{"id":6242,"date":"2024-03-26T20:57:44","date_gmt":"2024-03-26T19:57:44","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6242"},"modified":"2024-03-26T20:57:44","modified_gmt":"2024-03-26T19:57:44","slug":"sleepytime-gorilla-museum-of-the-last-human-being-avant-night-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/sleepytime-gorilla-museum-of-the-last-human-being-avant-night-2024\/","title":{"rendered":"Sleepytime Gorilla Museum \u2013 Of The Last Human Being \u2013 Avant Night 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Sleepytime-Gorilla-Museum-Of-The-Last-Human-Being.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Sleepytime-Gorilla-Museum-Of-The-Last-Human-Being.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6243\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (26.03.2024)<br><br>Hier greift selbst die Kategorie Avantgarde viel zu kurz. Sicherlich machen Sleepytime Gorilla Museum aus Oakland in Kalifornien Rockmusik, irgendwo innendrin, aber drumherum passiert so viel experimentelles Zeug, dass es unbedarfte H\u00f6rende gar \u00fcberfordern d\u00fcrfte. Klassische Songstrukturen jedenfalls findet man selbst unter Riffs und Rock nicht, die Band bricht alles auf, verdreht es, f\u00fcgt Absonderliches hinzu und bleibt dabei mehr als nur genie\u00dfbar \u2013 das vierte Album \u201eOf The Last Human Being\u201c, das nun nach 17 Jahren Schein-Pause vorliegt, bietet eine eigenwillige Kunstmusik, die weit aus allen Schubladen herausragt und gro\u00dfe Freude bereitet. Es gibt auch mal gute Comebacks.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wie hat man allein diese Art Gesang vermisst! Nils Frykdahl singt eindringlich, mit Tremolo, fordernd, klagend, dominiert beinahe den Sound, und ab und zu beginnt er b\u00f6se zu growlen, zu grollen, zu grunzen. Er teilt sich das Mikro mit Carla Kihlstedt, und beide zusammen generieren einen krassen Druck allein mit dem Gesang. Beide bedienen zudem haufenweise Instrumente, und mit ihnen auf diesem Album Matthias Bossi, Michael Iago Mellender und Dan Rathbun. Man kann gar nicht aufz\u00e4hlen, was die f\u00fcnf hier alles anwenden, zum Teil auch noch selbstgebaut: neben Gitarre, Bass, Schlagzeug sind Piano, Saxophon, Cello, Orgel und Trompete noch relativ gew\u00f6hnlich, es reicht dar\u00fcber hinaus bis hin eher zu rockfernen Ger\u00e4tschaften wie die Nyckelharpa, den tibetischen Schellen Tingsha, der Laute, dem Blasinstrument Euphonium sowie Merkw\u00fcrdigkeiten wie The Sledge Hammer Dulcimer und M\u00fclltonnendeckel oder \u2013 Bauchspeicheldr\u00fcse, Titanic, Walhalla (dabei d\u00fcrfte es sich um das Wikingerboot handeln), Rad, Vatikan oder einfach nur Ding. Und ja, das meiste davon h\u00f6rt man auch wirklich heraus, au\u00dfer vielleicht die zuletzt aufgez\u00e4hlten \u2026 Dinge.<br><br>Hei\u00dft also erstmal: Rock\u2019n\u2019Roll, irgendwie. Doch die Rockmusik, die bisweilen sogar dem Metal nahekommt, bekommt hier eine ungewohnte Transparenz, eine Durchl\u00e4ssigkeit, als erhielte man die M\u00f6glichkeit, um die einzelnen Elemente eines St\u00fccks Rockmusik herumgehen und sie von allen Seiten betrachten zu k\u00f6nnen, w\u00e4hrend der Song auf die Zw\u00f6lf geht. Das zudem ja nie auf gewohnt strukturierte Weise, zudem bauen SGM immerfort komplett eigensinnige Passagen und ganze St\u00fccke ein, mit Blasmusik, Streichern, beklemmenden Minimal-Spoken-Word-R\u00e4umen, entr\u00fcckten Ambient-Fl\u00e4chen, am anderen Ende der Skala finden sich treibende Industrial-Trance-Tracks (wie \u201eS.P.Q.R.\u201c, das Cover von This Heat), fr\u00f6hlich-be\u00e4ngstigende Kirmes-St\u00fccke wie von Tom Waits (das Quasi-Titellied \u201eWe Must Know More\u201c etwa), unchilligen Offbeat und komplexe Kompositionen mit ordentlich Terror. Bei alledem wundert man sich, wie geil man das finden kann. Und wie wenig es so klingt, als l\u00e4gen zwischen \u201eOf The Last Human Being\u201c und dem Vorg\u00e4nger \u201eIn Glorious Times\u201c wirklich 17 Jahre, es kn\u00fcpft nahtlos an.<br><br>Im Jahre 2001 traten Sleepytime Gorilla Museum mit \u201eGrand Opening And Closing\u201c drei Jahre nach Bandgr\u00fcndung auf den Plan und sprengten damit schon s\u00e4mtliche Genregrenzen. Live m\u00fcssen sie noch viel ausufernder und kompromissloser sein, ein schwer erh\u00e4ltliches Dokument mit dem unmissverst\u00e4ndlichen Titel \u201eLive\u201c dokumentierte dies 2003. Ein Jahr sp\u00e4ter erschien mit \u201eOf Natural Histroy\u201c das zweite Studioalbum und 2007 eben mit \u201eIn Glorious Times\u201c das bis dato letzte, dazwischen 2005 die DVD \u201eThe Face\u201c. Klingt nach schnell zusammengesammelt, ist es aber nicht: Die Bandmitglieder toben sich auf so vielen Nebenschaupl\u00e4tzen aus, dass man den \u00dcberblick gar nicht behalten kann. Wichtig sind: The Book Of Knots (mit Kihlstedt und Bossi), Free Salamander Exhibit (die Pausenform von SGM mit Frykdahl, Rathun und Mellender sowie Ex-SGM-Musiker David Shamrock), Faun Fables (mit Frykdahl), Skeleton Key (mit Bossi, seinerzeit Kumpels von Les Claypool), Idiot Flesh (mit Frykdahl und Rathbun), Charming Hostess (mit Kihlstedt, Frykdahl und Rathbun), Cosa Brava (mit Kihlstedt und Bossi sowie auch Fred Frith) sowie Species Being (mit Ex-SGM-Musiker Frank Grau), Rabbit Rabbit (Kihlstedt und Bossi), Ridiculon (Bossi), Japonize Elephants (Mellender), Thinking Plague (Shamrock) sowie die Projekte von Ex-SGM-Musiker Moe Staiano wie Rova: Orkestrova (mit Kihlstedt und auch Fred Frith), Moe!kestra!, Office Chairs, Mute Socialite, Vacuum Tree Head oder Surplus 1980 und ganz besonders die sonstigen Beteiligungen von Kihlstedt wie 2 Foot Yard, Ben Goldberg Quintet, Carnival Skin, Crater, Folie \u00c0 Quatre, Insect And Western Party, Masaoka Orchestra (auch mit Trevor Dunn), Minamo, Redressers, Rova Channeling Coltrane (auch mit Fred Frith) und Tin Hat Trio, und wenn man in diesen ganzen Seitenarmen weiterguckt, braucht man einen neuen Raum allein f\u00fcr die Tontr\u00e4ger aus diesem Stammbaum.<br><br>So vielseitig Sleepytime Gorilla Museum sind, so kryptisch bleiben sie \u2013 textlich und in vielen \u00c4u\u00dferungen, das ist dann Teil des Gesamtkonzeptes. Man muss sich erheblich einarbeiten, etwa in die John Kane Society, auf deren Schultern das Crowdfunding zu \u201eOf The Last Human Being\u201c stattfand und das Marketing l\u00e4uft. Man k\u00f6nnte viele Mythen auch gepflegt als durchgescheppert betrachten, etwa die \u00fcber die Gr\u00fcndung des Museums 1916 oder dessen Namen und Zweck, und das soll auch so sein. Am Genuss der Musik \u00e4ndert das nichts: \u201eOf The Last Human Being\u201c widerlegt den Eindruck, Comebacks seien einfallslos und f\u00e4nden lediglich des Geldes wegen statt.<br><br>Das Doppel-Vinyl gibt\u2019s in diversen Farben, wie es heute \u00fcblich ist, und lediglich \u00fcber den Shop in den USA.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (26.03.2024) Hier greift selbst die Kategorie Avantgarde viel zu kurz. 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