{"id":6944,"date":"2024-11-14T20:51:37","date_gmt":"2024-11-14T19:51:37","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6944"},"modified":"2024-11-14T20:51:37","modified_gmt":"2024-11-14T19:51:37","slug":"universal-language-une-langue-universelle-matthew-rankin-cdn-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/universal-language-une-langue-universelle-matthew-rankin-cdn-2024\/","title":{"rendered":"Universal Language (Une langue universelle) \u2013 Matthew Rankin \u2013 CDN 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (14.11.2024)<br><br>Filmfest in Braunschweig! Zum pers\u00f6nlichen Einstieg in die 38. Cineastenparty gibt\u2019s \u201eUniversal Language\u201c, einen Film, der in einem Kanada spielt, in dem vornehmlich Farsi gesprochen wird, sofern nicht Franz\u00f6sisch, der vor \u00f6der brutalistischer Kulisse stattfindet und der mit aberwitzigen Absurdit\u00e4ten nur so gespickt ist, die im Finale dramatisch zusammenlaufen. Experimenteller Zitatepop mit origin\u00e4rem Kern.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eUniversal Language\u201c spielt in einem Winnipeg, Kanada, das von Iranern bewohnt ist. So einige normale bis kuriose Menschen treten bereits in den ersten Sequenzen auf: Der rauchende Hippie-Lehrer, der die missratenen Sch\u00fcler im Kabuff einsperrt. Zwei Sch\u00fclerinnen, die einen Geldschein im Eis finden, von dem sie ihrem Mitsch\u00fcler eine Brille kaufen wollen, damit der Lehrer sie nicht l\u00e4nger aus der Schule aussperrt, und die an einen Mann mit pinken Ohrensch\u00fctzern geraten, der ihnen r\u00e4t, sich bei einem Freund von ihm eine Axt zu borgen, um das Eis zerschlagen zu k\u00f6nnen. Ein Mann, der den Job k\u00fcndigt und mit dem Bus \u2013 neben jenem Lehrer sitzend \u2013 seine Mutter besuchen f\u00e4hrt; dieser Mann hei\u00dft wie der Regisseur und wird auch von ihm dargestellt. Der Truthahnsammler, dessen Traumtier abhandenkommt. Der Kleenext\u00fccherladenbesitzer, dessen Sohn der Kurzsichtige ist. Die Trauertr\u00e4nensammlerin. Der Geburtstagstortenverk\u00e4ufer. Der Schneeschipper. Der Truthahn. Der wandelnde Weihnachtsbaummann. Der Touristenf\u00fchrer. Und und und, eine Figur absurder und r\u00e4tselhafter als die n\u00e4chste.<br><br>Man begleitet diese Figuren eine Weile lang durchs winterliche Kanada und verliert alsbald den Bezug zur Geschichte, w\u00e4hrend man zwischen absurdem Humor und visueller \u00d6dnis dem Film zu folgen versucht. Man sieht gro\u00dffl\u00e4chige, nahezu \u00f6ffnungsfreie H\u00e4userw\u00e4nde in Beige, Braun oder Grau, die zur Touristenattraktion werden, so sie denn einmal ein Klinkermuster aufweisen. Man lauscht den verr\u00fccktesten Wortwitzen und Einf\u00e4llen (\u201eDas war der neutralste Arbeitsplatz, den ich jemals hatte\u201c). Man sieht verschlungene Autobahnen, deren Verkehrsl\u00e4rm Sehensw\u00fcrdigkeiten, Friedh\u00f6fe und Shopping Malls ersch\u00fcttert und umt\u00f6st. Man sieht die bunte Welt der Kleenexshops, Bingocaf\u00e9s, Truthahnl\u00e4den, den monochromen Schnee \u00fcber allem, die unendliche Leere um die Personen herum, und versucht, sich zurechtzufinden.<br><br>Denn Regisseur und Hauptdarsteller Rankin hat erz\u00e4hlerisch ein sprunghaftes Gem\u00fct: Eine Geschichte rei\u00dft er an und haftet die Kamera dann vermeintlichen Nebenfiguren an, die wie zuf\u00e4llig das Bild kreuzen. Er nimmt scheinbar willk\u00fcrliche F\u00e4den auf und begleitet sie f\u00fcr eine Weile. Doch Aufmerksamkeit und Erinnerungsverm\u00f6gen werden belohnt: Im Verlaufe des Filmes kehrt Rankin zu den unerwartetsten Details zur\u00fcck, offenbart zuvor lediglich angedeutete Identit\u00e4ten, entwirrt das Kn\u00e4ul der Seitenstr\u00e4nge \u2013 und l\u00e4sst alles in einem Raum zusammenkommen, inklusive David-Lynch-Effekt.<br><br>Nun hei\u00dft es, dass sich Rankin am klassischen iranischen Kino orientiert, um diese kulturelle Mischung zu gestalten. Wer da indes nicht sattelfest ist, findet dennoch Analogien, da ist der Film wie ein Zitateraten: Roy Andersson und Aki Kaurism\u00e4ki kommen einem in den Sinn, f\u00fcr die statischen Bilder zwischendurch und die Tristesse. Die pastellige Farbgebung l\u00e4sst an Wes Anderson denken, Umsitzende verweisen zudem auf Jacques Tati und Andrei Tarkowswki. Aber eine solche Geschichte hat von denen niemand erz\u00e4hlt.<br><br>Nun baut Rankin einige weitere Finessen in den Film ein. Der Soundtrack etwa ist \u00fcberwiegend an traditionelle iranische Musik angelehnt. Inmitten des Reigens an tristen Au\u00dfen- und mattfarbigen Innenaufnahmen zeigt er in einer psychedelischen Sequenz eine innige Familienkonstellation beim Kuscheln, in fetten Farben und komplett vom Rest abweichenden Schnitten, Blenden und Schwenks. Einige Episoden, so ist zu lesen, sind autobiografisch grundiert. Was muss das f\u00fcr ein Leben sein!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (14.11.2024) Filmfest in Braunschweig! Zum pers\u00f6nlichen Einstieg in die 38. 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