{"id":7057,"date":"2024-12-06T15:57:56","date_gmt":"2024-12-06T14:57:56","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7057"},"modified":"2024-12-06T15:57:56","modified_gmt":"2024-12-06T14:57:56","slug":"misha-chylkova-dancing-the-same-dance-gare-du-nord-records-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/misha-chylkova-dancing-the-same-dance-gare-du-nord-records-2024\/","title":{"rendered":"Misha Chylkova \u2013 Dancing The Same Dance \u2013 Gare Du Nord Records 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Misha-Chylkova-Dancing-The-Same-Dance.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Misha-Chylkova-Dancing-The-Same-Dance.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7058\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (06.12.2024)<br><br>Ah, cool: Das Album \u201eDancing The Same Dance\u201c beginnt mit demselben Sample, mit dem es endet, und erf\u00fcllt damit einen der vielen Ans\u00e4tze, den die in Tschechien geborene Londonerin Misha Chylkova ihrem Deb\u00fct zugrundelegt: das Konzept des Loops. Ein weiteres Konzept ist inhaltlich motiviert, n\u00e4mlich die diversen Zust\u00e4nde der Liebe abzubilden, dargereicht aus einer pers\u00f6nlichen Perspektive. Mit ihrem Album-Auftakt ger\u00e4t der Multiinstrumentalistin gleich ein formidables Werk f\u00fcr die Bestenlisten, zwischen trippig-elektronischen Kammerst\u00fccken bis zu ausgearbeiteten elegischen Popsongs. Und alles beginnt von vorn.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Ein kratziges Sample, dann Drones, unklare Soundscapes, dazu Chylkovas melancholisch-zur\u00fcckhaltender, aber glasklarer Gesang: Damit legt der Opener \u201eCoffee\u201c eine F\u00e4hrte, von der die K\u00fcnstlerin stante pede abweicht, denn noch bevor der Hahn dreimal kr\u00e4ht, also im zweiten Song \u201eLove. Or.\u201c, erw\u00e4chst der Sound zu repetitiven Gebirgsmassiven \u2013 und l\u00e4sst sich in \u201eWill You?\u201c von einer Bandinstrumentierung abl\u00f6sen. Der \u00dcbergang zu dieser traurig-trippigen Ballade wirkt flie\u00dfend, denn auch mit Bass und Schlagzeug beh\u00e4lt Chylkova die sph\u00e4risch-dronigen Hintergr\u00fcnde bei. Das passt so gut zusammen, dass man kaum glauben mag, dass dieser Song \u2013 zusammen mit der an sechster Stelle nachgereichten B-Seite \u201eI Will\u201c \u2013 bereits 2021 als Vinyl-Single herauskam.<br><br>W\u00e4hrend man noch gr\u00fcbelt, an wen die Stimme so erinnern mag, und man im Hinterkopf auf Beth Hirsch, Beth Gibbons, Nico, Siouxsie Sioux oder Louise T\u00e6kker von den leider viel zu kurzlebigen No Hay Banda kommt, schichtet sich \u201eWill You?\u201c behutsam auf, intensiviert seine Fragmente, und man erwartet, dass er noch so richtig ausbricht, doch den Gefallen tut Chylkova einem nicht. Man muss schon bis zur sph\u00e4risch, aber munter beginnenden Single mit dem programmatischen Titel \u201eThe Loop\u201c warten, und selbst dieser Song l\u00e4sst sich bis zur H\u00e4lfte Zeit, um das Tempo anzuziehen und zu einem lebendigen Popsong mit Wechselgesang und wavigem Anstrich zu werden. Diese musikalische Entwicklung \u00fcberrascht und gef\u00e4llt.<br><br>Trotz gesteigerter Energie verliert Chylkova ihre Zur\u00fcckhaltung nicht, die Songs sind detailreich, erhebend, wohlfeil ausformuliert, aber nicht \u00fcberfrachtet. Sie generiert eine melancholische Sch\u00f6nheit und bedient sich f\u00fcr ihre Atmosph\u00e4ren, die auch die instrumental \u00fcppiger ausgestatteten Songs stets mitf\u00fchren, bei teils ungew\u00f6hnlichen Ger\u00e4tschaften wie Autoharp, Harmonium, Akkordeon, Philicorda-Orgel oder E-Bow, die sie weitestgehend sogar selbst einspielt. In \u201eSparrows\u201c etwa, einer weiteren Single, generiert die Orgel eine Art Loop zur Janglegitarre und zum flotten Schlagzeug.<br><br>Auch das genannte \u201eI Will\u201c f\u00fcgt sich mit seiner an U2 aus der Zeit um 1984 erinnernden zur\u00fcckhaltenden Gitarre und dem Harmonium-Loop in den Albumfluss ein, als w\u00e4re dies bereits vor drei Jahren genau so geplant gewesen. Es endet abermals mit dem Sample von In- und Outro, was diesen Eindruck nur verst\u00e4rkt. \u201eDoing It All Wrong\u201c ist ein flotterer, wenngleich mitnichten fr\u00f6hlicherer Uptempo-Popsong, der strukturell an die Loop-Experimente von Matt Johnson alias The The in den Achtzigern erinnert. Wie Johnson fasziniert auch Chylkova damit, dass sie ihre als monoton erwarteten Loops auf eine Weise in die Songs einbaut, dass sie sie nicht unangenehm dominieren, sondern ihnen ein Fundament verleihen, auf dem sie ihre kompositorische Pracht entfalten. Einen Gro\u00dfteil dazu tr\u00e4gt der Gesang bei, diese sch\u00f6ne Stimme, die die S\u00e4ngerin h\u00e4ufig doppelt und so mit sich selbst in Widerstreit geht.<br><br>\u201eDead Plants\u201c als dunkler Ambient-Track nimmt die Dichte zur\u00fcck, doch ver\u00e4ndert er die Stimmung damit nicht, die war schon vorher so dunkel. Wie aus dem Nichts mogelt sich ein Schlagzeug ein, das zuh\u00f6rends intensiver wird und dem Song im Verbund mit den Atmosph\u00e4ren etwas Hymnisches verleiht. Mit der zerbrechlich wirkenden Bassfigur von \u201e(Don\u2019t) Go\u201c kehrt das Behutsame, Z\u00e4rtliche in den Vordergrund zur\u00fcck; bis auf eine Neil-Young-Gitarre aus \u201eLe Noise\u201c-Zeiten bekommt dieser Song kaum Zuwachs. Mit Regen und Kirchenglocken leitet Chylkova zuletzt den Titelsong ein, den sie allein zur Orgel und zum Piano einsingt \u2013 man ahnt, dass dies das Ende sein muss, und doch f\u00e4hrt sie nach ganz viel Zeit noch einmal das gro\u00dfe Besteck auf und greift in die wehmutschwere Opulenzkiste, bis sie zum Anfang zur\u00fcckkehrt und damit die H\u00f6renden ja geradezu dazu auffordert, das Album noch einmal aufzulegen. Was sich ja auch lohnt.<br><br>Zwar gehen die Kompositionen komplett auf Chylkova zur\u00fcck und spielte einen Gro\u00dfteil der Instrumente, von Gitarre und Synthies bis zu vielen der Exoten, selbst ein, doch holte sie sich zus\u00e4tzliche G\u00e4ste ins Studio. Ma\u00dfgeblich beteiligt war Darren Hayman, haupts\u00e4chlich bekannt von Hefner, aber auch Mitglied bei der Band von Rolling-Stone-Korrespondent Robert Rotifer, ebenso wie Schlagzeuger Ian Button, der seinerseits einen Anteil an \u201eDancing The Same Dance\u201c hat. Au\u00dferdem Beitr\u00e4ge leisteten Jonathan Clayton, Niccol\u00f2 Avanzi (The Oranges) und Gabriele Arnolfo (Huge Molasses Tank Explode). Ah, cool!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (06.12.2024) Ah, cool: Das Album \u201eDancing The Same Dance\u201c beginnt mit demselben Sample, mit dem es endet, und erf\u00fcllt damit einen der vielen Ans\u00e4tze, den die in Tschechien geborene Londonerin Misha Chylkova ihrem Deb\u00fct zugrundelegt: das Konzept &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/misha-chylkova-dancing-the-same-dance-gare-du-nord-records-2024\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-7057","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7057","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7057"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7057\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7059,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7057\/revisions\/7059"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7057"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7057"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7057"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}