{"id":7350,"date":"2025-02-22T01:14:17","date_gmt":"2025-02-22T00:14:17","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7350"},"modified":"2025-02-22T01:14:17","modified_gmt":"2025-02-22T00:14:17","slug":"horsegirl-phonetics-on-and-on-matador-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/horsegirl-phonetics-on-and-on-matador-2025\/","title":{"rendered":"Horsegirl \u2013 Phonetics On And On \u2013 Matador 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Horsegirl-Phonetics-On-And-On.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Horsegirl-Phonetics-On-And-On.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7351\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (21.02.2025)<\/p>\n\n\n\n<p>Horsegirl aus Chicago, IL, haben 2022 mit \u201eVersions Of Modern Performance\u201c ein gro\u00dfartiges Deb\u00fct hingelegt und, um die Spannung gleich im Vorhinein wegzuspoilern, heuer hauen sie mit \u201ePhonetics On And On\u201c ein ebenso begeisterndes Zweitlingswerk raus.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Konzeptionell gehen die drei Freundinnen Penelope Lowenstein (git, voc), Nora Cheng (git, voc) und Gigi Reece (dr) anders vor als auf \u201eVisions Of Modern Performance\u201c: W\u00e4hrend sie 2022 ein Gutteil ihres Pulvers schon auf dem ersten Song \u201eAnti-Glory\u201c, einer Mischung aus schrammeligen und teils s\u00e4genden Indie-Gitarren und sehr sch\u00f6n l\u00e4ssig-beil\u00e4ufigen Gesang, die an die poppigere Phase von Sonic Youth, die Breeders, Elastica und wen noch alles erinnert, verschossen und, weil der Rest des Albums gar nicht unbedingt schlechter war und mit \u201eOption 8\u201c auch im Verlaufe noch mit einem DER Alternative-Hits des Jahres aufwartete, mit ihren Kolleginnen von der Isle of Wight, Wet Leg, in die Schlacht um das beste Indie-Deb\u00fct des Jahres 2022 eintraten, beginnen sie das neue Album mit \u201eWhere\u2019d You Go?\u201c erstmal mit viieel Understatement: Guided-By-Voices-m\u00e4\u00dfige Gitarrenarbeit trifft auf mehrstimmigen Gesang, das ist toll, aber haut einen nicht um. Bis dann gegen Ende ein herrlich altmodisches Dingeldangledonglejinglejanglegitarrensolo ert\u00f6nt und dann nochmal sch\u00f6\u00f6n mehrstimmig gesungen wird, da wird den H\u00f6renden klar, das sie mit \u201ePhonetics On And On\u201c durchaus rechnen k\u00f6nnen. \u201eRock City\u201c liefert wundersch\u00f6nen hohen Gesang zu einer Gitarrenbegleitung, die sich weniger vertrackt anh\u00f6rt, als sie ist. Und im Refrain dann ausschlie\u00df\u013aich mehrstimmiges \u201eWoo-hoo, uh, woo-hoo\u201c und dergleichen, das muss man erstmal bringen und ehrlich: wat sch\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6n! Der Text handelt von einem Sch\u00e4fer mit 100 Freunden zuhause, der einen Blumen-Truck fahren will, und wenn er nicht einschlafen kann, gibt er seinen Schafen die Schuld.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn Twos\u201c ist wieder ein ruhiger Song, die Horsegirl-typische Gitarrenarbeit, irgendwo zwischen Folk, Indie-Folk und Indie, hat man inzwischen nicht nur sehr lieb gewonnen, sie ist wirklich gro\u00dfartig und harmoniert mit diesem weltentr\u00fcckten, leicht geleierten und stimmlich gro\u00dfartigem Gesang auf das Wunderbarste. Man muss das wirklich selbst geh\u00f6rt haben, um es von anderen (wie in diesem Fall dem Schreiber dieser Zeilen) auch nur ansatzweise verst\u00e4ndlich in Worte gefasst zu kriegen. Zu diesem Behufe lesen Sie bitte am Ende dieser Rezension meinen Anspieltipp (Fr\u00fcher konnte man, beispielsweise bei Kaufhaus D\u00f6pke in der Schallplattenabteilung im Keller oder in der \u201ePlattenkiste\u201c nur wenige H\u00e4user entfernt im Gifhorner Steinweg, sich den Tontr\u00e4ger in ein eigens zu diesem Zwecke bereitgestelltes Abspielger\u00e4t einlegen lassen und vor dem Kauf hineinh\u00f6ren. Es gab einen in den Tresen, an dem man sa\u00df, eingelassenen schwarzen Druckknopf, mit dem man Song f\u00fcr Song weiterskippen konnte. Ein \u201eAnspieltipp\u201c verk\u00fcrzte damals das Reinh\u00f6ren bis zur finalen Kaufentscheidung wesentlich; heute hingegen ist er zu einem schwer verst\u00e4ndlichen Relikt aus l\u00e4ngst vergangenen Zeiten verkommen. Exkurs Wehm\u00fctiges-Historisieren ENDE). Der Text ist ebenfalls wieder Horsegirl-typisch reduziert, besteht aus nachdenklich machenden hingeworfenen Zeilen (\u201eEvery car that passes by drives to you \/ Every good thing that I find, I find I lose\u201c), gefolgt von einem Refrain, der ausschlie\u00dflich aus \u201eAnd I try\u201c besteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das folgende \u201e2468\u201c beinhaltet au\u00dfer der typischen Gitarrenarbeit auch noch tolle Synths<\/p>\n\n\n\n<p>und wer sich angesichts des Titels an Marschmusik erinnert f\u00fchlt, die\/der liegt richtig: \u201e2, 4 ,6, 8, they walk in twos\u201c lautet beinahe der einzige Text und bildet somit einen Querverweis zum Song davor. Die Musik ist ein schwindlig machendes Konvolut aus Gitarrengeschrammel, erratischen Synths und hypnotischem Rhythmus. Gro\u00dfartig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWell I Know You\u2019re Shy\u201c ist ein Song mit f\u00fcr Horsegirl-Verh\u00e4ltnisse richtig viel Text. Dieser ist auch irgendwie voll s\u00fc\u00df, au\u00dfer \u201eLa-da-da-da-dye-dow\u201c enth\u00e4lt er tolle Zeilen wie \u201eWell, I know you&#8217;re shy, if you listen to me, you&#8217;ll know I wanna say \u201aHi\u2018 in your window\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Kommt jetzt schon der Anspieltipp? \u201eJulie\u201c \u2013 da, da, da, da \u2013 ist auf jeden Fall einer meiner mehr favorisierten Favoriten auf einem an Favoriten nicht eben armen Album. Ein ruhiger Song, der der Gitarre viel Raum zum Quietschen und im positiven Sinne gemeinten Herumnerven im Hintergrund l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend lassen es Horsegirl richtig rocken, also so, wie Guided By Voices es rocken lassen w\u00fcrden, wenn man ihnen das Verzerrungsger\u00e4t wegn\u00e4hme, die Gitarre schrammelt wie gewohnt, nur schneller, der Gesang l\u00e4ssig wie gewohnt, ich h\u00f6re inzwischen auch noch eine leichte Sleater-Kinney-\u00c4hnlichkeit heraus, ach so ja, \u201eSwitch Over\u201c hei\u00dft der Song, beginnt mit ca. 20x hintereinander \u201eSwitch over (switch off)\u201c und dann \u201eOoh, say say say\u201c, bevor auch nur ein einziges vern\u00fcnftiges Wort gesungen wird. Was dann gottlob im Refrain (\u201eDa-da, da-da, da-da, da-da, da, da (La), La-da, da-da, la-da, la-da, da, da\u201c) nachgeholt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>In \u201eInformation Content\u201c wird das eben Erlernte vertieft und perfektioniert, das Album macht einfach Laune und h\u00f6rt niemals damit auf. \u201eI&#8217;ll play you out, \u201aAh-hoo, ah-hoo, ah-hoo\u2018. You hate the sound, \u201aAh-hoo, ah-hoo, ah-hoo\u2018\u201c. Nein, nat\u00fcrlich nicht. Wie LIEBEN diesen Sound.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann folgt \u2013 DER ANSPIELTIPP \u2013 \u201eFrontrunner\u201c: Die erste Strophe lautet:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn the morning when you&#8217;re sleeping<\/p>\n\n\n\n<p>I can&#8217;t wait and I can&#8217;t wait to compromise<\/p>\n\n\n\n<p>And in the morning when you&#8217;re sleeping<\/p>\n\n\n\n<p>I can&#8217;t wait and I can&#8217;t wait and I can&#8217;t wait<\/p>\n\n\n\n<p>And I can wait for you<\/p>\n\n\n\n<p>Duh-duh-duh-duh, duh-duh-duh, duh-dah, da-dah<\/p>\n\n\n\n<p>Duh-duh-duh-duh, duh-duh-duh, duh-dah, da-dah\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>und die Lyrics alleine vermitteln keine Vorstellung davon, wie toll das alles ist: Erst macht eine der beiden Gitarren total glaubw\u00fcrdig auf Bass, w\u00e4hrend die andere im Hintergrund die Begleitakkorde schrammelt, der Gesang klingt wie ein Engel, der nach durchgezechter Nacht mit dickem Kopf, aber lieblicher Stimme in seinen ersten Pott Kaffee hineinsingt, und das zu einer Melodie, die, so simpel sie sein mag, einem niemals aus dem Kopf geht und fortan die Tage vers\u00fc\u00dft immerdar. Soo geht unspektakul\u00e4r und soo geht unglaublich ohrw\u00fcrmig, unkritisch und \u00fcberaus liebenswert.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend k\u00f6nnten Penelope und Nora auch den Flyer von Bauer Ewald aus dem M\u00fcnsterland vorsingen, w\u00e4hrend Gigi dazu auf das Schlagzeug haut, das Album bliebe eine meiner apseluten Kaufempfehlungen, weil es a) gut ist und man es sich b) so gut wie nicht \u00fcberh\u00f6ren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden Rausschmei\u00dfer-Songs \u201eSport Meets Sound\u201c (\u201eThey go around and they say, \u201aDa, da, da, da, da, da Da, da, da-da, da-da\u2018. And they sing, \u201aDa, da, da, da, da, da da, da, da-da, da-da\u2018\u201c) mit tollen Guided-By-Voices-Gitarrenharmonien und \u201eI can\u2019t stand to see you\u201c (\u201eDo you want to go home now? Da, da, da, da, da. The night&#8217;s almost through. Da, da, da, da, da. Let&#8217;s sit on the floor now. Da, da, da, da, da. And talk, me and you. Da, da, da\u201c) legen beredtes Zeugnis davon ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201ePhonetics On And On\u201c beweisen Horsegirl, dass ihr tolles Deb\u00fctalbum wohl nur der erste Streich war, und wer nicht bei Kaufhaus D\u00f6pke Tontr\u00e4ger kauft, in die er vorher reingeh\u00f6rt hat, sondern sein Endger\u00e4t mit Playlisten f\u00fcttert, dem sei \u201ePhonetics On And On\u201c auf das Herzlichste zur unreingeh\u00f6rten Komplettindieplaylistaufnahme anempfohlen.<\/p>\n\n\n\n<p>P.S: Odin, Lilly und Fritz, falls Ihr Krautnick lest (wovon ich selbstverst\u00e4ndlich ausgehe): Wenn ich einen Artikel schreibe, schreibe ich einen Artikel, und wenn ich die Katzen f\u00fcttere, f\u00fcttere ich die Katzen. Was ich vor ca. 15 Minuten erst getan habe. Es hat also \u00fcberhaupt gar keinen Sinn, jetzt fortw\u00e4hrend an meine Zimmert\u00fcr zu h\u00e4mmern. Ich liebe diese Katzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (21.02.2025) Horsegirl aus Chicago, IL, haben 2022 mit \u201eVersions Of Modern Performance\u201c ein gro\u00dfartiges Deb\u00fct hingelegt und, um die Spannung gleich im Vorhinein wegzuspoilern, heuer hauen sie mit \u201ePhonetics On And On\u201c ein ebenso begeisterndes Zweitlingswerk raus.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-7350","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7350","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7350"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7350\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7352,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7350\/revisions\/7352"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7350"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7350"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7350"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}