e4hnt man sich in der Schwerelosigkeit, indes nicht im stockdunklen All, sondern im glei\u00dfenden Licht, umgeben von einer wohlwollenden, seelenw\u00e4rmenden spirituellen transzendentalen Entit\u00e4t.<br><br>Mit \u201eWeathering The Gale\u201c verf\u00fchrt Serries die H\u00f6renden dazu, die n\u00e4chsten 20 Minuten unter Wasser zu verbringen. Die T\u00f6ne sind ged\u00e4mpft, die Sonne schickt ihre Strahlen sanft durch die salzige Fl\u00fcssigkeit, aus der unbedrohlichen Tiefe schl\u00e4ngeln sich Algenb\u00e4ume empor und konkurrieren in Zeitlupe mit dem Glanz des Lichts. Es dauert eine Weile, bis man begreift, dass man ja unter Wasser atmen kann, dass diese Situation, in der man gerade schwebt, ein Geschenk ist, eine Gabe, dargebracht allein dadurch, dass diese Musik erklingt. Abermals meint man, anstelle einer Gitarre eine Orgel wahrzunehmen, als spielte sie jemand in einer versunkenen Kathedrale, deren Hallraum vom Meer verst\u00e4rkt, verwischt, verteilt wird. Sind es zun\u00e4chst noch Schulen kleinerer Fische, die in minimalster Geschwindigkeit durch diese abgedunkelte Kathedrale ziehen, werden diese alsbald durchkreuzt vom Leviathan; aus den unterschiedlichen Str\u00f6mungsverh\u00e4ltnissen ergeben sich Dissonanzen, das Licht nimmt weiter ab, doch keine Angst, der Leviathan zieht vorbei, von ihm geht keine Bedrohung aus.<br><br>Der Leviathan ist nicht nur nicht bedrohlich, sondern sogar ein Freund \u2013 er nimmt die H\u00f6renden mit zur\u00fcck an die Oberfl\u00e4che, zur letzten Viertelstunde, die dem Titelst\u00fcck geh\u00f6rt. Auf der offenen See wogt das gigantische Urtier, man wogt mit ihm. Die Sonne dringt hell durch sich gem\u00e4chlich verfl\u00fcchtigenden Nebel, man w\u00e4hnt sich in Breitengraden, auf denen der Fr\u00fchling naht. Die Luft wird frischer, heller, wom\u00f6glich befindet sich festes Land irgendwo in der N\u00e4he, sieht man da am Horizont nicht beh\u00e4big mit den Fl\u00fcgeln schlagende Schmetterlinge im Dunst des Morgens? Serries\u2018 Gitarre erklingt einmal mehr mehrstimmig, aufmunternd dieses Mal, aber immer noch nicht wachr\u00fcttelnd, sondern positiv stimulierend.<br><br>Nach einem solch umfangend sch\u00f6nen Album mag man sich gar nicht an Fakten wenden. Aber muss ja: \u201eTreasure Of Stars\u201c ist eine Sonderausgabe der Reihe \u201eStreams Of Consciousness\u201c, die Serries seit 2013 in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden mit solchen One-Offs f\u00fcttert, in der Regel betitelt lediglich mit dem Aufnahmedatum, einzig die Tracks tragen greifbare Namen. Der letzte Teil \u201e240112\u201c erschien nachtr\u00e4glich am 1. Januar 2025, der vorliegende entstand ja au\u00dfer der Reihe. Zudem spielt diese Ver\u00f6ffentlichung auf Serries\u2018 Ambient-Alter-Ego VidnaObmana an, das er 1985 aus der Taufe hob und offiziell 2007 dorthin wieder zur\u00fcckbrachte. Ein Blick auf jene Discographie l\u00e4sst Sammler die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopf zusammenschlagen: Der hat unter vielem anderem mit Klinik und Asmus Tietchens zusammengearbeitet! Bevor man sich nerv\u00f6s daranmacht, sein Kleingeld zusammenzukratzen, sollte man besser zur Ruhe kommen und nochmal \u201eTreasure Of Stars\u201c auflegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (03.03.2025) Im Rahmen seiner Reihe \u201eStreams Of Consciousness\u201c entf\u00fchrt der Antwerpener Ambient-Gitarrist Dirk Serries mit \u201eTreasure Of Stars\u201c dieses Mal an den Strand, ins All, unter Wasser und auf hohe See, alles allein mit der Gitarre und &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/dirk-serries-treasure-of-stars-streams-of-consciousness-projekt-records-2025\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,19],"tags":[],"class_list":["post-7380","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-download-stream"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7380","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7380"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7380\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7382,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7380\/revisions\/7382"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7380"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7380"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7380"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}