{"id":6860,"date":"2024-10-23T20:45:23","date_gmt":"2024-10-23T18:45:23","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6860"},"modified":"2024-10-23T20:45:23","modified_gmt":"2024-10-23T18:45:23","slug":"der-wilde-roboter-the-wild-robot-chris-sanders-usa-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/der-wilde-roboter-the-wild-robot-chris-sanders-usa-2024\/","title":{"rendered":"Der wilde Roboter (The Wild Robot) \u2013 Chris Sanders \u2013 USA 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (23.10.2024)<br><br>Die Klaviatur des Kitsch wird hier voll ausgespielt, jede Tr\u00e4nendr\u00fcse getriggert, jedes verf\u00fcgbare Mittel angewandt: Zwar kommt der Animationsfilm \u201eDer wilde Roboter\u201c aus dem Hause DreamWorks, f\u00fchlt sich aber nahezu komplett wie Disney an. Lediglich nahezu, weil hier eine Menge schwarze Gags zum Thema Tod eingebaut sind, die man beim Vater im Geiste eher nicht erwarten w\u00fcrde. Die Handlung klappert die konventionellen kinderfilmgerechten Kernelemente ab: Menschlichkeit, hier gespiegelt im Verhalten eines Roboters, Freundschaft, Frieden, Selbstbehauptung als Underdog (bzw. Undergoose), Selbstvertrauen, all sowas, dargelegt anhand anthropomorpher Charaktere einer von Humanoiden unbewohnten Insel. Wischt man das alles beiseite und konzentriert sich allein auf die Optik, wird man von diesem Film nachhaltig \u00fcberw\u00e4ltigt. Mit Raumschiffen und Laserkanonen!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Optisch unterscheiden sich Hollywood-Animationsfilme mittlerweile kaum noch von herk\u00f6mmlichen Hollywood-Filmen, etwa denen aus dem Marvel Cinematic Universe, in denen der Anteil real gefilmter Szenen in einen einstelligen Prozentbereich gerutscht sein d\u00fcrfte, daher erstaunt es wenig, dass ein Film wie \u201eDer wilde Roboter\u201c visuell so derma\u00dfen beeindruckt. Ein Wald sieht hier aus wie ein Wald, eine Riesenwelle ergie\u00dft sich glaubhaft an den Strand, ein Feuer wirkt wie real abgefilmt, selbst die futuristischen Anteile der postapokalyptischen Welt \u2013 Hinweise darauf lassen sich ausmachen, wenn man etwa kurz gezeigt bekommt, wie Wale oberhalb der Golden Gate Bridge schwimmen \u2013 sehen gut aus. Klar, die ballernden Laserroboter haben etwas Comichaftes, die Tiere tragen etwas Disney-Niedlichkeit zur Schau, doch sind diese Elemente ansprechend in den noch ansprechenderen Hintergrund integriert.<br><br>Die Geschichte, \u00fcbrigens dem gleichnamigen Buch von Peter Brown entnommen, beginnt mit einem schiffbr\u00fcchigen Roboter, der seine Programmierung auf einer einsamen Insel an die tierischen Bewohner anpasst, also zun\u00e4chst deren Sprache lernt, um ihnen dann wie digital vorgesehen hilfreich zur Seite stehen zu k\u00f6nnen. Klappt nicht, die Biester haben erstmal Schiss vor dem metallenen Unget\u00fcm, das sich zudem ungeschickt anstellt \u2013 und dabei das Gelege einer Gans inklusive br\u00fctender Mutter letal zerst\u00f6rt. Ein Ei bleibt \u00fcbrig, das der weiblich gelesene Roboter gegen einen Fuchs verteidigt und ausbr\u00fctet. Die beiden freunden sich an, ziehen das h\u00e4ssliche Entlein gemeinsam auf, bef\u00e4higen es zur Vogelflugf\u00e4higkeit und schleusen es gegen den Willen der geh\u00e4ssigen G\u00e4nse in deren Schwarm ein. Klappt.<br><br>K\u00f6nnte ein sch\u00f6ner Schluss sein, man wundert sich noch, dass das G\u00e4nsejunge nicht \u201eAdrian\u201c schreit, dann kommen pl\u00f6tzlich unerwartete Komponenten in die Geschichten: Die Roboterin will sich angesichts ihrer erf\u00fcllten Aufgabe eigentlich in die Zentrale zur\u00fcckbeamen lassen, entscheidet sich aber dagegen, als der Fuchs die begonnene Freundschaft fortzusetzen einfordert \u2013 und es entbrennt ein Kampf der Systeme: Laserroboter gegen Waldbewohner. Die zudem aufgrund des Wintereinbruchs von der Roboterin dazu gezwungen werden, ihre Fressfeindschaften abzulegen, was auch \u00fcber den Winter hinaus erfolgt. Rettendes Z\u00fcnglein an der Waage ist nat\u00fcrlich das G\u00e4nsekind. Alles etwas geradlinig, auch wenn die Aneinanderreihung dieser Elemente etwas anderes vorgaukelt, aber von Studio Ghibli und europ\u00e4ischen Animationsfilmenden ist man mittlerweile doch eine deutlich andere Erz\u00e4hlweise gewohnt.<br><br>Zun\u00e4chst f\u00e4llt es schwer, in die Geschichte hineinzukommen, wirkt der Auftakt am Strand und im Wald doch wie eine unzusammenh\u00e4ngende Nummernrevue, und das in einem Tempo, das es erschwert, sich auf irgendeinen Aspekt einzulassen, zumal man auch gar nicht ahnt, welche Charaktere f\u00fcr den Fortgang der noch nicht einmal begonnenen Geschichte relevant sein w\u00fcrden. Eine Horde Tiere mit spezifischen Charaktereigenschaften bewohnt den Wald, und da dringt Disney am st\u00e4rksten durch, man f\u00fchlt sich in die alten Zeichentrickfilme bis in die Neunziger zur\u00fcckversetzt. Das Kindchenschema reizen die Figuren nicht ganz so arg aus, immerhin, und gr\u00f6\u00dfter Kontrapunkt zur Vorlage im Geiste ist das Opossum, dessen Kinder fortw\u00e4hrend von Tod und Sterben witzeln und sp\u00e4ter nach gewonnenem Kampf gegen Metallinvasoren \u201edas Roboterfleisch\u201c fressen wollen.<br><br>Fressen und gefressen werden, also die Natur der Natur, ist anfangs ohnehin Thema, doch legt die Roboterin diesen notwendigen Kreislauf bei und verb\u00fcndet die Inselbewohner, indes kurioserweise ohne ihnen eine Alternative anzubieten, schlie\u00dflich stellt sie ja selbst fest, dass diese Vorgehensweise grunds\u00e4tzlich Existenzen sichert. Puh. N\u00e4chstes Klischee: Die unf\u00f6rmige Gans wird vom Gansvater zum Anf\u00fchrer gemacht, rettet den Schwarm aus einer ebenfalls von Laserrobotern besetzten Klimakuppel sowie die Roboterin aus einem Raumschiff. So weit, so ergreifend-dramatisch \u2013 doch der Kleisterkitsch des Scores und der ermutigende Popsong bei den g\u00e4nsekleinen Flugversuchen dominieren zus\u00e4tzlich manipulativ die emotionale Zuwendung der Schauenden zur Geschichte.<br><br>Bei aller mit etwas Seherfahrung vorhersehbarer Stereotypie bietet der Film auch einige Besonderheiten; der schwarzhumorige Umgang mit dem Thema Tod ist bereits genannt. Ungew\u00f6hnlich ist, dass der Roboter weiblich ist; instinktiv bekommt er vor dieser Erkenntnis eine maskuline Konnotation. Ein Tier sagt gegen Ende etwas wie, \u201eda kam ein Roboter mit der bescheuerten Idee, mit Freundlichkeit weiterkommen zu wollen, und alle stellten fest, dass dieser bekloppte Roboter damit Recht hatte\u201c, was in Zeiten mit zunehmender Individualisierung und damit einhergehender gesellschaftlicher Verrohung ein mutiges Statement sein muss. Und nat\u00fcrlich ist der Klimawandel ein Thema, indes nicht als erhobener Zeigefinger, sondern als vorausgesetzte unanzweifelbare Tapete.<br><br>Nun gibt es Stimmen in diesem Internet, die dem ansonsten im Bereich Kinderfilm eher nicht so bewanderten Zuschauenden erkl\u00e4ren, dass es solche Kinder-Filme mit solch positiver Botschaft heute ja nicht mehr gibt. Wer seit 30 Jahren keine Kinderfilme mehr gesehen hat, findet hingegen s\u00e4mtliche fr\u00fcheren Muster wieder. Letztlich ist es gar nicht vorstellbar, dass die erste Aussage stimmt: Auch der gr\u00f6\u00dfte Quatschfilm d\u00fcrfte die ganz oben genannten Parameter ber\u00fccksichtigen. So ist \u201eDer wilde Roboter\u201c zwar eine Ansammlung vertrauter Elemente, aber mit dem schwarzen Humor, dem Mix aus Natur und SciFi, den beeindruckenden Bildern und der herzerw\u00e4rmenden, nicht ausschlie\u00dflich kindgerechten Botschaft sehr sehenswert. Kinder d\u00fcrften gro\u00dfe Freude an diesem Mix haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (23.10.2024) Die Klaviatur des Kitsch wird hier voll ausgespielt, jede Tr\u00e4nendr\u00fcse getriggert, jedes verf\u00fcgbare Mittel angewandt: Zwar kommt der Animationsfilm \u201eDer wilde Roboter\u201c aus dem Hause DreamWorks, f\u00fchlt sich aber nahezu komplett wie Disney an. 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