{"id":6440,"date":"2024-06-17T23:15:22","date_gmt":"2024-06-17T21:15:22","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6440"},"modified":"2024-06-17T23:15:22","modified_gmt":"2024-06-17T21:15:22","slug":"spezial-sulatron-records","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-sulatron-records\/","title":{"rendered":"Spezial: Sulatron Records"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Sulatron.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"147\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Sulatron.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6441\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (10.06.2024)<br><br>Drei Ver\u00f6ffentlichungen pr\u00e4sentiert David \u201eDave\u201c Schmidt alias Sula Bassana auf seinem Label Sulatron Records: Neu bis relativ neu \u201eB\u00fcgeln\u201c von Minerall und \u201eMoonseeds\u201c von Moonseeds sowie als Wiederver\u00f6ffentlichung \u201eDreamer\u201c von Sula Bassana, das Deb\u00fct, mit dem der Bandkopf und Labelchef seine Solo-Aktivit\u00e4ten vor 22 Jahren begann.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Minerall-Buegeln.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Minerall-Buegeln.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6442\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Minerall \u2013 B\u00fcgeln<\/strong><br><br>Diese drei Leute haben Zeit. Und zwar unendlich viel. Das h\u00f6rt man der Musik von Minerall an, hier hat nichts ein absehbares Ende, und wenn man sich erstmal mit dem Projekt auf die Reise begibt, will man von einem Ende auch gar nichts wissen. Kurios genug, dass es sich bei \u201eB\u00fcgeln\u201c um einen Jam handelt. Da betraten Leute das Studio, die wussten, was sie taten, und sie taten es. Zwei Tracks konzentrierte das Projekt aus der Session, die A-Seite \u201eB\u00fcgeln (unerforscht)\u201c und die B-Seite \u201eSachebene\u201c, beide um die 22 Minuten lang und jeweils nur ein Ausschnitt aus den Aufnahmen. Die Tracktitel und das Cover verweisen auf kryptisch-experimentelle Electro-Musik, aber davon sind Minerall sehr weit entfernt.<br><br>Minerall \u201eB\u00fcgeln\u201c los ins All. Ein Effektger\u00e4t wie bei Hawkwind l\u00e4sst die Maschinen rotieren, dann setzen vertraute Instrumente ein, eine Gitarre lickt l\u00e4ssig, ein Bass pumpt, das Schlagzeug nimmt Fahrt auf \u2013 und so bleibt es eigentlich die ganze Zeit \u00fcber. Das Tempo ist \u00fcberraschend hoch f\u00fcr so einen Trip, im oberen Midtempo, die Drums krauten los, und wenn Bass und Gitarre erstmal entfesselt sind, schlagen sie nach allen Seiten aus, besser: nach allen Saiten, die Akkorde werden offener, die Hallr\u00e4ume ebenso, der Bass schl\u00e4gt Wellen und die Drums wirbeln dazu. Irgendwann ist es Zeit, Luft zu holen, alle fahren die Energie herunter, aber nicht zur\u00fcck auf die Erde, im Gegenteil, es geht nur noch weiter hinaus ins All, es wird ambientartig. Und geht still in die \u201eSachebene\u201c \u00fcber, die alles andere als das ist. Das Tempo gedrosselt, fokussieren sich die Saitenarme aufs Spacige mit Echo und Effekten, drehen fett die Regler hoch und auch wieder herunter, man nimmt gar nicht richtig wahr, wenn das Trio die Intensit\u00e4t und die Stimmung neu ausrichtet, man ist einfach mit an Bord und will das auch gar nicht mehr verlassen.<br><br>So weit drau\u00dfen wie die Musik ist auch der Aufnahmeort: Das Trio traf sich in Hannover. Minerall besteht aus: Gitarrist Marcel Cultrera von der Wiener Band Speck, Schlagzeuger Thomas \u201eTommy\u201c Handschick aus Kiel von den Bands Kombynat Robotron und Earthbong sowie am Bass Labelboss David Schmidt. Die LP ist so gut wie gar nicht bearbeitet, was wundert, klingt die Musik doch wie komponiert und nicht wie improvisiert. Und \u201eB\u00fcgeln\u201c soll nur ein Auftakt sein, da soll mehr folgen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Moonseeds-Moonseeds.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Moonseeds-Moonseeds.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6443\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Moonseeds \u2013 Moonseeds<\/strong><br><br>Wer kann, der kann auch ohne Skript hypnotisch-trancige Spacemusik zaubern. Bei Moonseeds handelt es sich um ein spontanes Projekt, bei dem selbstbetitelten Album um ebenso spontan vorgenommene Aufnahmen, die das Trio erst sp\u00e4ter verfeinerte und nun an die \u00d6ffentlichkeit bringt. Drei Leute, drei Tracks, benannt nach \u201eEarth\u201c, \u201eSun\u201c und \u201eMoon\u201c, alle so kosmisch wie diese Titel. \u201eEarth\u201c startet mit einem gem\u00e4chlichen Galeeren-Rhythmus, \u00fcber den sich Gitarre und Bass legen, verhalten zun\u00e4chst, bald amtlich gniedelnd, dazu groovend und das Schlagzeug darin best\u00e4rkend, dass es auch so etwas wie Fills gibt. Und dann drehen die drei Musizierenden so richtig ab, der Track steigert alle seine Elemente und das Trio entfacht einen Tornado, der erst sp\u00e4t langsam an Energie abnimmt.<br><br>Das war die A-Seite, fast 22 Minuten lang, und die B-Seite mit \u201eSun\u201c und \u201eMoon\u201c nimmt insgesamt die gleiche L\u00e4nge ein. \u201eSun\u201c \u00fcberrascht dann gleich damit, dass man nonverbalen Gesang vernimmt, der in einen elend langsamen Sonnenuntergangs-Gitarren-AOR-Track mit ewig tapezierenden Synthies einstimmt. Man w\u00e4hnt sich in den Siebzigern und will da auch gleich bleiben, so warm und entschleunigend wirkt dieser Track. \u201eMoon\u201c greift den Spacetrip wieder auf, die Gitarre durchl\u00e4uft so manches Effektger\u00e4t und rotiert gem\u00fctlich zum reduzierten Takt der Drums. Aus dem spacigen Trip gleitet die Orgel endlich in den Orbit, der Sound wir dichter, die R\u00fcbe auch, und zuletzt versuchen Aliens, die H\u00f6renden zu entf\u00fchren. Klappt nicht, die Moonseeds sind l\u00e4ngst aufgegangen, man ist in einer eigenen Umlaufbahn unterwegs.<br><br>Zu diesen Aufnahmen kam es, als das Sechziger-Riff-Psych-Trio Seedy Jeezus aus Melbourne 2018 eine Tour durch Europa absolvierte und deren Gitarrist Lex Waterreus alias Mr. Frumpy (hier auch Synthies und Stimme) die Musiker Luzie Neudeck alias Komet Lulu (Bass) und David Schmidt alias Sula Bassana (Schlagzeug, Orgel, Mellotron) von der Band Electric Moon besuchte. Die drei ergriffen die Gelegenheit beim Schopf und improvisierten im Studio. Danach verga\u00dfen sie die Aufnahmen, bis Lex im vergangenen Jahr nach Deutschland zur\u00fcckkehrte und mit David die Tracks vervollst\u00e4ndigte. Eroc, der inzwischen wahrhaftig \u00fcberall \u2013 auch bei allen drei hier vorgestellten Ver\u00f6ffentlichungen \u2013 seine Finger an den Reglern hat, mischte die drei Tracks.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Sula-Bassana-Dreamer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Sula-Bassana-Dreamer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6444\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Sula Bassana \u2013 Dreamer<\/strong><br><br>Nach 22 Jahren legt der Labelchef sein unter dem Alias Sula Bassana ver\u00f6ffentlichtes und komplett allein eingespieltes Solo-Deb\u00fct \u201eDreamer\u201c abermals neu auf LP auf. Anders als die beiden spacigen Impro-Alben weiter oben, ist \u201eDreamer\u201c zun\u00e4chst trotz der psychedelischen Stoner-Note eher auf dem Boden verhaftet geblieben. Die Gitarren haben Fuzz, das Schlagzeug Tempo und die Stimme etwas mitzuteilen, sofern man offene Ohren hat, denn verst\u00e4ndlich sind die schamanischen Ges\u00e4nge ohne bewusstseinserweiternde Hilfsmittel nicht. \u201eDreamer\u201c kann auch riffen und rocken, so wie es die Erfinder des Spacerocks in den Sechzigern vormachten. Wenn ein Track schon \u201eDealer McDope\u201c hei\u00dft.<br><br>Aber dann ist auch gut, als drittes packt Dave \u201eMy Blue Guitar\u201c aus und l\u00e4sst sie gently weepen. Hier wagt er dann doch den Schritt in den Space, reduziert das Tempo, es orgelt, gniedelt und schwirrt harmonisch umeinander, wir sind in den Siebzigern und von Hawkwind zu Pink Floyd gewechselt. Und das funktioniert, weil der Sound in seiner Dichte gleich bleibt. Die folgende \u201eNervenl\u00e4hmung\u201c klingt, wie das Cover von \u201eB\u00fcgeln\u201c aussieht: mechanisch, industriell, elektronisch, aus den Fugen geraten \u2013 also kein Bisschen mehr nach Rockmusik. Aus dem St\u00fcck entwickelt sich schl\u00fcssig das fast viertelst\u00fcndige \u201eAnanda\u201c, in dem ein stiller Beat leise pluckert, auf dem aufgescheuchte Urwald-Tr\u00f6ten umeinander kreisen und ein Piano vereinzelte Orientierungspunkte setzt. Sobald man wahrnimmt, dass aus den Tr\u00f6ten Sitars wurden, wundert man sich, und sobald man sich auch damit abgefunden hat, dreht Dave seinen Fuhrpark auf, l\u00e4sst die Maschinen kreischen, macht aus dem Trip einen Alptraum und entwickelt sogar aus dem chilligen rhythmischen Pluckern ein echtes Schlagzeug, zu dem irgendwelche Geisterstimmen herum\u00e4chzen. Erstaunlich! Dem muss einfach etwas folgen, in dem man sich als Psychedelik-H\u00f6rer zurechtfindet: zehn Minuten Pink Floyd w\u00e4ren fein, ein frei interpretiertes \u201eBaby Blue Shuffle In D Major\u201c etwa, ein minimalistischer Beat zu spacigen Instrumenten jeglicher Couleur passt perfekt ans Ende.<br><br>\u201eDreamer\u201c erfuhr in den zur\u00fcckliegenden 22 Jahren so einige Ver\u00f6ffentlichungen und erhielt insgesamt drei verschiedene Artworks, das vorliegende ist das der ersten CD-Version, designt vom Kollektiv Malleus, dem auch zwei Musiker von Ufomammut angeh\u00f6ren. \u00c0 propos CD-Version, die beiden Bonus-Tracks einer solchen sp\u00e4teren Auflage, \u201ePerry Rhodan\u201c sowie das Syd-Barret-Cover \u201eThe Vegetable Man\u201c, die zuvor auf Samplern oder als 7\u201c erschienen waren, finden keinen Einzug auf die neue \u201eDreamer\u201c-Vinyl-Variante.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (10.06.2024) Drei Ver\u00f6ffentlichungen pr\u00e4sentiert David \u201eDave\u201c Schmidt alias Sula Bassana auf seinem Label Sulatron Records: Neu bis relativ neu \u201eB\u00fcgeln\u201c von Minerall und \u201eMoonseeds\u201c von Moonseeds sowie als Wiederver\u00f6ffentlichung \u201eDreamer\u201c von Sula Bassana, das Deb\u00fct, mit dem &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-sulatron-records\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,23,16],"tags":[],"class_list":["post-6440","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-klassiker-rereleases","category-vinyl"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6440","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6440"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6440\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6445,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6440\/revisions\/6445"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6440"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6440"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6440"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}