{"id":6230,"date":"2024-03-25T21:21:41","date_gmt":"2024-03-25T20:21:41","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6230"},"modified":"2024-03-25T21:21:41","modified_gmt":"2024-03-25T20:21:41","slug":"christin-nichols-rette-sich-wer-kann-my-own-party-rec-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/christin-nichols-rette-sich-wer-kann-my-own-party-rec-2024\/","title":{"rendered":"Christin Nichols \u2013 Rette sich, wer kann! \u2013 My Own Party Rec. 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Christin-Nichols-Rette-sich-wer-kann.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Christin-Nichols-Rette-sich-wer-kann.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6231\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (24.03.2024)<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erinnere mich an 2022, eine meiner ersten Rezensionen hier, \u201eI\u2019m Fine\u201c von Christin Nichols, und nicht nur die Musik, sondern auch die Texte hauten mich damals um. Kann Nichols Zeilen wie \u201eIch hab auch kein Sex-Appeal und kein Verkehr, ich hab auch kein Backup gemacht, und die Milch ist schon wieder leer.\u201c (\u201eSieben Euro Vier\u201c vom besagten \u201eI\u2019m Fine\u201c-Album) noch irgendwie toppen?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ja, kann sie, und zwar schon im ersten St\u00fcck: \u201eRock ist kurz, Zeit ist knapp, muss mein Body Count noch checken, ich will leben als ob die AfD was dagegen h\u00e4tte\u201c und \u201eich gender Dich, bis Du wei\u00dft, wer bumsen will, muss freundlich sein\u201c t\u00f6nt Nichols auf \u201eBody Count\u201c, und ich feiere das. Die Musik ist zu Anfang des Albums wesentlich elektronischer als auf \u201eI\u2019m Fine\u201c, damit werde ich langsamer warm als mit den Lyrics, ist aber mehr als OK. Track 2 ist ein Duett mit Fatoni, und was dieser an Reimen raushaut, finde ich ebenso schr\u00e4g wie intelligent wie witzig: Er reimt \u201eGro\u00dfvater\u201c auf \u201eHochstapler\u201c, \u201eIch hab immer Recht\u201c auf \u201eRichard David Precht\u201c mit einer Nonchalance, als w\u00e4re da apselut nix bei, und das ist es auch nicht, es passt einfach und hat einen tollen Flow.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eMorgen willst Du mich\u201c wendet sich Christin Nichols dann von der Elektronik ab und dem 80er-Jahre-Indie-Pop zu: Viieel Bass, stimmungsvolle Synths und ein monotoner Gesang mit viel Hall. Und egal, wie viel Hall und wie viel Monotonie: Nichols\u2019 Stimme und ihre Art, zu singen, sind einfach wunderbar. Auf \u201eDirect Flight To Seattle\u201c, gesungen auf Englisch, kommt diese Stimme besonders wunderbar zur Geltung, und hier verschmelzen sich dann Elektronik und dieses 80er-Jahre-Ding zu einer supertollen Symbiose. \u201eKein Anschluss\u201c besch\u00e4ftigt sich mit Social Media und ist textlich nett, aber musikalisch daf\u00fcr gro\u00dfartig. Dezent jaulende 80er-Indie-Gitarren, Elektrobeat, Rhythmus und Melodie, die einen nicht loslassen, und dazu ein sch\u00f6n l\u00e4ssiger Gesang.<\/p>\n\n\n\n<p>So geht es weiter und weiter, musikalisch und gesanglich leistet sich Christin Nichols wieder einmal mehr keinen einzigen Durchh\u00e4nger, und die Texte lassen die H\u00f6renden immer wieder aufhorchen. \u201eKeiner kommt hier lebend raus \u2013 wer h\u00e4tte das gedacht? Du ertrinkst im Selbstmitleid, ich hab mich totgelacht\u201c ist so ein Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Von \u201eI\u2019m Fine\u201c kennen wir Christin Nichols als eine K\u00fcnstlerin, die passende und unter die Haut gehende Worte findet, wenn es gegen Frauenfeindlichkeit und sexualisierte Gewalt geht. Auf dem aktuellen Album werden diese Abartigkeiten auch wieder sehr ber\u00fchrend und deutlich aufgegriffen. Auf \u201eIn Ordnung\u201c, das auch dadurch eine beklemmende Stimmung erzeugt, dass die Geschichte abwechselnd aus weiblicher (Christin Nichols) und m\u00e4nnlicher (Julian Knoth) Perspektive erz\u00e4hlt wird, wobei sich beide am Ende mischen, was den beklemmenden Effekt nur unterstreicht: Zuerst die Frau: \u201eWenn das hier in Ordnung w\u00e4re, dann w\u00e4r\u2019s nicht, wie es ist. Wenn ich das wirklich sehen sollte, w\u00e4r hier auch Licht.\u201c Und dann der Mann: \u201eIch bin mir gar nicht so sicher, ob ich\u2019s wirklich sehen will. Weil ich dann was tun m\u00fcsste, also lass das Licht aus. Lass es dunkel. Halt bitte einfach still.\u201c Und dann beide: \u201eIch wei\u00df, ich wei\u00df, alles hat seinen Preis. Was soll das denn bedeuten, ich wei\u00df gar nicht, was das hei\u00dft. Gar nichts ist in Ordnung, und ich bin der Beweis.\u201c Es wird dann nicht mehr besser, es geht dann auch noch darum, dass alles \u201emal in Ordnung war\u201c, und besser und eindringlicher kann man das Thema \u201eNein hei\u00dft nein\u201c nicht auf den Punkt bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Album bleibt dann bis zum Ende sowohl musikalisch als auch textlich auf dem beschriebenen hohen Niveau und macht musikalisch Freude ohne Ende. Und wenn es dann noch alle Naselang textlich zum Nachdenken anregt oder sogar verst\u00f6rt, dann hat Christin Nichols echt mal wieder was gekonnt. Gro\u00dfartig!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (24.03.2024) Ich erinnere mich an 2022, eine meiner ersten Rezensionen hier, \u201eI\u2019m Fine\u201c von Christin Nichols, und nicht nur die Musik, sondern auch die Texte hauten mich damals um. 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