{"id":6915,"date":"2024-11-07T23:17:45","date_gmt":"2024-11-07T22:17:45","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6915"},"modified":"2024-11-07T23:17:45","modified_gmt":"2024-11-07T22:17:45","slug":"the-room-next-door-la-habitacion-de-al-lado-pedro-almodovar-e-usa-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-room-next-door-la-habitacion-de-al-lado-pedro-almodovar-e-usa-2024\/","title":{"rendered":"The Room Next Door (La habitaci\u00f3n de al lado) \u2013 Pedro Almod\u00f3var \u2013 E\/USA 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (07.11.2024)<br><br>Emotionen sind hier nicht plakativ sichtbar, aber Thema: Die todkranke Martha b\u00fcrdet der entfernten Freundin Ingrid auf, sie bei ihrem Freitod zu begleiten \u2013 an sich die Basis f\u00fcr haufenweise Wehklagen, doch Pedro Almod\u00f3var inszeniert \u201eThe Room Next Door\u201c, die Verfilmung des Romans \u201eWas fehlt dir? (What Are You Going Through?)\u201c von Sigrid Nunez, als Informationsaustausch auf intellektueller Ebene. Das ist wohltuend, weil man sich weniger manipuliert f\u00fchlt. Der Regisseur geht zudem stante pede in medias res und fesselt trotz des zumeist theoretischen Aufbaus \u00fcber die gesamte Spielzeit die Aufmerksamkeit der Betrachtenden. Au\u00dferdem begeistern, wie beim fr\u00fcheren Enfant Terrible gewohnt, die Bilder \u2013 und Tilda Swinton ist der n\u00e4chste Pluspunkt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Mit gem\u00e4chlichem Schritt wandelt Almod\u00f3var durch dieses Kammerspiel, von Anfang an, und wechselt dabei wie nebenbei die Erz\u00e4hlweise. Autorin Ingrid (Julianne Moore) erf\u00e4hrt bei einer Signierstunde von einer gemeinsamen Bekannten, dass Journalistin Martha (Tilda Swinton) mit Krebsdiagnose im Krankenhaus liegt. Ingrid besucht Martha \u2013 und obschon sie sich jahrelang nicht sahen, tauchen sie aus dem Stand in tiefste Tiefen ab; Martha berichtet vom zerr\u00fctteten Verh\u00e4ltnis zu ihrer Tochter Michelle. Jeder Satz birgt mehr Geschichte als manche komplette TV-Serie, die Dialoge sind auf den Punkt, es geht Schritt um Schritt in der Geschichte voran, die sich zun\u00e4chst im Kopf der betrachtenden abbildet, weil man nur den beiden Frauen aus n\u00e4chster N\u00e4he dabei zusieht, wie sie sich auf den Stand der Dinge bringen, biografisch und emotional. Als man sich gerade an diese ungew\u00f6hnliche cineastische Erz\u00e4hlweise eingelassen hat, baut Almod\u00f3var pl\u00f6tzlich doch noch R\u00fcckblenden ein, visualisiert mithin die vormals rein verbalen Berichte. Insbesondere das am helllichten Tag im US-Nirgendwo brennende Haus bringt tempor\u00e4r Surrealismus in den Film.<br><br>Sobald man auf Stand ist, dringt das Titelthema in den Film ein: Martha, zwischen zwei Therapien aus dem Krankenhaus entlassen, m\u00f6chte mithilfe einer im Darknet erworbenen Pille dem qualvollen Krebstod entgehen, und wissend, dass dies in den USA illegal ist, bittet sie Ingrid quasi um Mitt\u00e4terschaft, indem sie sich in den titelgebenden Nachbarraum setzen soll, sobald Martha die bittere Pille schluckt. Obwohl Ingrids neues Buch von der Angst vor dem Tod handelt, sie f\u00fcr so etwas also nicht zu haben sein sollte, l\u00e4sst sie sich darauf ein, und beide mieten sich irgendwo im Wald in ein Luxushaus ein, das so asymmetrisch designt ist, wie Almod\u00f3var seine wunderbaren Bilder aufbaut. Die Frauen begegnen einander und dem Tod.<br><br>Die Zeit in dem Haus nutzt der Regisseur, um thematische Seitenarme einzubauen; Ingrid wendet sich an Damian (John Torturro), Ex-Lover beider Frauen, und begibt sich in einem Fitnessstudio in die Obhut eines Trainers, und in beiden Begegnungen sind gegenw\u00e4rtige gesellschaftliche und politische Schr\u00e4glagen Thema, so wie der gesamte Film ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die aktive Sterbehilfe respektive den Freitod aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden ist. Almod\u00f3vars Abscheu gegen religi\u00f6se Fanatiker w\u00e4re ohne die an sich \u00fcberfl\u00fcssige Sequenz mit dem Polizeiverh\u00f6r kaum unterzubringen gewesen. Zuletzt begegnet Ingrid Marthas Tochter Michelle (ebenfalls Tilda Swinton) in dem Haus, beide finden Frieden.<br><br>Der Schmerz ist hier nur eine Information; in lediglich einer Szene bricht er aus Martha heraus, und kurioserweise wirkt er nur da unglaubw\u00fcrdig. \u201eThe Room Next Door\u201c ist ein Kopffilm, und das ist gut so, weil man sich nicht durch vordergr\u00fcndige Schablonen manipuliert f\u00fchlt. Die Personen leben und sprechen in transparenter Klarheit, sie sind sich ihrer selbst bewusst, allen voran Martha. In den Gespr\u00e4chen mit Ingrid offenbart sich jedoch, dass jene der Kranken intellektuell nicht gewachsen ist. Sie weicht aus; sei es aus Angst vor dem Thema oder aus dem Unverm\u00f6gen, Martha inhaltlich und somit emotional zu folgen. Es f\u00e4llt dann schwer, sie sympathisch zu finden; \u00fcber die Spielzeit reift sie jedoch an der Aufgabe und ist dann sogar Vorbild f\u00fcr andere. F\u00fcr diese ungleiche Zusammenkunft der Frauen findet die Geschichte eine Erkl\u00e4rung: Ingrid war nicht Marthas erste Wahl, drei deutlich engere Freundinnen hatten das Ansinnen zuvor abgelehnt. Auch, weil sogar die Mitt\u00e4terschaft bei dieser Art Freitod in den USA strafbar ist, wogegen Almod\u00f3var hiermit protestiert.<br><br>Alles ist Kopf, und doch ist man permanent gefesselt, das ist die Kunst von Almod\u00f3var, dem vormaligen Enfant Terrible, das im Laufe der Jahrzehnte f\u00fcrs Terriblesein lediglich die Parameter verschob: Hier geschieht es eben auf inhaltlicher Ebene, in der Haltung, nicht in der schr\u00e4gen und schrillen Erz\u00e4hlweise. Daf\u00fcr beh\u00e4lt er andere traditionelle Aspekte bei: Die Bilder sind wundersch\u00f6n komponiert, die Farben der Kleidung gewohnt monochrom; Edward Hopper ist ein zitiertes Vorbild. Und weil er seinem Komponisten-Kumpel einen Job zusichern wollte, ist auch etwas mehr Musik im Film als n\u00f6tig. Neu ist im Almod\u00f3var-Universum, dass dieser Film erstmals nicht auf Spanisch, sondern auf Englisch gedreht ist, was als Information f\u00fcr das deutsche Publikum ein Schlag ins Gesicht ist, weil man hierzulande ja alles synchronisiert vorgesetzt bekommt. Das gipfelt in der Beklopptheit, dass man Martha und Ingrid beim DVD-Gucken beobachtet und den geguckten Film (\u201eThe Dead\u201c von John Huston) im Original bel\u00e4sst, die eine Szene mitsprechende Swinton aber parallel synchronisiert. Nebenbei: Swinton beim Spielen zuzugucken, ist ein Fest. Wann kommt das Bowie-Biopic mit ihr?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (07.11.2024) Emotionen sind hier nicht plakativ sichtbar, aber Thema: Die todkranke Martha b\u00fcrdet der entfernten Freundin Ingrid auf, sie bei ihrem Freitod zu begleiten \u2013 an sich die Basis f\u00fcr haufenweise Wehklagen, doch Pedro Almod\u00f3var inszeniert \u201eThe &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-room-next-door-la-habitacion-de-al-lado-pedro-almodovar-e-usa-2024\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-6915","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kino"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6915","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6915"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6915\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6916,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6915\/revisions\/6916"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6915"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6915"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6915"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}