{"id":6337,"date":"2024-05-12T21:51:38","date_gmt":"2024-05-12T19:51:38","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6337"},"modified":"2024-05-12T21:51:38","modified_gmt":"2024-05-12T19:51:38","slug":"robot-dreams-pablo-berger-e-f-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/robot-dreams-pablo-berger-e-f-2023\/","title":{"rendered":"Robot Dreams \u2013 Pablo Berger \u2013 E\/F 2023"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (12.05.2024)<br><br>\u00dcberbordend vor Einf\u00e4llen beginnt diese Begegnung eines humanoiden Roboters mit einem anthropomorphen Hund im New York der Achtziger, vor dem Fall der Twin Towers, und das als Zeichentrickfilm im klaren Cartoonstil ohne gesprochene Worte, aber mit ganz viel Earth, Wind &amp; Fire. Nach der H\u00e4lfte \u00e4ndert sich in \u201eRobot Dreams\u201c fast alles, Tempo, Opulenz, Humor, es wird balladesk und melancholisch \u2013 und m\u00fcndet in ein Finale, das man ganz anders erwartet, erhofft, vorausgeahnt h\u00e4tte. Man hat es eben nicht mit Disney zu tun.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Hauptfigur, wie alle Tiere des Films lediglich an einem Schild erkennend als das benannt, was sie ist, n\u00e4mlich Dog, ist einsam und legt sich als Gegenma\u00dfnahme dazu einen Roboter zu. Der erkundet mit Dog die Welt, man sieht sie durch seine Augen auch nochmal neu und erfreut sich an den unz\u00e4hlbaren Details, die das Leben mit sich bringt. Bis Dog auf die Idee kommt, mit dem Roboter im Meer baden zu gehen und der danach am Strand festrostet. Am n\u00e4chsten Tag will Dog ihn aus seiner misslichen Lage befreien, doch ist das der erste Tag der Wintersaison, der Strand ist gesperrt und der Roboter bleibt bis zum Beginn der Sommersaison im n\u00e4chsten Juni unerreichbar. Beide gehen mit der Situation unterschiedlich um: Der Roboter verliert sich in Fantasien, wird zerst\u00fcckelt und letztlich von Schrottj\u00e4gern auf eine Deponie verh\u00f6kert, wo ihn Rascal, der Waschb\u00e4r, in Fragmenten aufsp\u00fcrt, neu zusammensetzt und ihn zu sich nach Hause mitnimmt. Dog sucht zun\u00e4chst vergeblich nach Rettungsm\u00f6glichkeiten, versucht es bald mit anderen New Yorkern als Freunden und kauft sich schlie\u00dflich, weil er im Juni den Platz am Strand verwaist vorfindet, einen neuen Roboter. Nat\u00fcrlich l\u00e4uft es nun auf ein Wiedersehen der beiden Figuren hinaus, das w\u00fcnschen sich doch alle!<br><br>Die erste H\u00e4lfte des Filmes m\u00fcsste man sich in Einzelbildern ansehen, so viele Details versteckt Regisseur Pablo Berger hier im Sekundentakt. Die Welt ist von Tieren bev\u00f6lkert, die allesamt menschlichen Aktivit\u00e4ten und denen ihrer jeweiligen Rasse nachgehen, alles vor der Kulisse eines New York in den Achtzigern. Jede Sequenz ein Wimmelbild, \u00fcberall versteckte Gags, die Leinwand quillt \u00fcber vor Ideen. Dazu w\u00e4hlt Berger bisweilen Perspektiven, die man mit realen Kameras niemals hinbekommen h\u00e4tte, da reizt er das Medium Zeichentrick bis \u00fcber die R\u00e4nder hinaus aus. Im Wortsinne: Als der Roboter einmal wieder von seiner Rettung tr\u00e4umt, dreht er die Kinoleinwand um die vertikale Achse und verschwindet in einem Blumenfeld, dessen Pflanzen mit ihm einen Irish Dance auff\u00fchren. Elefanten und M\u00e4use im Ruderboot, TV-Werbung, Nachbarn, Vergn\u00fcgungsparksituationen, U-Bahn-Fahrten, Punks mit Stinkefinger, \u00fcberall tummeln sich Easter Eggs. Man f\u00fchlt sich in diesem New York fast wie bei \u201eFritz The Cat\u201c, nur etwas familientauglicher.<br><br>Doch dann wendet sich die Stimmung, darauf muss man sich einlassen. Die Fr\u00f6hlichkeit vergeht und nimmt die Ausgelassenheit mit sich, die Bilder werden langsamer, einfacher, schwerm\u00fctiger, die Gags seltener. Erst zum Finale hin rei\u00dft der Film das Ruder wieder herum und l\u00e4sst das Leben neu sprie\u00dfen, jedoch mit anderen Bl\u00fcten als angenommen. Eine sch\u00f6ne \u00dcberraschung. Man wundert sich lediglich, warum Dog nicht auf die Idee kam, sich dem Strand von Seeseite aus zu n\u00e4hern und dass er \u00fcberhaupt irgendwann so passiv wirkte, aber das geh\u00f6rt wohl zu seinem melancholischen Naturell.<br><br>Diese zweite H\u00e4lfte hat zwar einige L\u00e4ngen \u2013 die Szene beim Bowlen mit dem Schneemann deutet zwar nett auf \u201eThe Big Lebowski\u201c, doch handelt es sich da nicht um einen Traum des Roboters, sondern von Dog, und ist damit etwas willk\u00fcrlich eingebaut \u2013, aber das mindert die Freude an dem Film kaum. Man beh\u00e4lt viele positive Details im Kopf, wenn man das Kino verl\u00e4sst: Etwa, dass die Figuren sich zwar an den H\u00e4nden halten, dass dies aber nicht Ausdruck von sexuell motivierter Zusammenkunft ist, sondern von Freundschaft, und daher bei den Figuren nicht immer eine eindeutige Geschlechtszuordnungen erfordert. Dann der Einsatz von Musik, meistens bildet \u201eSeptember\u201c von Earth, Wind &amp; Fire die Grundlage f\u00fcr eingesetzte Themen, anfangs auch mal Metal im Musikfernsehen oder Punkrock bei den Stra\u00dfenpunks, sp\u00e4ter ein Pianoscore. Die Wortlosigkeit funktioniert tadellos, wie bei Veit Helmer oder \u201eShaun, das Schaf\u201c, hier \u00fcbernehmen Blicke oder Gesten die Kommunikation.<br><br>Das hier ist nicht Studio Ghibli und ganz besonders nicht Walt Disney, aber auch nicht so r\u00e4udig wie \u201eHeavy Metal\u201c, der Stil und der Sound sind eigen genug. Da wei\u00df man gar nicht, ob man sich die Geschichte in nicht-animiert und ohne Bergers Dynamik als starre Graphic Novel anschauen mag \u2013 auf dem gleichnamigen Buch von Sara Veron basiert der Film n\u00e4mlich, in Deutschland 2008 verlegt als \u201eRobo und Hund: Wahre Freundschaft rostet nicht\u201c. Elektrische Schafe gibt\u2019s hier \u00fcbrigens keine.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (12.05.2024) \u00dcberbordend vor Einf\u00e4llen beginnt diese Begegnung eines humanoiden Roboters mit einem anthropomorphen Hund im New York der Achtziger, vor dem Fall der Twin Towers, und das als Zeichentrickfilm im klaren Cartoonstil ohne gesprochene Worte, aber mit &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/robot-dreams-pablo-berger-e-f-2023\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-6337","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kino"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6337","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6337"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6337\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6338,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6337\/revisions\/6338"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6337"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6337"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6337"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}