{"id":6245,"date":"2024-03-27T21:46:12","date_gmt":"2024-03-27T20:46:12","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6245"},"modified":"2024-03-27T21:46:12","modified_gmt":"2024-03-27T20:46:12","slug":"the-cassandra-complex-death-sex-the-plague-cx40-version-cop-international-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-cassandra-complex-death-sex-the-plague-cx40-version-cop-international-2024\/","title":{"rendered":"The Cassandra Complex \u2013 Death &amp; Sex\/The Plague (CX40 Version) \u2013 COP International 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/The-Cassandra-Complex-Death-Sex.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/The-Cassandra-Complex-Death-Sex.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6246\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/The-Cassandra-Complex-The-Plague-CX40-Version.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/The-Cassandra-Complex-The-Plague-CX40-Version.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6247\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Matthias Bosenick (27.03.2024)<br><br>Hier treffen gleich zwei unsch\u00f6ne Ereignisse aufeinander: das Comeback und die Neueinspielung alter eigener Songs. Im Falle von The Cassandra Complex, urspr\u00fcnglich aus Leeds, findet dies gottlob auf zwei verschiedene Alben verteilt statt: \u201eThe Plague\u201c ist das bereits vor zwei Jahren erschienene Comeback-Album, das jetzt zum 40. Bestehen der Wave-Electro-Rock-Band als remasterte \u201eCX 40\u201c-Version (dabei geht es um 40 Jahre Cassandra Complex, nicht um eine 40 Minuten lange Chromdioxid-Kassette) endlich auch auf Tontr\u00e4ger erscheint, und nur eine Woche davor haut eine um Rodney Orpheus neu formierte Band das 1993er Album \u201eSex &amp; Death\u201c in stark gek\u00fcrzter Form als \u201eDeath &amp; Sex\u201c neu raus. \u00dcberraschung: Das Comeback-Album ist ein Hammer, die Neueinspielung immerhin eine nette Spielerei.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon damals, in den Achtzigern und Neunzigern, wusste man The Cassandra Complex nie in Schubladen zu stecken: zu gitarrenlastig f\u00fcr EBM, zu elektronisch f\u00fcr Wave oder sonstigen Rock. Oder auch: zu experimentell und monoton f\u00fcr Synthiepop, zu poppig f\u00fcr Avantgarde. Und bald sogar noch zu heavy f\u00fcr alles davon. Und alles davon gibt\u2019s nun auf \u201eThe Plague\u201c, au\u00dfer heavy vielleicht, was dazu f\u00fchrt, dass das Album wie eine Art Best-Of mit neuen Songs wirkt \u2013 alles ist drauf, was man an The Cassandra Complex liebt. Die ihren Stil selbst \u00fcbrigens als Cyber Post Punk bezeichnen, irgendein Etikett muss ja her.<br><br>Gottlob ber\u00fccksichtigte Orpheus auch das bereits 2020 digital als Single ver\u00f6ffentlichte \u201eThe Crown Lies Heavy On The King\u201c; der den Inhalt zusammenfassende \u201eDestroy Donald Trump Mix\u201c verschwand indes irgendwann seitdem, was okay ist, weil es nun die bessere Version auf dem Album gibt. Auch der \u201eGraceland Mix\u201c der zweiten Vorabsingle \u201eHotline To Elvis\u201c ist nur noch digital zu finden. Nicht schlimm, die Version, die das Album er\u00f6ffnet, ist der gr\u00f6\u00dfere Knaller: tanzbarer Beat, geloopte E-Gitarren-Melodie, rockige Riffs, pluckernde Synthies (wie immer pluckern sie), angehobenes Tempo, krachende Melodie und Orpheus\u2018 durchdringender, charakterstarker Tremolo-Gesang. Ebenso knallt an dritter Stelle das genannte \u201eCrown Lies Heavy\u201c, das Bratzgitarren auf eine wundersch\u00f6ne Synthiemelodie legt und mit treibend wirbelndem Schlagzeug m\u00e4chtig waverockt.<br><br>Ein schneller Synthierocker ist \u201eOld Boys Network\u201c, das so beinahe auch von den ihrerseits stilpr\u00e4genden Epigonen The Fair Sex h\u00e4tte sein k\u00f6nnen und in Sachen Tempo, Punkigkeit und Energie den Blick am weitesten zur\u00fcck in die Anfangszeit von The Cassandra Complex richtet. In der Ballade \u201eThe Best Thing\u201c kommen Flanger-Gitarren zum Einsatz, die man so auch von The Cure kennt und die die klassische The-Cassandra-Complex-Elektronik begleiten. Auch die anderen Synthie-Sounds kennt man aus 40 Jahren CX, allerdings, und das ist das Bestaunenswerte, vorrangig aus der j\u00fcngeren Vergangenheit, also von \u201eThe War Against Sleep\u201c (1991) und \u201eWetware\u201c (2000), insbesondere die epischen Synthie-Balladen wie \u201eI Miss You\u201c mit wundersch\u00f6nen Melodien, die an die Komplement\u00e4re jener Alben ankn\u00fcpfen. Da wird die Band atmosph\u00e4risch, und das liegt ihr: Diese merkw\u00fcrdige Form von Reife, die in vielen Songs liegt, hatte Orpheus bereits vor \u00fcber 20 Jahren \u2013 obwohl er 1993 mit \u201eSex &amp; Death\u201c nochmal richtig die nagelbesetzte Keule rausholte. Dazu sp\u00e4ter mehr.<br><br>Erstaunlich ist, dass die Musik auf \u201eThe Plague\u201c \u2013 auch die elektronischen Anteile \u2013 so organisch klingt, denn eingespielt wurde sie quasi per Email. In der ersten Lockdown-Zeit begegneten sich Keyboarder, Drumcomputerprogrammierer und S\u00e4nger Orpheus, der in den zur\u00fcckliegenden 20 Jahren erfolgreich als Musiksoftwareentwickler arbeitete, und Gr\u00fcndungsmitglied, Gitarrist und Keyboarder Andy Booth und beschlossen, The Cassandra Complex zu reaktivieren. Dazu verpflichteten sie Gitarrist, Bassist und Keyboarder Volker Zacharias, der seit 1990 sowieso Bandmitglied ist, und Keyboarder Axel Ermes, seit 2007 im CX-Umfeld aktiv, die beide bei den CX-Verwandten Girls Under Glass spielen sowie jeweils weitere Gothic-Synth-Rock-Meilensteine in der Vita haben, Zacharias etwa Cancer Barrack und Ermes unter anderem Trauma. Eine vortreffliche Entscheidung, die zu einem Album voller Hits f\u00fchrte, das sogar ein Comeback rechtfertigt. Der gr\u00f6\u00dfte stilistische R\u00fcckgriff auf die eigene Vita erfolgt \u00fcbrigens mit dem Cover: Das zitiert jenes der als zweites Album aufgefassten 12\u201c-Compilation \u201eHello America\u201c aus dem Jahr 1987.<br><br>Und pl\u00f6tzlich kommt die Idee auf, das brutale Album \u201eSex &amp; Death\u201c aus dem Jahr 1993 neu einzuspielen, und zwar mit neuen Musikern. Neben Orpheus und Booth sind dies Gitarrist Chris Haskett, der schon mit Henry Rollins und Pigface spielte sowie live seine CX-Meriten verdiente, Cellistin Mera Roberts von Black Tape For A Blue Girl und The Last Dance sowie Keyboarder Brent Heinze von Probe7. Anlass sind die bereits im Umsetzung befindliche Welttournee und der Umstand, dass \u201eSex &amp; Death\u201c seinerzeit offenbar nur sehr limitiert herauskam und mit dieser Neuaufnahme weltweit verf\u00fcgbar gemacht werden soll. Merkw\u00fcrdig nur, dass der f\u00fcr \u201eThe Plague\u201c zur\u00fcck an Bord geholte Zacharias nicht dabei ist, obwohl er das Originalalbum mit komponierte und einspielte. Ebenso merkw\u00fcrdig ist, dass hier nur sieben der urspr\u00fcnglich elf bis 13 Songs ber\u00fccksichtigt sind, zudem in ver\u00e4nderter Reihenfolge: Es fehlen unter anderem Lieblinge wie \u201eThe War Against Sleep\u201c und das Suicide-Cover \u201eFrankie Teardrop\u201c.<br><br>Die erste sich aufdr\u00e4ngende Frage lautet nat\u00fcrlich: Braucht\u2019s das \u00fcberhaupt? Die Antwort lautet nat\u00fcrlich: nat\u00fcrlich nicht, aber jetzt ist es nun mal da. An den Songs gibt es nichts zu r\u00fctteln, die waren 1993 schon geil. Hier klingen sie aber anders, weniger druckvoll, daf\u00fcr elektronischer, weniger nach Metal und Industrial, mehr nach dunklem Wavepoprock. Den gr\u00f6\u00dften Unterschied macht \u201eKneel (To The Boss)\u201c, urspr\u00fcnglich ein brutaler Industrial-Metal-Brocken, jetzt fr\u00f6hlich entsch\u00e4rft (und um die Klammern im Titel beraubt). Zwar rockt die Band das St\u00fcck nach der H\u00e4lfte nochmal ordentlich raus, doch hat es nicht mehr die lebensverneinende Aggressivit\u00e4t. Es ist immer noch ein guter Song, tr\u00e4gt aber eine verschobene Stimmung, und genau dieses Gef\u00fchl zieht sich durch die gesamte Neuversion: Die Songs sind gut, aber die Stimmung hat sich ver\u00e4ndert, auch bei den synthiebasierteren Songs, wobei es mit Kenntnis des Originals nicht mal eindeutig bestimmbar ist, inwiefern \u00fcberhaupt. Es ist anders genug, um aufzufallen, wirkt aber mehr wie die Platte einer Cassandra-Complex-Coverband, der es an Wucht und Durchschlagskraft fehlt. Der Versuch, \u201eDeath &amp; Sex\u201c zu h\u00f6ren, als kenne man \u201eSex &amp; Death\u201c nicht, scheitert; in Anfl\u00fcgen bekommt man die Ahnung von einem okayen CX-Album, das dennoch an die Klasse von \u201eThe Plague\u201c lang nicht heranreicht.<br><br>Nett, mehr nicht \u2013 leider. Da w\u00e4re eine physische Ver\u00f6ffentlichung des bislang nur digital erh\u00e4ltlichen \u201eEverything I\u2019ve Always Wanted (Live In Berlin 2012)\u201c die interessantere Option gewesen. Lustig, lustig \u00fcbrigens: Auf Bandcamp verkauft Orpheus das Live-Album f\u00fcr \u00a36.66. Von seiner mehr als diskutablen Begeisterung f\u00fcr den Ordo Templi Orientis und Aleister Crowley l\u00e4sst sich der Thelemit offenbar immer noch nicht abbringen, so weit reicht es mit der Reife dann doch nicht. Daf\u00fcr aber musikalisch, \u201eThe Plague\u201c ist bombig, \u201eDeath &amp; Sex\u201c wenigstens gut h\u00f6rbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (27.03.2024) Hier treffen gleich zwei unsch\u00f6ne Ereignisse aufeinander: das Comeback und die Neueinspielung alter eigener Songs. 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