{"id":6576,"date":"2024-07-29T21:23:02","date_gmt":"2024-07-29T19:23:02","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6576"},"modified":"2024-07-29T21:23:02","modified_gmt":"2024-07-29T19:23:02","slug":"helmut-exner-tammo-wunderkind-wider-willen-epv-verlag-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/helmut-exner-tammo-wunderkind-wider-willen-epv-verlag-2024\/","title":{"rendered":"Helmut Exner \u2013 Tammo. Wunderkind wider Willen \u2013 EPV-Verlag 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Helmut-Exner-Tammo.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"167\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Helmut-Exner-Tammo.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6577\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (29.07.2024)<\/p>\n\n\n\n<p>Nur ein Jahr nach \u201eRio und die m\u00f6rderischen Bilder\u201c legt Helmut Exner mit \u201eTammo. Wunderkind wider Willen\u201c den 21. Band seiner Lilly-H\u00f6schen-Reihe vor. Die Heldin (immer noch so ausgesprochen, wie man es schreibt, nicht wie Unterb\u00fcx), eine pensionierte Lehrerin aus Lautenthal, d\u00fcrfte inzwischen 91 Jahre alt sein und wohnt immer noch mit ihrer einige Jahre j\u00fcngeren Freundin Gretel Kuhfu\u00df zusammen. Zusammen sind sie quasi sowas wie die Miss Marple und der Doktor Watson des Oberharzes und helfen der Polizei (Hauptkommissar Rabe \u2013 \u201eSpecht, wenn ich bitten darf, \u00e4h Quatsch, jetzt vergesse ich schon meinen eigenen Namen, Sperling hei\u00dfe ich.\u201c \u2013 und seine zahlreichen Mitstreiterinnen mit den ebenfalls klangvollen Namen Huhn, Frosch usw.) bei der Aufkl\u00e4rung von Verbrechen, in die sie, oft durch unbeabsichtigtes Tun von Lillys ehemaligen Sch\u00fcler:innen, stets zuf\u00e4llig hineinschlittern.<\/p>\n\n\n\n<p>So auch hier: Tammo Schuh, ein hochintelligenter Junge aus Clausthal-Zellerfeld, schreibt ein Referat \u00fcber das Schicksal j\u00fcdischer Familien w\u00e4hrend des 3. Reichs im Harz und wird dadurch in Geschehnisse verstrickt, die ihn noch bis ins Erwachsenenalter verfolgen und sein Leben dadurch mit dem von Frau H\u00f6schen und Frau Kuhfu\u00df verwickeln.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Im ersten Teil des Romans jagt Helmut Exner nicht unbedingt im Schweinsgalopp, aber doch recht z\u00fcgig durch Tammos Kindheit und Jugend: Besagtes Referat, die Schulzeit in Anwesenheit von der damals noch beruflich aktiven Lilly H\u00f6schen, die erste Romanze mit einer \u00e4lteren Klassenkameradin (Tammo hat insgesamt zwei Klassenstufen \u00fcbersprungen und ist dadurch immer der J\u00fcngste), die erfolgreiche Suche nach seinem von der Mutter aus Gr\u00fcnden verschwiegenem Vater, die Freundschaft mit dem sp\u00e4ter noch eine wichtige Rolle spielenden Sven-Torben Bierwirt inklusive. Hatte ich schon erw\u00e4hnt, dass Exner ein H\u00e4ndchen f\u00fcr die Auswahl blumiger Nachnamen hat? Sp\u00e4ter taucht dann auch noch eine Beata Schneemann\/Schneegans auf, \u00fcber deren Rolle ich hier aber aus Gr\u00fcnden der Spannungserhaltung nichts verraten m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTammo\u201c ist eine Geschichte \u00fcber einen fr\u00fchreifen Jungen, \u00fcber das Erwachsenwerden im Oberharz, \u00fcber Freundschaften, \u00fcber Schuld, die man erbt und der man sich entweder stellen kann oder auch nicht, und nicht zuletzt eine Geschichte \u00fcber liebenswerte und skurrile Pers\u00f6nlichkeiten, die den Lesenden schnell ans Herz wachsen. Sehr gefreut habe ich mich f\u00fcr Gretel Kuhfu\u00df, die in der Vergangenheit von ihrer besten Freundin Lilly viel einstecken musste, wenn auch auf liebevolle Art und Weise, weil sie sich hier dahingehend emanzipiert, dass sie nicht nur \u2013 wie gewohnt \u2013 Lillys permanente Verbalinjurien schlagfertig pariert, sondern auch schlagkr\u00e4ftig den B\u00f6sen mit Schmackes in die Fresse haut und damit ma\u00dfgeblich zur Aufkl\u00e4rung des Falls beitr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Besser als bei den bisher von mir gelesenen Exner-Romanen gefallen mir hier die Dialoge. Sie dienen nicht nur zur Transportation von Wortwitz, sondern treiben auch den Inhalt munter voran. In diesem Zusammenhang gef\u00e4llt mir besonders gut die 16j\u00e4hrige Lucy mit ihrer bildhaften Sprache. Wenn sie loslegt, kann man sich bildhaft den Autor als Jugendlichen vorstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch erz\u00e4hltechnisch finde ich \u201eTammo\u201c bemerkenswert: Helmut Exner arbeitet nicht mit dem einen gro\u00dfen Spannungsbogen, der bis zum Ende der Geschichte h\u00e4lt, sondern mit vielen kleinen Irref\u00fchrungen der Lesenden und R\u00e4tseln, die sich immer wieder schon im Laufe der n\u00e4chsten Kapitel aufkl\u00e4ren und dennoch immer gen\u00fcgend viele Fragen offenlassen, was dazu f\u00fchrt, dass man das Buch erst aus der Hand legen kann, nachdem man es durchgelesen hat. Es gibt einige Tote und auch sehr \u00fcble Kapitalverbrechen, die man angesichts des vielen Humors und der lockeren Erz\u00e4hlweise nicht vermuten w\u00fcrde. Diese werden unaufgeregt abgehandelt und dabei weder verharmlost noch ins L\u00e4cherliche gezogen. Sehr ernste (vgl. oben Tammos Referatsthema) und humorvolle Elemente gehen Hand in Hand und werden zu einer wundervollen Geschichte verwoben, die zu lesen Spa\u00df macht und die dennoch Raum zum \u00fcber sie Nachdenken l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Kernhandlung des Krimis findet Helmut Exner auf den gut 170 Seiten immer wieder Zeit f\u00fcr \u00fcberaus charmante Nebenhandlungen: Da ist zum Einen die Liebesgeschichte zwischen Tammos Mutter und ihrem neuen Freund, die total s\u00fc\u00df erz\u00e4hlt wird (hervorzuheben ist hier beispielsweise die Szene, in der der neue Stiefvater bei Tammo um die Hand von dessen Mutter anh\u00e4lt) und zum Anderen Tammos h\u00e4ufige Besuche bei Pieter, dem Meisterkoch, in dessen Restaurant der 13j\u00e4hrige Tammo oft aushilft und dabei Kochk\u00fcnste gelernt kriegt, die Pieters Restaurant in dessen Abwesenheit zum lange verdienten ersten Stern verhelfen (sorry f\u00fcr den Spoiler, aber Tammo und Pieter beim Kochen \u00fcber die Schulter zu schauen, macht echt hungrig und rei\u00dft mit).<\/p>\n\n\n\n<p>Der einzige Wermutstropfen ist, dass sich \u201eTammo\u201c so wahnsinnig schnell durchliest. Zum Gl\u00fcck schreibt Helmut Exner nicht nur Harzkrimis, sondern verlegt auch ab und an welche, und auf <a href=\"http:\/\/www.harzkrimis.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><u>www.harzkrimis.de<\/u><\/a> findet man sie alle schnell wieder. Es lohnt sich, immer mal wieder in den Harz reinzuschauen, nicht nur, aber auch aus kriminalistischen Erw\u00e4gungen heraus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (29.07.2024) Nur ein Jahr nach \u201eRio und die m\u00f6rderischen Bilder\u201c legt Helmut Exner mit \u201eTammo. Wunderkind wider Willen\u201c den 21. Band seiner Lilly-H\u00f6schen-Reihe vor. 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