{"id":655,"date":"2013-11-08T21:14:41","date_gmt":"2013-11-08T20:14:41","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=655"},"modified":"2013-11-15T13:16:35","modified_gmt":"2013-11-15T12:16:35","slug":"henri-yolande-moreau-fb-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/henri-yolande-moreau-fb-2013\/","title":{"rendered":"Henri \u2013 Yolande Moreau \u2013 F\/B 2013"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-667\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Kino-Film1.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (08.11.2013)<\/p>\n<p>Eher tragisch als tragikomisch ist \u201eHenri\u201c, die zweite Regiearbeit der Belgischen Kom\u00f6diantin Yolande Moreau. Der Titelgeber muss nach dem Tod seiner Frau die gemeinsame Gastwirtschaft weiterf\u00fchren. Daf\u00fcr organisiert ihm seine Tochter eine Bewohnerin aus dem \u00f6rtlichen Behindertenwohnheim. Henris Leben ger\u00e4t umso mehr aus dem Tritt, als jene Rosette im Heim behauptet, von ihm schwanger zu sein. Moreau filmt in Tradition ihres Helden Aki Kaurism\u00e4ki und ihrer Freunde Gustave de Kervern und Beno\u00eet Del\u00e9pine, in deren Filmen sie regelm\u00e4\u00dfig mitspielt. Das Ergebnis \u00fcberzeugt im klassischen Europ\u00e4ischen Stil und ist ausgesprochen sehenswert.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Von Moreau stammt auch das Drehbuch. Sie erz\u00e4hlt die Geschichte eher unkonventionell, mit Weglassen dessen, was offensichtlich ist (etwa das Sterben der Ehefrau), mit Ger\u00e4uschen, die Inhalte vermitteln (man h\u00f6rt den Verkehr, sieht aber nur die Fu\u00dfg\u00e4ngerin auf einer Br\u00fccke \u00fcber die Stra\u00dfe gehen), und mit stoischem Humor. Sie bedient sich langer Einstellungen und karger Dialoge. Ihre Bildkomposition ist wenn vielleicht nicht bahnbrechend, dann aber au\u00dferordentlich bemerkenswert. Die rauhe Musik, die sie einsetzt, funktioniert sicherlich auch ohne den Film. Und sie hat fabelhafte Schauspieler.<\/p>\n<p>Henri ist stoisch, oder, um es mit seiner Frau zu sagen: Er hat kein R\u00fcckgrat. Sie kommandiert ihn wie ein unm\u00fcndiges Riesenbaby herum, dabei ist er derjenige, der das Kochtalent hat und das Restaurant schmei\u00dft. Nach ihrem Tod muss es weitergehen, daf\u00fcr steht im Rosette zur Seite, ein \u201ePapillon blanc\u201c, wie die Bewohner des Behindertenheims in dem Ort genannt werden. Mit \u201ePapillon\u201c wird Rosette zumeist auch nur angeredet. Henri verliert sich in seinem Hobby, der Taubenzucht, und hat zwei zauselige alte Freunde, die dieses und den Alkohol mit ihm teilen.<\/p>\n<p>Rosette macht sich unentbehrlich und beliebt. Sie und Henri geben sich gegenseitig Anerkennung, was bei Rosette dazu f\u00fchrt, dass sie behauptet, sie sei von ihm schwanger. Die Heimleitung l\u00e4sst ermitteln und verbietet ihr, je wieder ins Restaurant zu gehen. Henri ist best\u00fcrzt und will abhauen \u2013 da sitzt Rosette im Auto und will mit.<\/p>\n<p>An der Stelle kann man eventuell am Drehbuch zweifeln: Warum l\u00e4sst Henri es wirklich zu, dass sie mitkommt? Daf\u00fcr spricht, dass er eben beim besten Willen keine unlauteren Absichten hat und das Kind ohnehin schon im Brunnen liegt. Irgendwo am Meer kommen sie in einem Appartement unter. Ihre Zweisamkeit ist distanziert, lediglich der Alkohol lockert Henri bisweilen auf. Dann kopiert er Rosette, die deutlich mehr Lebensfreude ausstrahlt.<\/p>\n<p>Anscheinend schlafen sie wirklich einmal miteinander, damit erf\u00fcllt sich eine Sehnsuch von Rosette. Doch f\u00fcr Henri gibt es keine gemeinsame Zukunft. Nachdem er den Imbisswagen eines Frittenverteilers kaufte und er ohnehin die ganze Zeit \u00fcber erw\u00e4gt, Rosette zur\u00fcckzubringen, offenbart er ihr irgendwann, dass er wirklich umkehren will: Er sei alt und sie brauche medizinische Hilfe. \u201eIch bin nicht verr\u00fcckt, Arschloch\u201c sagt sie und verschwindet aus seinem Leben. Dieses Abrupte \u00fcberrascht erneut, doch ist es Rosettes Entt\u00e4uschung dar\u00fcber, dass das sch\u00f6ne Leben ein Ende hat, die sie sich so verhalten l\u00e4sst, und weniger die Kr\u00e4nkung wegen ihrer Behinderung. Sie kehrt zur\u00fcck in ihr Heim, Henri in sein Restaurant. Sp\u00e4ter verschenkt er einmal wie zur Entschuldigung Fritten an die Heimbewohner, Rosette sieht es und l\u00e4chelt. Mit Henris einsamem Tanz im Lokal endet der Film. Auch funktioniert das Weglassen dessen, was danach kommen k\u00f6nnte, weil alle Erkl\u00e4rungen denkbar sind: Ein Neuanfang f\u00fcr beide allein ist m\u00f6glich, sogar f\u00fcr beide zusammen, in welcher Form auch immer. Ebenso k\u00f6nnte es sein, dass Henri in seiner Einsamkeit zugrundegeht. F\u00fcr ersteres spricht, dass \u201eHenri\u201c auch als \u201eon rit\u201c verstanden werden k\u00f6nnte: Man lacht. Wieder. Es geht voran.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist die eigene filmsozialisierte Sehgewohnheit: Man erwartet die ganze Zeit \u00fcber, dass etwas abgrundtief Schlimmes passiert. Doch der Film bleibt seiner Grundstimmung treu und punktet mit stiller, warmer Atmosph\u00e4re und fabelhaften Bildern. Die Geschichte ist sanft, trotzdem mitrei\u00dfend, und erz\u00e4hlt diese ungew\u00f6hnliche Liebe mit entsprechenden ungew\u00f6hnlichen Mitteln. Miss Ming, die die Rosette hervorragend spielt, war wie Moreau auch schon in \u201eLouise-Michel\u201c, \u201eDer Tag wird kommen (Le grand soir)\u201c und \u201eMammuth\u201c zu sehen. Moreau selbst taucht in einer Nebenrolle auf. Ihr erster Film 2004 hie\u00df \u00fcbrigens \u201eWenn die Flut kommt (Quand la mer monte&#8230;)\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (08.11.2013) Eher tragisch als tragikomisch ist \u201eHenri\u201c, die zweite Regiearbeit der Belgischen Kom\u00f6diantin Yolande Moreau. Der Titelgeber muss nach dem Tod seiner Frau die gemeinsame Gastwirtschaft weiterf\u00fchren. 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