{"id":6664,"date":"2024-08-30T16:08:12","date_gmt":"2024-08-30T14:08:12","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6664"},"modified":"2024-12-27T15:55:07","modified_gmt":"2024-12-27T14:55:07","slug":"schirkoa-in-lies-wie-trust-ishan-shukla-ind-f-d-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/schirkoa-in-lies-wie-trust-ishan-shukla-ind-f-d-2024\/","title":{"rendered":"Schirkoa: In Lies We Trust \u2013 Ishan Shukla \u2013 IND\/F\/D 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (30.08.2024)<br><br>Hier ist die Methode, wie der Film erstellt wurde, aufregender als der Film selbst, leider: Das Videospiele-Grafik-Tool Unreal Engine ist das Werkzeug, mit dem Regisseur Ishan Shukla seinen Animationsfilm \u201eSchirkoa: In Lies We Trust\u201c produzierte. Das sparte Kosten und Team, wenn auch nicht Zeit. Daf\u00fcr Drehbuch: Es f\u00e4llt schwer, der Motivation der Hauptfigur in diesem \u2013 klar \u2013 dystopischen SciFi-Film zu folgen, oftmals springt die Darstellung der Geschehnisse abrupt und wom\u00f6glich basiert alles auf irgendwelchen Indischen spirituellen Kulturbesonderheiten, die man als Nichtinder nicht erkl\u00e4rt bekommt, was das Verst\u00e4ndnis nicht vereinfacht. Vielleicht ist das Drehbuch aber auch einfach nur sehr unausgegoren. Das machen die interessanten Bilder leider auch nicht wett.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Versuch einer Rekonstruktion: Im titelgebenden d\u00fcsteren Refugium Schirkoa sind alle Bewohner von der phantomartigen autokratischen Instanz Lord O\u2018 dazu gezwungen, mit Papiert\u00fcten \u00fcber dem Kopf zu leben, auch im Privaten; niemand hat je sein eigenes Gesicht gesehen. Sie bekommen Nummern zugeteilt, die ihrer Wohnadresse entsprechen. 197A und 242B sind eine Art Paar. Er, 197A, ist offenbar Zeitungszusteller, vielleicht aber auch Politiker, oder beides, sie, 242B, lebt im Blue District, dem Vergn\u00fcgungsviertel, m\u00f6glicherweise eigentlich Rotlicht. Es geht das Ger\u00fccht von Konthaqa um, einer Gegend, in der nicht nur Menschen ohne Papiert\u00fcte leben, sondern auch solche mit Mutationen, Anomalien genannt. 242B will unbedingt mit dem freakigen Bus nach Konthaqa fl\u00fcchten, 197A hingegen glaubt, im autorit\u00e4r-diktatorisch gef\u00fchrten Schirkoa mit allen Annehmlichkeiten gesegnet zu sein und als Politiker Einfluss auf Erleichterungen nehmen zu k\u00f6nnen.<br><br>197A will sich von einem Hochhaus st\u00fcrzen, warum auch immer und was man auch erst begreift, als auf dem Dach gegen\u00fcber eine T\u00fctenlose mit dem selben Vorhaben ihn darauf anspricht. Sie v\u00f6geln auf dem Dach, weil Sex vor einem Suizid den Lebenswunsch um sechs Monate verl\u00e4ngern soll, und pennen danach bei ihm. Er nimmt am n\u00e4chsten Morgen seinen Sitz im Parlament ein, w\u00e4hrend Robo-Cops die Frau aus seinem Bett entfernen und mit ihr auf dem Marktplatz eine Art Hexenverbrennung anzetteln wollen. W\u00e4hrend man ihm auf Monitoren zeigt, wie man ihren Rucksack entfernt, woraufhin \u2013 und das ist der einzige \u00fcberraschende Moment im Film, also: Spoiler \u2013 sich auf ihrem R\u00fccken bunte Schmetterlingsfl\u00fcgel entfalten, sie also als Anomalie enttarnt wird. Daraufhin nimmt 197A seine T\u00fcte ab, offenbart eine Art Widder-H\u00f6rner auf seiner Stirn, l\u00e4sst auf seinem R\u00fccken Fledermausfl\u00fcgel wachsen und eilt zu ihrer Rettung. Wache1, sein Vorgesetzter oder so, entz\u00fcndet die Fl\u00fcgel der Frau, befiehlt, 197A abzuschie\u00dfen, was nicht erfolgt, und er flattert davon.<br><br>Zuf\u00e4llig landet 197A vor dem Bus, mit dem 242B fliehen wollte, aber, nunmehr t\u00fctenlos, von einem Panzer aufgegriffen wurde. Nun steigt er eben in diesen Freak-Bus voller interessant aussehender Anomalien und ger\u00e4t in das fantasievoll \u00fcberbordend dargestellte Konthaqa. Dort sucht er nach Lies, der meerjungfr\u00e4ulichen Anf\u00fchrerin der Anomalien, von der die Sage geht, sie sei eigentlich Lord O\u2018. Pl\u00f6tzlich sitzt er umgestylt in ihrer Badewanne, wird auf einer B\u00fchne als Gott verehrt, t\u00f6tet Wesen, die ihn bitten, ihnen zu sagen, dass er sie liebt, damit, dass er diesem Wunsch Folge leistet, und der Rest der Bande feiert irgendwas. Bis Wache1 w\u00e4hrend einer Parade unmaskiert ein Attentat auf 197A ver\u00fcbt und in der folgenden Gefangenschaft Details \u00fcber die noch lebende unmaskierte Schmetterlingsfrau verr\u00e4t. Aus Gr\u00fcnden \u2013 m\u00f6glicherweise hat er auf Konthaqa nach mehreren Jahren der gottgleichen Feierei auch keinen Bock mehr \u2013 sucht 197A Pilgrimage auf, ein drittes Refugium, in dem er die verbrannt geglaubte Frau findet. Sie erz\u00e4hlen einander irgendwas, woraufhin er bet\u00fctet zur\u00fcck nach Schirkoa kehrt und 242B im Blue District aufsucht, klassische Balkonszene inklusive. Fertig, wom\u00f6glich.<br><br>Schwer zu sagen, ob das Nicht-Verst\u00e4ndnis der Vorgehensweisen von 197A daher r\u00fchrt, dass der zumeist englischsprachige Film auch auf Englisch untertitelt ist und die Sprechenden irgendwann in ein hochsprachiges Vokabular verfallen, das man im Unterricht seinerzeit nicht vermittelt bekam, oder daher, dass die Figur irgendwelchen indisch-mythologischen Pfaden folgt, die man als Europ\u00e4er nicht kennt, oder schlichtweg daran, dass das Drehbuch mies ist. F\u00fcr letztere Option spricht, dass der Film, obschon zumeist eher schleppend erz\u00e4hlt, an vielen Stellen abrupt die Blickwinkel und die Szenerien wechselt, was ihm etwas Amateurhaftes verleiht. So haben wir das damals mit unseren ersten VHS-Filmen auch gemacht, weil wir es nicht besser wussten und keine besseren M\u00f6glichkeiten hatten. Die hat Shukla aber, n\u00e4mlich eine wei\u00dfe Leinwand und ein Unreal Engine, mit dem er alles erschaffen kann, was er will. Stattdessen stolpert er durch seinen Film. Warum etwa leisten die Robo-Cops dem Befehl, 197A abzuschie\u00dfen, nicht Folge, sondern lassen ihn entkommen? War die fluchterm\u00f6glichende Verz\u00f6gerung schlechtes Timing, die Action mies oder der Animator zu faul? Warum z\u00fcndet 197A die Politiker im Parlament \u00fcberhaupt an und warum haben sie sp\u00e4ter sofort ihre Papiert\u00fcten wieder auf? Was macht der Typ als androgyner Gott in einer Badewanne? Warum flitzt er zuletzt wieder bet\u00fctet zu seiner ersten Frau? Warum v\u00f6gelt er die andere \u00fcberhaupt? Wenn man sich nie ohne Papiert\u00fcte gesehen hat, warum hat man dann darunter attraktive Frisuren und sogar Brillen?<br><br>Die Geschichte hat so viele spannende Ans\u00e4tze. Zu dem Ger\u00fccht, es gebe das Refugium der Anomalien, gegen das Schirkoa einen Krieg anzetteln will, gibt es das Gegenger\u00fccht, das Ger\u00fccht sei lediglich von der Regierung in die Welt gesetzt worden, um die Bewohner in Angst zu versetzen und gef\u00fcgig zu machen. Die Idee, ausgerechnet den Skeptiker gezwungenerma\u00dfen ins gelobte Land aufbrechen zu lassen, ist eigentlich ein sch\u00f6ner Twist. Ansonsten verpufft die Story sehr schnell und man verliert Bezug zu und Interesse an den Figuren.<br><br>Visuell ist diese Quasi-Pioniertat wiederum bemerkenswert. Mit der Mischung aus scharfen und verwaschenen Konturen erinnert er an \u201eDer Herr der Ringe\u201c von Ralph Bakshi, der seinen mit realen Menschen gefilmten Zeichentrickfilm einfach \u00fcberpinselte. Die Stadtansichten aus der Vogelperspektive hat Shukla von Gaspar No\u00e9, der hier eine Sprechrolle \u00fcbernimmt. Konthaqa sieht aus wie ein psychedelischer Trip in einem Videospiel, mit rotierenden Zahnr\u00e4dern und den wilden Wesen und so. Dazu setzt unerwartete Musik ein, die s\u00e4mtliche Kulturgrenzen sprengt, von dumpfem Techno bis Afrobeat.<br><br>\u201eSchirkoa\u201c basiert auf einer eigenen Graphic Novel, aus der Shukla bereits vor \u00fcber zehn Jahren einen preisgekr\u00f6nten Kurzfilm machte, auf dem nun dieser Unreal-Engine-Langfilm basiert. Vielleicht h\u00e4tte er ihn k\u00fcrzer belassen sollen, denn die 103 Minuten der Kinofassung haben so ihre L\u00e4ngen. Hier gewinnt die Form \u00fcber den Inhalt, was entt\u00e4uschend ist, denn damit reiht sich Shukla in die Schlange der unz\u00e4hlbaren Hollywood-Macher ein, die aus einer technischen Idee einen schlechten Film machen m\u00fcssen, Hauptsache, er verkauft sich irgendwie. Dazu kommt, dass heutzutage viele Spiele schon besser aussehen als \u201eSchirkoa\u201c, das vermeintlich verkaufsf\u00f6rdernde Stilmittel also nicht zieht, aber sei\u2019s drum, das kann ja auch gewollt sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (30.08.2024) Hier ist die Methode, wie der Film erstellt wurde, aufregender als der Film selbst, leider: Das Videospiele-Grafik-Tool Unreal Engine ist das Werkzeug, mit dem Regisseur Ishan Shukla seinen Animationsfilm \u201eSchirkoa: In Lies We Trust\u201c produzierte. 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