{"id":6269,"date":"2024-04-09T19:50:07","date_gmt":"2024-04-09T17:50:07","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6269"},"modified":"2024-04-09T19:50:07","modified_gmt":"2024-04-09T17:50:07","slug":"geister-exodus-riget-exodus-lars-von-trier-dk-2022-plaion-pictures-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/geister-exodus-riget-exodus-lars-von-trier-dk-2022-plaion-pictures-2024\/","title":{"rendered":"Geister: Exodus (Riget \u2013 Exodus) \u2013 Lars von Trier \u2013 DK 2022\/Plaion Pictures 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Lars-von-Trier-Geister-Exodus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"157\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Lars-von-Trier-Geister-Exodus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6270\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (09.04.2024)<br><br>Die zweite Staffel der Krankenhaus-Serie \u201eGeister\u201c, im Original \u201eRiget\u201c, international \u201eThe Kingdom\u201c, lie\u00df 1997 viele Fragen unbeantwortet. 25 Jahre sp\u00e4ter nimmt Regisseur Lars von Trier, ganz wie sein Vorbild David Lynch mit \u201eTwin Peaks\u201c, mit \u201eGeister: Exodus\u201c die F\u00e4den wieder auf, l\u00e4sst eine Karen an die Stelle der Geisterseherin Sigrid Drusse treten, reibt sich an Schweden und seiner eigenen Biografie auf und vermengt abermals Aber- und sonstigen Witz mit Horror und Grusel. Das Ende hinterl\u00e4sst indes wiederum Fragen und die Betrachtenden verunsichert: Was war denn das jetzt?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es geht gut los, auf der Metaebene und somit mit dem Anschein von Dokumentation: Karen guckt sich \u201eRiget 2\u201c auf DVD an und ist stinksauer, dass das Ende so Schei\u00dfe ist. Solcherlei Meta-Elemente finden sich allenthalben in Staffel 3: Der Wachmann am Eingang ist stinkig auf den \u201eIdioten Trier\u201c, der sich die Drusse und den Lillebror nur ausgedacht hat, eine asiatische Touristengruppe verfolgt eine F\u00fchrung zu den Drehpl\u00e4tzen, eine Krankenschwester empfindet die Serie als sch\u00e4dlich f\u00fcr den Ruf des Hauses, Lars von Triers immer noch nicht ger\u00e4umtes B\u00fcro ist Schauplatz. Mit Humor nimmt einen der Regisseur aus dem Stand f\u00fcr sich ein, so bleibt es auch f\u00fcr die erste halbe Stunde: Der Sohn des schwedischen Chefarztes Helmer, Helmer Jr., tritt eine Stelle am Reichskrankenhaus \u2013 Riget \u2013 an, und nimmt wie sein Vater selig die Radkappen von seinem Volvo mit und verzweifelt am d\u00e4nischen Wesen und am alkoholseligen Trinkspiel.<br><br>Und schon dringt das Dunkle ein: Karen findet einen verlassenen Gang im Keller und wird ohnm\u00e4chtig, das Fundament des Hauses zeigt schon wieder blutende Risse. Ein Grand Duc genannter D\u00e4mon, dargestellt von Willem Dafoe, kann sich in eine Eule verwandeln und frisst eine zur Ratte gewordene Krankenschwester. Da ist man mittendrin in der Melange aus Selbst- und Gesellschaftskritik, Horror, Kom\u00f6die und Slapstick, im typischen Sepia gedreht und mit den typischen Dogme95-Jumpcuts montiert, mit Spezialeffekten durchsetzt, die man in einer solchen wackeligen Handkamera-Doku nicht erwartet h\u00e4tte und die daher umso realistischer wirken. Lars von Trier eben.<br><br>Jener ist seit Jahren als Provokateur verschrien, war wegen Nazi-\u00c4u\u00dferungen, unterstellter Misogynie und Missbrauchsvorw\u00fcrfen im Zentrum der \u00d6ffentlichkeit, und konnte sich noch immer selbst glaubhaft rehabilitieren. Das nimmt er zum Anlass, Helmer Jr. in einen Rechtsstreit mit der schwedischen Krankenschwester Anna zu treten, die ihn provoziert und dann verklagt; da ist das Verhalten beider Figuren nicht nur r\u00e4tselhaft, sondern bescheuert, mithin ergreift von Trier f\u00fcr keinen von ihnen Partei, sondern entbl\u00f6\u00dft das Absurde. Das allerdings so \u00fcberzogen, dass es bald nervt und in sich unentschieden wirkt. Bis hin zum Finale des merkw\u00fcrdigen Paares auf der Storeb\u00e6ltbr\u00fccke.<br><br>Ja, puh. Beide Figuren sind \u00fcberdies Teil der anonymen Schweden, die sich im Keller treffen und gegen die herablassenden D\u00e4nen verschw\u00f6ren. Da beweist von Trier Selbstironie: Die Schweden wollen sabotieren und den Betrieb verlangsamen, erkennen aber bald, dass sie nicht zerst\u00f6rerischer oder langsamer als die bekloppten D\u00e4nen sein k\u00f6nnen. Die wiederum mit skurrilen Traditionen und Ritualen aufwarten, wie man es bereits aus den ersten beiden Staffeln kennt, nur \u00fcberzieht von Trier es auch hier immens und kippt zu oft ins Alberne.<br><br>Dabei hat er doch genug zu erz\u00e4hlen: von Lillebror, dem von Udo Kier gespielten Sohn, den die Krankenschwester Judith mit dem Geist von \u00c5ge Kr\u00fcger zeugte und dessen \u00fcberm\u00e4\u00dfiges Wachstum der ersten Staffeln nun darin m\u00fcndet, dass er sich als Gigant in den F\u00e4rberteichen unterhalb des Krankenhauses in seiner Rolle als dessen Gatekeeper dadurch in Gefahr begibt, dass er in seinen eigenen Tr\u00e4nen versinkt, etwa. Judith l\u00e4uft noch immer in den Katakomben herum, ihr Ex Kroge, der seinen Ruhestand als Punk in der Opiumh\u00f6hle der emeritierten \u00c4rzte ebenfalls im Keller verbringt, tritt bald als Begleiter der technikaffinen Karen und ihrem Pfleger, der von allen als Nachfolger von Bulder gehandelt wird, den Kampf gegen die b\u00f6sen Geister an. Dabei sto\u00dfen sie unter anderem auf spiegelverkehrte b\u00f6se Versionen ihrer selbst und treffen in der Unterwelt auf Mona, die aus den vertrauten Baukl\u00f6tzen eine Botschaft legt, die f\u00fcr einen der eher \u00fcberzogenen Handlungsstr\u00e4nge relevant ist. Ja, derbe unheimlich, trotzdem.<br><br>Interessanterweise birgt auch die Skurrilit\u00e4t der Figuren eine Stringenz: Der mental \u00fcberforderte Arzt Pontopidan, den Lars Mikkelsen grandios verk\u00f6rpert, findet in den absurden Situationen stets eine in sich schl\u00fcssige Argumentation f\u00fcr den Unsinn. Der j\u00e4hzornige Naver flucht in Gegens\u00e4tzen: \u201eEntweder lade ich euch alle in das teuerste und beste Restaurant der Stadt ein, oder ich s\u00e4ge ihren Kopf auf und mache aus ihrem Gehirn Hackfleisch\u201c; eine solcher Optionen ist auch, sich selbst das Auge mit einem L\u00f6ffel herauszunehmen, was er tats\u00e4chlich beherrscht und was ihm nach einer kuriosen Szene neben Brad Pitts Figur in \u201eBurn After Reading\u201c einen Ehrenplatz einbringt. Auch die Spiegelung als Erkennungsmerkmal f\u00fcr das B\u00f6se bekommt mehrmals Relevanz.<br><br>\u00dcberdies zitiert sich von Trier reihenweise selbst, greift auf Bilder und Geschehnisse der ersten Staffeln zur\u00fcck wie den blutigen Handabdruck, hier in einem Geisterhubschrauber, die Volvo-Radkappen oder den Ausruf \u201eD\u00e4nischer Abschaum\u201c; einiges davon \u00fcberdreht er jedoch. Man findet sich aber sofort in der Fortsetzung zurecht, zumal er auch die noch lebenden Schauspieler in ihren Rollen wieder auftreten l\u00e4sst, nach und nach; eingebaute R\u00fcckblenden erm\u00f6glichen au\u00dferdem auch Neuzuschauern den Zugang.<br><br>Tja, und dann l\u00e4sst von Trier alles einigerma\u00dfen schl\u00fcssig in ein Finale m\u00fcnden, in dem ein Geist dem wissenden Trio aus Karen, Bulder und Kroge Tipps daf\u00fcr gibt, wie das klaffende Tor zur H\u00f6lle wieder geschlossen werden kann. Man wundert sich noch, wie leichtfertig sich der Grand Duc das Heft aus der Hand nehmen l\u00e4sst, und untersch\u00e4tzt von Trier, der n\u00e4mlich keine guten Absichten hat. Das Ende ersch\u00fcttert so sehr wie das aus \u201eDie neun Pforten\u201c; dabei wunderte man sich die ganze Zeit \u00fcber schon, warum die gottgl\u00e4ubige Karen so schwarze Augen hat, wie man es ansonsten von d\u00e4monischen Darstellungen im Film kennt. Da nimmt es nicht Wunder, dass der \u201eAntichrist\u201c-Regisseur zuletzt einen Auftritt als Satan hat. Und, als Kr\u00f6nung in diesem gefallenen K\u00f6nigreich, filmisch auch noch \u201eDas siebte Siegel\u201c von Ingmar Bergman zitiert \u2013 einem Schweden!<br><br>Das Ende hinterl\u00e4sst die Zuschauenden mit Magengrummeln und Fragen. Warum hat sich Judith umgebracht? Was wurde aus der Leiche von Lillebror, der sich hier Storebror \u2013 also Gro\u00dfer Bruder, nicht \u201eBruderherz\u201c, wie es auf Deutsch hei\u00dft \u2013 nennt? Betrifft der Exodus nur das Riget oder die ganze Welt? Warum entscheidet sich von Trier f\u00fcr diesen Abgrund? Immerhin gibt er Antworten auf Fragen, die man sich teilweise nicht einmal stellte, darunter, wer wirklich f\u00fcr den Zustand von Mona verantwortlich ist oder was aus Sigrid Drusse wurde.<br><br>Es empfiehlt sich \u00fcbrigens, sich die Serie im Original anzusehen, wie schon \u201eDie Br\u00fccke (Broen\/Bron)\u201c, weil einem sonst entgeht, in welcher Sprache sich die Leute gerade verst\u00e4ndigen oder missverstehen. Au\u00dferdem klingt es besser. Die Optionen f\u00fcr eine vierte Staffel sind mit dem Schluss gleichzeitig offen wie geschlossen, mit von Triers Parkinson-Erkrankung indes sehr unwahrscheinlich. Nachdem von Trier vor zwei Jahren eine Langfilmfassung von \u201eRiget \u2013 Exodus\u201c in Venedig auff\u00fchrte, kommt es jetzt als F\u00fcnfteiler auf DVD und BluRay heraus. Trotz des unbefriedigenden Endes und des Klamauks lohnt sich der Horrorspa\u00df \u2013 inklusive Elevatornisse Rigmor, Tellerw\u00e4scher, mittelfeinen TK-Erbsen und vielen weiteren mehr als unterhaltsamen Bestandteilen. F\u00fcr die ganz Neuen gib\u2019ts auch alle drei Staffeln als Box.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (09.04.2024) Die zweite Staffel der Krankenhaus-Serie \u201eGeister\u201c, im Original \u201eRiget\u201c, international \u201eThe Kingdom\u201c, lie\u00df 1997 viele Fragen unbeantwortet. 25 Jahre sp\u00e4ter nimmt Regisseur Lars von Trier, ganz wie sein Vorbild David Lynch mit \u201eTwin Peaks\u201c, mit \u201eGeister: &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/geister-exodus-riget-exodus-lars-von-trier-dk-2022-plaion-pictures-2024\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,20],"tags":[],"class_list":["post-6269","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-film-dvd","category-tv"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6269","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6269"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6269\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6271,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6269\/revisions\/6271"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}