{"id":7198,"date":"2025-01-16T16:14:12","date_gmt":"2025-01-16T15:14:12","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7198"},"modified":"2025-01-17T16:09:14","modified_gmt":"2025-01-17T15:09:14","slug":"the-cure-songs-of-a-live-world-troxy-london-mmxxiv-polydor-fiction-records-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-cure-songs-of-a-live-world-troxy-london-mmxxiv-polydor-fiction-records-2024\/","title":{"rendered":"The Cure \u2013 Songs Of A Live World: Troxy London MMXXIV \u2013 Polydor\/Fiction Records 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/The-Cure-Songs-Of-A-Live-World.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"112\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/The-Cure-Songs-Of-A-Live-World.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7199\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (16.01.2025)<br><br>Seit 2008 wartet die Gemeinde auf das n\u00e4chste Testament nach \u201e4:13 Dream\u201c, auch der Tatsache ungeachtet, dass jenes bis dato letzte Studioalbum auch bei den Fans von The Cure nur wenig bleibenden Eindruck hinterlie\u00df. Aber hey, neue Mucke von The Cure! Wir nehmen ja alles, auch die \u201eSongs Of A Lost World\u201c, die Gothrockprediger Robert Smith und seine Kardin\u00e4le 16 Jahre sp\u00e4ter unter die Leute bringen. Und nicht etwa das damals angek\u00fcndigte \u201e4:14 Scream\u201c. Aber wie damals ist auch jetzt wieder die Rede von Liegengebliebenem, das in K\u00fcrze das Licht der Welt erblicken soll. Also rund 2040. Diese neuen \u201eSongs\u201c nun erwecken in der Studioversion sehr den Eindruck von Auftragserf\u00fcllung, weniger von brennender Inspiration. Wie das Album wohl vor Publikum klingen mag? Das verr\u00e4t \u201eSongs Of A Live World\u201c, aufgenommen am 1. November 2024 im Londoner Troxy.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p> Der Eindruck indes bleibt weitgehend erhalten: Mehr Pflicht als K\u00fcr, ein Album wie Malen nach Zahlen, ein vertr\u00e4glich zusammengesetzter The-Cure-Bausatz. So richtig h\u00e4ngen bleibt kaum einer der acht neuen Songs, halt: Richtig neu sind nicht alle, einen Teil testeten The Cure bereits lang vorab live an. Die Schwermut, die man der Musik von The Cure gr\u00f6\u00dftenteils berechtigt nachsagt, haftet den meisten St\u00fccken hier auf eine Weise an, die den Gedanken nahelegt, der Komponist selbst sei beim Erstellen vor lauter Kraftanstrengung schwerm\u00fctig geworden. Neue Mucke muss ja sein, na guckemal, da liegen noch einige Elemente herum, die k\u00f6nnen wir doch neu verkn\u00fcpfen, passt schon.<br><br>So tragen viele St\u00fccke den Anschein von Musik um ihrer selbst willen, um eine Band, die einfach mal das spielt, was man von ihr erwartet, und sich so langstreckig eine f\u00fcr The Cure angemessen typische Musik aus den Rippen leiert. Am schlimmsten an \u201eSongs Of A Lost World\u201c ist das Keyboard, das einerseits kitschig kleistert und andererseits, schlimmer noch, so gespielt ist, als beherrsche der Musiker sein Handwerk nicht, weil er zwischen den fl\u00e4chigen T\u00f6nen immer ruckartig absetzen muss. Dominant und amateurhaft, keine sch\u00f6ne Mischung. So startet auch das Live-Album mit \u201eAlone\u201c und man knirscht mit den Z\u00e4hnen.<br><br>Anstatt neue Signatursongs zu erstellen, bedienen sich The Cure bei vertrauten Bestandteilen. \u201eAnd Nothing Is Forever\u201c beginnt mit den Klimper-Percussions, die man vom vorletzten Hitalbum \u201eDisintegration\u201c bereits kennt. Naja, ist ja nicht alles schlecht hier, The-Cure-Musik an sich ist ja immer etwas Gutes, nech, so hat der Bass eine Durchschlagskraft, vor der man bereitwillig niederkniet, und auch das nicht die Synthiefl\u00e4chen generierende Piano kommt ganz nett r\u00fcber. \u201eA Fragile Thing\u201c ist rhythmisch interessant, mit seinem Shaker erweckt er einen entschleunigten Madchester-Moment. Ein erster Lichtblick in diesem Fluss der Musik, die etwas uncatchy ist und der es an Charakter fehlt.<br><br>Mit der noisy Gniedelgitarre hebt sich der \u201eWarsong\u201c danach etwas heraus, noch intensiver ger\u00e4t \u201eDrone: Nodrone\u201c, in dem deutlich mehr Leben steckt, indem er ebenfalls shaky einen Synthie-Piano-Waverock-Mix mit Sonar-Ton und Gitarrensolo bietet. Schick! Dann kommt \u201eI Can Never Say Goodbye\u201c, und das wirkt wie eine Pianoballade f\u00fcr Anf\u00e4nger, dem Kitsch nahe und immerhin im Mittelteil mit einer etwas psychedelischeren Passage. Hier behandelt Roberth Smith den Tod seines Bruders und singt: \u201eSomething wicked this way comes \/ To steal away my brother&#8217;s life\u201c. Da geb\u00e4rdet man sich 45 Jahre lang gruftmusikalisch dem Tode nahe, aber wenn er dann da ist, ist es auch wieder Schei\u00dfe. Im Grunde feiert Smith hier den Wert des Lebens, und das ist in Gruftikreisen ja schon fast rebellisch.<br><br>\u201eAll I Ever Am\u201c ist wieder etwas flotter mit seiner fuzzy Gitarre und dem Boogie-Piano, macht Laune. Der programmatisch betitelte finale \u201eEndsong\u201c am Schluss des Albums h\u00e4uft nun alles an, was zuvor zu h\u00f6ren war, langsam, warm, mit fuzzy Bass und einer melodi\u00f6sen Gitarre, die eine minimalistische Melodie wiederholt. Selbst das Kleister-Keyboard scheint hier sinnig zu passen, vielleicht hat man sich auch nur einfach daran gew\u00f6hnt. Erst weit nach der H\u00e4lfte der elf Minuten setzt \u00fcberhaupt Gesang ein, auch das ein bei The Cure nicht seltener Move. Insgesamt hat man hier endlich den Eindruck, das Rezept ginge auf, mit himmelsst\u00fcrmender Opulenz und gro\u00dfen Gef\u00fchlen.<br><br>In dieser Live-Variante, deren Erl\u00f6s \u00fcbrigens an die Einrichtung War Child geht, ist der Sound nicht so vermeintlich flach, wie er h\u00e4ufig bei der Studioversion moniert wird. Dabei passte die Produktion zu der Musik, das war kein Widerspruch und vermutlich ohnehin Absicht. Das Personal auf der B\u00fchne deckt sich mit dem im Studio: Neben Robert Smith an Mikro und Gitarre sind dies Bassist Simon Gallup, seit 1980 bei The Cure, Schlagzeuger Jason Cooper, auch schon seit fast 30 Jahren dabei, Ex-David-Bowie-Gitarrist Reeves Gabrels und Keyboarder Roger O\u2019Donnell, seit 1987 immer mal wieder an Bord, sowie als Bonus-Musiker Perry Bamonte an Bass und Synthies, seinerseits seit \u00fcber 30 Jahren im Boot.<br><br>Bleibt abzuwarten, ob das angek\u00fcndigte Begleitalbum zu den \u201eSongs Of A Lost World\u201c, dessen rein instrumental gehaltene Bonus-Variante \u00fcberdies ein merkw\u00fcrdiger Witz ist, nun in diesem Jahr das Licht der Welt erblicken wird. Angeblich sortierte Smith die viel d\u00fcstereren Songs aus dem Album aus und sah sie f\u00fcr das n\u00e4chste Album vor, ebenso ein St\u00fcck namens \u201eBodiam Sky\u201c. Damit spricht er quasi das Gleiche wie 2008, als er gro\u00dfm\u00fcndig \u201e4:14 Scream\u201c als Begleiter von \u201e4:13 Dream\u201c f\u00fcrs Folgejahr in Aussicht stellte und zus\u00e4tzlich die Outtakes- und Remix-Compilation \u201e4:26 Dream\u201c. Nun, die Aussichten sind heute besser, da \u201e4:13 Dream\u201c in Kritik und Verkauf wesentlich schlechter abschnitt als \u201eSongs Of A Lost World\u201c. Vielleicht haben die n\u00e4chsten Songs of welcher world auch immer ja dann wieder etwas mehr Kontur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (16.01.2025) Seit 2008 wartet die Gemeinde auf das n\u00e4chste Testament nach \u201e4:13 Dream\u201c, auch der Tatsache ungeachtet, dass jenes bis dato letzte Studioalbum auch bei den Fans von The Cure nur wenig bleibenden Eindruck hinterlie\u00df. 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