{"id":6328,"date":"2024-05-06T21:34:14","date_gmt":"2024-05-06T19:34:14","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6328"},"modified":"2024-05-06T21:34:14","modified_gmt":"2024-05-06T19:34:14","slug":"einstuerzende-neubauten-rampen-apm-alien-pop-music-potomak-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/einstuerzende-neubauten-rampen-apm-alien-pop-music-potomak-2024\/","title":{"rendered":"Einst\u00fcrzende Neubauten \u2013 Rampen (APM: Alien Pop Music) \u2013 Potomak 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Einstuerzende-Neubauten-Rampen-APM.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"124\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Einstuerzende-Neubauten-Rampen-APM.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6329\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (06.05.2024)<br><br>\u201eWie lange noch?\u201c, fragt Blixa Bargeld zu Beginn, und man kann nach diesem Doppel-Album, das auch auf nur eine CD gepasst h\u00e4tte, nur hoffen, dass die Antwort irgendwas Zustimmendes mit \u201esehr\u201c beinhaltet. Man kann das neue Album \u201eRampen (apm: alien pop music)\u201c auf zwei Arten h\u00f6ren: mit und ohne Hintergrundwissen, und beide M\u00f6glichkeiten \u00f6ffnen Augen und Ohren. Denn bei den \u201eRampen\u201c handelt es sich um eine auf Improvisation fu\u00dfende Kompositionsvariante der Einst\u00fcrzenden Neubauten, mit der s\u00e4mtliche 15 Tracks entstanden sind \u2013 die indes auch ohne dieses Wissen als gro\u00dfartige Musik beeindrucken. Wer kann, der kann.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ja, die Neubauten haben sich ver\u00e4ndert, seit sie 1980 in Berlin mit l\u00e4rmender Schrottmusik auf den Plan traten, und nein, sie sind heute trotzdem keine andere Band als damals, die nur mehr dem Feuilleton gefallen will \u2013 \u201eSilence Is Sexy\u201c, und die Stille der Neubauten birgt noch mehr als hinreichend Unbequemlichkeiten, die wahrnehmen lassen, dass da Leute am Handwerk sind, die unangepasst ihre Sache umsetzen, und unangepasst ber\u00fchrt hier wiederum nicht nur das finanzkr\u00e4ftige Elbphilharmonie-Publikum, sondern auch die Altfans, die mit der Ruhigwerdung ihrer Experimental-Krach-Helden unzufrieden sind. Die vorliegenden \u201eRampen\u201c bedienen indes beide Seiten des Publikums, und \u201eBesser isses\u201c.<br><br>Ein nicht geringer Teil der Songs erf\u00fcllt die in den Neunzigern in den Sound erg\u00e4nzte Richtung der Stille, die Neubauten generieren eine fragile Tiefe, der man sich bewusst hingeben muss, die zum genaueren Hinh\u00f6ren herausfordert. Die Band bringt noch genug aufregende Details auch in den reduzierten Songs unter, auf die sie wohl ohne die Erfahrung mit der Improvisation, mit dem Arrangieren von Fundst\u00fccken, mit der akustischen Brachialit\u00e4t gar nicht h\u00e4tten kommen k\u00f6nnen. Wenn dabei dann eine Musik herauskommt, die man mit Fug und Recht als sch\u00f6n bezeichnen kann, ist das kein Widerspruch zum l\u00e4rmenden Beginn der Karriere \u2013 sondern eine konsequente Fortentwicklung, die einen banalen Stillstand vermeidet. Kann man mitgehen, muss man nicht, \u201eEs k\u00f6nnte sein\u201c, lohnt sich aber, denn so kommen die zauberhaften Gitarrenfiguren, die dem franz\u00f6sischen Chanson der Sechziger entliehenen Bassgrooves und die sakralen Chorges\u00e4nge erst richtig zur Geltung. \u201eIsso isso\u201c!<br><br>\u00c4h, ja: So etwas gibt\u2019s bei den Neubauten zu h\u00f6ren, und eigentlich ja nicht erst auf den \u201eRampen\u201c, mit solcherlei Sounds spielen die Berliner ja schon l\u00e4nger herum, eignen es sich an und machen es sich eigen. Hei\u00dft: Wer der Band auch seit sagen wir \u201eEnde neu\u201c 1996 treu geblieben ist, findet sich auf \u201eRampen\u201c mit Leichtigkeit zurecht. \u00c0 propos, das neue \u201eIst ist\u201c schlie\u00dft vom Titel her nahezu direkt an den Song \u201eWas ist ist\u201c vom n\u00e4mlichen Album an. \u00dcberhaupt bekommt man hier viele vertraute Signatursounds dargeboten, beginnend beim hohen Kreischen von Blixa Bargeld oder dessen limitierte Melodievielfalt; zwischen Erz\u00e4hlen und Zweitonmelodien finden sich seit Jahren kaum Erweiterungen, egal, ob bei den Neubauten, mit Teho Teardo oder sonstwie solo, aber das steckt man so ein, man h\u00f6rt ihm ja gern zu, auch deshalb, weil man gelernt hat, dass die Neubauten nicht nur f\u00fcr Dekonstruktion stehen, sondern diese gelegentlich mit Humor begleiten. Alles andere ist dann eben Rumpeln und Ramentern, Scheppern und Klickern, wie man es von den Neubauten kennt, nur mit mehr Struktur als anno dunnemals, also h\u00f6rbarer und trotzdem Industrial, immer noch L\u00e4rm genug f\u00fcr sowohl Zartbesaitete als auch f\u00fcr im Punk Gereifte.<br><br>Wie es dazu kam, dass das Album so klingt, wie es klingt, verr\u00e4t Bargeld in diversen Interviews. \u201eIck wees nich (Noch nich)\u201c, aber bald: Auf ihrer Tour vor zwei Jahren improvisierte die Band live herum und nahm diese experimentellen Schnipsel als Grundlage f\u00fcr das vorliegende Album; f\u00fcr diese Live-Impros verwendet die Band selbst intern den Begriff \u201eRampen\u201c und baut sie gern in ihre Sets ein, jetzt also macht sie einmal mehr draus. Man kann es als erfrischend auffassen, dass die Neubauten in der Mitte ihres f\u00fcnften Jahrzehnts noch mit neuen Herangehensweisen aufwartet \u2013 wenn das Ergebnis auch noch so gro\u00dfartig ist wie das vorliegende Album, kann man darauf bauen, dass die f\u00fcnf Musiker \u00fcber die Jahre ordentlich was an F\u00e4higkeiten aus dem Schrott gezimmert haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (06.05.2024) \u201eWie lange noch?\u201c, fragt Blixa Bargeld zu Beginn, und man kann nach diesem Doppel-Album, das auch auf nur eine CD gepasst h\u00e4tte, nur hoffen, dass die Antwort irgendwas Zustimmendes mit \u201esehr\u201c beinhaltet. 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