{"id":6604,"date":"2024-08-09T15:50:14","date_gmt":"2024-08-09T13:50:14","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6604"},"modified":"2024-08-09T15:50:14","modified_gmt":"2024-08-09T13:50:14","slug":"spezial-bo-mueller-raeume-krueger-guet-bauchpfannen-aufnahmen-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-bo-mueller-raeume-krueger-guet-bauchpfannen-aufnahmen-2024\/","title":{"rendered":"Spezial: Bo M\u00fcller \u2013 R\u00e4ume\/Kr\u00fcger \u2013 G\u00dcT \u2013 Bauchpfannen Aufnahmen 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Bo-Mueller-Raeume.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"115\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Bo-Mueller-Raeume.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6605\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Krueger-GUeT.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Krueger-GUeT.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6606\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (09.08.2024)<br><br>2024, die beiden verbliebenen Mitglieder des k\u00fcnstlerisch wie musikalisch unsch\u00e4tzbar einflussreichen Trios Die Trottelkacker aus der Samtgemeinde Velpke ver\u00f6ffentlichen 22 Jahre nach dem Ende jener Band neue Solo-Sachen. Der eine, Kr\u00fcger, mit \u201eG\u00dcT\u201c eine Best-Of seiner Songs aus der Zeit von 2007 bis 2017, der andere nach Bandprojekten wie M\u00fcller &amp; die Platemeiercombo und der weiterhin aktiven M\u00fcller-Verschw\u00f6rung mit \u201eR\u00e4ume\u201c sein erstes echtes Solo-Album als Bo M\u00fcller. Behandelt Kr\u00fcger mit fettem Indie-Rock gesellschaftliche wie emotionale Schief- und Tieflagen, reduziert sich M\u00fcller bei gar nicht so un\u00e4hnlichen Themen auf seine Akustikgitarre. Bei aller Ernsthaftigkeit, Reife und musikalischer Perfektionierung: Die Kriegst die Jungs aus den Trottelkackern, aber die Trottelkacker nicht aus den Jungs. Und das ist G\u00dcT so, das weitet R\u00e4ume.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Kurzer R\u00fcckblick: In den Achtzigern schl\u00fcpften Die Trottelkacker aus Velpker Kellern, zun\u00e4chst ohne gro\u00dfe Kenntnis von Instrumenten und Songwriting, was gerade den Reiz des Trios ausmachte. Anarchie und Progressivit\u00e4t, absurder Humor und sich \u00fcber Zeit enorm steigernde k\u00fcnstlerische F\u00e4higkeiten, schnell vergr\u00f6\u00dferte sich die Schar der Fans und Geflogsbands. Kr\u00fcger, M\u00fcller, Knotke waren im Schlagschatten der Autostadt gr\u00f6\u00dfer und bedeutsamer als Die \u00c4rzte, nicht nur bis zur Trennung 2002, auch noch heute, was etwa ein Festival wie \u201eDa wird ja der Hund in der Pfanne verr\u00fcckt\u201c belegt, dessen Name explizit auf Die Trottelkacker zur\u00fcckgeht. Und immer noch leuchten \u00fcberall Augen, wenn jemand das \u201eOpen Arsch\u201c erw\u00e4hnt.<br><br><strong>Kr\u00fcger \u2013 G\u00dcT<\/strong><br><br>Zwar grenzen sich M\u00fcller und Kr\u00fcger l\u00e4ngst k\u00fcnstlerisch von ihrem Etikett ab, einmal Die Trottelkacker gewesen zu sein, und doch finden sich deren Gene auch in der danach ver\u00f6ffentlichten Musik wieder. Eine Abgrenzung nimmt man etwa auch darin wahr, dass Kr\u00fcger seine Best-Of zwar \u201eG\u00dcT\u201c nennt, quasi der Titel des Trottelkacker-Albums aus dem Jahr 1999, nur mit Umlaut, er darauf aber sein Solo-Deb\u00fct \u201eSprechen hier von Suppe\u201c komplett ausspart, das die Flamme der Kacker noch wesentlich deutlicher in sich tr\u00e4gt und bereits 2001 erschien, also ein Jahr vor dem finalen Album und dem Split des Trios; auch die Begleit-Maxis und die EP \u201eDie Zwiebel ist schon in der Pfanne\u201c aus dem Jahr 2002 bleiben unber\u00fccksichtigt. So richtig los mit der Solo-Karriere legte Kr\u00fcger nach eigener Auffassung also erst 2007, gut zehn Jahre lang ver\u00f6ffentlichte er Singles, EPs, Demos, Alben und b\u00fcndelt nun ein Filtrat daraus in \u201eG\u00dcT\u201c.<br><br>Auf Chronologie legt Kr\u00fcger keinen Wert, vielmehr auf Dramaturgie: Seine Songs sind zeitlos genug, um in zeitlich ver\u00e4nderter Abfolge zu funktionieren. Im Grunde kann man seine Musik als Deutschrock bezeichnen, am ehesten noch als Indierock mit angenehmem Pop-Einschlag. Komposition und Arrangement sind darauf ausgelegt, dass man die Lieder sofort ins Herz schlie\u00dft, dass sie im Ohr bleiben, dass sie ins Blut gehen. Auch zwischen Strophen und Refrains passen immer noch viele feine Details, die die sch\u00f6nen Songs garnieren. Und das macht der Mann auch noch beinahe komplett allein! Nur beinahe: Sobald Kr\u00fcger die Drums nicht programmiert, l\u00e4sst er sie von Olaf Ungeheuer oder Olli Pohl einspielen, letzterer auch Schlagzeuger bei der M\u00fcller-Verschw\u00f6rung. Deren Chef spielt als Gast Klavier und Gitarre. Ebenfalls Gitarre tr\u00e4gt der international renommierte Christian \u201eKrishn\u201c Kypke bei, und mit der Bottleneck schaut Fritz Aly um die Ecke \u2013 \u00fcberdies Bandkollege beim anderen langj\u00e4hrigen Bet\u00e4tigungsfeld von M\u00fcller und Kr\u00fcger, n\u00e4mlich der psychedelischen Stoner-Rock-Band Grass Harp, von der in diesem Jahr eine neue EP ins Haus steht.<br><br>Den Trottelkacker-Humor l\u00e4sst Kr\u00fcger nicht vollst\u00e4ndig fallen, vereinzelt dringt er noch durch, wenn er sich etwa in \u201eBallet\u201c in ein T\u00fct\u00fc fantasiert oder in \u201eStuhl\u201c die f\u00e4kale Teekesselchen-Variante des Mobiliars ausspielt. Auch seine gesellschaftlichen Betrachtungen transportiert er mit dem Schalk im Nacken, dummes Gerede etwa w\u00fcrde er bei einem gegen\u00fcber gern ausschalten und fragt daher: \u201eWo ist der Knopf?\u201c Oder er bringt eine bewusst krude Sprache zur Anwendung, etwa in Titeln wie \u201eWir burnen\u201c oder \u201eGr\u00fcnspan und Entendreck\u201c. Die meisten Songs indes handeln von einem idealisierten Leben, in der Grundierung mal befreit, mal melancholisch. Eine gewisse Schwermut l\u00e4sst sich bei Kr\u00fcger nicht leugnen, auch wenn er sie in Wohlklang und Anmut kleidet.<br><br>Eine Best-Of von Kr\u00fcger ist \u00fcberdies relevant, weil sie rare Single-Tracks und -Edits und B-Seiten birgt sowie von \u201eSchweben\u201c den Mix von Andy Silver, abermals Bandkollege von Grass Harp, und \u00fcberhaupt viele Songs, die es nicht auf Alben oder auf Bandcamp gibt. Auch Kr\u00fcger-Sammler finden hier Vollst\u00e4ndigkeit.<br><br><strong>Bo M\u00fcller \u2013 R\u00e4ume<\/strong><br><br>Als M\u00fcller nach dem Album \u201eCastafiore\u201c aus seiner Platemeiercombo die Verschw\u00f6rung machen musste, weil einzelne Mitmusiker andere nichtmusikalische Aufgaben zu \u00fcbernehmen hatten, \u00fcberlie\u00df er das Mikrofon Roland Kremer, um sich besser auf sein Gitarrenspiel konzentrieren zu k\u00f6nnen. F\u00fcr Freunde der M\u00fcllerschen Intonation d\u00fcrfte es daher ein Geschenk sein, dass er seine Qualit\u00e4ten nun solo ausspielt: Auf \u201eR\u00e4ume\u201c singt er wieder selbst und spielt auch sonst alles selbst ein. Er begleitet sich auf der akustischen Gitarre, baut aber auch mal Percussion, Field Recordings und Mundharmonika ein. Klar, Bob Dylan ist dann eine recht eindeutige Referenz, auch ein Nick Drake f\u00e4llt einem ein. Das h\u00e4ngt auch damit zusammen, dass M\u00fcller ebenso verinnerlichte, nachdenkliche, philosophische Gedanken und Themen in Worte fasst, wie Kr\u00fcger es vornimmt, und somit im Kontext mit der Klampfe das Ohr auf den melancholischen Singer-Songwriter von \u201ePink Moon\u201c richtet.<br><br>Was M\u00fcller gottlob nie sein lassen kann, ist, ungerade Rhythmen einzubauen, die man als Nicht-Auskenner nicht immer zuordnen kann \u2013 ist Swing oder etwas Lateinamerikanisches wie Bossa Nova, Cha Cha Cha, Merengue, Samba, Mambo, Salsa? Scharf ist es in jedem Fall, denn M\u00fcller integriert solche Spezialit\u00e4ten so beil\u00e4ufig, dass man schon hinh\u00f6ren muss, um sie wahrzunehmen, etwa als rhythmisches Klicken, und nicht als plakativen Beleg seines K\u00f6nnens. Und K\u00f6nnen, das hat er. Bei M\u00fcller ist die Gitarre nicht einfach nur das Instrument, das zu seinen Texten banal die Akkorde schrammelt, sondern etwas, womit sich Kunst erzeugen l\u00e4sst, und das macht er. Filigran und behutsam, gleichwohl nachdr\u00fccklich zupft er die Saiten, kreiert wundersch\u00f6ne Melodien und Harmonien, gibt dem Instrument eigenen Raum neben seinen Inhalten, teils auch, indem er Instrumetals zwischen den Liedern platziert. H\u00f6rt man \u201eR\u00e4ume\u201c, bekommt man den Eindruck, M\u00fcller s\u00e4\u00dfe neben einem und spiele diese Songs nur f\u00fcr einen selbst, ganz privat und pers\u00f6nlich. Ganz ohne latenten Stoner Rock, nebenbei bemerkt.<br><br>Zur Musik passen die Texte, reflektiert, introvertiert, gleichwohl ermutigend, motivierend, etwa das etwas energetischere \u201eTage des D\u00e4mmerns\u201c. Der Aufruf zum Widerstand gegen die auf Erfolg formatierte Gesellschaft ist M\u00fcller sp\u00e4testens seit \u201eVon M\u00fc\u00dfigg\u00e4ngern und anderen Taugenichtsen\u201c ein Anliegen, hier etwa in \u201eZeitverschwendung\u201c. Von Liedern wie diesem f\u00fchlt man sich direkt angesprochen, wie so oft auf dem Album, kann sich aber auch gut in die Rolle eines Kindes hineinversetzen, das diese Songs von seinem erfahrenen und liebevollen Vater zur Erbauung und Orientierung im Leben vorgesungen bekommt. So ernsthaft M\u00fcllers Anliegen auch sind, so verspielt verwendet er doch bisweilen die Sprache; da finden sich die Trottelkacker-Gene wieder, wenn er in seiner typischen Art formuliert und etwa Sachen wie \u201eirgendwann kam ich dann auf den Hund\u201c, \u201ejetzt mach dir nicht ins Hemd\u201c oder \u201e\u00fcber dies und das parlieren\u201c singt.<br><br>Es ist ein Fest, M\u00fcller wieder selbst singen zu h\u00f6ren, und dann noch so unmittelbar. \u201eR\u00e4ume\u201c erh\u00f6ht zudem die Vorfreude auf die bereits angek\u00fcndigte zweite \u201eVersuch und Irrtum\u201c-EP der M\u00fcller-Verschw\u00f6rung. Wie gut, dass Die Trottelkacker vor fast 40 Jahren, also neulich vor zwei Wochen, den Weg aus dem Keller fanden, sonst w\u00e4re dem Rest der Welt einiges entgangen.<br><br>G\u00dcT: Das Beste von 2007-2017<br><br>01 G\u00fctersloh (Single, 2010)<br>02 Wo ist der Knopf? (von \u201eWie kann ich unbemerkt verschwinden?\u201c, 2009)<br>03 H\u00e4ngemattennachmittage (Single Edit) (Original von \u201eBanana Holiday\u201c, 2016)<br>04 Ballet (von \u201eVor dem Tisch ist Stuhl\u201c, 2017)<br>05 Unbemerkt verschwinden (Single Edit) (Original von \u201eWie kann ich unbemerkt verschwinden?\u201c, 2009)<br>06 Hass ist immer noch mein Lieblingsgef\u00fchl (Single, 2007)<br>07 Schweben (Andy Silver Mix) (Original von \u201eDer Masterplan\u201c, 2012)<br>08 Nur du und ich (von \u201eWie kann ich unbemerkt verschwinden?\u201c, 2009)<br>09 Schei\u00dfegal Gef\u00fchl (Single Mix) (Original von \u201eBanana Holiday\u201c, 2016)<br>10 Fein fein fein (von \u201eWie kann ich unbemerkt verschwinden?\u201c, 2009)<br>11 Seifenblasen (von \u201eDer Masterplan\u201c, 2012)<br>12 Gr\u00fcnspan und Entendreck (von \u201eMyspace-Singles\u201c, 2007)<br>13 Stuhl (von \u201eVor dem Tisch ist Stuhl\u201c, 2017)<br>14 Wir burnen (von der Single \u201eNu du und ich\u201c, 2009)<br>15 Der Masterplan (Edit) (Original von \u201eDer Masterplan\u201c, 2012)<br>16 St. Nimmerleinstag (von \u201eUnerh\u00f6rt EP Vol. 1\u201c, 2021)<br>17 Nichts \u00fcberst\u00fcrzen (von \u201eBanana Holiday\u201c, 2016)<br>18 Morgengrauen (Edit) (Original von \u201eWie kann ich unbemerkt verschwinden?\u201c, 2009)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (09.08.2024) 2024, die beiden verbliebenen Mitglieder des k\u00fcnstlerisch wie musikalisch unsch\u00e4tzbar einflussreichen Trios Die Trottelkacker aus der Samtgemeinde Velpke ver\u00f6ffentlichen 22 Jahre nach dem Ende jener Band neue Solo-Sachen. 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