{"id":6990,"date":"2024-11-24T22:14:25","date_gmt":"2024-11-24T21:14:25","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6990"},"modified":"2024-11-24T22:14:25","modified_gmt":"2024-11-24T21:14:25","slug":"sibylle-schreiber-juergen-jastrzembski-ich-komm-als-sternschnuppe-wieder-ehrlich-verlag-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/sibylle-schreiber-juergen-jastrzembski-ich-komm-als-sternschnuppe-wieder-ehrlich-verlag-2024\/","title":{"rendered":"Sibylle Schreiber &amp; J\u00fcrgen Jastrzembski \u2013 Ich komm\u2019 als Sternschnuppe wieder \u2013 Ehrlich Verlag 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Sibylle-Schreiber-Juergen-Jastrzembski-Ich-komm-als-Sternschnuppe-wieder.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"176\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Sibylle-Schreiber-Juergen-Jastrzembski-Ich-komm-als-Sternschnuppe-wieder.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6991\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (24.11.2024)<br><br>Mit \u201eVom Lachen \u00fcber den Tod\u201c war der erste Band der Geschichten aus dem Hospiz betitelt, der jetzt in \u201eIch komm\u2019 als Sternschnuppe wieder\u201c seine Fortsetzung findet. Mag der erste Titel noch f\u00e4lschlicherweise despektierlich wirken, geht es der Autorin Sibylle Schreiber ebenso wie \u2013 ab der Fortsetzung \u2013 ihrem Partner J\u00fcrgen Jastrzembski mitnichten um eine schwarzhumorige N\u00e4herung an das Ableben. Vielmehr finden und teilen sie Trost im Unausweichlichen und mit dem Blick auf das alle treffende Vergehen einen alternativen Zugang zum Leben davor. Es ist eine herzerw\u00e4rmende Ermunterung, das Leben mit Freude zu begehen, bis zum letzten Augenblick. Die Geschichten f\u00fcr diesen zweiten Band notierten die Autoren bei Gespr\u00e4chen im Hospiz in Luckau, Brandenburg.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der schier undenkbare Spagat fiel der Autorin bereits bei den Recherchen zum in Wolfsburg protokollierten ersten Buch \u00fcberraschend auf: Ins Hospiz kommen Menschen bekanntlich zum Sterben, und doch ist die Stimmung dort positiv. M\u00f6glichen Ursachen und Auswirkungen dieses Umstands gehen die Autoren nun abermals auf den Grund. So leicht dies erscheint, so schwer zu ertragen sind manche Geschichten \u2013 der Tod ist hier, anders als \u00fcblich in unserer Gesellschaft, allgegenw\u00e4rtig, eine schwere, dr\u00fcckende B\u00fcrde, eine gef\u00e4lligst zu akzeptierende Schlussnote in jedem Leben, f\u00fcr die Sterbenden wie f\u00fcr die Bleibenden. Dieses Bewusstsein ersparen einem die Schreibenden nicht. Es ist an jedem selbst, die Zeit davor zu f\u00fcllen, und sei es, bis kurz vor der letzten Sekunde einen neuen Weg einzuschlagen; man muss daf\u00fcr nat\u00fcrlich auch das Gl\u00fcck haben \u2013 das ist ebenfalls eine Conclusio dieser Geschichten \u2013, daf\u00fcr die richtigen Anst\u00f6\u00dfe zu finden, und das Hospiz in Luckau ist mehr als in der Lage, diese zu liefern.<br><br>So vielf\u00e4ltig wie das Dasein fallen die gesammelten Geschichten aus, manche ein ganzes Leben inklusive Schlussakkord, manche kurze Schlaglichter aus dem Hospizalltag, wieder andere nicht die Schicksale der G\u00e4ste, sondern der Mitarbeitenden abdeckend. Man ertappt sich selbst dabei, wie man hier im Angesicht des Todes lauthals loslachen muss und sich versch\u00fcchtert umsieht, ob das wohl vertretbar ist. Gleich mit der ersten Anekdote: Ein Mann darf an seinem 100. Geburtstag nach einem freigewordenen Platz endlich darauf hoffen, an der ersehnten \u201eMensch \u00e4rgere dich nicht\u201c-Runde teilzunehmen, und wird doch abermals abgewiesen, schlie\u00dflich stehe auf der Packung ja \u201e6 bis 99\u201c. Schon ist man drin im Sound des Autorenpaares: Herzenswarm dokumentieren die beiden Schreibenden die Geschichten, formulieren nahbar und empathisch, obschon schonungslos, schlie\u00dflich bietet das Leben nun mal Untiefen und Abgr\u00fcnde, und derer kommen hier einige zutage. Dennoch verlieren die Autoren ihre mitf\u00fchlende W\u00e4rme nie, egal, worum es geht.<br><br>So zeigen sie Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Frau, die im Hospiz eine jahrzehntealte Last abwirft, indem sie bekennt, als Jugendliche einmal ihren Mann betrogen zu haben. Wie auch andere G\u00e4ste davon berichten, wie unstet, wahllos oder ungl\u00fccklich sie in Liebesangelegenheiten waren \u2013 und wie als Kontrast dazu stehen all jene Biografien, in denen Menschen als altgewordenes Paar die letzten Schritte gemeinsam bew\u00e4ltigen. Es f\u00e4llt auf, wie viele Personen sich exklusiv und bis zur Selbstaufgabe an einen Partner gebunden hatten, bis der starb und sie selbst in Depressionen verfielen, die, Gott sei\u2019s gepriesen, die Mitarbeitenden im Hospiz bew\u00e4ltigen zu helfen wussten. Ersch\u00fctternd, und erkenntnisreich: Ein reales soziales Netzwerk sch\u00fctzt also vor Seelenpein im Alter.<br><br>H\u00e4ufig ist es das wohl letzte Gl\u00fcck im Leben, das Schreiber und Jastrzembski in den tr\u00e4nenr\u00fchrenden Berichten finden. Der finale Wunsch, den die Mitarbeitenden im Hospiz oder des ehrenamtlichen W\u00fcnschewagens erm\u00f6glichen und der Licht ins ermattende Leben bringt, vom Fu\u00dfballspiel bis zum Orgelkonzert. Manches Gl\u00fcck erm\u00f6glichen sich die G\u00e4ste selbst, etwa eine neu bepflanzte Terrasse. Und tats\u00e4chlich finden einige G\u00e4ste im Hospiz sogar so viel Kraft, dass sie es aufrecht gehend und genesen verlassen.<br><br>So energiespendend, wie der Aufenthalt f\u00fcr selbst verkn\u00f6cherte Menschen im Hosipz sein kann, ist er es auch f\u00fcr diejenigen, die dort die Arbeit verrichten. Daf\u00fcr finden Jastrzembski und Schreiber einige Beispiele, die kaum weniger anr\u00fchren als die der G\u00e4ste, schlie\u00dflich ist ein erf\u00fclltes Berufsleben ja etwas, das man sich nur w\u00fcnschen kann. Man beginnt zu \u00fcberlegen, ob man diesem Job selbst gewachsen w\u00e4re, und zollt denjenigen, die ihn aus\u00fcben, gro\u00dfen Respekt.<br><br>Man darf dem Tod lachend begegnen, man begegnet ihm ohnehin permanent, dann muss man eben eine vertr\u00e4gliche Umgangsform daf\u00fcr finden. Schreiber und Jastrzembski geben Vorschl\u00e4ge daf\u00fcr, indem sie die Vorgehensweisen anderer nacherz\u00e4hlen, humorvoll, einf\u00fchlsam, schonungslos \u2013 bis hin zu Schl\u00fcpfrigkeiten \u2013 und rigoros: Der Tod geht uns alle an, auch au\u00dferhalb eines Hospizes. Ein Buch wie dieses gaukelt keine Illusionen vom ewigen Leben vor, aber es gibt Ratschl\u00e4ge daf\u00fcr, das Sterben leichter zu erdulden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (24.11.2024) Mit \u201eVom Lachen \u00fcber den Tod\u201c war der erste Band der Geschichten aus dem Hospiz betitelt, der jetzt in \u201eIch komm\u2019 als Sternschnuppe wieder\u201c seine Fortsetzung findet. Mag der erste Titel noch f\u00e4lschlicherweise despektierlich wirken, geht &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/sibylle-schreiber-juergen-jastrzembski-ich-komm-als-sternschnuppe-wieder-ehrlich-verlag-2024\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-6990","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6990","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6990"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6990\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6992,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6990\/revisions\/6992"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6990"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6990"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6990"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}