{"id":6591,"date":"2024-08-05T21:07:05","date_gmt":"2024-08-05T19:07:05","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6591"},"modified":"2024-08-05T21:07:31","modified_gmt":"2024-08-05T19:07:31","slug":"tom-liwa-leuchtturmband-primzahlen-aus-dem-bardo-more-to-primes-der-den-mein-freund-kannte-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/tom-liwa-leuchtturmband-primzahlen-aus-dem-bardo-more-to-primes-der-den-mein-freund-kannte-2024\/","title":{"rendered":"Tom Liwa &amp; Leuchtturmband \u2013 Primzahlen aus dem Bardo\/More To Primes \u2013 Der, den mein Freund kannte 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Tom-Liwa-Primzahlen-aus-dem-Bardo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Tom-Liwa-Primzahlen-aus-dem-Bardo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6592\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Tom-Liwa-More-To-Primes.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Tom-Liwa-More-To-Primes.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6593\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (05.08.2024)<br><br>Tom Liwa sitzt bei dir in der Bude rum und quatscht dich voll. Das allein reicht ihm aber nicht, er hat noch eine leise Indierock-Band mit dabei. Und eine Saxophonistin. Rund 100 Minuten auf drei CDs lag hockt er neben dir und erz\u00e4hlt vor sich hin. \u00d6ffnet die T\u00fcr zum Jazz und dein Herz f\u00fcr seine Betrachtungen. L\u00e4sst die Leuchtturmband im Wendland sanften Folk-Indie spielen, der f\u00fcr sich schon ungemein umhaut, auch auf so eine lange Strecke, und holt als Garnitur Luise Volkmann hinzu, die mit ihrem Saxophon mehr Melodie improvisiert, als Liwa singt. Weil er eben zumeist spricht. 100 Minuten \u201ePrimzahlen aus dem Bardo\u201c und \u201eMore To Primes\u201c k\u00f6nnen ganz sch\u00f6n kurz sein. Country\u2019n Western sollte man f\u00fcr den Genuss schon m\u00f6gen, \u00fcbrigens, wenn auch nicht zwingend chinesischen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p> Diese Leuchtturmband ist aber auch gut. Klingt so ein Bisschen nach dem Neil Young aus der \u201eHarvest\u201c-Epoche, mit Akustikgitarre, kraftvollem, aber behutsamem und mit Besen gespieltem Schlagzeug mit der Lust am Country-Rhythmus, einem Atmosph\u00e4ren generierenden Vibraphon und einem das alles wundervoll begleitenden Bass. Etwas Bob Dylan kommt einem auch in den Sinn. Was diese Band allein schon an Geschichten erz\u00e4hlt, das br\u00e4uchte weiter nichts. Bekommt es aber: Ein Saxophon erg\u00e4nzt den Geschichtenerz\u00e4hler, wahlweise, indem es dessen Melodien, so er denn die Stimme zum Singen erhebt, begleitet, oder, indem es genau dies nicht tut, sondern frei um Liwa und um die Band herumschwirrt und dem Alt.-Country den Jazz verordnet. Oder einen Hauch von Talk Talk, sobald es wie auf \u201eLaughing Stock\u201c \u00e4therisch im Raum schwebt.<br><br>Damit die H\u00f6renden sich besser auf diesem Album zurechtfinden, bekommt es einen nachvollziehbaren musikalischen Spannungsbogen, der mit sehr zur\u00fcckgelehnter, entspannter, fast br\u00fcchiger Musik beginnt, zun\u00e4chst kaum mehr als eine Begleitung des Sprechenden, und die sich zunehmend emanzipiert. Zu Indie-Rock wird sie nie, die Flowerpornoes, Liwas Hauptband, treten hier lediglich inhaltlich in Erscheinung, nicht musikalisch. Passend zum Talkin\u2018 Blues, der kein Blues ist, beh\u00e4lt sich die Band zun\u00e4chst auch ein zur\u00fcckhaltendes Tempo vor. Die beiden nach jemandem namens \u201eVan der Beek\u201c benannten kurzen St\u00fccke mit den Endungen \u201eStomp\u201c und \u201eToodeloo\u201c sind etwas flottere Jazz-Interludien und \u2013Outros, erst \u201eE qui non la\u201c ist mal ein kleiner Ausbruch an Ausgelassenheit, auch gesanglich, und dann dauert es bis \u201eTommy de Who\u201c auf der zweiten CD, dass das Tempo mal signifikant anhebt; \u00fcberdies klingt das St\u00fcck nicht, wie es hei\u00dft, sondern eher nach Alt.-Country. Die beiden folgenden \u201eThe Old Stockholm\u201c und \u201eLove Dinner\u201c gestalten sich beinahe als Popsongs, und dann ist das Haupt-Album auch schon vorbei. Die viertelst\u00fcndige Bonus-CD wirkt wie die Auswahl weggelassener, weil f\u00fcr den Fluss zu experimenteller St\u00fccke; insbesondere \u201eWie das war\u201c ist ein Impro-Jazz.<br><br>\u201eWer denkt sich so einen Schei\u00df aus\u201c, fragt Liwa in \u201eMalm\u00f6 1948\u201c, und man kann nur entgegnen: Ist doch kein Schei\u00df hier! Der Chef erz\u00e4hlt, biographisch, analytisch, gegenw\u00e4rtig, nostalgisch, assoziativ, konkret, allt\u00e4glich, nicht immer nachvollziehbar, aber immer einnehmend, und es ist auch nicht schlimm, wenn man zwischendurch mal den Faden verliert, weil sich Liwas Organ wie ein Instrument in den Leuchtturmsound einf\u00fcgt, er holt einen schon wieder zur\u00fcck, wenn nicht mit Inhalten, die die Aufmerksamkeit einfordern, etwa seiner musikalischen Biografie in \u201eSpace Czechovs\u201c, dem Vierzehnmin\u00fcter mit dem Luftballon-Scratching-Solo, dann damit, dass er doch mal wieder zu singen beginnt und wie im genannten Schweden-Song das i so langzieht, \u201eneiiiiiiin, alles okay\u201c, wie man es von ihm seit jeher kennt. Man freut sich dar\u00fcber, es bleibt auch relativ allein; lediglich der durchdringende Dialog aus seinem Gesang und dem Saxophon in den Refrains des fast viertelst\u00fcndigen \u201eBinnen Meisje\u201c erfordert eines an Gelassenheit.<br><br>Es st\u00f6rt auch nicht, dass man sich manchmal schon fragt, was der Mann da eigentlich erz\u00e4hlt, zumeist federt ja die Musik die L\u00fccken ab, an anderer Stelle ist man von Liwas Wortwahl abgelenkt, etwa, wenn inmitten dieser aus er Zeit gefallen wirkenden Musik pl\u00f6tzlich Begriffe wie \u201eCloud\u201c oder \u201eDownload\u201c fallen, hier in \u201eBitch EP\u201c, er \u201eKlammer auf\u201c und \u201eKlammer zu\u201c oder den eingeenglischten Schr\u00e4gstrich als \u201eihr Slash euch\u201c mitspricht oder dezidierte Passagen auf Englisch sowie \u201eStella Oscura\u201c gleich auf Italienisch vortr\u00e4gt. Er hat die H\u00f6renden eh l\u00e4ngst f\u00fcr sich gewonnen, und R\u00e4tsel und Chiffren ist man von Liwa ja gewohnt. \u201ePrimzahlen aus dem Bardo\u201c, eine Zeile aus dem Lied \u201eMari On\u201c \u00fcbrigens, was soll das? Irgendwas mit Logik und wahlweise Yoga oder deinem Mainzer Bischof? Spiritualit\u00e4t liegt Liwas Texten ja ohnehin schon lang inne, das muss so etwas in der Art sein. Und Mathe und Religion, das hat ja beides mit Glauben zu tun.<br><br>Bei dieser Leuchtturmband nun handelt es sich um einen Zusammenschluss von Bassistin (eigentlich Multiinstrumentalistin) Angela Gobelin, Gitarrist Bj\u00f6rn Ehlen (The Valemakers), Schlagzeuger Lars Plogschties (Besser sowie Session-Drummer f\u00fcr Ezio, Dirk Darmst\u00e4dter, Mary Roos, Ina M\u00fcller und vielen mehr) und der vielgefragte Vibrafonist Stefan \u201eSaint\u201c H\u00f6rlitz. Das Saxophon ist in diesem Reigen ein Gast, besser: eine G\u00e4stin, n\u00e4mlich gespielt von der K\u00f6lner Klangk\u00fcnstlerin Luise Volkmann, die an unz\u00e4hligen Bands und Projekten beteiligt ist und ein Album mit dem vortrefflichen Titel \u201e||||||||\u201c in ihrer Discographie hat. Wer Liwa sammelt, kommt m\u00e4chtig ins Trudeln: Wie viele Alben gibt es vom geb\u00fcrtigen Duisburger \u00fcberhaupt? Und wer ist Axel Ressler? Und magst du eigentlich Country\u2019n Western?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (05.08.2024) Tom Liwa sitzt bei dir in der Bude rum und quatscht dich voll. Das allein reicht ihm aber nicht, er hat noch eine leise Indierock-Band mit dabei. Und eine Saxophonistin. 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