{"id":6977,"date":"2024-11-19T22:20:19","date_gmt":"2024-11-19T21:20:19","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6977"},"modified":"2024-11-19T22:20:19","modified_gmt":"2024-11-19T21:20:19","slug":"bissesvinet-blodager-bissesvinet-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/bissesvinet-blodager-bissesvinet-2024\/","title":{"rendered":"Bissesvinet \u2013 Blodager \u2013 Bissesvinet 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Bissesvinet-Blodager.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Bissesvinet-Blodager.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6978\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (19.11.2024)<br><br>Was aus einem einmaligen Gastbeitrag so werden kann: S\u00e4nger Bisse war vor zwei Jahren Feature auf \u201eIntruducing SVIN\u201c, dem siebten Album der d\u00e4nischen Avantgarderockband Svin, und zwar im Song \u201eB\u00f8n\u201c. Der gefiel beiden Beteiligten \u2013 und allen H\u00f6renden \u2013 so gut, dass sich S\u00e4nger und Band zu Bissesvinet zusammentaten. \u201eBlodager\u201c ist das Deb\u00fct dieser Kombination, und es \u00fcberw\u00e4ltigt mit einer eigensinnigen Musik, die weniger Avantgarde ist als kunstvoll r\u00e4tselhaft, energetisch ohne Gewalt, dennoch pand\u00e4monisch, zudem generiert zuvorderst mit Blas- und Tasteninstrumenten und mit zwingendem Gesang versehen. F\u00fcr dieses Deb\u00fct mussten beide Parteien von ihrer gewohnten Arbeitsweise abweichen und Kompromisse finden \u2013 und es gelang ihnen vortrefflich.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Aus dem Stand entwickelt die Musik einen Sog, auch ohne Krawall: Der Opener \u201eBlodpenge\u201c zieht die H\u00f6renden sofort in sich hinein, mit fiebriger Musik und ebensolchem Gesang, und es l\u00e4sst sich gar nicht so leicht bestimmen, aus welchen Zutaten diese Musik \u00fcberhaupt besteht. Da entwickelt sich eine Kraft, die unwiderstehlich ist. Ein Bisschen meint man, D\u00fcrefors\u00f6g herauszuh\u00f6ren, noch mehr im n\u00e4chsten Song \u201eBud\u201c, der als zerbrochen scheppernder Walzer beginnt und in der Mitte einen wunderbaren L\u00e4rm generiert. So halbwegs klassische Rockmusik bekommt man erst mit dem dritten Song \u201eD\u00f8dsklage\u201c, der wie ein heruntergedimmter Indierocksong in Lauerstellung wirkt, allzeit bereit, wieder loszubr\u00fcllen \u2013 und stattdessen ert\u00f6nt eine sanfte Orgel. \u201eShulamit\u201c ist beinahe jazzig, mit ganz viel Hall auf dem Saxophon und einem schamanisch-rituellen unendlichen Getrommel, das \u201eJudasevangeliet\u201c ist ein mit Talk-Talk-Sounds zu \u201eLaughing Stock\u201c-Zeiten unterlegtes Spoken-Word-St\u00fcck.<br><br>\u201eVer\u00e5b\u201c endlich bereitet mit angedeuteter Energie den Ausbruch vor, der sich erst in der Mitte ereignet du doch anders ausf\u00e4llt, als erwartet, als notwendig, n\u00e4mlich mit beinahe sakralem Gesang zu Drones und eher rasselnden Drums. Man w\u00e4hnt sich im Mittelalter, jedoch in einem unbequemen, obschon reizvollen. Allm\u00e4hlich macht es sich die Band im L\u00e4rm und im Chaos gem\u00fctlich, die \u201eSvinehyrden\u201c kombiniert Getr\u00f6te, Gerumpel und Geschepper zu einem langsamen, aber qu\u00e4lenden Pand\u00e4monium. F\u00fcr \u201eGr\u00e6demuren\u201c fahren Bissesvinet den Noise zur\u00fcck, das Kakophonische indes nicht, die Band wird manischer, steigert sich ins ebenso zerfahrene, leicht industrialartige \u201eSamson\u201c hinein und l\u00e4sst abschlie\u00dfend das \u201eHarmageddon\u201c ert\u00f6nen, ein desolater Bluesversuch, waschecht mit Saxophonen.<br><br>Bisse singt nicht einfach, er klingt wie ein wahnsinniger Prediger, er steigert sich in seine Liturgie hinein, beschw\u00f6rt seine Gemeinde, bel\u00e4sst es nicht einfach dabei, vom Ende der Welt zu mahnen, er ruft es gleich selbst herbei, auf dem \u201eBlodager\u201c, dem Blutacker, stehend, in die dr\u00e4uenden dunklen Wolken rufend, die sich \u00fcber ihm auft\u00fcrmen und den ohnehin schon kargen Bewuchs um ihn herum gewaltsam zerr\u00fctten. Er l\u00e4sst keine Ruhe, er erzwingt die volle Aufmerksamkeit, und obschon ihm dies auch solo bereits gelingen w\u00fcrde, schart er seine Heilsarmee hinter sich, die drei verbliebenen Musiker von Svin.<br><br>Deren Instrumentarium f\u00e4llt angenehm ungew\u00f6hnlich aus. Gew\u00f6hnlich ist hier gerade noch das Schlagzeug, das spielt Thomas Eiler. Das Pand\u00e4monium entfachen die anderen beiden: Freejazzer Henrik Pultz Melbye mit Saxophon, Blaswandler, Klarinette und Synthies sowie Noisemusiker Lars Bech Pilgaard mit Pedal-Orgel, Celesta und Gitarren. \u00c0 propos Klarnamen: Bisse hei\u00dft eigentlich Thorbj\u00f8rn Radisch Bredkj\u00e6r, der S\u00e4nger spielt au\u00dferdem auch Synthies. Sie alle haben zudem eine \u00fcppige Liste an weiteren Projekten in petto, einige davon mit personellen \u00dcberschneidungen. Einen Blodager gibt es offenbar wirklich in D\u00e4nemark, irgendwo bei Randers findet sich wohl ein solcher heidnischer Platz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (19.11.2024) Was aus einem einmaligen Gastbeitrag so werden kann: S\u00e4nger Bisse war vor zwei Jahren Feature auf \u201eIntruducing SVIN\u201c, dem siebten Album der d\u00e4nischen Avantgarderockband Svin, und zwar im Song \u201eB\u00f8n\u201c. 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