{"id":6280,"date":"2024-04-15T21:04:12","date_gmt":"2024-04-15T19:04:12","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6280"},"modified":"2024-04-15T21:04:12","modified_gmt":"2024-04-15T19:04:12","slug":"meat-beat-manifesto-merzbow-extinct-cold-spring-records-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/meat-beat-manifesto-merzbow-extinct-cold-spring-records-2024\/","title":{"rendered":"Meat Beat Manifesto &amp; Merzbow \u2013 Extinct \u2013 Cold Spring Records 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Meat-Beat-Manifesto-Merzbow-Extinct.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Meat-Beat-Manifesto-Merzbow-Extinct.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6281\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (15.04.2024)<br><br>Die ersten paar Sekunden des Openers sind noch so, wie man sie sich erhofft: ein Breakbeat der hektisch groovenden Marke Meat Beat Manifesto mit ordentlich Schlagseite. Doch dann schl\u00e4gt Merzbow zu und macht aus dem ganzen Album, das physisch \u00fcberdies nur aus zwei Tracks besteht, einen Shred. Experimental Noise, sagt das tempor\u00e4re Duo dazu, ja, kann man so gelten lassen \u2013 \u201eExtinct\u201c wirft die altbekannte Ignoranz-Floskel \u201eIst das noch Musik?\u201c in den Gartenh\u00e4cksler. Und danach in die Autopresse. Und danach in den K\u00fcchenmixer. Und danach in den Dokumentenvernichter. Und danach auf Onkel Titus\u2018 Kreiss\u00e4ge. Zwar zieht sich tats\u00e4chlich ein Takt durch das Album, aber h\u00f6rbar ist es nur bedingt. Free Jazz ist dagegen Kinderkarussell, Autechre sch\u00f6ner Radiopop. Haben muss man \u201eExtinct\u201c als MBM-Sammler nat\u00fcrlich trotzdem.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nein, das Ger\u00e4t ist nicht kaputt, das soll so. Also, alle Ger\u00e4te, auch wenn die Musik, die Akita Masami (\u79cb\u7530 \u660c\u7f8e) alias Merzbow (\u30e1\u30eb\u30c4\u30d0\u30a6, angelehnt an Kurt Schwitters\u2018 Merzbau) aus ihnen herausholt, so klingt also ob. Nix l\u00e4sst er heile, alles zerschrotet er, auf H\u00f6rbarkeit oder Zug\u00e4nglichkeit hat er keinen Bock. Jack Dangers schon, deshalb l\u00e4sst er sich erstmals nach dem \u201eGod O.D. \u2013 Parts 2\u201c-Remix, den der Japaner 2003 f\u00fcr den Briten und dessen \u201eStorm The Studio R.M.X.S.\u201c-Album anfertigte, auf ein gemeinsames Projekt ein. Und das klingt mehr nach Merzbow als nach MBM, obschon auch Dangers dem Jazz sehr zugeiengt ist: Die wenigen erkennbaren Drumsounds machen aus \u201eExtinct\u201c noch keine tanzbare Musik, Masami wei\u00df schon, wie er zerst\u00f6rt und auf den Tr\u00fcmmern metallene Ver\u00e4stelungen und harschdorniges Gestr\u00fcpp wuchern lassen kann.<br><br>Aus Dangers\u2018 Beats erwachsen Glitches, die Masami zu unbequemen, hektischen Fl\u00e4chen drillt. Wie ein viel zu schneller Puls kreischt der erste Track, \u201e\u00a1FLAKKA!\u201c gehei\u00dfen, auf einem minimalen rudiment\u00e4r erkennbaren komplett geschredderten Rhythmus, \u00fcber dem Fiepen, Flirren, Noises, Rauschen und Dr\u00f6hnen liegen. Gelegentlich l\u00e4sst Merzbow eine Ahnung von MBMs Breakbeat durchscheinen, wie beim Blick in eine Mischung aus Geysir und Vulkan, wenn man von oben betrachtet die vertraute Welt dabei beobachten kann, wie sie in Tr\u00fcmmer gelegt wird. Wie zum Hohn gibt\u2019s den Track in der Download-Variante des Albums als Bonus im \u201eRadio Edit\u201c. Der Hohn verdoppelt sich, weil der Viermin\u00fcter sowohl auf CD als auch auf Vinyl noch Platz gehabt h\u00e4tte, bei zusammen nur 36 Minuten Musik. Noch mehr Hohn: Der Edit fokussiert die MBM-Anteile mehr als die 20-min\u00fctige Langversion und ist tats\u00e4chlich beinahe so etwas wie tanzbar. \u201eFlakka\u201c ist der Name f\u00fcr alpha-Pyrrolidinopentiophenon, eine auch als Flex oder Peevee gehandelte synthetische Droge; auch ohne die Konsumerfahrung k\u00f6nnte man annehmen, der danach benannte Track klinge, als h\u00e4tte man sie genommen.<br><br>Das viertelst\u00fcndige \u201eBurner\u201c dockt an Oldschool-Rhythm-And-Noise an, man h\u00f6rt die rhythmischen Industrial-Sounds von etwa Dive oder Sonar heraus. Dabei bleibt es nat\u00fcrlich nicht, Merzbow hat noch ausreichend zerst\u00f6rerisches Potential, um hier extragro\u00dfe Metallteile aneinanderschaben zu lassen, Bomben zu z\u00fcnden, die Kontrolle \u00fcber ein Dutzend Laserkanonen zu verlieren, Industrierobotern beim Schwei\u00dfen zuzugucken und einen Dokumentarfilm \u00fcber afrikanische Raubtiere verlangsamt und auf voller Lautst\u00e4rke zu gucken. Der Track ist abwechslungsreicher als der erste, durchaus.<br><br>Was haben wir hier also: Anarchie, freie Kunst, noch freieren Jazz, Unangepasstheit, einen Fick f\u00fcr Erwartungen und Bock auf Zerst\u00f6rung. Und Leute, die sich das Ergebnis dann auch noch kaufen. Gern geschehen! Steht im Regal ab sofort neben \u201eShe\u201c von Maldoror, dem gemeinsamen Projekt von Merzbow und Mike Patton aus dem Jahr 1999, das man noch weniger h\u00f6ren kann als \u201eExtinct\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (15.04.2024) Die ersten paar Sekunden des Openers sind noch so, wie man sie sich erhofft: ein Breakbeat der hektisch groovenden Marke Meat Beat Manifesto mit ordentlich Schlagseite. 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