{"id":6117,"date":"2024-02-22T17:21:42","date_gmt":"2024-02-22T16:21:42","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6117"},"modified":"2024-02-22T17:22:26","modified_gmt":"2024-02-22T16:22:26","slug":"blackhole-factory-eisen-stein-blackhole-factory-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/blackhole-factory-eisen-stein-blackhole-factory-2024\/","title":{"rendered":"blackhole-factory \u2013 Eisen + Stein \u2013 blackhole-factory 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/blackhole-factory-Eisen-Stein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/blackhole-factory-Eisen-Stein.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6118\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Matthias Bosenick (22.02.2024)<br><br>Wir befinden uns in einer weltvergessenen Kathedrale und wir h\u00f6ren der Mutter Oberin dabei zu, wie sie die Geister der Moderne austreibt. So klingt \u201eEisen + Stein\u201c, der Zusammenschnitt zweier Performances, die das Duo blackhole-factory vor 14 Jahren in einer leeren MIAG-Industriehalle auff\u00fchrte, die direkt gegen\u00fcber ihrer damaligen Zentrale gelegen war, der Kunstm\u00fchle zu Braunschweig. Mit dem, was sie in der echoreichen Halle vorfand, generierte Elke Uterm\u00f6hlen ein dem Found-Footage-Industrial nahes Rascheln, Rasseln und Knallen und sang dazu wortlose Melodien. Martin Slawig nahm das Ganze auf, sonst w\u00e4re uns diese 22-min\u00fctige Erinnerung an diese f\u00fcr deren Verh\u00e4ltnisse bodenst\u00e4ndige Aktion entgangen. Eine Einladung zum gepflegten Gruseln!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ohne die Bilder dazu verl\u00e4sst man sich ganz auf sein Geh\u00f6r und die Erfahrungen, die man mit dem Horror-Genre so macht, ob Film oder H\u00f6rspiel: Die Fantasie rei\u00dft sich los und sieht sich in einer \u00fcberhohen Halle, deren Decke in der Dunkelheit verborgen bleibt. Man kann kaum wenige Schritte voraussehen und folgt einer k\u00f6rperlosen Stimme, die einen nur weiter ins Innere dieses einst sakralen Geb\u00e4udes lockt. Dabei veranstaltet die Stimminhaberin auch ohne K\u00f6rper allerlei Ger\u00e4usch, das sich nicht zuordnen l\u00e4sst und das klingt wie der Versuch, auch als metaphysisches Wesen einen Kontakt zum Irdischen zur\u00fcckzuerlangen. Als scheitere sie bei dem Versuch, Dinge aufzuheben, sie mit sich zu tragen, oder dabei, Ger\u00f6ll und Schutt zu \u00fcberwinden. Als schleppe sie Objekte mit sich, eher versehentlich als bewusst, und beschw\u00f6re dabei den Ort, sie freizugeben. Ganz so, wie sie selbst mal fokussiert, mal ungest\u00fcm ihren Weg durch den verw\u00fcnschten Raum fortsetzt, ert\u00f6nen auch die Ger\u00e4usche, die sie dabei erzeugt, wellenartig, mal komplett abwesend und reduziert, mal kakophonisch l\u00e4rmend; auch der Gesang pendelt zwischen versunkener Sch\u00f6nheit und qualvollem Schmerz. Das Ziel dieser Unperson ist nicht eindeutig: Lockt die die H\u00f6renden ins Elend, will sie ganz gegenteilig jeden davon abhalten, ihr zu folgen, beklagt sie lediglich ihren Zustand, beschw\u00f6rt sie tats\u00e4chlich etwas herauf oder will sie es endlich verbannen? Zum Schluss scheinen Glocken zu l\u00e4uten \u2013 selbst da ist unklar, ob es sich dabei um erl\u00f6sende kirchliche oder einen Sieg bekanntmachende Kriegsglocken handelt.<br><br>F\u00fcr die Verh\u00e4ltnisse von Elke Uterm\u00f6hlen und Martin Slawig sind die Versuchsaufbauten ungew\u00f6hnlich schn\u00f6rkellos: Komplett frei von manipulierter futuristischer Technik oder gar dem Internet beschr\u00e4nkten sie sich bei der Umsetzung von \u201eEisen + Stein\u201c am 26. und 27. Oktober 2011 ausschlie\u00dflich auf das, was in der leeren Industriehalle herumlag. Einiges davon kann man heraush\u00f6ren, aber f\u00fcr das Kopfkino ist es angenehm, im Unklaren zu bleiben. So bearbeitet Elke die Eisenplatte, die einen Schacht abdeckt, Heizk\u00f6rper, Rohre, Kies und Ziegelsteine und erhebt dazu ihre Stimme. Erstaunlich: Nicht mehr als der Raum, diese wenigen Gegenst\u00e4nde und des Menschen Gesang bilden die Basis zu dieser Soundreise. Dabei erl\u00e4utert das Duo in der Info sogar exakt, was Elke mit den vorgefundenen Elementen so veranstaltet, und das liest sich eher wie ein n\u00fcchterner Versuchsaufbau als wie das, was man am Ende zu h\u00f6ren bekommt: Kies gegen die W\u00e4nde geworfen, mit Stiefeln schnell auf Schotter oder auf einer wackeligen Eisenplatte umhergehen, zur Stimme einen Industrieheizk\u00f6rper bearbeiten, per Gesang den Raum in Bezug auf Hall, Polyphonie und Rhythmen erkunden, den Gesang am Ger\u00e4usch ausrichten, das sich ergibt, wenn ein Ziegelstein auf einer Eisenplatte bewegt wird. Aber doch, auch losgel\u00f6st vom Wissen einer Versuchsreihe liest sich dies wie die Aktionen einer Geisterscheinung.<br><br>Zus\u00e4tzlicher Grusel ergibt sich daher, dass der Ort der Aufnahme Anlass dazu gibt. Die Halle liegt gegen\u00fcber der Kunstm\u00fchle, die das Duo bedauerlicherweise nach zehn Jahren unl\u00e4ngst aufgab und Braunschweig verlie\u00df, und geh\u00f6rte zur MIAG, M\u00fchlenbau und Industrie Aktiengesellschaft. Eigentlich produzierte die MIAG Getreidem\u00fchlen, lie\u00df sich in den Vierzigern jedoch auch daf\u00fcr einspannen, Kriegsger\u00e4t herzustellen. Entsprechend wirkt das Abschlussl\u00e4uten auf \u201eEisen + Stein\u201c wie ein Fanal, wie das Aufb\u00e4umen gegen das Unabwendbare, wie der innere Zwang, sich der Realit\u00e4t zu stellen und endlich erl\u00f6st zu werden. Da schweigen die Ges\u00e4nge und in der Halle ist Ruhe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/blackhole-factory_eisenundstein\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/archive.org\/details\/blackhole-factory_eisenundstein\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Eisen + Stein<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (22.02.2024) Wir befinden uns in einer weltvergessenen Kathedrale und wir h\u00f6ren der Mutter Oberin dabei zu, wie sie die Geister der Moderne austreibt. 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