{"id":629,"date":"2013-11-02T22:26:28","date_gmt":"2013-11-02T21:26:28","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=629"},"modified":"2013-11-02T22:26:28","modified_gmt":"2013-11-02T21:26:28","slug":"jean-yves-ferrididier-conrad-asterix-35-bei-den-pikten-ehapa-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/jean-yves-ferrididier-conrad-asterix-35-bei-den-pikten-ehapa-2013\/","title":{"rendered":"Jean-Yves Ferri\/Didier Conrad \u2013 Asterix (35) bei den Pikten \u2013 Ehapa 2013"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-630\" title=\"Asterix bei den Pikten\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Asterix-bei-den-Pikten.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"134\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (02.11.2013)<\/p>\n<p>Man muss es so sagen: Dies ist der erste gute Asterix-Band seit weit mehr als 20 Jahren. Bitter, was der verbliebene Sch\u00f6pfer Albert Uderzo nach dem Tod des Texters Ren\u00e9 Goscinny aus der einst so guten Serie zuletzt f\u00fcr einen Mist gemacht hat. Okay, es klingt wom\u00f6glich wilder, als es ist, betrifft es doch trotz all der Jahre lediglich ein halbes Dutzend B\u00e4nde. Jetzt gab er aber endlich den Griffel ab. Da kann man nat\u00fcrlich sagen: Das ist wie Queen ohne Freddy Mercury und also nicht mehr Asterix; man kann auch sagen: Das ist wie bei den Drei Fragezeichen, wo auch Fans die Serie weiterschreiben. So verh\u00e4lt es sich n\u00e4mlich bei den \u201ePikten\u201c: Es finden sich Versatzst\u00fccke aus der glorreichen Asterix-Zeit mit einer beliebigen Rahmenhandlung und einigen gelungenen Gags. W\u00e4re dieser Band indes gar nicht erschienen, h\u00e4tte man \u201eGallien in Gefahr\u201c (beziehungsweise \u201eAsterix feiert Geburtstag\u201c) als letzten Band in Erinnerung behalten, und das w\u00e4re wirklich ein unsch\u00f6nes Ende f\u00fcr die Serie gewesen; schade ist es aber, dass es nicht Uderzo selbst war, der nochmal die Kurve kriegte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Immerhin sind Ferri und Conrad keine Jungspunde von der Akademie (sondern beide Jahrgang 1959), die alles besser und moderner machen wollen. Im Gegenteil, Conrad eignet sich Uderzos Stil fr\u00fcherer Tage recht \u00fcberzeugend an. Das muss wiederum deprimierend sein, sich als K\u00fcnstler dergestalt selbst aufzugeben und in den Schatten des Gro\u00dfmeisters zu stellen. Immerhin, damit erh\u00e4lt er die Seele der Serie zumindest optisch schon mal. Keine Raumschiffe, kein Micky Maus, die Panels \u00fcberwiegend klein genug, um genug Geschichte unterzubringen, anstatt sie mit gro\u00dfen Bildern knapp zu halten. Auch die neuen Figuren sehen so aus, wie man sie sich bei Uderzo vorgestellt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>In dieser Geschichte greift Texter Ferri auf die altbew\u00e4hrte Methode zur\u00fcck, die Gallier historische Volksst\u00e4mme an exotischen europ\u00e4ischen Orten besuchen zu lassen. Dieses Mal die Pikten in Neukaledonien, also Schotten in der nach ihnen benannten Gegend. Das nimmt Ferri zum Anlass f\u00fcr die \u00fcblichen V\u00f6lker-Klischees (hier: Whisky, T\u00e4towierungen, Karos, Kilts, Baumstammwerfen, Nessie, Rock&#8217;n&#8217;Roll) und f\u00fcr wieder dichter an Goscinny gelehnte Wortspiele (Piktogramme, pikiert, Macker (wegen Mac) und dergleichen weitere Gags, \u00fcber die man wirklich mindestens schmunzeln kann). Aber: Die Geschichte ist recht banal und l\u00e4sst es an Goscinnys Komplexit\u00e4t vermissen, und die Gags und Versatzst\u00fccke sind wie falsche Legosteine bisweilen recht unmotiviert in die Story gesetzt: Von jetzt auf eben brechen Asterix und Obelix etwa in Streit aus, der sofort auch wieder beendet ist. Oder die Gags sind v\u00f6llig unmotiviert und ohne Zusammenhang; Haupt-Pikte Mac Aphon (der \u00fcbrigens derbe nach einer anderen Comicfigur von Goscinny und Uderzo aussieht, Umba-Pah n\u00e4mlich) zitiert st\u00e4ndig irgendwelche Popsongs oder Musikstile, und im kleinen gallischen Dorf ist ein r\u00f6mischer Volksz\u00e4hler unterwegs, auf den die Dorfbewohner zwar genervt reagieren, ihn aber nicht hochkant hinauswerfen. Manche Gags versteht man gar nicht \u2013 was aber auch an der \u00dcbersetzung liegen kann. \u00c0 propos: Bis Band 29, also just bis zum Qualit\u00e4tsabfall auch beim Autoren, war Gudrun Penndorf die sehr gute \u00dcbersetzerin der Serie. Danach dachten die \u00dcbersetzer, es w\u00e4re lustig, zeitgen\u00f6ssische Ph\u00e4nomene unterzubringen, was dazu f\u00fchrte, dass die Gags in den B\u00e4nden schnell veralteten. Der jetzige \u00dcbersetzer Klaus J\u00f6ken hat seinen Job so gemacht, dass die \u201ePikten\u201c das Zeug zur Langfristigkeit haben. Gut ist \u00fcbrigens, dass Ehapa jetzt auf das v\u00f6llig ignorant die Originale zerst\u00f6rende Druckschriftlettering verzichtet und eine Art Handlettering in die Sprechblasen quetscht \u2013 das allerdings ausschlie\u00dflich in Kapitalen erfolgt und daher nur recht schwer lesbar ist.<\/p>\n<p>Einiges machen die neuen Autoren auch bewusst anders. So l\u00e4sst Obelix seinen Gef\u00e4hrten Idefix im Dorf zur\u00fcck, und Troubadix wird einmal per gestelltem Bein ins Meer bef\u00f6rdert anstatt per Faust in den Boden. Das ist virtuos und genehmigt, das h\u00e4tte den Alten auch eingefallen sein k\u00f6nnen. Im Rahmen der sonstigen recycelten Running-Gags (\u201eIch bin nicht dick\u201c) erinnern sie eben auf souver\u00e4ne Weise daran, wie diese Elemente fr\u00fcher aussahen.<\/p>\n<p>An Asterix gibt es aber auch grunds\u00e4tzlich etwas auszusetzen, trotz allem Guten, Lustigen, Informativen, gar Kultigen. Die L\u00e4nderstereotypen zum Beispiel sind nur mit dem Augenzwinkern der Autoren akzeptabel, anderen h\u00e4tte man schnell Rassismus vorgeworfen, etwa dem fr\u00fchen Herg\u00e9. Dann l\u00f6sen die Gallier ihre Konflikte zwar haupts\u00e4chlich mit Asterix&#8216; K\u00f6pfchen, grunds\u00e4tzlich aber auch immer wieder mit Gewalt. Und dann ist die Freundeskonstellation von Asterix und Obelix unglaubw\u00fcrdig, wie bei Micky und Goofy: W\u00fcrden ein Superschlauer und ein Idiot wirklich so enge Freunde sein, dass der eine st\u00e4ndig auf des anderen Dummheit herumhackt? Da sind Spirou und Fantasio als Gespann deutlich \u00fcberzeugender. Erstaunlich \u00fcbrigens, dass all die negativen Eigenschaften auch auf TKKG zutreffen. Aber das nur am Rande.<\/p>\n<p>\u201eAsterix bei den Pikten\u201c macht Hoffnung darauf, dass die Serie nicht vollends in den Schund abdriftet. Wenn das neue Autorenteam jetzt etwas mehr Eigenst\u00e4ndigkeit entwickelt und den Respekt vor den Meistern zugunsten seiner eigenen Kreativit\u00e4t ablegt, k\u00f6nnte Band 36 ein richtig guter werden. Wo \u00fcbrigens sind die r\u00f6mischen Ziffern abgeblieben?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (02.11.2013) Man muss es so sagen: Dies ist der erste gute Asterix-Band seit weit mehr als 20 Jahren. 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