{"id":7309,"date":"2025-02-11T21:25:37","date_gmt":"2025-02-11T20:25:37","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7309"},"modified":"2025-02-11T21:25:37","modified_gmt":"2025-02-11T20:25:37","slug":"squid-cowards-warp-records-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/squid-cowards-warp-records-2025\/","title":{"rendered":"Squid \u2013 Cowards \u2013 Warp Records 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Squid-Cowards.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Squid-Cowards.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7310\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Guido D\u00f6rheide (11.02.2025)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Squid gibt es auch ohne das dazugeh\u00f6rige Game, und mit \u201eCowards\u201c legen sie heuer schon ihre dritte Langspielplatte vor. Seit 2021 ver\u00f6ffentlichen sie mit gleichm\u00e4\u00dfiger Regelm\u00e4\u00dfigkeit alle zwei Jahre ein Album \u2013 so auch in diesem Jahr. Es ist bereits das dritte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ge\u00e4ndert hat sich im Hause Squid genau genommen nichts, noch immer macht die Band um Schlagzeuger und S\u00e4nger Ollie Judge schr\u00e4gen Indie-Rock mit viel Blasinstrumenten, bisweilen Mark-E.-Smith-m\u00e4\u00dfigem Sprechgesang und wenig Melodie, trotzdem ist es eing\u00e4ngig, und trotzdem macht die Band eine Weiterentwicklung durch. Das Deb\u00fct \u201eBright Green Field\u201c war stellenweise noch richtig krachig hart, so etwas war auf dem sophomoren \u201eO Monolith\u201c dann einer mehr zur\u00fcckgenommen H\u00e4rte gewichen, und genau so macht man auf \u201eCowards\u201c weiter. Thematisch befasst sich das Album mit dem B\u00f6sen, beispielsweise in Gestalt von Kannibalismus oder Mord. Mit ersterem geht es gleich los auf dem Opener \u201eCrispy Skin\u201c: Basierend auf dem Buch \u201eCad\u00e1ver exquisito\u201c von Agustina Bazterrica, in dem es vereinfachend zusammengefasst um die Stallhaltung von Menschen als Nahrungsmittel f\u00fcr andere Menschen, weil es wegen eines Virus\u2019 keine Tiere mehr gibt, geht, besch\u00e4ftigt sich Judge mit knuspriger Haut, einem gezielten Schlag zwischen die Augen, um an solche heranzukommen, und am Ende l\u00e4uft das Blut schneller, als man denken kann. Dabei klingt der Song musikalisch sehr entspannt, er beginnt mit Schlagzeug, einem 80er-Jahre-Computerspiel (als doch \u201eGame\u201c!)-Synthiesound und ruhigem Ollie-Judge-Gemurmel. Zwischendurch gibt es immer wieder das typisch quietschende Squid-Blasorchester zu h\u00f6ren. Teilweise klingt Judge auch genervt oder panisch, kehrt aber immer wieder in einen Entspannungszustand zur\u00fcck. Das Lied dauert fast sechseinhalb Minuten, langweilt oder nervt aber an keiner Stelle. Am Ende wird es dann mit Bl\u00e4sereinsatz und schnellem Schlagzeug nochmal richtig vorantreibend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eBuilding 650\u201c beginnt mit einer folkig gezupften Gitarrenmelodie, simpel und ohrwurmig, und ist wirklich sehr sch\u00f6ner Indie-Rock. Der Erz\u00e4hler singt n\u00f6lend von seinem Freund Frank, kein trver Amerikaner, aber Frank ist sein Freund und Frank ist ein wirklich netter Kerl. Au\u00dferdem ist Frank ein Serienm\u00f6rder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eBlood On The Boulders\u201c beginnt sehr leise mit einem langsamen Schlagzeugtakt und ab und zu mal einem Gitarrenakkord, dann murmelt Judge und dann sing die Gasts\u00e4ngerin Clarissa Connelly, irgendwann wird die Gitarre dann schneller, geradezu hektisch und bisweilen auch elektrisch, Jugdes Gesang geht teilweise in ein zur\u00fcckgenommenes Keifen \u00fcber und dann ert\u00f6nt auch noch eine kreischende und kratzende Bratsche. Dabei verlieren Squid nicht so etwas wie eine rudiment\u00e4re Melodie aus den Augen, der Song steigert und steigert sich, um dann nach ungef\u00e4hr vier Minuten wieder zu ruhigem und langsamen Geklimper und Gemurmel zur\u00fcckzukehren. Der Text ist kryptisch, drogengetr\u00e4nkt und am Ende blutig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das anschlie\u00dfende, zweiteilige \u201eFieldworks\u201c beginnt sehr leise und unmelodi\u00f6s, wird dann am Ende von Teil 1 kurz laut, bis Teil 2 dann mit einem Uhrenticken einsetzt. Hier klingt der Gesang mehr nach Song (\u00fcberhaupt klingt der Song dann irgendwann doch melodi\u00f6s und irgendwie sch\u00f6n vertr\u00e4umt), und nachdem ich den Text von Teil 1 nicht verstanden habe (der Erz\u00e4hler ist wohl irgendwo reingefallen, wie er wiederholt zum Besten gibt), scheint es hier jetzt um irgendwelche Banditen zu gehen, die blutverschmierte Gesichter haben und deshalb nicht mehr ihr Spiegelbild im See betrachten wollen. Oder so \u00e4hnlich. Schwamm dr\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit \u201eCro-Magnon Man\u201c folgt dann mein Lieblingssong auf dem Album: Ein sch\u00f6ner Bass, irgendwo aus den tiefsten 80er-Gothic-Welten entsprungen, wird begleitet von wieder einmal mehr einer ebenso 80er-Jahre-Videospielmelodie, der Gesang erinnert in seiner Zweistimmigkeit an \u2013 raten Sie mal! \u2013 80er-Jahre-Pixies-Zeiten, \u201eMonkey Gone To Heaven\u201c kommt mir hier in Erinnerung. Zwischendurch kracht eine nur halb zur\u00fcckgenommene Gitarre dazwischen und das Videospiel dudelt einfach weiter. Erinnern Sie sich an die Beerdigungsszene aus Detlef Bucks \u201eKarniggels\u201c, wo im Vordergrund die traurige Beerdigungsgesellschaft beim Kaffee zusammensitzt und im Hintergrund dudelt der Spielautomat? So in etwa.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Titelst\u00fcck beginnt sehr ruhig und Judge brabbelt irgendwas davon, dass es im Schloss immer regnet und drau\u00dfen nicht und dass Plastikt\u00fcten die Stra\u00dfen verschmutzen und nie weggehen werden. Hernach kommt eine dieser sch\u00f6nen Blasorchestereinlagen, die angesichts des sonstigen Squid-Sounds a) \u00fcberraschen und b) das Ganze auf eine Art aufpeppen, dass es wirklich eine Freude ist. Die Blasmusikanten selbst empfinden sicher keine Freude und bringen das in ihrem Spiel zum Ausdruck. Der Song pl\u00e4tschert sich dann sch\u00f6n im langsamen Tempo ein und macht viel Freude, wenngleich er eher deprimierend klingt, aber sch\u00f6\u00f6n deprimierend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eShowtime!\u201c ist dann regelrecht groovy und auch sehr hypnotisch, Judge singt mit Elan und viel Geheimnis in der Stimme von irgendwelchen Beobachtungen, am Ende f\u00e4llt wohl einer vom 14. Stock auf die 12. Stra\u00dfe und der Ich-Erz\u00e4hler hat\u2019s gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den l\u00e4ngsten Song haben sich Squid f\u00fcr den Schluss aufgehoben, und er nimmt sich Zeit, in die G\u00e4nge zu kommen, und das ist auch gut so: Es rattert irgendwie wie W\u00e4scheklammern in Fahrradspeichen, dazu Gitarrenakkorde und ein sehr sch\u00f6nes Fl\u00fcgelhorn. Auch hier wird der Gesang wieder unterst\u00fctzt von Clarissa Connelly, was dem ganzen Unterfangen eine gewisse Vers\u00f6hnlichkeit gibt. Ansonsten vers\u00f6hnt sich nix: Melodie findet abseits des Fl\u00fcgelhorns nicht statt und der Text erscheint mir sehr bedrohlich, mit Salamandern, die wissen, wo ich wohne, weil sie \u00fcber die H\u00fcgel linsen und \u201eWho you are and what you do will not matter in the end.\u201c Na denn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht einfach, was uns Squid hier pr\u00e4sentieren, nicht leicht verdaulich, aber in hohem Ma\u00dfe h\u00f6renswert und vor allem sich nicht abnutzend. Squid-Alben kann man immer wieder h\u00f6ren, notfalls auch am St\u00fcck, ohne sich zu langweilen, und man entdeckt immer noch was Neues.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (11.02.2025) Squid gibt es auch ohne das dazugeh\u00f6rige Game, und mit \u201eCowards\u201c legen sie heuer schon ihre dritte Langspielplatte vor. 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