{"id":612,"date":"2013-10-09T14:05:59","date_gmt":"2013-10-09T12:05:59","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=612"},"modified":"2013-11-15T13:15:46","modified_gmt":"2013-11-15T12:15:46","slug":"der-schaum-der-tage-lecume-des-jours-michel-gondry-f-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/der-schaum-der-tage-lecume-des-jours-michel-gondry-f-2013\/","title":{"rendered":"Der Schaum der Tage (L&#8217;Ecume des jours) \u2013 Michel Gondry \u2013 F 2013"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-667\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Kino-Film1.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (09.10.2013)<\/p>\n<p>Ideenreichtum 100, Handlung 5. Kinophantast Michel Gondry verfilmt den Roman \u201eDer Schaum der Tage\u201c von Boris Vian aus dem Jahr 1946. Dabei will Gondry zu viel und bietet zu wenig. Trotzdem ist es okay, \u201eDer Schaum der Tage\u201c wenigstens einmal gesehen zu haben. F\u00fcr zweimal spricht die Neugier, herauszufinden, welche grandiosen Effekte man beim ersten Mal wom\u00f6glich verpasst haben k\u00f6nnte, dagegen spricht, dass man kein Interesse an den Figuren und deren Schicksal entwickelt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Handlung ist schnell erz\u00e4hlt: Mann und Frau verlieben sich, sie erkrankt und stirbt. Fertig. Damit sich daraus 90 bis 120 Minuten Film ergeben, je nachdem, ob man die franz\u00f6sische oder internationale Fassung sieht, ist die Geschichte vollgestopft mit unterhaltsamen Sachen. Zumindest am Anfang: Mit einem surrealen und humorvollen visuellen Overkill startet Gondry den Film, optisch und akustisch angesiedlet zwischen Romanentstehungs- und Jetztzeit. Die Wohnung der Hauptfigur ist ein zwischen H\u00e4user geklemmter Eisenbahnwaggon, angerichtetes Essen rotiert, die T\u00fcrklingel wetzt durch den Raum, eine Maus hat ein eigenes Haus, der Koch ist eigentlich Anwalt und l\u00e4sst sich von einem Fernsehkoch helfen, bei der Begr\u00fc\u00dfung sch\u00fctteln die Menschen ihre H\u00e4nde nicht, sondern drehen sie, die Menschen tanzen Chilston mit extrem langen Beinen, die Schlittschuhbahn-Ansagerin ist eine Kr\u00e4he, der Pastor traut dasjenige Paar, das beim Seifenkistenwettrennen am Altar gewinnt und und und. Hauptfiguren sind der wohlhabende Colin und seine Flamme Chlo\u00e9. Colins Freund Chick steht auf den Schriftsteller Jean-Sol Partre (jaja!) und l\u00e4sst daf\u00fcr seine Freundin Alise emotional darben. Der Koch Nicolas fungiert als kurioser und sympathischer Handlungsvorantreiber und Kommentator.<\/p>\n<p>Anfangs also kommt man aus dem Lachen und Staunen nicht heraus. Auch die Dialoge sind einfallsreich, Nicolas verabschiedet sich etwa von Chlo\u00e9 in einem Zug mit den Worten: \u201eMein Bahnsteig wartet.\u201c Sozialkritik gibt es, sobald Colin eine Arbeit sucht (\u201eSie sind ein Faulenzer, wollen Sie hier etwa Chef werden?\u201c) und bei einer R\u00fcstungsfirma Waffen ausbr\u00fctet. Doch als Chlo\u00e9 erkrankt, kippt Gondry den Film vom Surrealen in die Realit\u00e4t. Die Ideen werden weniger, die Farben auch, und Gondry begeht diverse Fehler. So nimmt man zun\u00e4chst s\u00e4mtliches Surreales als gegeben hin, doch l\u00f6st Gondry die Absurdit\u00e4ten nicht auf und verkn\u00fcpft sie nicht, sobald der Film ins Reale gleitet. Zum Beispiel erkrankt Chlo\u00e9, als eine Schneeflocke in ihren K\u00f6rper eindringt und ihr Herz einfriert. Ihre Erkrankung selbst ist jedoch sp\u00e4ter, dass sie eine Seerose in der Lunge hat. Das hat nichts miteinander zu tun.<\/p>\n<p>Die visuelle Kirmes unterbindet leider die M\u00f6glichkeit, dass man sich mit den Figuren identifiziert oder mit ihnen f\u00fchlt. Alles erscheint willk\u00fcrlich. Alise erschie\u00dft Partre, Chick sich selbst? Egal. Chlo\u00e9 stirbt? Na gut, darauf steuert es ja hin. Colin feuert Nicolas, die Maus putzt sich die Finger blutig, man wei\u00df irgendwann gar nicht mehr, warum was passiert, weil es weder im Surrealen noch im Realen schl\u00fcssig ist.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich erinnert \u201eDer Schaum der Tage\u201c an \u201eLove Story\u201c. Aber auch an andere Filme, die in ihrer Mitte eine Stimmungs\u00e4nderung haben. Etwa \u201eDas Leben ist sch\u00f6n\u201c, Roberto Benignis KZ-Dram\u00f6die, bei der dem Betrachter in der Mitte das Lachen im Halse steckenbleibt. Das geschieht so nicht bei \u201eDer Schaum der Tage\u201c, weil der Kontrast zu schleichend ist und die Figuren zu beliebig bleiben. Vielmehr beschleicht den Betrachter der Eindruck, Gondry habe sein visuelles Verm\u00f6gen am Anfang verpulvert und den Rest trotzdem drehen wollen. Andersherum w\u00e4re es wom\u00f6glich ergreifender gewesen: Ein trister, karger Start mit einem opulent \u00fcberbordenden Ende. Zumindest h\u00e4tte Gondry mit seinem Einfallsreichtum durchziehen sollen. So verl\u00e4sst man das Kino entt\u00e4uscht und der Geschichte gegen\u00fcber gleichg\u00fcltig. Immerhin, die guten Ideen des Anfangs bleiben haften.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (09.10.2013) Ideenreichtum 100, Handlung 5. Kinophantast Michel Gondry verfilmt den Roman \u201eDer Schaum der Tage\u201c von Boris Vian aus dem Jahr 1946. Dabei will Gondry zu viel und bietet zu wenig. 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