{"id":6746,"date":"2024-10-03T22:52:54","date_gmt":"2024-10-03T20:52:54","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6746"},"modified":"2024-10-03T22:52:54","modified_gmt":"2024-10-03T20:52:54","slug":"thurston-moore-flow-critical-lucidity-the-daydream-library-series-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/thurston-moore-flow-critical-lucidity-the-daydream-library-series-2024\/","title":{"rendered":"Thurston Moore \u2013 Flow Critical Lucidity \u2013 The Daydream Library Series 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Thurston-Moore-Flow-Critical-Lucidity.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Thurston-Moore-Flow-Critical-Lucidity.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6747\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (03.10.2024)<\/p>\n\n\n\n<p>Oh Mann, Thurston Moore! Obwohl der Platten- und Buchsammler und begeisterte Kreuzwortr\u00e4tsell\u00f6ser seit der Aufl\u00f6sung seiner Band Sonic Youth im Jahr 2011 eigentlich mit sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit (2011, 2014, 2017, 2019, 2020) neue Alben rausbringt, hatte ich ihn f\u00fcr dieses Jahr eigentlich so gar nicht auf dem Zettel. Passt aber gut, schlie\u00dflich rezensierte ich vor kurzem das Album \u201eThe Collective\u201c von Moores Ex-Frau, Kim Gordon. Gordon und Moore waren seit 1980 ein Paar, seit 1984 verheiratet und betrieben Sonic Youth von 1981 bis 2011, dem Jahr, in dem auch ihre Ehe in die Br\u00fcche ging, die meiste Zeit \u00fcber mit Lee Ranaldo an der zweiten Gitarre und Steve Shelley am Schlagzeug. Die Trennung im Hause Moore\/Gordon und bei Sonic Youth haben mich damals ziemlich aufgew\u00fchlt, weil ich einerseits Gordon und Moore immer f\u00fcr ein sch\u00f6nes und tolles Paar hielt (hirnverbrannter Schwachsinn nat\u00fcrlich, da ich ja beide gar nicht pers\u00f6nlich kenne und mir \u00fcber ihr Beziehungsleben ohnehin keine Kenntnisse h\u00e4tte anma\u00dfen k\u00f6nnen, selbst wenn ich sie pers\u00f6nlich gekannt h\u00e4tte) und mir andererseits nie vorstellen konnte, dass es mit Sonic Youth jemals ein Ende nehmen k\u00f6nnte. Ja klar, ihre Alben wurden immer langweiliger und ruhiger, aber nie schlecht, und logisch, Gro\u00dftaten wie \u201eDaydream Nation\u201c (1988), \u201eGoo\u201c (1990) und \u201eDirty\u201c (1992) konnten auch nicht getoppt werden. Nicht von Sonic Youth und auch nicht von irgendwem anders.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>So, und nun genug der Vergangenheit hinterhergeweint und maximaloptimistisch in die Gegenwart geblickt: Was kann \u201eFlow Critical Lucidity\u201c und wie h\u00f6rt es sich an? Viel und gro\u00dfartig, soviel kann ich schon mal vorwegnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Moore ist so nah an Sonic Youth dran wie schon lange nicht mehr; w\u00e4hrend sein sein letztes Solowerk \u201eBy The Fire\u201c von 2020 eher schrammelig und punkig ausgelegt war, beginnt \u201eFlow Critical Lucidity\u201c gleich beim ersten St\u00fcck \u201eNew In Town\u201c mit einer klimpernden, dissonant klingenden Gitarre (Glockengel\u00e4ut war fr\u00fcher immer meine Assoziation, wenn es um Sonic Youths unverkennbaren Gitarrensound ging), und schon nach wenigen Sekunden beginnt Thurston Moore, weniger zu singen als zu erz\u00e4hlen. Leicht heiser klingt er, aber gut als die mit dem jungenhaften Charme und der \u201eHey, ich mache Avantgarde-Indie-Musik mit leichtem Jazz-Einschlag und komme aus NYC\u201c-m\u00e4\u00dfigen Haarfrisur (die er bis heute beibehalten hat, ebenso wie den jungenhaften Charme) behaftete Ikone des Noise Rock wiederzuerkennen. Mit dem St\u00fcck beginnt das Album ruhig und rhythmusfokussiert, es poltert irgendwie richtig sch\u00f6n vor sich hin. \u201eSans Limites\u201c beginnt mit einem ziemlichen Geklimper, dass mich an eins dieser Windspiele in vorst\u00e4dtischen Vorg\u00e4rten erinnert und geht dann in eine f\u00fcr meinen zugegebenerma\u00dfen banausenhaften Musikverstand asiatisch anmutende Melodie \u00fcber. Klingt toll, und nach gut zweieinhalb Minuten bringt das Schlagzeug Ordnung in die Sache und dann f\u00e4ngt Moore an, merkw\u00fcrdige Dinge wie \u201eFlow critical lucidity \/ No weapons for\u205fmy ardent defender \/ Unfold like a flower open, tender\u201c zu singen. Aber es h\u00f6rt sich toll an und macht neugierig auf alles, was da noch kommen mag. \u201eShadow\u201c entt\u00e4uscht diese Neugierde nicht, h\u00f6rt sich tats\u00e4chlich an wie aus einem der sp\u00e4ten SY-Alben, und bei Moores Gitarre lohnt es sich immer, mal genau hinzuh\u00f6ren. Was da wie l\u00e4ssig-verstimmt hingeklampft klingt, ist immer wohldurchdacht und entfaltet hypnotisches Nichtmehrwegh\u00f6renk\u00f6nnen, immer. Es folgt \u201eHypnogram\u201c, bei dem der Name Programm ist. Es hypnotisiert und begeistert durch die typische Thurston-Moore-Gitarre. Von der ich jetzt auch mal auf zu schw\u00e4rmen h\u00f6re, weil a) ich nicht nerven will und b) sie bei jedem St\u00fcck wirklich gut zur Geltung kommt. Auf \u201eWe Get High\u201c verl\u00e4sst Moore dann das, was ich hier erwartet h\u00e4tte, und wird um ein gutes Dutzend Nuancen d\u00fcsterer: Der Song ist langsam, die Gitarre be\u00e4ngstigend monoton, aber dennoch irgendwie klimpernd, Synths und Bass drohen dr\u00e4uend am Firmament und Moore haucht, wehklagt und singt dennoch wie Thurston Moore. Das ist wirklich gut und klingt nun auch mal wirklich nicht nach Sonic Youth. Das folgende \u201eRewilding\u201c beginnt mit einem hektischen Schlagzeugrhythmus und dann folgt eine Gitarrenarbeit, die an das erste Werk von SY, die selbstbetitelte EP aus 1982, erinnert. Eigentlich t\u00e4ten Schlagzeug und Gesang das auch, wenn nicht die Produktion viel ausgefeilter w\u00e4re als damals, was dem Song gut zu Gesicht steht und ihn zu einem meiner Favoriten des Albums macht. Das Schlagzeug klingt knackiger als weiland \u201882 und Thurstons \u00e4ltere Stimme passt wunderbar zu dieser Art Musik.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eThe Diver\u201c, mit knapp \u00fcber 8 Minuten l\u00e4ngstes St\u00fcck des Albums, beschlie\u00dft dieses und lullt die H\u00f6renden schon zu Anfang aufs Beste ein. Ein urst langsames Schlagzeug und eine Gitarre, die ich mir auch gerne bei The Cure vorstellen k\u00f6nnte, verbreiten eine sch\u00f6\u00f6ne Stimmung und Moores Gesang klingt hell, jung und gleichzeitig auch sehr gereift.<\/p>\n\n\n\n<p>Sollte es jemals eine Sonic-Youth-Reunion geben (was Moore nicht ausschlie\u00dft), w\u00e4re ich auf jeden Fall sehr gespannt und bis dahin freue ich mich wie Bolle, dass sowohl Gordon als auch Moore heuer grandiose Albumver\u00f6ffentlichungen gemacht haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (03.10.2024) Oh Mann, Thurston Moore! 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