{"id":6891,"date":"2024-11-02T21:27:33","date_gmt":"2024-11-02T20:27:33","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6891"},"modified":"2024-11-02T21:27:33","modified_gmt":"2024-11-02T20:27:33","slug":"frank-schaefer-noetes-of-a-dirty-old-fan-satyr-verlag-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/frank-schaefer-noetes-of-a-dirty-old-fan-satyr-verlag-2024\/","title":{"rendered":"Frank Sch\u00e4fer \u2013 N\u00f6tes Of A Dirty Old Fan \u2013 Satyr-Verlag 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Frank-Schaefer-Noetes-Of-A-Dirty-Old-Fan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"176\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Frank-Schaefer-Noetes-Of-A-Dirty-Old-Fan.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6892\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (02.11.2024)<br><br>Der Heavy Metal hat sich \u00fcber die Jahrzehnte ver\u00e4ndert, erweitert, und das ist gut so. Seit ehedem begleitet der Braunschweiger Szeneprotagonist Frank Sch\u00e4fer Akteure und Connaisseure des Heavy Metal auf journalistisch-schriftstellerische Weise, und wie das Genre selbst erweitert auch der Autor seine Haltung, und auch das ist gut so. Wie der Heavy Metal lediglich zum Metal wurde, wandelte er sich auch von der sexistischen Machomucke zu Gleichberechtigung, Inklusion und mehr, zu einer anderen, zu einer idealen Gesellschaft gar, und solcherlei Aspekte nimmt Sch\u00e4fer in seinen neuen gesammelten Beobachtungen auf und stellt sie enzyklop\u00e4dischen Beitr\u00e4gen, allt\u00e4glichen Blitzlichtbeobachtungen und pommesgabelreckenden Fanboygeschichten an die Seite. Und das mit dem gewohnt souver\u00e4nen Spagat zwischen Gossen- und Akademikersprache \u2013 es ist stets ein Fest, seine Texte zu lesen, egal, wovon sie handeln.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Na klar: Metal ist harte Musik und Bier, ist in Gruppen geteilte Leidenschaft, ist Plattensammeln und Fachsimpeln, ist Mattesch\u00fctteln und Kuttentragen, ist Coolsein und Abenteuerlust. Das kommt auch alles in diesem Buch vor, wer also einfach nur seine Welt abgebildet finden will, findet sich hier bestens zurecht. Doch sind Schlaglichter dieser Art eher ein K\u00f6der daf\u00fcr, ganz nebenbei den Horizont erweitert zu bekommen, falls das noch n\u00f6tig ist, oder eben Best\u00e4tigung f\u00fcr ein bereits angepasstes Weltbild. Denn in Sch\u00e4fers Welt ist beispielsweise der am h\u00e4ufigsten zitierte Metalband-Frontmensch weiblich, n\u00e4mlich Daniela \u201eDani\u201c Karrer von der Braunschweiger Institution Headshot. In Sch\u00e4fers Welt ist die sexuelle Ausrichtung kein Ausschlusskriterium, sobald Musizierende etwa ihre Homosexualit\u00e4t bekanntgeben, herrscht allgemeines Schulterzucken im Publikum, das einfach mit dem betreffenden Menschen weitermoshen will. In Sch\u00e4fers Welt erfahren Transmenschen Solidarit\u00e4t, insbesondere, nachdem ihnen anderswo das Gegenteil widerfuhr. In Sch\u00e4fers Welt entspricht es dem Bild von einer \u201eanderen\u201c, ja besseren Gesellschaft, wenn es ein Festival gibt, das Menschen mit Behinderung explizit inkludiert.<br><br>Geschickterweise verlegt Sch\u00e4fer die Texte mit diesen Inhalten ans Ende des Buches, wie um zuvor das Einverst\u00e4ndnis erarbeitet zu haben; wer bis hierhin mit dem Kopf genickt hat, beh\u00e4lt seine Zustimmung bei. Ja, Metal ist geil, und guckt, was noch alles geht im Metal, wor\u00fcber andernorts noch aufw\u00e4ndig und kompliziert Plena zu gr\u00fcnden und Mehrheiten zu finden sind. Dem Metal entspringt der Funken f\u00fcr ein besseres Miteinander, und Sch\u00e4fer bildet das nicht nur ab, sondern teilt diese Ansichten. Solches best\u00e4tigt das \u201eOld\u201c im Titel, setzt man es mit Reife gleich, mitnichten aber das \u201eDirty\u201c, vielmehr liegt darin eine begr\u00fc\u00dfenswerte Klarheit, ein Durchblick. Man ist ihm dankbar daf\u00fcr, dass er die Szene auf diese offene Weise abbildet.<br><br>Das ist zwar nur ein Randaspekt dieses Buches, aber einer, der nachdr\u00fccklich und nachhaltig h\u00e4ngen bleibt. Die anderen Aspekte sind ebenfalls nicht zu verachten, die Geschichten aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen, von Sch\u00e4fers Zeit als Metal-Musiker in der Band Salem\u2018s Law und dem \u2013 zumindest bis 1989 \u2013 vergeblichen Versuch, bei einer Plattenfirma unterzukommen, oder aus Sch\u00e4fers Arbeit als Heavy-Metal-Journalist f\u00fcr Szenemagazine bis hin zum Rolling Stone, was er zwar mit humoriger Abwertung einbaut, aber eben einbaut. Und damit auch den Aspekt des Pers\u00f6nlichen integriert und den Eindruck aufkommen l\u00e4sst, dem Ich-Erz\u00e4hler und mithin dem Autoren selbst n\u00e4her zu kommen. Dazu tragen auch die ganzen lokalen Bez\u00fcge bei, die zu nennen er sich nicht scheut und sie, abermals die Toleranz des Szenepublikums voraussetzend, klar offenlegt: Es geht konkret um Gifhorn und Braunschweig, also um jeden beliebigen anderen Ort in den Provinzen und Scheingro\u00dfst\u00e4dten. Man ahnt jedoch: Braunschweig ist schon ganz trve.<br><br>Auch die Selbstironie, mit der Sch\u00e4fer arbeitet, verlegt das Geschehen auf festen Boden. Nicht nur, dass er \u00fcber sich selbst lachen kann, auch \u00fcber die Szene und deren Protagonisten. Selbst seine G\u00f6tter und die der Gemeinde \u2013 dabei f\u00e4llt \u00fcberdies auf, dass der Atheist bei der Beschreibung metalinterner Sachverhalte h\u00e4ufig das Klerikale heranzieht \u2013 l\u00e4sst er nicht unangetastet, Kiss, Metallica, Deep Purple handelt er vordergr\u00fcndig enzyklop\u00e4disch ab, aber hintergr\u00fcndig aus einem selbsterfahrenen Blickwinkel, mithin glaubhafter und lesbarer als ein Wikipedia-Eintrag, und zudem mit so viel Humor und Kritik gespickt, dass man beides gern konsumiert, das Lexikale und die Herabw\u00fcrdigung. Es gibt unter allen G\u00f6ttern, Kollegin Annika Blanke wei\u00df dies ebenfalls, nur einen, der unantastbar ist, und das ist Iron Maiden. Na, und vielleicht Mot\u00f6rhead, aber die waren ja Rock\u2019n\u2019Roll.<br><br>Man vertieft sich auch gern in Sch\u00e4fers Listen, etwa von deutschsprachigen Coverversionen von Hardrock-Songs \u2013 die Lanze f\u00fcr Cindy &amp; Bert bricht der Rezensent mit dem Autoren \u2013 oder von vergurkten Solos, in seinen Erz\u00e4hlungen von Begegnungen mit Musizierenden oder anderen Schreibenden, von Lesereisen, von Konzerterlebnissen, von der Analogie zum Fu\u00dfballfantum, von seiner Offenheit f\u00fcr Grenz\u00fcberschreitungen, die er als solche nicht einmal markiert, sondern ganz selbstverst\u00e4ndlich einbaut; J Mascis ist nicht mal ansatzweise ein Metal-Musiker, das Saxophon in Sch\u00e4fers Welt \u2013 da haben wir sie wieder \u2013 ein regul\u00e4res Instrument und Doom selbstverst\u00e4ndlich ein passables Subgenre. Und man taucht ganz allgemein in Sch\u00e4fers Leidenschaft ab, f\u00fcr die Mucke, f\u00fcr die Szene, f\u00fcr die Menschen, die damit zusammenh\u00e4ngen.<br><br>Indes, Unbedarfte d\u00fcrften mit mancher Formulierung, mit manchem Inhalt ihre N\u00f6te haben, das Buch richtet sich schon sehr an Menschen, die sich in der Szene etwas auskennen. Anderen sei empfohlen, die L\u00fccken nachzuarbeiten \u2013 oder einfach zu \u00fcberspringen, die Texte erfreuen dann immer noch. Denn Sch\u00e4fer schreibt in einem einzigartigen, unnachahmlichen Spagat aus hingerotzter Stra\u00dfenpoesie und hochgebildetem Akademikerdeutsch. Dem gibt man sich nur zu bereitwillig hin und den erkennt man, etwa bei der Lekt\u00fcre des Rolling Stone, bereits nach wenigen Zeilen. So kann nur einer, ohne dass es aufgesetzt oder erzwungen wirkt. Er kann es eben einfach.<br><br>\u00dcbrigens ist \u201eN\u00f6tes Of A Dirty Old Fan\u201c nicht das erste Mal, das Sch\u00e4fer den Titel \u201eNotes Of A Dirty Old Man\u201c von Charles Bukowski abwandelt: Vor vier Jahren ver\u00f6ffentlichte er ein Buch \u00fcber ihn, \u201eNotes On A Dirty Old Man\u201c. Passt beides.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (02.11.2024) Der Heavy Metal hat sich \u00fcber die Jahrzehnte ver\u00e4ndert, erweitert, und das ist gut so. 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