{"id":6647,"date":"2024-08-23T15:31:37","date_gmt":"2024-08-23T13:31:37","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6647"},"modified":"2024-08-23T15:31:37","modified_gmt":"2024-08-23T13:31:37","slug":"meer-wheels-within-wheels-karisma-records-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/meer-wheels-within-wheels-karisma-records-2024\/","title":{"rendered":"Meer \u2013 Wheels Within Wheels \u2013 Karisma Records 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Meer-Wheels-Within-Wheels.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Meer-Wheels-Within-Wheels.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6648\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (23.08.2024)<br><br>Meer ist wirklich ein sch\u00f6ner Name f\u00fcr eine Band, obschon diese hier aus Norwegen kommt, wo \u201eMeer\u201c eigentlich \u201ehav\u201c oder \u201esj\u00f8\u201c hei\u00dft, dann ist die Intention dahinter etwas unklar. Die Musik auf dem dritten Album \u201eWheels Within Wheels\u201c wiederum neigt dazu, die H\u00f6renden zu \u00fcberschwemmen: Orchester-Pop, Bombast, Opulenz, Expressivit\u00e4t, allergr\u00f6\u00dfte Emotionen, im Grunde Kitsch \u2013 und auch noch wider besseren Kategorisierens einsortiert im Prog-Rock-Fach. Auf diesem Album bekommt man von allem zu viel, au\u00dfer von Ruhe und Entspannung. In den wenigen stilleren Sequenzen kommen die Finessen des Oktetts wesentlich besser zum Ausdruck, und doch dominiert eine niederschmetternde Kirchentags-Erbaulichkeit. Da passt die R\u00fcck\u00fcbersetzung: Norwegisch \u201emeer\u201c (eigentlich \u201eflere\u201c) hei\u00dft auf Deutsch einfach \u201emehr\u201c. Dabei w\u00e4re \u201efor mye\u201c treffender gewesen: \u201ezu viel\u201c.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Basis dieses Oktetts sind die Geschwister Johanne Margrethe Kippersund Nesdal und Knut Kippersund Nesdal, die offenbar auch den Hauptteil des Gesangs \u00fcbernehmen. Daher mag beim Auflegen des Albums in \u201eChains Of Changes\u201c zun\u00e4chst der Eindruck von Abba entstehen, n\u00e4mlich wegen des harmonischen Gemischtgesangs, der hier jedoch einen amerikanischen Polka-Rhythmus begleitet. An anderer Stelle denkt man wegen des Gesangs vielmehr an Achtziger-Pop wie Nu Shooz oder Boy Meets Girl, in \u201eBehave\u201c singt Knut leicht wie David Byrne von den Talking Heads, in \u201eToday Tonight Tomorrow\u201c und \u201eMother\u201c, zwei Balladen, eher wie Morten Harket von a-ha, und Johanne erinnert in \u201eCome To Light\u201c gesanglich an Nuller-Radio-R\u2019n\u2019B. Wenn es ganz deftig kommt, setzen gleich ganze Ch\u00f6re ein und motivieren zu Ooh-ooh-ooh-Mitmach-Chants und die Hauptsingenden fallen dar\u00fcber ins Geschrei, so im finalen Song mit dem programmatischen Titel \u201eThis Is The End\u201c, der sein erl\u00f6sendes Versprechen indes auf neun Minuten streckt.<br><br>Der ganze Sound erinnert an Kirchenmusik, an moderne Sakralkompositionen, an Kirchentag und Heilsversprechen, so dass es paradox wirkt, dass man die mit solcherlei einhergehende Erl\u00f6sung eher von der Musik selbst erhofft. Die ist n\u00e4mlich echt mal viel zu fett. Streicher, Ch\u00f6re, Synthies, Kirchenorgel, Fl\u00f6te, Vibraphon, Piano, galoppierende Energie wie bei so Folk-Poprock-Bands wie sagen wir Mumford &amp; Sons, mit einem Wort: Kitsch. Wenn die Verantwortlichen hier mit dem Etikett Prog-Rock wedeln und man das Album dazu h\u00f6rt, fragt man sich, wie sie auf diese Ideen kommen, denn von Rock kann hier keine Rede sein. In \u201eTake Me To The River\u201c, das nichts mit dem gleichnamigen bekannten Song zu tun hat, setzt gegen Ende mal eine Gitarre ein, die sich sogleich der allgemeinen Opulenz unterordnet, mehr Rock bekommt man hier kaum.<br><br>Vielleicht Prog, weil ja manche Kompositionen etwas ungerade und schachtelig sind, aber das ist auch in Kirchenmusik nicht so un\u00fcblich, man horche mal Bach, da kommt man auch nicht auf die Idee, da von Prog zu sprechen. Eher mal sind Meer so Neo-Klassik oder Minimal, wenn die repetitiven Melodien an die von Philip Glass erinnern etwa. Es gibt besinnlichere Passagen auf dem Album, und da funktioniert diese orchestrale Melange auch ganz gut, die genannten \u201eBehave\u201c oder \u201eMother\u201c etwa haben mehr Ausdruck in der Ruhe, und so verf\u00e4hrt die Band auch immer wieder mal zwischendurch. Anders als vermutlich intendiert haben die weniger expressiven Stellen wesentlich mehr Ausdruck, kommen nur viel zu kurz. Eine Stunde dauert das Album und nach Verklingen des letzten Tons m\u00f6chte man duschen.<br><br>2012 starteten die Geschwister Nesdal als Ted Glen Extended mit einer gleichnamigen EP, das selbstbetitelte Deb\u00fct-Album erschien dann 2016 bereits als achtk\u00f6pfiges Meer. Der Nachfolger \u201ePlaying House\u201c setzte 2020 die Richtung fort, die das Orchester heute mit \u201eWheels Within Wheels\u201c auf die Spitze treibt. Introvertierte H\u00f6rende k\u00f6nnten hier eher unter die R\u00e4der kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (23.08.2024) Meer ist wirklich ein sch\u00f6ner Name f\u00fcr eine Band, obschon diese hier aus Norwegen kommt, wo \u201eMeer\u201c eigentlich \u201ehav\u201c oder \u201esj\u00f8\u201c hei\u00dft, dann ist die Intention dahinter etwas unklar. 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