{"id":6579,"date":"2024-07-30T22:07:11","date_gmt":"2024-07-30T20:07:11","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6579"},"modified":"2024-07-30T22:07:11","modified_gmt":"2024-07-30T20:07:11","slug":"kleo-2-netflix-zeitsprung-pictures-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/kleo-2-netflix-zeitsprung-pictures-2024\/","title":{"rendered":"Kleo 2 \u2013 Netflix\/Zeitsprung Pictures 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (30.07.2024)<br><br>Mist, man hat uns f\u00fcr Staffel Eins der Netflix-Serie \u201eKleo\u201c \u00fcberall gelobt und uns sogar mit Preisen ausgezeichnet, wir m\u00fcssen jetzt schnell eine zweite Staffel machen. Was war doch gleich die Ausgangslage? Ah, Chaos! Wischen wir weg, weil wir ja die erfolgreichen Konstellationen reproduzieren m\u00fcssen. Ach kommt, doch nicht, wir machen es dann anders, mehr Spionage, mehr Drama, bisschen Herzschmerz. Den Humor schieben wir daf\u00fcr an die Seite, die spannenden Figuren gestalten wir als Abziehbilder und eine Dramaturgie brauchen wir nicht, wir haben ja schlie\u00dflich Action, Tarantino-Zitate, grandiose Film-\u00c4sthetik, einen authentischen Soundtrack und ganz viele Plot-Twists, mit denen garantiert keiner rechnet! Das muss doch reichen, oder? Spoiler: nein.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Also, wie endete Staffel Eins noch gleich? Kleo sucht den roten Olsenbanden-Koffer mit dem Pakt zwischen Ronald Reagan und ihrem Onkel Erich Honecker darin, um eine neue DDR zu bewirken, und Sven, weil er dem Sozialismus zugunsten des West-Systems ein Ende bereiten will. Nach dem Sex haben sie deswegen Streit. Svens Gattin v\u00f6gelt derweil mit seinem besten Freund, Techno-Drogi Thilo ist von einem UFO nach Sirius B entf\u00fchrt worden, Tarantino-Lookalike Uwe ist doch nicht tot und irgendwie mischen BND und KGB auch noch mit. Kleo und Sven sind zerstritten, Svens Leben steht Kopf, der Koffer ist verschollen. Start Staffel Zwei: Eigentlich war das mit Sven und seinem Kumpel doch eine tolle Ausgangslage f\u00fcr Buddy-Jokes, den Streit wegen Fremdv\u00f6gelns r\u00e4umen die beiden ganz m\u00e4nnlich beiseite. Svens Frau ist einfach mal egal, der Sohn sowiso. Sven heftet sich einfach trotz der Streitereien an Kleos Fersen und geht ihr auf den Sack, Hauptsache, ein paar schnittige Oneliner sind m\u00f6glich. Thilo steht pl\u00f6tzlich vor der T\u00fcr mit seiner Weltraum-Prinzessin im Schlepptau, wieder zur\u00fcck aus dem All, und steigt abermals bei der Techno-Disco ein. Hei\u00dft: Anstatt den alten Faden neu zu verarbeiten, stricken die Serienmachenden einfach damit das alte Muster neu.<br><br>So schlimm, so \u00fcberfl\u00fcssig, aber: Die Machenden ziehen das Konzept nicht durch, sondern versuchen pl\u00f6tzlich, doch noch neue Aspekte einzubauen. Hier laufen diverse Str\u00e4nge parallel: Kleo findet heraus, dass der Koffer mit einer verdr\u00e4ngten traumatisierenden Situation aus ihrer Kindheit zusammenh\u00e4ngt und sie sich in der Personalie Papa irrte, den Koffer jagen nun auch die CIA und eine DDR-Terrorgruppe, es wimmelt nur so von Doppelagenten mit Dreifachinteressen, der BND ist irgendwie verschwunden, Thilo denkt sich aus Entt\u00e4uschung \u00fcber seine falsche Space-Prinzessin die Love Parade aus, der KGB jagt Kleo nach einem internen Putsch aus famili\u00e4ren Gr\u00fcnden, Uwe liebt Margot, Holger liebt Kleo, Sven auch, irgendwas vergessen? Bestimmt. Den Kosmonauten Harald zum Beispiel.<br><br>Der frische, unbedarfte Schwung der ersten Staffel ist weg. Auch der Humor, Sven darf sein Verhalten zwischen Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung und Loyalit\u00e4t nur f\u00fcr vereinzelte Erinnerungsgags raushauen, Thilo darf autistisch philosophieren, der Rest ist wahlweise \u00fcberdreht, aufgesetzt oder geht im Strudel der viel zu schnell abgehandelten Ereignisse unter. F\u00fcr Charakterentwicklung verschwendet Staffel Zwei keine Zeit, schlie\u00dflich kennt man die Leute ja bereits, und wer neu hinzukommt, ist Abziehbild. Wie die CIA-Killerin Rose, der KGB-Mann Nikolai, die Stasi-Frau Jutta oder \u2013 wer war da noch neu? Vergessen, viel zu viele Leute. Ach ja, Kim-B\u00e4r-Ly, die Stasi-Killerin, die den Koffer hat und die Sven zuf\u00e4llig v\u00f6gelt, weil \u2013 ja, warum eigentlich? Svens Motivation ist komplett unklar: Ehe retten nein, Kumpel behalten okay, Kleo beeindrucken derbe, in Jugoslawien willk\u00fcrliche Barbekanntschaft v\u00f6geln unbedingt. Und Koffer finden. Und alle so: h\u00e4?<br><br>Zur aufgedr\u00fcckten Ernsthaftigkeit der neuen Staffel tr\u00e4gt nicht nur der Agenten-Thriller-Tonfall bei, auch Kleos PTBS und die eingebaute emotionale Verletzlichkeit ausgew\u00e4hlter Figuren, darunter Kleos Ex-Boyfriend Holger mit der einzig echt \u00fcberzeugenden Sequenz (Kleo: \u201eIch kann jemanden wie dich nicht gebrauchen, der mich verletzbar macht\u201c), der von seiner Sternenfrau entt\u00e4uschte Thilo (\u201eWir sind nicht mehr wir, wir sind nur noch du und ich\u201c), der zur\u00fcckgewiesene Uwe (\u201eFotze\u201c) und Kleo selbst. Doch wirkt das alles nicht, es bleibt willk\u00fcrlich.<br><br>Viel zu viel Inhalt f\u00fcr erstaunlich wenig Spielzeit, die Machenden handeln diese Ereignisdichte in nur sechs statt wie vor zwei Jahren noch in acht Episoden ab. Man merkt der Fortsetzung an, dass sie, trotz angelegter Fortsetzbarkeit, ein schneller Schuss sein musste. Was besser gewesen w\u00e4re: Weniger gro\u00dfe Verschw\u00f6rung, weniger Familienverwirrungen, weniger Zufall, mehr Ermittlungst\u00e4tigkeiten, mehr Ruhe, mehr Humor und mehr Fokus auf die Figuren h\u00e4tten der Serie gutgetan. Mehr Mut zu Experimenten \u00fcberhaupt, schlie\u00dflich belegt der Erfolg der ersten Ausgabe ja, dass es m\u00f6glich ist, mit unkonventionellen Ideen mehrheitsf\u00e4hig zu sein.<br><br>Ja, die \u00c4sthetik ist Bombe, die Bilder sind in Farbe und Ausstattung kinotauglich. Waren jedoch die Tarantino-Zitate in der ersten Staffel noch dezidiert gesetzte Nerd-Momente, \u00fcbertreiben es die Machenden dieses Mal, wiederholen die Kofferraum-Sequenz und zitieren direkt \u201ePulp Fiction\u201c (Svens Geiselnahme) und \u201eKill Bill\u201c (Kimberlys Kampf). Manche Szenen sind so hingehuscht, dass ihre Dramaturgie auf der Strecke bleibt, etwa das verhinderte Shoot-Out am Schluss. In dieser Staffel sterben so viele Menschen, dass gar keine Spannung mehr aufkommt; jede Figur spielt ein falsches Spiel, absolut jede, das nimmt die Aha-Momente, weil man einfach nach zwei, drei solcher Enttarnungen bei allen Folgenden gleich davon ausgeht und damit richtig liegt. L\u00e4stiger als lustig sind dabei solche Namenszuf\u00e4lle wie die von Kimberly und Ciana, die das Kerngespann auf die n\u00e4chste F\u00e4hrte bringen. Solche Details und die aufgesetzte Action langweilen, gedachte Aha-Momente gehen unter. Merkw\u00fcrdig dabei ist, dass einen die Staffel trotzdem nicht langweilt, sondern lediglich gleichg\u00fcltig l\u00e4sst, auch eine Kunst.<br><br>Und dann so Plotholes. Alle jagen Kleo, aber sie sitzt st\u00e4ndig unbehelligt in ihrem Garten in der Hollywoodschaukel; ihren Kumpels hingegen gelingt st\u00e4ndig, was ihre Feinde nicht schaffen. Als Margot Uwe den Kuss verweigert und ihn auslacht \u2013 \u00fcberdies billig inszeniert wie auf einer Volkstheaterb\u00fchne \u2013, untersch\u00e4tzt sie ernsthaft die Unzurechnungsf\u00e4higkeit ihres Killers. Ramona soll sich in Moskau um Uwe k\u00fcmmern, l\u00e4sst ihn aber in der Situation ihrer gr\u00f6\u00dften Angreifbarkeit einfach so herumlaufen. Die CIA metztelt die BND-Agentin blutig in einem Hotel ab, und trotzdem vertraut man der CIA danach noch ausreichend. Die gesamte CIA-Sache ist aufgesetzt und wahlweise ein Fremdk\u00f6rper oder ein Jack in the box, der in brenzligen Situationen die Hauptfiguren rettet. Thilos nicht schl\u00fcssig erkl\u00e4rte R\u00fcckkehr ist bedauerlich, als h\u00e4tte man dem eigenen Witz aus Staffel Eins nicht vertraut, dass er n\u00e4mlich tats\u00e4chlich von Aliens abgeholt wurde, naja, daf\u00fcr landet er dieses Mal eben wegen eines m\u00fcden Risses im Raum-Zeit-Kontinuum in der Area 51, und immerhin hat die Figur einige bemerkenswerte Momente.<br><br>Thilos Darsteller Julius Feldmeier spielt den abgespaceten Techno-Drogi amateurhaft, aber zur Figur passend. Wenn man Dimitrij Schaad denn mal von der Leine l\u00e4sst, \u00fcberzeugt er als Sven auch gleich, in seiner Art zu sprechen und sich dabei zu bewegen liegt sehr viel Humor (\u201eDu bl\u00f6de \u2026 \u2026 \u2026 \u2026 Kuuuuh!\u201c). Nach wie vor gro\u00dfartig spielt Jella Haase in der Hauptrolle \u2013 da Kleo sich oft verkleidet, ist Haases Performance die einer Art Meta-Multi-Schauspielerin. Und Vincent Redetzki spielt den wahnsinnigen Tarantino-Uwe bedrohlich \u00fcberzeugend.<br><br>Um auch mal die Machenden mal aufzuf\u00fchren: Das Autoren-Team besteht aus Hanno Hackfort, Richard Kropf und Bob Konrad, die \u201eHaRiBo\u201c genannt werden, und Katharina Brauer. F\u00fcr die Regie der Episoden wechselten sich Isabel Braak und Nina Vukovic ab. Den zus\u00e4tzlichen Score zum h\u00f6renswerten Soundtrack mit authentischen Songs der Zeit erstellte Johnny Klimek.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> Nat\u00fcrlich l\u00e4sst das Ende die Option f\u00fcr Staffel Drei offen. Kleo und Sven halten H\u00e4ndchen und knutschen, w\u00e4hrend sie in Moskau den Pakt im Besitz haben und sich der Kosmonaut aus Kleos diffusen Kindheitserinnerungen als ihr Zwillingsbruder herausstellt, von dem nie zuvor die Rede war. Kleo ist Gegnerin von allen politischen und wirtschaftlichen Systemen und damit nach wie vor hinreichend unklar motiviert. Terminator-Zombie Uwe lebt nat\u00fcrlich weiter. Will man das noch weitersehen? Naja: \u201eStranger Things\u201c wurde nach der vergurkten dritten Staffel sogar exorbitant gut. Vielleicht fangen sich die Serienmachenden ja.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (30.07.2024) Mist, man hat uns f\u00fcr Staffel Eins der Netflix-Serie \u201eKleo\u201c \u00fcberall gelobt und uns sogar mit Preisen ausgezeichnet, wir m\u00fcssen jetzt schnell eine zweite Staffel machen. Was war doch gleich die Ausgangslage? Ah, Chaos! 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