{"id":6114,"date":"2024-02-21T17:44:51","date_gmt":"2024-02-21T16:44:51","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=6114"},"modified":"2024-02-21T17:44:51","modified_gmt":"2024-02-21T16:44:51","slug":"solbrud-iiii-vendetta-records-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/solbrud-iiii-vendetta-records-2024\/","title":{"rendered":"Solbrud \u2013 IIII \u2013 Vendetta Records 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Solbrud-IIII.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Solbrud-IIII.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6115\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (21.02.2024)<br><br>Anstatt dass jeder der \u2013 alten! \u2013 vier Musiker der Kopenhagener Black-Metal-Institution Solbrud wie weiland Kiss ein eigenes Soloalbum herausbringt, bekommen sie alle jeweils eine LP-Seite des Doppel-Vinyls \u201eIIII\u201c zur Verf\u00fcgung (und ebenso eines der vier Elemente zugeordnet), um sich kompositorisch auszutoben. Das Ergebnis spricht f\u00fcr sich: Wer wei\u00df, was ein Veto so alles verhindert h\u00e4tte \u2013 so ist es eines der am weitesten die Grenzen verlassenden Black-Metal-Alben \u00fcberhaupt, mit Ausfl\u00fcgen in Progrock, Akustik-Folk und Classic Rock der Siebziger. Selbst die heute schon fast typischen Anteile an Ambient und Post Rock erweitern das eigene Spektrum der Band, dabei kommt der fl\u00e4chige, epische und blastbeatige Black Metal hier ebenfalls nicht zu kurz. Das Warten hat sich gelohnt!<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Mitten im br\u00fcllenden Opener \u201eHvile\u201c auf der von Schlagzeuger Throels Hjorth gestalteten A-Seite, Element Luft, f\u00e4hrt die Band pl\u00f6tzlich alle Systeme herunter und reduziert den L\u00e4rm auf \u2013 eine Akustikgitarre. Als w\u00e4re nichts gewesen, setzt die Band Melodie und Harmonie aus der Bewegung heraus mit diesen nicht-metallischen Mitteln fort, ver\u00e4ndert damit die gesamte Atmosph\u00e4re komplett, holt die H\u00f6renden aus der Trance heraus und schiebt sie in eine neue. Es passt so gut. So unerwartet gut. Und mit derselben kaum wahrnehmbaren Bewegung schwenkt die Band zur\u00fcck in den infernalischen Black Metal, mit s\u00e4genden Gitarren, Dreivierteltakt, Blast Beats und ausufernd keifendem Geschrei. Und weil Black Metal ja bekanntlich ein reines Gitarre-Bass-Schlagzeug-Ding ist, bringt der Komponist auch gleich noch so typische Instrumente wie Mellotron, Orgel, Zither und Streicher mit, klar. Hjorth beendet seine Seite mit dem fast schon poppigen \u201eT\u00e5ge\u201c, das einen mit seinen warmen Harmonien zu kopfnickbaren Beats beinahe vergessen l\u00e4sst, dass man sich immer noch mitten in einer Black-Metal-Platte befindet. Aber daran erinnert einen die Band schon rechtzeitig.<br><br>Der Bruder \u00fcbernimmt die B-Seite mit dem Element Wasser: Die birgt mit \u201eN\u00e5r Solen Brydes\u201c nur ein St\u00fcck, das aber aus vier Teilen besteht, da zieht Bassist Tobias Hjorth s\u00e4mtliche Register. Obwohl, das \u00fcbernimmt abermals sein Bruder an der Orgel. Der erste Teil ist eine knappe, dunkle Einleitung, dann brettert die Band im zweiten Teil wieder los. Wie immer bei Solbrud ist es wichtig, auf die Details zu achten: Einmal kippt der Blast Beat ganz kurz in einen groovenden Rhythmus aus dem klassischen Hard Rock. Beim zweiten Mal wird aus dem gesamten Track pl\u00f6tzlich ein progressiver Rocktrack, der Hall verfliegt, der Raum wird in die staubtrockene W\u00fcste verlegt. Pl\u00f6tzlich Stille. Dezidierte Riffs. Was kommt jetzt, \u201eRadar Love\u201c? Nein: weniger. Vereinzelte Riffs auf der Akustischen, Orgelsounds, dann wieder angeschlagene Rockgitarren, ganz kurz blitzt die Idee von Twin Guitars auf, dann bricht sich das eigentliche Genre wieder Bahn. Solche artfremden Elemente liegen wie Inklusen in einem Bernstein, fragile Sch\u00f6nheit von einer ausgeh\u00e4rteten Goldfl\u00fcssigkeit umschlungen. Und pl\u00f6tzlich singt Lea Emilie Dam, als h\u00e4tte sich das Familienkaffeetrinken in den Bandkeller verirrt und f\u00e4nde sich da trotzdem f\u00fcr alle \u00fcberraschend ganz gut zurecht. Und da hat der Track noch zwei Teile vor sich, die abermals dem klassischen progressiven Rock nicht abgeneigt sind. Das Solo! Und das Gewitter im Hintergrund w\u00fcnscht man sich beim H\u00f6ren beinahe in echt.<br><br>Seite C, Element Erde, mit \u201e\u00c6delr\u00e5d\u201c und \u201eSj\u00e6leskrig\u201c geh\u00f6rt Gitarrist Adrian Utzon Dietz. Ersteres beginnt noch wie eine sehr depressive Black-Metal-Blaupause, doch wiegt einen die Band damit nur in falscher Sicherheit: Nach f\u00fcnf Minuten zerbricht der Track, akustische Gitarren \u00fcbernehmen, der Song taumelt wie angeschossen in Richtung Classic Rock und kn\u00fcppelt dann zur\u00fcck in den Black Metal, in dem das Tempo eine warme Fl\u00e4che \u00fcberdeckt. Das letzte Drittel zerbricht den Track dann zu etwas Akustischem, das man f\u00fcr mittelalterlich halten k\u00f6nnte und das abermals zun\u00e4chst in Black Metal, dann in klassischen Rock \u00fcbergeht. Oder in beides. Deep Purple mit Blast Beats. Und dann der zweite Track \u2013 der beginnt mit: Twin Guitars. Wie bei Thin Lizzy. Alter! Und epischen raumgreifenden Harmonien wie fr\u00fcher bei Fleedwood Mac. Gegniedel und Wohlklang in h\u00f6chsten H\u00f6hen, alles instrumental. Man reibt sich verwundert und begeistert alle Ohren und fragt sich: Ist das noch Black Metal? Ja, bitte!<br><br>Die letzten drei St\u00fccke auf der D-Seite, und somit das Element Feuer, geh\u00f6ren dem, der nicht mehr da ist: S\u00e4nger und Gitarrist Ole Luk verlie\u00df Solbrud 2022 zugunsten seiner Projekte Afsky und Heltekvad, rund ein Jahr nach den Aufnahmen zu \u201eIIII\u201c. Mit \u201eEn Ild Som Tusind Sole\u201c und \u201eAske\u201c hinterl\u00e4sst er zwei Tracks, die sich formal an den Vorg\u00e4nger \u201eVemod\u201c aus dem Jahr 2017 anschlie\u00dfen und die epische Intensit\u00e4t des Post-Black-Metal vom Formate Solbrud weiterspinnen. Inmitten der Bretterpassagen bricht die Band auf klar gespielte, leere, karge Gitarren herunter und bl\u00e4st dann abermals zum Sturm. Darin bettet die Band atmosph\u00e4rische Fl\u00e4chen ein, deren W\u00e4rme der klassischen Black-Metal-K\u00e4lte gut zum Kontrast steht. Wie die Gitarren da ihre Haken schlagen, das ist schon irrwitzig schnell. Als Rauswerfer gibt\u2019s ein \u201ePostludium\u201c, das einmal mehr unerwartet klingt: ein Black-Metal-Disco-Trip, rhythmisch \u00e4hnlich dem Hit \u201eImmortal\u201c von Der Weg einer Freiheit.<br>So viele neue Aspekte in nur einer Band, die das Genre Black Metal mal eben gleichsam bedient wie umkrempelt. Mehr als anderthalb Stunden ist das Album lang, ein Brocken, der sich selbst zerbr\u00f6selt, der sich in Fragmente legt, der Ansatzpunkte liefert, sich immer wieder neu anzudocken, und der zwar herausfordert, aber belohnt. Gl\u00fccklicherweise ergibt die heterogene Herangehensweise ans Komponieren dennoch ein homogenes Album, das in sich geschlossen wirkt und gerade davon profitiert, dass die Auspr\u00e4gungen so divers sind, aber aus sich selbst heraus kommen; letztlich ist es ja die gesamte Band, die die St\u00fccke einspielt. Grandiose Idee, das Album auf diesem Weg anzugehen.<br><br>Zwischen den Aufnahmen und der Ver\u00f6ffentlichung stellten Solbrud den Nachfolger von Ole vor: David Hernan, eigentlich bei der Death-Metal-Band Bound Hands aus Aarhus, ebenso eigentlich T\u00e4towierer und damit eben auch Designer, was auf \u201eIIII\u201c zum Ausdruck kommen darf, dass er zwar an den Aufnahmen noch nicht beteiligt ist, aber am Artwork: Er gestaltete Miniaturen f\u00fcr die Inlays zu den vier LP-Seiten. Wie es kompositorisch und musikalisch mit ihm und Solbrud nun weitergeht, muss ds n\u00e4chste Album zeigen. Live zu erleben war er in Kopenhagen schon viele Male, auch die Pr\u00e4sentationsshow im heiligen Konzerthaus fand mit ihm statt.<br><br>Das Vinyl in Schwarz-Gold-Splatter ist bereits ausverkauft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (21.02.2024) Anstatt dass jeder der \u2013 alten! \u2013 vier Musiker der Kopenhagener Black-Metal-Institution Solbrud wie weiland Kiss ein eigenes Soloalbum herausbringt, bekommen sie alle jeweils eine LP-Seite des Doppel-Vinyls \u201eIIII\u201c zur Verf\u00fcgung (und ebenso eines der vier &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/solbrud-iiii-vendetta-records-2024\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,16],"tags":[],"class_list":["post-6114","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-vinyl"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6114","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6114"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6114\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6116,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6114\/revisions\/6116"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6114"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6114"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6114"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}