{"id":6121,"date":"2024-02-23T16:39:28","date_gmt":"2024-02-23T15:39:28","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6121"},"modified":"2024-02-25T21:19:30","modified_gmt":"2024-02-25T20:19:30","slug":"ava-trio-the-great-green-tora-records-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/ava-trio-the-great-green-tora-records-2024\/","title":{"rendered":"AVA Trio \u2013 The Great Green \u2013 Tora Records 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/AVA-Trio-The-Great-Green.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/AVA-Trio-The-Great-Green.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6122\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (23.02.2024)<br><br>Wie sehr das antike Griechenland kulturell orientalisch gepr\u00e4gt war, arbeitet das in Amsterdam angesiedelte und international besetzte AVA Trio auf seinem vierten Album \u201eThe Great Green\u201c heraus: Zu den Bariton-Saxophon-, Sackpfeifen- und Fl\u00f6tent\u00f6nen hat man Orientalischen Tanz vor Augen, die percussiven Rhythmen greifen diesen Eindruck auf, und dazu groovt der Bass. Das \u201eAVA\u201c im Bandnamen steht nicht von ungef\u00e4hr f\u00fcr Avantgarde: Grunds\u00e4tzlich operiert das Trio im Jazz, aber selbst dieses ohnehin schon f\u00fcr Grenzenlosigkeit bekannte Genre erweitert das Trio noch. Und erz\u00e4hlt die Geschichte von einem, der auszog, die Farbe Blau zu entdecken.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Sitzen drei Leute am Mittelmeer, das die antiken Griechen in Ermangelung eines Wortes f\u00fcr die Farbe Blau \u201eDas gro\u00dfe Gr\u00fcn\u201c nannten, packen ihre Instrumente aus und lassen sich von Ort, Wetter, Geschichte und Stimmung zu einer zeitlosen wie jetzigen Musik inspirieren, die irgendwo zwischen Olivenhainen, klassischen S\u00e4ulenruinen und schwer zug\u00e4nglichen K\u00fcstenabschnitten das beruhigende, ungest\u00fcme und unberechenbare Wesen des gigantischen Binnenmeeres zelebriert. Da die drei Musiker auf jedes moderne Mittel verzichten, k\u00f6nnte diese Musik auch genau so bereits 2400 Jahre alt sein, l\u00e4gen ihr nicht die kulturellen kompositorischen Entwicklungen der j\u00fcngeren Post-Jazz-Zeit inne. So kombiniert das Trio traditionelles Musikhandwerk mit dem freien Geist der Moderne, aber nicht mit der Technik. Die vier St\u00fccke h\u00e4tten auch genau so unter Oliven, im Garten in einem historischen K\u00fcstendorf oder am kargen Inselstrand eingespielt worden sein k\u00f6nnen.<br><br>Am meisten beeindruckt zun\u00e4chst die Wucht, mit der das Percussion schl\u00e4gt: Kein herk\u00f6mmliches Drumset, sondern eben Percussion, Rahmentrommeln und Tamburello spielt Pino Basile und holt da einen Wumms heraus, dass man sich zum Aufspringen und Zappeln gezwungen sieht. Dazu groovt Esat Ekincio\u011flu an seinem Kontrabass, und man w\u00fcrde ihm dabei auch mit Vorliebe noch zuh\u00f6ren, w\u00e4ren die anderen beiden Musiker gar nicht vor Ort. Was sie aber gottlob sind, und Giuseppe Doronzo hat gleich drei Instrumente mit: das Bariton-Saxophon, eine albanische Longar-Doppelfl\u00f6te und die iranische Sackpfeife Ney-anb\u0101n.<br><br>Ja, die Melodien k\u00f6nnten aus dem Orient sein, an mancher Stelle kennt man sie vergleichbar vom bundesdeutschen Mittelaltermarkt, man f\u00fchlt sich in den Vorderen Orient versetzt und dazu aufgefordert, sein Becken kreisen zu lassen und mit den anderen Anwesenden zu tanzen, wenn man nicht gerade mit ihnen Obst aus den B\u00e4umen pfl\u00fcckt und fr\u00f6hliche Getr\u00e4nke zu sich nimmt oder kontemplativ aufs Meer blickt. Dabei geleitet einen das Trio behutsam in die Szenerie, der Bass frickelt, die Percussion wummert, das Saxophon ert\u00f6nt versonnen, der Schellenkranz rasselt, das Ausgelassene wartet noch auf uns, das Experimentelle ebenso. Als Br\u00fccke in den Pop erinnert die Melodief\u00fchrung bisweilen an den Jazz von Morphine, das Trio selbst listet noch die aserbaidschanische Kunstmusik Maqam auf. Und dann wundert man sich: Das sind wirklich nur wieder drei Leute gerade, die diese Musik generieren.<br><br>Mit diesen vier Tracks erz\u00e4hlt das AVA Trio die Geschichte eines namenlosen Fischers, der auf \u201eDas gro\u00dfe Gr\u00fcn\u201c blickt und sich wundert, dass dieses Gr\u00fcn so anders aussieht als etwa das der Bl\u00e4tter an B\u00e4umen und B\u00fcschen. Er sch\u00e4rft alle f\u00fcnf Sinne und begibt sich auf eine psychedelische Suche nach der Wahrheit dieser Farbe. Ausgehend von den Tr\u00e4nen der \u201eDidima\u201c und \u00fcber ein verschlungenes Labyrinth landet er auf der verfluchten Insel \u201eTimanfaya\u201c. Nach seiner Rettung erkennt er vom Boot aus, dass der Ozean nicht gr\u00fcn ist, und feiert die Farben, die sich ihm offenbaren, die Schattierungen von Blau.<br><br>Ein Abenteuer, nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch, und dabei zug\u00e4nglich genug, um an den Experimenten des AVA Trios Freude haben zu k\u00f6nnen. Auch ohne das Wissen um die Hintergr\u00fcnde f\u00fchlt man sich in den Orient versetzt: das kann das Trio!<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.voordekunst.nl\/projecten\/16662-ava-trio-the-great-green-new-album#het-verhaal\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Link zum Album<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (23.02.2024) Wie sehr das antike Griechenland kulturell orientalisch gepr\u00e4gt war, arbeitet das in Amsterdam angesiedelte und international besetzte AVA Trio auf seinem vierten Album \u201eThe Great Green\u201c heraus: Zu den Bariton-Saxophon-, Sackpfeifen- und Fl\u00f6tent\u00f6nen hat man Orientalischen &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/ava-trio-the-great-green-tora-records-2024\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-6121","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6121","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6121"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6121\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6128,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6121\/revisions\/6128"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6121"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6121"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6121"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}