{"id":7269,"date":"2025-01-31T15:51:27","date_gmt":"2025-01-31T14:51:27","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7269"},"modified":"2025-01-31T15:51:27","modified_gmt":"2025-01-31T14:51:27","slug":"tonnen-von-hall-antlitz-ein-abdruck-vom-messer-im-herzen-iapetus-unsung-2024-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/tonnen-von-hall-antlitz-ein-abdruck-vom-messer-im-herzen-iapetus-unsung-2024-2025\/","title":{"rendered":"Tonnen von Hall \u2013 Antlitz\/Ein Abdruck vom Messer im Herzen \u2013 Iapetus\/Unsung 2024\/2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Tonnen-von-Hall-Antlitz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Tonnen-von-Hall-Antlitz.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7270\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Tonnen-von-Hall-Ein-Abdruck-vom-Messer-im-Herzen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Tonnen-von-Hall-Ein-Abdruck-vom-Messer-im-Herzen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7271\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (31.01.2025)<br><br>F\u00fcr Metal ist hier ganz sch\u00f6n viel Nichtmetal drin. Als Tech oder Math Metal klassifiziert sich das neu zusammengestellte Trio Tonnen von Hall, bringt aber dem Metal reichlich ferne Sounds unter. Im November gab\u2019s als ersten Vorboten die EP \u201eAntlitz\u201c, jetzt ist das Deb\u00fct-Album \u201eEin Abdruck vom Messer im Herzen\u201c griffbereit. Das Mathematische dr\u00fcckt sich dadurch aus, dass die Tracks zwar Rhythmen haben, die aber so komplex sind, dass das Mitwippen schwerf\u00e4llt, und dazu kompositorische Strukturen weit au\u00dferhalb des Popradios. Anspruchsvolle und ansprechende, aber keine leichte Kost, und das l\u00e4sst der Bandname ja bereits vermuten. Die Jazz-Schublade ist nicht weit entfernt. Und das alles ohne Bass!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Von den f\u00fcnf Tracks der \u201eAntlitz\u201c-EP sind eigentlich nur zwei wirkliche \u2013 nun \u2013 Songs dabei, wobei von Songs, also Liedern, bei Tonnen von Hall gar keine Rede sein kann, hier singt niemand und die Strophe-Refrain-Br\u00fccke-Struktur erf\u00fcllt keiner der Titel. Die anderen drei sind Spielereien, Soundcollagen, Gitarrengniedeln, Interludes. Beide Tracks \u2013 das Titelst\u00fcck und der Adrian Benavides Mix von \u201eKraken\u201c \u2013 deuten bereits an, was das Album erf\u00fcllt: hochkomplexe Beats, trotz h\u00f6rbarem E-Gitarreneinsatz Sounds jenseits von klassischem Metal-Riffing, Gegniedel und ein ausgeklappter Mittelfinger in Richtung Erwartungshaltung.<br><br>Diese Anordnung von Tracks und Zwischenspielen beh\u00e4lt das Album mit dem sperrigen Titel \u201eEin Abdruck vom Messer im Herzen\u201c bei, von den 21 Titeln sind zehn lediglich um die eine Minute lange Interludes. Der Rest indes gestaltet aus, was die EP bereits andeutete: Schon der Opener \u201eErdmantel\u201c l\u00e4sst mit seinem harschen hasenartigen, mit der Gitarre generierten Basslauf an Meshuggah denken, aber so bleibt das Album nicht, jeder der elf als solche aufzufassenden Tracks hat eine andere Ausrichtung. Der Djent dringt bei vielen St\u00fccken durch, wenn etwa die Gitarre vermeintlich willk\u00fcrlichen Akkordfolgen nachgeht, w\u00e4hrend das Schlagzeug und die zweite Gitarre auf dem Boden Himmel und H\u00f6lle spielen. Je komplexer die Strukturen, desto mehr ist man geneigt, an moderne Klassik zu denken, an Johann Sebastian Bach und seine mathematischen Fugen. Oder an Jazz, an Kunstmusik, an Avantgarde, an Experimente von Mike Patton.<br><br>Wer hier strukturiert headbangen will, sieht sich vor unl\u00f6sbare Herausforderungen gestellt. So eine Sorte Metal ist hier nicht enthalten, jedenfalls nie durchg\u00e4ngig, lediglich fragmentarisch. Au\u00dferdem reizen Tonnen von Hall die Verzerrer selten so aus, dass die Gitarren wirklich nach Metal klingen; hier sind es die Djent-Prog-Math-Strukturen, nicht die Sounds, die das Etikett \u201eMetal\u201c einfordern. Dabei beh\u00e4lt es sich das Trio vor, die Ger\u00e4uschintensit\u00e4t variabel zu halten; ein St\u00fcck wie \u201eKaiserlicht\u201c etwa bewegt sich erkennbar in den vertrauten Strukturen des Albums, aber weitgehend ohne die verzerrten Fl\u00e4chen, was es umso eindrucksvoller macht, den Musikern bei ihrer Arbeit zuzuh\u00f6ren, weil man den Eindruck hat, ihnen exakter auf die Finger gucken zu k\u00f6nnen. Wie machen die das blo\u00df?!<br><br>Dabei f\u00e4llt nat\u00fcrlich auf, mit was f\u00fcr merkw\u00fcrdigen Titeln Tonnen von Hall arbeiten. Bis auf den Albumtiteltrack tragen s\u00e4mtliche St\u00fccke, auch die Zwischenspiele, Einworttitel, die nicht zwingend einen Kontext erahnen lassen oder gar eine Geschichte erz\u00e4hlen. Neben vertrauten W\u00f6rtern wie \u201eVorhalle\u201c, \u201eThronfolge\u201c, \u201eEndgegner\u201c oder \u201eHerzkammer\u201c finden sich in der Playlist auch absonderliche Titel wie \u201eZivilisationsfolie\u201c, \u201eDonnermesser\u201c, \u201eKaiserlicht\u201c oder \u201eBlutrille\u201c. Was treibt dieses Trio blo\u00df um?!<br><br>Bei Tonnen von Hall handelt es sich um eine Neuzusammenstellung altvertrauter miteinander Musizierender: Anchor And Burden hei\u00dft das Berliner Quartett, dem drei Viertel dieser neuen Band angeh\u00f6ren. Hier fehlt also lediglich Keyboarder Bernhard W\u00f6stheinrich, alle anderen sind dabei: die beiden Gitarristen Markus Reuter und Alexander Paul Dowerk sowie Schlagzeuger Asaf Sirkis. Alle hier versammelten Musizierenden haben mehr Seitenarme als ein \u201eKraken\u201c, mit Nebenbands und Sonderprojekten. So war Dowerk etwa unter anderem auch an \u201eI Shin Den Shin\u201c beteiligt, dem Solo-Album von Luca Calabrese, der erst j\u00fcngst das Live-Impro-Trio LLL mitgr\u00fcndete. Sirkis, neben unz\u00e4hlbaren anderen Beteiligungen, stieg erst k\u00fcrzlich bei den 60er-Jazzrockern Soft Machine ein. Und Reuter ist sowieso ungebremst aktiv, nicht nur mit dem hier fehlenden W\u00f6stheinrich.<br><br>Nun also das Oxymoron Tonnen von Hall. Mit reichlich Kopfeinsatz schwingt das Trio die Axt, ist brutal anspruchsvoll und zwingt jedem H\u00f6renden die volle Aufmerksamkeit ab, weil ein Nebenbeih\u00f6ren vermutlich zu epileptischen St\u00f6rungen f\u00fchrt. F\u00fcr den intensivsten Genuss empfiehlt sich ein Aufenthalt im \u201eKlingensaal\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (31.01.2025) F\u00fcr Metal ist hier ganz sch\u00f6n viel Nichtmetal drin. 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