{"id":6912,"date":"2024-11-07T23:16:53","date_gmt":"2024-11-07T22:16:53","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6912"},"modified":"2024-11-09T18:52:24","modified_gmt":"2024-11-09T17:52:24","slug":"the-cure-songs-of-a-lost-world-fiction-records-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-cure-songs-of-a-lost-world-fiction-records-2024\/","title":{"rendered":"The Cure \u2013 Songs Of A Lost World \u2013 Fiction Records 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/The-Cure-Songs-Of-A-Lost-World.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/The-Cure-Songs-Of-A-Lost-World.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6913\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>oder: \u201eMeine ersten 37 Jahre mit The Cure (1987 bis heute)\u201c<br><br>von Guido D\u00f6rheide (06.11.2024)<\/p>\n\n\n\n<p>The Cure ist meine \u00e4lteste Lieblingsband, \u00e4lter noch als The Fall, die ich erst viel sp\u00e4ter kennen- und lieben lernte. Also versuche ich mal, einen Einstieg in den Artikel zu finden, ohne \u201e4:13 Dream\u201c (2008) zu verdammen und ohne \u201eDisintegration\u201c (1989) in den Himmel zu loben.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Mein Einstieg in die Musik von The Cure war die 1986er Version von \u201eBoys Don\u2019t Cry\u201c, geh\u00f6rt in den BFBS Top 40, die dazu diente, die damalige Singles-Collection \u201eStanding On A Beach\u201c (Vinyl) bzw. \u201eStaring At The Sea\u201c (CD) zu promoten, aber auf den beiden Alben nicht auftauchte. Statt dessen war das Original von 1979 dort vertreten, aber mehr dazu sp\u00e4ter. 1987 begeisterte mich dann als 14-J\u00e4hriger \u201eWhy Can\u2019t I Be You\u201c und so wartete ich \u2013 kurz zuvor mit Gottes Hilfe, also dank meiner Konfirmationsgeschenke, in den Besitz einer wirklich sehr guten japanischen Hi-Fi-Anlage gekommen \u2013 geduldig auf das Erscheinen der CD-Version von \u201eKiss Me, Kiss Me, Kiss Me\u201c, die ich dann kurz nach ihrem Erscheinen in der im Keller befindlichen Schallplattenabteilung des Gifhorner Kaufhauses D\u00f6pke zum Reinh\u00f6ren in den dortigen CD-Spieler einlegen lie\u00df. Die Besonderheit des Reinh\u00f6rens im Kaufhaus D\u00f6pke war, dass es nur einen CD-Spieler und keine Kopfh\u00f6rer gab. Was man anh\u00f6rte, musste daher die ganze Schallplattenabteilung, mithin der gesamte Kaufhaus-D\u00f6pke-Keller, ebenfalls anh\u00f6ren. Und das 3:50-Minuten-Instrumentalintro zum insgesamt knapp \u00fcber sechsmin\u00fctigen \u201eThe Kiss\u201c war absolut anders als \u201eBoys Don\u2019t Cry\u201c (das glaube ich insgesamt nicht mal 3:50 Minuten lang war), es war d\u00fcster, bombastisch, abgehackt, jaulend, qualvoll, kurzum: Ich war begeistert und ich war auch stolz, allen anderen Anwesenden in der Schallplattenabteilung des Kaufhauses D\u00f6pke die Freude zuteil werden lassen zu k\u00f6nnen, dieses Jahrhundertwerk mit mir gemeinsam anzuh\u00f6ren. Und die unter der Decke der Schallplattenabteilung des Kaufhauses D\u00f6pke angebrachten Lautsprecherboxen hatten einen tollen, basslastigen Klang, der alle Facetten von \u201eThe Kiss\u201c (besonders die d\u00fcsteren) perfekt zur Geltung brachte.<\/p>\n\n\n\n<p>An \u201eKiss Me, Kiss Me, Kiss Me\u201c arbeitete ich mich dann monatelang ab und stellte fest, dass sich nichts auf dem Album so anh\u00f6rte wie \u201eWhy Can\u2019t I Be You\u201c \u2013 mit Ausnahme von \u201eWhy Can\u2019t I Be You\u201c. Was meiner Begeisterung f\u00fcr das Album keinen Abbruch tat, ich liebte jeden einzelnen Song und stellte Jahre sp\u00e4ter fest, dass \u201eKiss Me, Kiss Me, Kiss Me\u201c einer der besten Einstiege in die Welt der Cure-Alben ist, die man sich nur vorstellen kann: Kein anderes Cure-Album ist so lang (leider fehlte \u201eHey You!\u201c auf der CD-Version, die ansonsten die damals aufgrund von Beethovens neunter Sinfonie, Herbert von Karajan und dem Boss von Sony technisch nicht darstellbare L\u00e4nge von 74 Minuten \u00fcberschritten h\u00e4tte, diesen wunderbaren Song habe ich daher erst Jahre sp\u00e4ter kennengelernt), kein anderes Cure-Album ist so abwechslungsreich und auf keinem anderen Cure-Album ist die Hitdichte so hoch: \u201eWhy Can\u2019t I Be You\u201c, \u201eCatch\u201c, \u201eJust Like Heaven\u201c (kurze Zeit sp\u00e4ter supertoll gecovert von Dinosaur jr.), \u201eHot! Hot! Hot!\u201c als Singles und dazu noch das wundersch\u00f6ne und wunderbar traurige \u201eHow Beautiful You Are\u201c (jede\/r, die\/der einmal feststellen musste, dass der Traummann\/die Traumfrau moralisch betrachtet ein Arschloch ist, findet sich hier wieder), das psychedelische \u201eThe Snakepit\u201c und der ikonisch-kitschige Abschluss mit \u201eFight\u201c \u2013 kurz gesagt: Mehr Cure f\u00fcr ein Geld gibt es nicht zu kriegen. There ain\u2019t no more cure for money oder so \u00e4hnlich. In den Folgejahren beschaffte ich mir dann alles, was The Cure vorher so an Alben ver\u00f6ffentlicht haben, in der Reihenfolge \u201eBoys Don\u2019t Cry\u201c (1979, wegen \u201eBoys Don\u2019t Cry\u201c, wobei es mich zuerst befremdete, es mit einer anderen Version als der zuerst auf Forces Radio geh\u00f6rten zu tun bekommen zu haben, ich aber schnell meinen Frieden mit dieser urspr\u00fcnglichen Version machte), \u201eThe Head On The Door\u201c (1985) und \u201ePornography\u201c (1982), die Kathrin, die \u00e4ltere Schwester meines Schulfreundes Martin, nicht mehr haben wollte und mir daher f\u00fcr einen wirklich g\u00fcnstigen Preis verkaufte (danke nochmals daf\u00fcr). Und mit \u201ePornography\u201c entfachte meine Liebe zu The Cure dann so richtig: D\u00fcster, bombastisch, dr\u00f6hnend, klagend, jaulend, also quasi das 3:50-Minuten-Instrumentalintro zu \u201eThe Kiss\u201c in Albuml\u00e4nge und mit Gesang. Ich war gl\u00fccklich. Anschlie\u00dfend nahm ich mir das minimalistische Fr\u00fchwerk vor, \u201eBoys Don\u2019t Cry\u201c kannte ich ja schon und \u201eThree Imaginary Boys\u201c (1979) sparte ich mir aus taschengeld\u00f6konomischen Gr\u00fcnden, also fehlten noch \u201eFaith\u201c (1981, d\u00fcster, hypnotisch, gro\u00dfartig) und \u201eSeventeen Seconds\u201c (1980, noch d\u00fcsterer, noch minimalistischer, mein damaliges Langzeitlieblingsalbum), dann \u201eConcert: The Cure Live\u201c (1984, quasi das \u201eNo Sleep \u2018til Hammersmith\u201c von Robert Smith und seiner Band \u2013 gut 40 Minuten, 10 Songs und nur Hits, schon damals zeichnete sich ab, dass man auf jedem damals noch zu erscheinendem Live-Album bekannte Songs in einem \u00fcberaus faszinierenden und absolut anderen Sound als auf dem jeweiligen Studio-Album zu h\u00f6ren bekommen w\u00fcrde), anschlie\u00dfend die poppige Episode von \u201eJapanese Whispers\u201c (1983) und \u201eThe Top\u201c (1984), und so hatte ich bis auf \u201eStanding On A Beach \/ Staring At The Sea\u201c (1986, auch hier reichte wieder einmal mehr das Taschengeld nicht) alles von The Cure zusammen. Ich liebte die D\u00fcsternis und die Abwechslung in der Musik und vor allem liebte ich (und liebe sie bis heute) Robert Smiths Stimme und seine Ausstrahlung, die schwerm\u00fctige Bedeutsamkeit, d\u00fcstere Bombastigkeit und einen irgendwie jungenhaften Charme in sich vereinte (und das bis heute tut).<\/p>\n\n\n\n<p>1989 erschien dann \u201eDisintegration\u201c \u2013 anerkannterma\u00dfen das apeslute Magum Opus von The Cure und\u2026 schei\u00dfe, war ich entt\u00e4uscht! Anstelle der Vielfalt von \u201eKiss Me, Kiss Me, Kiss Me\u201c oder des Minimalismus der ersten drei Alben oder der bombastischen Maximaldepressivit\u00e4t von \u201ePornography\u201c gab es hier einen traurig-psychedelisch Soundbrei, aus dem die einzelnen St\u00fccke herauszuh\u00f6ren ich weder bereit noch ansatzweise in der Lage war. Und alle feierten das Teil und ich verstand die Welt nicht mehr. Alle nachfolgenden Cure-Alben kaufte ich pflichtschuldig und v\u00f6llig desillusioniert, konnte nie verstehen, wie \u201eWhy Can\u2019t I Be You\u201c und \u201eThe Walk\u201c als die f\u00fcr mich essenziellen Cure-Pop-Hits im kollektiven Musikbewusstsein durch so einen abgeschmackten Schei\u00df wie \u201eFriday I\u2019m In Love\u201c (vom 1992er Album \u201eWish\u201c \u2013 das 1996 erschienene \u201eWild Mood Swings\u201c hinterlie\u00df dann bei mir gar keinen bleibenden Eindruck mehr; vorher hatte ich allerdings noch die beiden 1993er Live-Alben \u201eShow\u201c und \u201eParis\u201c sehr genossen, eben wegen diesen alten, im wie auch immer gearteten zeitgen\u00f6ssischen Gewand eingespielten Hits) abgel\u00f6st werden konnte und war zumindest einigerma\u00dfen fr\u00f6hlich, wenn sich auf \u201eBloodflowers\u201c (2000), \u201eThe Cure\u201c (2004) oder \u201e4:13 Dream\u201c (2008) mal wieder disintegrationm\u00e4\u00dfige T\u00f6ne Bahn brachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Moment \u2013 schrieb ich gerade \u201edisintegrationm\u00e4\u00dfig\u201c? Jawohl, das Album brauchte bei mir Jahrzehnte, um seine wahre Bedeutung zu entfalten, ich legte es erneut auf und es machte mir auf einmal viel Spa\u00df und erschien als folgerichtige Antwort auf \u201ePornography\u201c. Laut Robert Smith stellte \u201eBloodflowers\u201c den dritten Teil der Trilogie dar, und das fand ich OK. Aber warum dann anschlie\u00dfend noch \u201eThe Cure\u201c und \u201e4:13 Dream?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, ganz einfach: Weil Robert Smith ein wahrer Titan der Stammkundenverarschung ist, der seit kurz vor seinem 30. Geburtstag (also kurz vor \u201eDisintegration\u201c) nach jedem neuen Album die Aufl\u00f6sung seiner Band proklamiert und der behauptete, au\u00dfer auf \u201eThe Top\u201c h\u00e4tte er niemals richtig gesungen, \u00c4u\u00dferungen, die beknackt sind und die man Smith niemals wirklich so richtig \u00fcbelnehmen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Einiges auf \u201eBloodflowers\u201c, \u201eThe Cure\u201c und \u201e4:13 Dream\u201c erinnerte mich wehm\u00fctig an \u201eDisintegration\u201c, aber mit einigen Jahren Abstand muss ich wirklich zugeben, dass es Robert Smith in Albuml\u00e4nge niemals wieder gelungen ist, an \u201eDisintegration\u201c heranzureichen. An \u201ePornography\u201c schon gar nicht, aber so ein Album ist mit \u00fcber 30 glaube ich ohnehin nicht mehr m\u00f6glich. Wobei \u201eBloodflowers\u201c wirklich, wirklich gut war (und \u201eThe Cure\u201c zumindest gut, wohingegen \u201e4:13 Dream\u201c zwar mit \u201eUnderneath The Stars\u201c sehr gut und stimmungsvoll begann, dann aber immer wieder versuchte, an \u201eFriday I\u2019m In Love\u201c-Zeiten anzukn\u00fcpfen und dabei tats\u00e4chlich einigerma\u00dfen abkackte), aber es enthielt eben keinen \u201eLovesong\u201c, kein \u201ePictures Of You\u201c, kein \u201eLullaby\u201c und kein \u201eFascination Street\u201c, also keine Songs, die f\u00fcr sich genommen den Legendenstatus von The Cure zu zementieren in der Lage sind und die mir zugegebenerma\u00dfen schon im Jahr 1989 auf \u201eDisintegration\u201c extrem gefallen haben. Dass mich das Album damals nicht richtig zu packen imstande war, ist vermutlich meiner eigenen Unreife als 16J\u00e4hriger geschuldet.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun aber, mit 51: \u201eSongs Of A Lost World\u201c \u2013 wie komme ich damit klar und ist es die Fortsetzung von \u201ePornography\u201c und \u201eDisintegration\u201c und wie steht es f\u00fcr sich alleine da?<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, \u201eAlone\u201c begeistert mich auf Anhieb und alleine schon deshalb, weil es ein immerhin 3:20-min\u00fctiges Instrumentalintro gibt, an \u201eThe Kiss\u201c reicht es nat\u00fcrlich dennoch nicht heran. Sie fragen mich \u201eWarum\u201c? Ich sage Ihnen, warum: Weil es hier nichts zu h\u00f6ren gibt, das es bislang von The Cure nicht zu h\u00f6ren gab. Das war bei \u201eThe Kiss\u201c anders. Sch\u00f6n ist \u201eAlone\u201c dennoch: Die Melodie funktioniert, das Zusammenspiel der Instrumente ist Cure-typisch, im Hintergrund machen synthetische Streicher:innen eine traurige Stimmung und vor allem: Robert Smith und seine Stimme klingen seit 1989 nicht ein winziges bisschen gealtert. Damals war er keine 30, heute geht er auf die 70 zu, und seine Stimme hat die Zeit \u00fcberdauert. Chapeau, sage ich mal.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAnd Nothing Is Forever\u201c beginnt wundersch\u00f6n mit nicht nervenden Snythie-Streichern und ebenso synthetischem Klavier, dann setzt eine leicht kratzende und dabei nicht nervende Gitarre ein und Robert Smith singt ein wundersch\u00f6nes Liebeslied, das umso sch\u00f6ner klingt, wenn man bedenkt, dass er seit nunmehr 36 Jahren mit seiner Frau verheiratet ist. Das folgende \u201eA Fragile Thing\u201c finde ich ganz besonders gelungen: Es beginnt mit Klavier und Schneebesen-Schlagzeug, dann setzt Simon Gallups Bass ein (jahaa, Simon Gallup, mit einer kurzen Unterbrechung immer schon bei The Cure dabei, als Einziger au\u00dfer Robert Smith), Smith beginnt zu singen, die Melodie begeistert mich sehr, dann klirrt eine dezente, aber un\u00fcberh\u00f6rbare Gitarre in den Song hinein, danach ein ruhiges Klavier-Zwischenspiel mit Smiths Gesang und dann bekommt Reeves Gabrels Raum f\u00fcr ein wundersch\u00f6nes, sanftes Gitarrensolo, das anschlie\u00dfend wieder von Smiths Gesang aufgefangen wird. Und er singt wieder einmal mehr von ganz hoffnungslosen Sachen, die Liebende sich so sagen k\u00f6nnen. Allein f\u00fcr diesen Song hat sich das 16j\u00e4hrige Warten auf neues Cure-Studiomaterial gelohnt, finde ich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWarsong\u201c, der vierte Song, beginnt instrumental schon einmal sehr stark: Die Betonung liegt hier nicht auf Roger O\u2019Donnells Keyboards, obwohl diese den Song er\u00f6ffnen, sondern auf der Gitarre, die ein ziemlich d\u00fcsteres Dings an die Wand malt. Es dr\u00f6hnt und zwischendurch finden sich erhellende Keyboard-Tupfer, die die Stimmung allerdings kaum aufzuheitern verm\u00f6gen. Nach etwas \u00fcber zwei Minuten f\u00e4ngt Smith dann zu singen an und malt d\u00fcstere Landschaften, die mit den Zeilen \u201eHowever we regret \/ All we will ever know \/ Is bitter ends \/ For we are born to war\u201c enden. Ich mag das St\u00fcck sehr. Ebenso wie das folgende \u201eDrone:Nodrone\u201c: Simon Gallups verzerrter Bass und Gabrels Gitarre liefern sich hier ein packendes Duell, geringf\u00fcgig aufgelockert durch O\u2019Donnells elektronisches Klavier, und Smith schimpft (zu Recht, wie ich meine) \u00fcber den verantwortungslosen Umgang mit unbemannten Luftfahrzeugsystemen.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach wird es wieder ruhiger auf \u201eSongs Of A Lost World\u201c: Wetterger\u00e4usche und ein sehr sch\u00f6nes Klavier l\u00e4uten \u201eI Can Never Say Goodbye\u201c ein, dann eine ruhige, aber rauh klingende Gitarre und Jason Coopers \u00fcber jeden Zweifel erhabenes Schlagzeug, raumgreifend aber dennoch mannschaftsdienlich. Smith singt \u00fcber den Verlust, den er durch den Tod seines \u00e4lteren Bruders erlitten hat. Er verwendet dabei ein Zitat aus Shakepeares Macbeth, \u201eSomething wicked this way comes\u201c, und erg\u00e4nzt es mit \u201eto steal away my brother\u2019s life\u201c, das ist sehr ergreifend.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAll I Ever Am\u201c beginnt mit Jason Coopers monotonem und gleicherma\u00dfen fesselndem Schlagzeugspiel, dass sodann durch Gabrels schnarrende Gitarre erg\u00e4nzt wird, O\u2019Donnells Keyboards mag ich kaum noch erw\u00e4hnen, so pr\u00e4sent und zur jeweiligen Song-Stimmung ert\u00f6nen sie auf dem gesamten Album. Fehlt nur noch Robert Smiths Gesang, und zack, da isser schon und rundet den ganzen Song wunderbar ab. Immer wieder unglaublich, wie dieser Robert Smith seine Stimme hier sowohl klanglich als auch gesangsmelodietechnisch einsetzt, als w\u00e4re es 1989.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Abschluss des Albums bildet \u201eEndsong\u201c, ein wenig originell betitelter Zehneinhalbminutensong, der aber trotz seines wenig originellen Titels einfach wunderbar ist: Jason Cooper bearbeitet sein Schlagzeug mit einer Stoik, wie sie Jaki Liebezeit nicht besser hingekriegt h\u00e4tte, und die Gitarristen (also Smith selbst und Gabrels) duellieren sich mit Simon Gallups Bass und werden, damit das nicht nervt, von Roger O\u2019Donnells Keyboards auf das Wundersamste umschmeichelt \u2013 hatte ich schon erw\u00e4hnt, dass ich eine Schw\u00e4che f\u00fcr lange The-Cure-Instrumental-Intros besitze? Nein? Nun \u2013 hier muss ich mal zugeben, dass ich total begeistert bin, \u00fcber sechs (6!) Minuten lang (jahaa \u2013 das Instrumental-Intro zu \u201eEndsong\u201c ist sogar l\u00e4nger als \u201eThe Kiss\u201c mit seinem f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse \u00fcberlangem Intro) nichts anderes als Instrumente zu h\u00f6ren, zumal Gabrels Gitarre sich quasi von Minute zu Minute vom Wunderbaren zum Gro\u00dfartigen steigert. Dass Smith gegen Ende dieser instrumentalen Repetitionsorgie noch an zu singen f\u00e4ngt, ist bei diesem St\u00fcck fast \u00fcberfl\u00fcssig (und wer sich dieser Meinung anschlie\u00dft, dem sei auf das W\u00e4rmste die \u201eDeluxe Edition\u201c des Albums anempfohlen, die au\u00dfer den acht wunderbaren, mit Robert Smiths wirklich sehr gutem Gesang versehenen Originalalbumtracks auch den ganzen Kram nochmal instrumental enth\u00e4lt. The Cure ohne Robert Smith \u2013 die kommen schon auf originelle Ideen, diese Plattenfirmen!), aber das meine ich selbstverst\u00e4ndlich nicht ernst: Beinahe schon erl\u00f6send singt Smith gegen Ende des Songs, dass er am Ende des Songs alleingelassen mit nichts am Ende von jedem Song dasteht, und das singt er wirklich glaubw\u00fcrdig:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLeft alone with nothing at the end of every song<br>Left alone with nothing at the end of every song<br>Left alone with nothing, nothing<br>Nothing<br>Nothing\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Links zu seinen eigenen Ger\u00e4ten, gewisserma\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt fehlt noch die Einordnung in die The-Cure-Trilogie, hier ist sie also: \u201eThe Cure\u201c und \u201e4:13 Dream\u201c hatte ich ja oben schon auf die Pl\u00e4tze verwiesen, wie sieht es also mit \u201eBloodflowers\u201c aus? Immerhin hat mir jenes Album nicht nur bei seinem Erscheinen vor 24 Jahren gefallen, vielmehr tut es das immer noch. \u201eSongs Of A Lost World\u201c hat es mir aber auch sehr angetan, und sei es nur darum, dass es eben nagelneu und nicht 24 Jahre alt ist. Mit zwei Jahren Garantie, komplett rostfrei, mit sauberem Aschenbecher, ohne herabfallendem Dachhimmel, daf\u00fcr mit schimmelfreiem Fond-Teppich und funktionierender Heizung. Aber drauf geschissen Wurscht: \u201eSongs Of A Lost World\u201c und \u201eBloodflowers\u201c m\u00f6gen sich von mir aus gerne den dritten und vierten Platz der The-Cure-Trilogie teilen, seinen Platz am Cure-Firmament bekommt \u201eSongs Of A Lost World\u201c alleine schon daf\u00fcr, dass es eben nicht aus einem nach The Cure klingendem Soundteppich mit der Stimme von Robert Smith besteht, was ich ehrlich gesagt nach nochmaligem H\u00f6ren von \u201e4:13 Dream\u201c bef\u00fcrchtet hatte, sondern aus 8 (Acht! Mehr nicht! 8 Songs und alle wunderbar! Gro\u00dfartig!) Songs besteht, die sowohl instrumental als auch vom Gesang her alle f\u00fcr sich selbst stehen, alle komplett Cure sind und selbst mich \u2013 nach 35j\u00e4hriger Eingew\u00f6hnungszeit mit \u201eDisintegration\u201c nicht vor Eingew\u00f6hnungprobleme stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also Robert Smith \u2013 nun l\u00f6se The Cure endlich auf oder mach ewig so weiter. Ich bin auf jeden Fall dabei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>oder: \u201eMeine ersten 37 Jahre mit The Cure (1987 bis heute)\u201c von Guido D\u00f6rheide (06.11.2024) The Cure ist meine \u00e4lteste Lieblingsband, \u00e4lter noch als The Fall, die ich erst viel sp\u00e4ter kennen- und lieben lernte. 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