{"id":7297,"date":"2025-02-09T21:10:41","date_gmt":"2025-02-09T20:10:41","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7297"},"modified":"2025-02-09T21:10:41","modified_gmt":"2025-02-09T20:10:41","slug":"sharon-van-etten-the-attachment-theory-sharon-van-etten-the-attachment-theory-jagjaguwar-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/sharon-van-etten-the-attachment-theory-sharon-van-etten-the-attachment-theory-jagjaguwar-2025\/","title":{"rendered":"Sharon van Etten &amp; The Attachment Theory \u2013 Sharon van Etten &amp; The Attachment Theory \u2013 Jagjaguwar 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Sharon-van-Etten-The-Attachment-Theory.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Sharon-van-Etten-The-Attachment-Theory.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7298\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (09.02.2025)<\/p>\n\n\n\n<p>Sharon van Etten &amp; The Attachment Theory sind SvE (voc, g), Jorge Balbi (dr und andere technische Maschinen), Devra Hoff (b, voc) und Teeny Lieberson (synth, piano, g, voc), und anders als bei den bisherigen SvE-Ver\u00f6ffentlichungen ist hier erstmalig eine richtige Band am Songwriting beteiligt, was bisweilen in richtig sch\u00f6nes gemeinsames Herumgejamme ausartet. Sharon van Ettens ohnehin schon tolle Stimme wird an vielen Stellen von Devra Hoff und Teeny Lieberson unterst\u00fctzt, und dazu gibt es haupts\u00e4chlich Folk und manchmal Indie-Rock mit bisweilen elektronischen Beats und haufenweise gro\u00dfartigen Synths \u2013 etwas, dass Sharon van Etten auf ihrem 2019er Album \u201eRemind Me Tomorrow\u201c schon gemacht hat (das mit dem wunderbar chaotischen Kinderzimmer auf dem Cover) und jetzt hier mit Band perfektioniert.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Folk und Elektronik ist ohnehin etwas, dass eigentlich gut zusammengeht und sich auf Tontr\u00e4ger oft besser anh\u00f6rt als in der Theorie, und so ist es auch hier. Das erste St\u00fcck, \u201eLive Forever\u201c, wird von van Ettens Gesang und 80er-Jahre-Synths sowie einem elektronischen Schlagzeug, ebenfalls 80er Jahre, getragen, hat eine tolle Melodie, die Stimme ist richtig toll, mal eher gelangweilt und dann wieder voller Elan, Pathos und Energie, und allein schon die Textzeile \u201eWho wants to live forever? It doesn\u2019t matter\u201c, immer wieder wiederholt, derweil die Synths an zu jaulen fangen, ist Weltklasse. Am Ende des Songs driftet van Ettens Gesang dann irgendwo ins Nicht-mehr-von-dieser-Welt-Kate-Bush-m\u00e4\u00dfige ab und ich frage mich, wie die Attachment Theory dieses Niveau halten will.<\/p>\n\n\n\n<p>Schei\u00dfen egal (wie meine Mudda sagen w\u00fcrde, wenngleich auch auf plattd\u00fctsch \u201eschieten egol\u201c) wie \u2013 sie schaffen es: \u201eAfterlife\u201c beginnt mit wundersch\u00f6n dudeligen Synths und Elektroschlagzeug, der hohe Gesang lullt die H\u00f6renden zuerst ein und schubst sie dann in einen richtig sch\u00f6n indiefolkrockig gesungenen Refrain hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so starten wir gespannt in den dritten Song, \u201eIdiot Box\u201c. Und dieser beginnt mit treibendem Schlagzeug und dezent schrengelnder Gitarre, etwas Synth im Hintergrund \u2013 wenn nicht unverkennbar SvE singen w\u00fcrde, d\u00e4chte ich, hier seien The War On Drugs am Werk. Gro\u00dfartig, das!<\/p>\n\n\n\n<p>Das folgende \u201eTrouble\u201c beginnt ruhig mit dunkler Gitarre, hallendem Schlagzeug und wieder mal sehr sch\u00f6nen Keyboardsounds. SvE erz\u00e4hlt den Zuh\u00f6renden von \u201eAll the trouble I\u2019ll get you in, uh huh\u201c und sagt im Refrain \u201eI don&#8217;t want to lose your love against your will, blow you kisses and tak\u0435 a pill to kill\u201c. Das alles klingt weniger verzweifelt als viel mehr resigniert, gibt zu denken und zu r\u00e4tseln, klingt aber wundersch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p>Umso \u00fcberraschender wird dann auf \u201eIndio\u201c richtig losgerockt. Treibendes Schlagzeug, melodische und schrammelnde Gitarre, sehr hoher Gesang, in den man sich sehr verlieben kann, und ein kryptischer Text \u2013 yess, soo muss Indie-Rock. Die \u00dcberraschungsschraube wird auf \u201eI Can\u2019t Imagine (Why You Feel This Way)\u201c nochmal um ein paar weitere Umdrehungen angezogen: Disco! Basslastige Synthesizer, ein Beat, dem man sich nicht entziehen kann, und gniedelige Soli von allerley Instrumentarium (Keyboards, Gitarre, Bass, um nur einige zu nennen) laden zum Verweilen und sich erstaunt an die Stirn Fassen ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Derart eingestimmt, k\u00f6nnen wir uns nun dem ersten richtigen Oberhammer des Albums zuwenden: \u201eSomethin\u2019 Ain\u2019t Right\u201c, ein Song, auf dem wirklich alles, aber auch alles, passt. Ein Synthesizer f\u00e4ngt mit einer sich immer wiederholenden und dabei scheinbar weiterspinnenden Tonfolge an, dann setzt das elektronisch klingende Schlagzeug ein, SvE stellt fest \u201esomethin\u2019 ain\u2019t right\u201c und fragt sich und die H\u00f6renden dann \u201eWhat you want for your friends, what you want for your family, what you want for your loved ones to make the amends?\u201c, wobei die Stimme beinahe schon in den Ohren der H\u00f6renden klirrt. In der Zwischenzeit hat sich ein Bass zu den \u00fcbrigen Instrumenten hinzugesellt, der irgendwo zwischen 70er-Jahre-Disco und Fr\u00fche-80er-Indie munter vor sich in blubbert, irgendwann kommt dann noch ein Tom-Verlaine-verd\u00e4chtiges Gitarrensolo \u2013 unglaublich, was SvE und ihre Band hier in nur viereinhalb Minuten alles abziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSouthern Life (What It Must Be Like)\u201c entf\u00fchrt uns dann wieder in die farbenfrohe Indie-Welt der 80er Jahre, SvE l\u00e4sst ihrer Stimme freien Lauf, als gelte es, in einem Stadion von der B\u00fchne zu gr\u00f6hlen. Dazu passt der Refrain \u201eWhy can&#8217;t you see it from the other side? We must imagine what it must be like \u2013 The southern life. It&#8217;s such a fucking lie.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In den auf diese knackige Aussage folgenden dreizehn Minuten leisten sich SvE &amp; The Attachment Theory den Luxus, zwei lange, ruhige St\u00fccke in Folge zu pr\u00e4sentieren, die allerdings nicht f\u00fcr Langeweile sorgen, sondern das Album wirklich stimmungsvoll ausklingen lassen. \u201eFading Beauty\u201c enth\u00e4lt eine der es-einem-kalt-am-R\u00fccken-hinunterlaufen-lassenden Gesangsperformances des gesamten Albums \u2013 die Musik pluckert und klagt schlagzeuglos im Hintergund laut herum, derweil der Gesang das St\u00fcck tr\u00e4gt und in einer der wunderbaren Lana del Rey alle Ehre machenden Art und Weise die dem Licht innewohnende Sch\u00f6nheit sowie die verblassende Sch\u00f6nheit des Lebens beweint.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch ruhiger wird es auf \u201eI Want You Here\u201c, einem sehr d\u00fcsteren Song, in dem sich die Erz\u00e4hlerin w\u00fcnscht, dass die\/der Besungene hier w\u00e4re, am Rande des Ozeans, auch wenn es wehtut, auch wenn es schlimmer wird, auch wenn es sich wie ein Fluch anf\u00fchlt \u2013 inzwischen schreit sie und fragt sich, was auch immer es wert sei, dazu wummert ein dumpfes Schlagzeug und gegen Ende des Songs \u00fcberlagert eine klirrende Gitarre den zuvor vorherrschenden Synthesizer und mit zur\u00fcckgenommenem, an U2s unvergessliches Feuer gemahnendem Kreischen klingt das Album dann tats\u00e4chlich aus. Bislang die sch\u00f6nste Musik, die ich in diesem Jahr geh\u00f6rt habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (09.02.2025) Sharon van Etten &amp; The Attachment Theory sind SvE (voc, g), Jorge Balbi (dr und andere technische Maschinen), Devra Hoff (b, voc) und Teeny Lieberson (synth, piano, g, voc), und anders als bei den bisherigen SvE-Ver\u00f6ffentlichungen &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/sharon-van-etten-the-attachment-theory-sharon-van-etten-the-attachment-theory-jagjaguwar-2025\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-7297","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7297","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7297"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7297\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7299,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7297\/revisions\/7299"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}