{"id":7320,"date":"2025-02-12T20:52:28","date_gmt":"2025-02-12T19:52:28","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7320"},"modified":"2025-02-12T20:52:28","modified_gmt":"2025-02-12T19:52:28","slug":"guided-by-voices-universe-room-guided-by-voices-inc-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/guided-by-voices-universe-room-guided-by-voices-inc-2025\/","title":{"rendered":"Guided By Voices \u2013 Universe Room \u2013 Guided By Voices Inc. 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Guided-By-Voices-Universe-Room.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Guided-By-Voices-Universe-Room.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7321\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (12.02.2025)<\/p>\n\n\n\n<p>Manche Musikgruppen sind wie nach Hause kommen, und das oft schon seit 1.000 Jahren. OK, im Fall von Guided By Voices gilt das bei mir erst seit 29 Jahren, n\u00e4mlich seit \u201eUnder The Bushes Under The Stars\u201c (1996) mit dem f\u00fcr Guided-By-Voices-Verh\u00e4ltnisse \u00dcberhit \u201eBicycle Repair Man\u201c. Nein, so hie\u00df er nicht. Mal \u00fcberlegen, \u201eUnder Assistant West Coast Promotion Man\u201c? Auch nicht. Schei\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe auf der Albumcoverr\u00fcckseite nachgesehen: Es war \u201eThe Official Ironmen Rally Song\u201c. Der Titel enth\u00e4lt also nichtmal \u201eMan\u201c. Sowas kann man sich auch nicht merken. M\u00fcsste man aber, weil der besagte Song so ziemlich eine gesamte \u201eSgt. Pepper\u2019s Dark Side Of The Queen Is Dead\u201c in nur einem Song abbildet, und das in Lo-Fi und nur echt aus Dayton, Ohio.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Verdammt, \u00fcber GbV habe ich hier schon dreimal geschrieben (2023, die Kurz-Rezi zum 2024er Album \u201eStrut Of Kings\u201c \u2013 wieso eigentlich nur ein einziges GbV-Album 2024??? \u2013 gibt es dann in der demn\u00e4chst erscheinenden Rubrik \u201eGuido D\u00f6rheides Rest von 2024 oder \u201aAlben, \u00fcber die ich nicht geschrieben habe, aber gerne h\u00e4tte\u2018\u201c), ich hoffe deshalb, ich wiederhole mich nicht. Da ich meine eigenen Artikel nicht lese, wei\u00df ich nicht, was ich seinerzeit \u00fcber die letzten Alben dieser gro\u00dfartigen Band aus Dayton, Ohio, schrieb. Robert Pollard hei\u00dft der Spa\u00dfvogel, der dem ganzen Unternehmen vorsteht, und soweit ich wei\u00df, ist er auch mittlerweile der einzige, der es die ganze Zeit in der Band durchgehalten hat. GbV machen seit der zweiten H\u00e4lfte der 1980er Jahre Lo-Fi (jahaa, immernoch Lo-Fi, obwohl sie einmal, n\u00e4mlich auf dem 1999er Album \u201eDo The Collapse\u201c, schon vom gro\u00dfen Ric Ocasek produziert wurden) Indie Rock, und das auf eine ganz eigene, sehr charmante Art und Weise. Die Stimme und der Gesang des geb\u00fcrtigen Berufsschullehrers Pollard sind derart einzigartig und wiedererkennbar, dass man sie \u00fcberall heraush\u00f6rt. Leicht rauh, l\u00e4ssig, dabei warm und willkommenhei\u00dfend wie \u201eGut &amp; G\u00fcnstig Erdnuss Asia Style mit Wasabi gew\u00fcrzt\u201c. Manchmal ereilen einen in der eigenen K\u00fcche die besten Vergleiche. Robert Pollard hat sich schon so angeh\u00f6rt wie der wohlwollende Onkel von Michel Stipe, als er noch j\u00fcnger war als Michael Stipe zu Zeiten von \u201eLosing My Religion\u201c (was kaum Sinn macht, da Pollard nur ca. zwei Jahre \u00e4lter ist als Stipe, aber immer noch mehr Haare hat, und den R.E.M.-Vergleich wollte ich unbedingt nochmal anbringen).<\/p>\n\n\n\n<p>Nun gehen wir aber endlich in medias r.e.m., also res meine ich, und wenden uns vom allgemeinen einleitenden Rumgewitzel ab und dem neuen Album zu:<\/p>\n\n\n\n<p>Von den beiden Vorg\u00e4ngern aus dem Jahr 2023, \u201eNowhere To Go But Up\u201c und \u201eWelshpool Frillies\u201c sowie vom einzigen in 2024 ver\u00f6ffentlichten und vom Autor dieser Rezension noch zu besprechenden Album \u201eStrut Of Kings\u201c unterscheidet sich \u201eUniverse Room\u201c schon einmal dadurch, dass es nicht nur blo\u00df 11, sondern satte 17 St\u00fccke enth\u00e4lt, und das bei ann\u00e4hernd gleicher L\u00e4nge. Wobei \u201eWelshpool Thrillies\u201c gar nicht nur 11, sondern 15 St\u00fccke enthielt, das mit den ebenfalls nur 11 war \u201eLa La Land\u201c, ebenfalls aus dem Jahr 2023. Da soll einer nur mal durchblicken.<\/p>\n\n\n\n<p>17 St\u00fccke also in 39:29 Minuten. Das ist GbV-typisch und das verspricht, dass es ob der K\u00fcrze der St\u00fccke nicht langweilig wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das tut es auch nicht: Mit \u201eDriving Time\u201c steigt Pollard sehr sch\u00f6n typisch ein, mit schrammeliger Akustikgitarre und einem Gesang, der sich anh\u00f6rt, als sei sich der Vortragende nicht sicher, dass sein Mikro eingest\u00f6pselt ist und daher bef\u00fcrchtet, dass ihm noch niemand zuh\u00f6rt. Dabei lohnt sich genau das: Das Lied wird lauter und lauter, hinter der Gitarre, dem Bass und dem Schlagzeug beginnt es, elektronisch zu pfeifen, und gerade, bevor man denkt, nun ginge es endlich richtig los, ist der Song zu Ende. Textlich befasst sich Pollard \u2013 so wie ich es verstehe \u2013 mit Pferderennen, einer \u201eHairspray Party\u201c im \u201eUniverse Room\u201c und irgendwie Stress zwischen wer wei\u00df wie vielen Leuten \u2013 ich kann es anhand dessen, was er singt, nicht ausmachen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eI Couldn\u2019t See The Light\u201c klingt bereits zu Anfang voller und satter als der Opener, zumindest, bis Pollard mit ungewohnt d\u00fcnner Stimme lossingt \u2013 was sich aber auch im Laufe des Songs wieder gibt, irgendwann klingt er wie immer. Der Song ist ein sch\u00f6nes Geschrammel mit R.E.M.-verd\u00e4chtigen Gesangsmelodien (also ich meine die fr\u00fchen R.E.M. von vor \u201eNo. 5 \u2013 Document\u201c) und toller Gitarre. Soli in Lo-Fi-Songs sind ja immer besonders, und da macht Pollard hier keine Ausnahme.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf \u201eI Will Be A Monk\u201c zeigen GbV, wie man in nur anderthalb Minuten einen Song sich gitarretechnisch entwickeln lassen kann, dabei noch mehr als nur ein Stooges-m\u00e4\u00dfiges Solo einzubauen wei\u00df und das im GbV-Signature-Sound, Hammer!<\/p>\n\n\n\n<p>Der n\u00e4chste Song nimmt mich musikalisch sehr gefangen: Anstatt der typischen Schrammelgitarre, die aber (keine Sorge, das ist GbV hier) dennoch am Rande auftaucht, bestimmen s\u00e4gende Keyboards die Szenerie und Robert Pollard singt von einem gro\u00dfartigen Mann: \u201eEr verteidigt seine Rechte. Er betrachtet jede Seite. Und er ist \u00fcberzeugend (\u00fcberredend???). Wie ein gro\u00dfartiger Mann. Er ist sehr aktiv und berufen. Und er l\u00fcgt. Dann schaut er hart und steht seinen Mann und gibt nicht klein bei. Rede und gib nicht klein bei, dann kannst Du auch ein gro\u00dfartiger Mann sein.\u201c Das klingt nach Donald T., dem gro\u00dfartigsten Mann im Raum. In JEDEM Raum. Der vollst\u00e4ndige Songtext klingt so, als w\u00e4re es keine gute Idee, diesem gro\u00dfartigen Mann zu folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei allen GbV-Songs lohnt es sich, auf die Texte zu achten, Pollard sagt nie einfach so etwas daher und textet mit viel Witz und Hintergr\u00fcndigkeit. Auch musikalisch machen Guided By Voices nie etwas einfach so, vieles klingt beim ersten H\u00f6ren hingeklimpert und dann stellt man fest, gerade beinahe einen einzigartigen Moment auf einem tollen Album verpasst zu haben. H\u00f6ren Sie also gerne mal aufmerksam in den \u201eUniverse Room\u201c hinein. Meine pers\u00f6nlichen Highlights sind das nur knapp \u00fcber eine Minute lange \u201eHers Purple\u201c, das mit der ihm zugrundeliegenden Klavier-Gitarre-Kombination sehr nach den Beatles klingt, \u201eIndependent Animal\u201c mit seiner Ohrwurmmelodie und dem sch\u00f6nen Indierocksound der 90er Jahre mit einem kryptischen Text, der in 6 Zeilen Platz findet, und nat\u00fcrlich \u201e19th Man To Fly An Airplane\u201c, das sich langsam aufbaut, dann der Beat-Musik des Englands der 60er Jahre huldigt und ab knapp \u00fcber der H\u00e4lfte so richtig sch\u00f6n schrammelig wird und dabei gef\u00fchlt alle 20 Sekunden den Stil wechselt. Mit 3:44 Minuten ist es auch das l\u00e4ngste St\u00fcck auf dem Album. Alles, was dann noch kommt, ist 100 % Guided By Voices, dennoch von Song zu Song anders und ebenso unverwechsel- wie wiedererkennbar, also quasi wie es nur eine Band hinbekommt, die einem trotz \u00fcber 40 ver\u00f6ffentlichen Studio-Tontr\u00e4gern alles andere als zu den Ohren herauskommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende noch einen ganz gro\u00dfen Ch\u00e2peau an den mittlerweile 67 Jahre alten Robert Pollard, dass er es jedes Jahr (und in guten Jahren sogar mehrere Male) schafft, die H\u00f6renden mit dem ehrlich empfundenen Gef\u00fchl zur\u00fcckzulassen, soeben das beste GbV-Album aller Zeiten geh\u00f6rt zu haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (12.02.2025) Manche Musikgruppen sind wie nach Hause kommen, und das oft schon seit 1.000 Jahren. OK, im Fall von Guided By Voices gilt das bei mir erst seit 29 Jahren, n\u00e4mlich seit \u201eUnder The Bushes Under The &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/guided-by-voices-universe-room-guided-by-voices-inc-2025\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-7320","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7320","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7320"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7320\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7322,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7320\/revisions\/7322"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7320"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7320"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7320"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}