{"id":6897,"date":"2024-11-05T22:32:16","date_gmt":"2024-11-05T21:32:16","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6897"},"modified":"2024-11-05T22:45:03","modified_gmt":"2024-11-05T21:45:03","slug":"synthbox-still-alive-nagelwork-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/synthbox-still-alive-nagelwork-2024\/","title":{"rendered":"SynthBox \u2013 Still Alive \u2013 Nagelwork 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/SynthBox-Still-Alive.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/SynthBox-Still-Alive.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6898\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (05.11.2024)<br><br>Hier ist drin, was draufsteht \u2013 und doch wieder nicht: Das Stichwort Synthiepop, das der Wolfenb\u00fctteler Jens Nagel unter seinem neuen Parallel-Alias SynthBox heranzieht, weist in eine verf\u00e4lschte Richtung, denn sein Deb\u00fct \u201eStill Alive\u201c ist mitnichten ein reines Retro-Ding, das den opulenten Sound der Achtziger-Synthiebands kopiert. Nagel hat eine eigene Handschrift, sowohl in der minimalistischen Musik als auch im Gesang, und zeigt sich zudem experimentierfreudig im Sinne seiner Songs. Zwar legt Nagel seine neun neuen Songs chillig aus, l\u00e4sst zus\u00e4tzlich aber eine kopfnickende bis clubtaugliche Tanzbarkeit zu. Ein wunderbarer Begleiter zum Hauptprojekt REAL des fr\u00fcheren Phase-V-Keyboarders!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> So geht das: Seine Einfl\u00fcsse und Favoriten benennen, sich m\u00f6glicherweise deren Technik aneignen, aber etwas komplett Eigenes daraus generieren, schlie\u00dflich gibt\u2019s die Vorbilder ja bereits. Genau so verf\u00e4hrt Nagel auf diesem Deb\u00fct, listet seine Synthie-Helden der Achtziger auf und klingt dann gar nicht nach ihnen. So mancher Vergleich dr\u00e4ngt sich zwar auf, aber zu ganz anderen Urhebern und nur selten und dann auch nur von ferne. Der Opener \u201eThe Light\u201c besteht aus einem minimalistischen, aber nerv\u00f6sen Synthie-Pluckern mit langsamen trockenen Beats, zu denen Nagel murmelnd sprechsingt und bald mit seiner ausdrucksstarken Stimme singend begleitet. Hier zieht Nagel The Klinik als Inspiration heran, Dirk Ivens w\u00e4re da zwar sicherlich geehrt, w\u00fcrde sich aber nicht zwingend wiederfinden.<br><br>Etwas fl\u00e4chiger ger\u00e4t \u201eDeep Side Of The Moon\u201c, das ebenso wenig nach Pink Floyd klingt. Allm\u00e4hlich wird der Track tanzbarer, garniert mit Sprechgesang. Den beh\u00e4lt Nagel auch in \u201eBroken Higway\u201c bei, das mit Streichersamples beginnt und erst sp\u00e4t einen Trommelschlag dazubekommt. In den eher chilligen Phasen k\u00f6nnte man sich den Text auch von Anne Clarke gesprochen vorstellen. Danach wird es \u201eDancy\u201c, und dieser Titel passt: Synthieeffekte und Shaker weisen den Weg auf die Tanzfl\u00e4che, ein trockener technoider Beat \u00fcbernimmt das Diktat, die Stimme verstummt dieses Mal.<br><br>Die spanische Akustik-Gitarre im Titeltrack klingt nach der in \u201eDomino Dancing\u201c von den Pet Shop Boys, die Nagel gar nicht als Einfluss nennt. Auch der Song dazu erinnert nicht weiter an jenes Duo. Nagel wispert und singt im Wechsel, die Synthie-Musik bleibt reduziert, der Beat bekommt einen Snare-Sound an die Seite gestellt, ein hektisch pulsierender Bass unterliegt allem. Wie ein modernisierter Achtziger-Popsong wirkt \u201eA Better Place\u201c, eigentlich sogar noch mehr wie die etwas poppigeren, trotzdem dunklen Sachen aus der EBM-Welt der Achtziger, etwas Sheffield, etwas Belgien schwingt mit, umgesetzt aber mit der Technik zum Zeitpunkt des Wechsels von den Achtzigern in die Neunziger, mit mehr K\u00e4lte und Trockenheit. Hier l\u00e4sst sich ein einziges Mal tats\u00e4chlich ein genannter Einfluss ausmachen: Die zweite H\u00e4lfte k\u00f6nnte von Depeche Mode aus der Zeit von \u201eViolator\u201c sein.<br><br>Mit \u201eC. Future\u201c verbeugt sich Nagel vor der Musik, die Christian Bruhn f\u00fcr die Anime-Serie \u201eCaptain Future\u201c produzierte, und wie es sich geh\u00f6rt, klingt der Song kein Bisschen danach, sondern greift das Spacige auf, l\u00e4sst die Synthies dudeln, die spanische Gitarre erf\u00e4hrt einen neuerlichen Einsatz, Nagel wispert dazu, w\u00e4hrend er in der Mitte alle Ger\u00e4tschaften herunterf\u00e4hrt, um neuerlich Schwung zu holen, um die Fliehkraft zu \u00fcberwinden und tanzbar synthetisch ins All abzuheben \u2013 ohne Herrn Bruhn zu kopieren. F\u00fcr die letzten beiden Tracks bleibt Nagel tanzbar, technoid, clubby. \u201eThe Deputy\u201c leitet er mit einem beim Italowestern geborgten Pfeifen ein und aus, w\u00e4hrend die Musik dazu eine Art Acid House mit Beats von Kraftwerk aus der Zeit von \u201eThe Mix\u201c ausformuliert, in die gelegentlich ein rhythmisches Quaken einf\u00e4llt, w\u00e4hrend Nagel seine Stimme erhebt. \u201eThe Fill\u201c setzt das tanzbare Tempo fort, der minimale Track ist spacig und clubby, Nagel f\u00fcgt atmosph\u00e4rische Trance-Fl\u00e4chen und Gro\u00dfraumdisco-Fanfaren ein.<br><br>In diesem trockenen, teils abgedunkelten Minimalismus und der Nichteinhaltung von Grenzen weicht Nagel stark von dem ab, was man sich unter Synthiepop vorstellt, und da er die Texte hier auf Englisch verfasst, unterscheidet er sich, zus\u00e4tzlich zum Konzept, auch von seinem Haupt-Projekt REAL. Somit ist \u201eStill Alive\u201c keine retrofixierte Zeitreise, sondern eine moderne Referenz an die Electro-Zeit vor 30 bis 45 Jahren. Das Coverfoto \u00fcbrigens steuerte Michael Zemke bei, und es empfiehlt sich, dessen Instagram-Profil zu folgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (05.11.2024) Hier ist drin, was draufsteht \u2013 und doch wieder nicht: Das Stichwort Synthiepop, das der Wolfenb\u00fctteler Jens Nagel unter seinem neuen Parallel-Alias SynthBox heranzieht, weist in eine verf\u00e4lschte Richtung, denn sein Deb\u00fct \u201eStill Alive\u201c ist mitnichten &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/synthbox-still-alive-nagelwork-2024\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-6897","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6897","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6897"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6897\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6906,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6897\/revisions\/6906"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6897"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6897"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6897"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}