{"id":6672,"date":"2024-09-09T14:17:21","date_gmt":"2024-09-09T12:17:21","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6672"},"modified":"2024-09-09T14:17:21","modified_gmt":"2024-09-09T12:17:21","slug":"lars-bech-pilgaard-folklorica-mom-eat-dad-records-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/lars-bech-pilgaard-folklorica-mom-eat-dad-records-2024\/","title":{"rendered":"Lars Bech Pilgaard \u2013 Folkl\u00f3rica \u2013 Mom Eat Dad Records 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Lars-Bech-Pilgaard-Folklorica.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Lars-Bech-Pilgaard-Folklorica.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6673\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (09.09.2024)<br><br>Der Mann ist nicht nur in D\u00e4nemark bekannt f\u00fcr Jazz, Avantgarde, Noise und andere experimentelle Rockformate und betitelt nun sein zweites Solo-Album \u201eFolkl\u00f3rica\u201c, das verwirrt. Umso mehr, als dass es gleichsam zutrifft und dennoch ins genannte Schema passt. F\u00fcr dieses Album arbeitet Lars Bech Pilgaard mit diversen Gitarren und einem Banjo, jeweils verfremdet oder mit dem Bogen gespielt, sodass diese vertrauten Instrumente zumeist gar nicht nach sich selbst, aber nach vielen anderen klingen, Geigen, Orgeln oder indigenen Instrumente etwa. Von Songstrukturen oder eing\u00e4ngigen Melodien ist in dieser kargen Musik keine Spur, da dringt das Experimentelle nach vorn, stattdessen h\u00f6rt man Soundscapes, Drones, akustische Figuren, m\u00f6glicherweise Gef\u00fchle. Ja, man f\u00fchlt, die Instrumente im Raum, den Musiker neben sich, wie er einem mit seinen Werkzeugen sein Inneres offenbart oder auch mal etwas herumspinnt, und man h\u00f6rt ihm gern zu.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Sein Album unterteilt Bech Pilgaard in vier Abschnitte: Bowed Guitar (Seite A), Prepared Guitar und Banjo (Seite B) sowie Electric Guitar (Seiten C und D). Im ersten Viertel bleibt Beck Pilgaard reduziert, entlockt der Gitarre mit dem Bogen cellistische Sounds, konstruiert verlorene Welten, in denen man sich als H\u00f6render alsbald selbst verliert. Eine Ahnung von nordischer Folklore schwingt mit, aber nicht konkret ausformuliert, sondern lediglich an der Erinnerung der Rezipienten r\u00fcttelnd. Aber Folklore gibt\u2019s ja nicht nur da, wo man herkommt.<br><br>Die B-Seite beginnt der D\u00e4ne mit nerv\u00f6sem Gefrickel auf einer nicht als solcher erkennbaren pr\u00e4parierten Akustikgitarre, der erste Track hei\u00dft nicht von ungef\u00e4hr \u201eDancers\u201c, auch wenn es Clubg\u00e4ngern schwerfallen d\u00fcrfte, dazu abzuhotten. Das Instrument klingt hier wie ein pr\u00e4pariertes Klavier, die Sounds wie aus dem s\u00fcdamerikanischen Urwald. Im Verlauf der Seite nimmt er die Intensit\u00e4t seiner Anschl\u00e4ge wieder zur\u00fcck und wird spanisch. In \u201eAncestralism\u201c erklingt dann das b\u00f6se Banjo, nur setzt er es anders ein, schwerm\u00fctig, vom Leben gezeichnet, deformiert. Der letzte Track \u201e11\u00b011\u2018N 4\u00b017\u2018W\u201c entf\u00fchrt die H\u00f6renden sogar nach Burkina Faso, in die Stadt Bobo-Dioulasso, auf den Boulevard F\u00e9lix Houphou\u00ebt-Boigny, das Instrument klingt nun perkussiv und die Sounds sind polyrhythmisch angeordnet.<br><br>Die zweite Platte nehmen nur zwei St\u00fccke ein, jeweils erzeugt mit pr\u00e4parierter und elektrischer Gitarre. Ein Drone wie aus einer unkontrolliert von einem Besoffenen auf der Tastatur einschlafenden gespielten Orgel startet die C-Seite, erst mit der Zeit kommt er zur Besinnung, nicht jedoch zur Besinnlichkeit. Die Sounds variieren sehr langsam die Tonh\u00f6hen, pulsieren leicht, \u00fcberlagern sich, bilden Interferenzen, gemahnen an eine um 600 Jahre beschleunigte Variante von \u201eOrgan\u00b2\/ASLSP\u201c, dem John-Cage-Orgel-Projekt in Halberstadt. Eh man sich versieht, sind zw\u00f6lf Minuten um. Zum Abschluss bedient Bech Pilgaard zehn Minuten lang Drone-Fans nach Art des Neil Young \u00e0 la \u201eLe Noise\u201c mit eingestreuten Melodiefragmenten in einem Track, der in ein munteres Gegniedel m\u00fcndet. Die Distanz zum Folk ist hier am gr\u00f6\u00dften und die zum Jazz am geringsten.<br><br>Laut Info ist \u201eFolkl\u00f3rica\u201c quasi der Soundtrack zu einer Doku, denn Filmemacher Mathias Winther Kjeldsen begleitete Bech Pilgaard bei den Aufnahmen, die offenbar in der Natur stattfanden; bedauerlich, dass der Doppel-LP keine DVD beiliegt und man den Film auch sonst nicht so einfach zu sehen bekommt. In D\u00e4nemark machte sich der Gitarrist Bech Pilgaard l\u00e4ngst im Jazz-Noise-Avantgarde-Rock einen Namen mit Projekten wie Slowburn, Svine oder Klimaforandringer sowie als Teil der Begleitband des Singer-Songwriters Bisse. \u201eFolkl\u00f3rika\u201c ist sein zweites Solo-Album nach \u201eI Want You To Be Around Me\u201c 2014.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (09.09.2024) Der Mann ist nicht nur in D\u00e4nemark bekannt f\u00fcr Jazz, Avantgarde, Noise und andere experimentelle Rockformate und betitelt nun sein zweites Solo-Album \u201eFolkl\u00f3rica\u201c, das verwirrt. 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